22. August 2017

Ohne Sneijder geht es nicht






Titel: Todesreigen
Autor: Andreas Gruber
Reihe: Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez
Band: 4
Seiten: 576
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3442483136








Maarten S. Sneijder ist nach seinem letzten Fall suspendiert. Seine Partnerin Sabine Nemez muss sich nun allein um eine Reihe mysteriöser Selbstmorde kümmern. Die Opfer: Kollegen vom BKA. Und sie alle haben eine gemeinsame, dunkle Vergangenheit.

"Todesreigen" ist der 4. Fall von Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder und lässt mich gelangweilt und enttäuscht zurück. Ich bin ein großer Fan der beiden, doch diesmal geht Andreas Gruber einen so offensichtlichen wie ausgetretenen Pfad, dass der Thriller nach über der Hälfte in die Ecke flog.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur Sabine Nemez, die mittlerweile allein ermittelt, sondern auch Hardy, der nach Jahrzehnten aus dem Knast entlassen wird und nun das Verbrechen aufklären will, für das er damals hinter Gittern musste. Die Grundidee klingt nicht neu, doch ich hatte große Hoffnung, dass Andreas Gruber mit seinen eigenwilligen Figuren eine spannende Geschichte daraus machen kann.

Doch dies war leider nicht der Fall. Maarten S. Sneijder ist durch seine Suspendierung zu einer Nebenfigur degradiert worden. Sabine Nemez mag ich zwar sehr, doch sie allein funktioniert einfach nicht so gut wie in der Hass-Kollegen-Beziehung mit Sneijder. Desweiteren pflastert der Autor den Weg seiner Ermittler mit brutal zugerichteten Leichen, lässt jedoch keine Spannung aufkommen. Die Todesfälle reihen sich aneinander, ohne dass mein Spürsinn geweckt wurde. Das lag zum großen Teil daran, dass ich als Leser durch Hardys Erzählstrang wusste, wohin die Reise geht. Diese Variante nahm mir persönlich die Spannung komplett. 

Ich merkte deutlich, dass der Autor einen neuen Weg gehen wollte. Für mich ist er damit gescheitert. Blutige Leichen, grausame Todesfälle und vor allem tote Polizisten bringen nur dann was, wenn auch die Story rundherum passt. Ich wusste schon relativ schnell, wer wirklich dahinter steckt und sah mich nach dem Querlesen auch bestätigt. So offensichtlich und damit langweilig war noch kein Gruber. Das war so schade!

Der Stil von Andreas Gruber ist sehr gut und flüssig zu lesen. Er erzählt detailgetreu, direkt und mitreißend. Doch auch das konnte die diesmal schwache Story nicht auffangen.

Fazit: ein Reigen zum Vergessen. Echt schade!


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15. August 2017

typisch englisch - zu still für mich








Titel:
 Abgott
Autor: Steven Dunne
Reihe: DI Damen Brook
Band: 3
Übersetzer: Juliane Pahnke
Seiten: 592
Verlag: Piper
ISBN: 978-3833310027






Es gibt Bücher, die passen zum Lesegefühl wie die Faust aufs Auge. Und es gibt Bücher, mit denen wird man nicht warm, obwohl man sich redlich Mühe gibt. "Abgott" von Steven Dunne gehört leider in die zweite Kategorie.

Der Thriller wird vom Verlag als der erste Band der DI-Damen-Brook-Reihe beworben. Dies entspricht nicht den Tatsachen. "Deity", wie das Buch im Original heißt, ist bereits der 3. Fall für Brook und seinen Partner. Dass dies nicht vom Verlag berücksichtigt wurde, empfinde ich als nachlässig, aber noch verschmerzbar.

Der Einstieg in die Geschichte ist Steve Dunne gut gelungen. Ich wurde neugierig und die ersten Seiten flogen nur so dahin. Bis die Polizei auf den Plan trat und der Autor zudem noch eine zweite, sehr komplexe Handlungsebene einbaute. 

Die Detectives sind typisch englisch gehalten: Ruhig, sehr konzentriert und wortkarg. Für mich transportierten sie dadurch zu wenig Spannung, zu wenig Nervenkitzel und ich verlor schnell das Interesse an dem Fall.

Auch die zweite Handlungsebene, die sich mit den Strukturen einer Jugendclique befasst, konnte mich nicht in ihren Bann ziehen. Ich liebe komplexe Geflechte in Thrillern. Doch diese sollten immer nachvollziehbar sein. Das war hier leider nicht der Fall. Ich kam recht bald mit den Namen, Zusammenhängen und generellen Interessen durcheinander, wusste nicht mehr, wer wen wann wie nicht mag und auch der Sinn des Ganzen erschloss sich mir nicht. Steve Dunne lieferte mir hier einfach zu wenig im Gedächtnis bleibende Eigenheiten seiner Figuren. Echt schade!

Und so kam es, dass ich das Buch beiseite legen musste. Ich fand keine Anziehungspunkte in der Geschichte, die Ermittlungen, obwohl noch am Anfang, interessierten mich nicht und auch der Täter ließ mich kalt. 

Fazit: Ich wollte es abgöttisch lieben. Daraus wurde nichts. 


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13. August 2017

Video-Calls des Todes







Titel:
 Death Call - Er bringt den Tod
Autor: Chris Carter
Reihe: Hunter und Garcia
Band: 8
Übersetzer: Sybille Uplegger
Seiten: 411
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3548289526








Tanya Kaitlin ist gerade mit dem Duschen fertig, als ihre beste Freundin sie per Video-Call anruft. Die junge Frau nimmt begeistert an und muss innerhalb von Sekunden erkennen, dass sie nicht mit ihrer besten Freundin, sondern mit einem Monster sprechen muss. Dieses droht, die Frau zu töten, wenn Tanya auf zwei simple Fragen falsch antwortet. 
Detective Robert Hunter und sein Partner Garcia werden zu einem blutigen Tatort gerufen. Mit jedem Ermittlungsschritt erkennen sie: Das Grauen hat eine neue Stufe erreicht!

"Death Call" ist der 8. Fall für Robert Hunter und Carlos Garcia und wieder mal konnten mich die beiden begeistern. Chris Carter zerrt seine Leser an den Rand des Wahnsinns, lässt sie in die Seele eines grausamen Täters blicken und schafft es dabei doch, dass man sich bei Hunter und Garcia sicher fühlt. Bravo!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur den Detectives bei ihren Ermittlungen, sondern lernt auch die späteren Opfer kennen. Und genau diese Mischung hat mich nicht mehr losgelassen. In einem Moment war ich fröhlich, weil die beste Freundin anrief und im nächsten litt ich mit dem Opfer Todesqualen, weil die angerufene Person nicht in der Lage war, 2 simple Fragen zu beantworten. Und dabei kamen mir direkt die Gedanken: Könnte ich diese Fragen beantworten? Könnte ich somit das Leben meiner besten Freundin retten? Kaum ein anderer Autor versteht es so gut, solch ein Gedankenkarussell auszulösen. Genial!

Robert Hunter und Carlos Garcia nehmen in diesem Band ihre gewohnten Rollen ein, allerdings verzichtet der Autor dieses Mal auf einen tiefen Blick in deren Privatleben. "Death Call" lebt vollkommen vom Fall und den Ermittlungen. Das fand ich toll. Ich mag beide Detectives sehr gerne und fühle mich bei ihnen, als wenn ich alte Freunde treffen würde. Und genau aus diesem Grund muss ich nicht jedes Mal wieder aufgeklärt werden, welche Fähigkeiten und Besonderheiten die beiden ausmachen. Hunter und Garcia konzentrieren sich vollkommen auf den Fall, zeigen selten private Momente und waren mir dennoch so nah wie schon lang nicht mehr. 

Die Story selbst ist von Beginn an packend, rasant und nichts für schwache Nerven. Ich habe das Buch im Dunkeln begonnen. Und mir wurde schnell klar, dass dies eine der dümmeren Ideen in meinem Leben war. Denn der Autor spielt gekonnt mit den Ängsten von Single-Frauen und überträgt die Bedenken, Vorstellungen und Unsicherheiten seiner Figuren direkt auf seine Leser. Zudem hat Chris Carter mit seinem Täter ein Monster erschaffen, das nicht auf viele, dafür aber auf perfide Morde setzt. So trieft dieser Thriller nicht vor Blut, aber vor Grausamkeit. Mein Kopfkino spielte verrückt und ich fieberte jedem neuen Kapitel entgegen, in der Hoffnung, dass die beiden Ermittler das Schwein endlich stellen.

Das Ende passt perfekt zum gesamten Buch und war für mich schlüssig, logisch und nachvollziehbar. Okay, Hunter begeht eine kleine Dummheit, aber auch die ist im Kontext durchaus zu rechtfertigen. Und das Tolle: Chris Carter lässt die Tür zu einem weiteren Teil sperrangelweit offen.

Der Stil des Autors ist leicht und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, ohne Schnörkel und mit genügend Details versehen, damit des Lesers Kopfkino sich eine eigene, blutige Welt zaubern kann. Großartig!

Fazit: Ich werde nie wieder Video-Calls annehmen. Eine klare Leseempfehlung!


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