17. Dezember 2017

Deine Vergangenheit lässt dich nicht los

Titel: Dort, wo du bist
Autorin: Jessica Winter
Verlag: Selfpublishing
Seiten: 302
ISBN:B0788W5J2P


Max ist ein gefeierter NFL-Spieler und muss mit dem größten Verlust seines Lebens klar kommen: Sein bester Freund Jeremy verstirbt nach schwerer Krankheit. Max steht der Witwe Jules und ihrer kleinen Tochter Hope bei, versucht, den Alltag erträglich zu machen. Am ersten Jahrestag des Todes begegnet Max unerwartet seiner Collegeliebe Andy. Und wieder ist der Schmerz da....

"Dort, wo du bist" ist der dritte Roman aus der Feder von Jessica Winter und hat mich sehr berührt. Obwohl ich Liebesromane meide wie der Teufel das Weihwasser, haben diese speziellen Geschichten einen ganz besonderen Platz in meinem Leseleben. Auch mit ihrem neusten Werk schafft es die Autorin wieder mich zu berühren, mitzureißen und zum Weinen zu bringen.

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen und sowohl von Andy als auch Max erzählt. Zum Einen befinden wir uns im Jahr 2036, als Max und Andy sich nach über 17 Jahren wieder begegnen. Zum Anderen begleitet man die beiden in ihrer Collegezeit 2019 und erfährt so Stück für Stück, wie sie sich kennen lernten und auch, warum ihre zarte Freundschaft keine Chance hatte. Diese Mischung aus Wissen, Nicht-Wissen, Andeutungen und tiefen Gefühlen hat mir sehr gut gefallen. Jessica Winter versteht es, ihre Geschichte authentisch und nicht klischeehaft süßlich wirken zu lassen. Großartig!

Mit Max und Andy erschafft die Autorin zwei Figuren, die ich von Grund auf verstehen konnte und wollte. Während er fokussiert durch sein Leben geht und ein wahrer Gentleman ist, zeigt sie dunkle und verletzliche Seiten. Doch die Beiden sind kein typisches Liebespaar oder 08/15-Romanheldengespann. Sowohl Andy als auch Max respektieren die Grenzen ihres Gegenübers, kommunizieren miteinander und lassen die Finger von Eifersuchtsdramen und "Ich mache mich rar, dann bin ich interessant" Mentalität. Und genau aus diesen Gründen habe ich die Zwei direkt ins Herz geschlossen und wollte Seite um Seite wissen, wie es mit ihnen weitergeht.

Die Story ist von Beginn an gefühlvoll, leise und dennoch unglaublich spannend. Schon zu Beginn hat mir Jessica Winter den Boden unter den Füßen weggezogen. Und mit jedem Kapitel mehr wuchs bei mir die Neugier, das Mitgefühl und auch manchmal die Wut auf Max und Andy. Ich habe mit beiden gelitten, gelacht, vor Freude gestrahlt und vor Kummer geweint. Das schaffen nur sehr wenige Autorinnen.

Der Stil von Jessica Winter ist leicht und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise wirkt wie eine warme Decke, unter die man sich kuschelt und den Lauf der Geschichte folgt.

Fazit: Ich bin hin und weg. Ohne Blut schafft Jessica Winter es dennoch, mich restlos zu begeistern. Eine klare Leseempfehlung.


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11. Dezember 2017

Verbrechen, die morgen schon vergessen sind







Titel:
 Memory Game
Autor: Felicia Yap
Übersetzer: Bettina Spangler
Verlag: Penhaligon
Seiten: 448
ISBN: 978-3764531829








London, 2015: Es gibt nur noch 2 Arten von Menschen. Monos, die sich nur an gestern erinnern können und Duos, die auch eine Erinnerung an vorgestern haben. Um ein normales Leben führen zu können, führen die Menschen gewissenhaft Tagebuch. Eines Tages wird eine weibliche Leiche entdeckt. Der Verdacht fällt auf Claires Ehemann Mark. Das kann sich Claire nicht erklären und gräbt in ihrer Vergangenheit. Was sie dort findet, schockiert sie...

"Memorygame" ist das Debüt von Felicia Yap und hatte mich aufgrund seiner Idee neugierig gemacht. Wie lebt es sich in einer Welt, in der man buchstäblich nur von Tag zu Tag leben kann? Bei der Lektüre merkte ich jedoch schnell, dass ich hier keinen Thriller, sondern einen ausschweifenden Roman vor der Nase habe. Die Autorin verliert sich in Kleinigkeiten, was für mich ermüdend war. Schade.

Die Geschichte wird kapitelweise von den Figuren selbst erzählt. Zum Einen ist da Claire, die sich als Mono nur an den vorangegangenen Tag erinnern kann und stark auf ihr Tagebuch angewiesen ist. Zum Anderen ist da ihr Mann Mark, der als Duo die Fähigkeit besitzt, sich an gestern und vorgestern zu erinnern. Hinzu kommt Hans, der als Ermittler im Fall der gefundenen Leiche eingesetzt ist und selbst mit seinem Schicksal als Mono zu kämpfen hat. Die vierte Perspektive wird durch Sophia erzählt. Durch sie bekommt man einen Einblick in die Vergangenheit. Ich fand die Idee, dass die Charaktere selbst ihre Geschichte erzählen, sehr gut und konnte mich auch schnell zurecht finden. Felicia Yap gelingt es hervorragend, ihren Figuren ein Gesicht und Charakter zu verleihen. Toll!

Zu Beginn empfand ich die ausschweifenden Schilderungen als sehr hilfreich. Denn so erfuhr ich detailliert, wie es sich mit einem so stark eingeschränkten Kurzzeitgedächtnis lebt und welche Auswirkungen das auf die Gesellschaft und das Leben an sich hat. 

Leider verpasst die Autorin den Punkt, an dem sie ihre Story straffen und rasanter hätte erzählen können. Denn durch die vielen Beschreibungen, kleinen Details des Alltags und die Reibereien zwischen den Figuren ging der Roman nicht voran. Selbst bei der Hälfte des Buches hatte ich das Gefühl, dass nichts passiert ist. Die Spannung, die ich noch zu Beginn verspürte, ging komplett verloren. Und so legte ich das Buch nach gut 2/3 zur Seite. Es passierte einfach nichts!

Der Stil von Felicia Yap ist gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist geprägt von Details, Einzelheiten und starken Emotionen. 

Fazit: Mit Schwung hätte ich das Memory Game gern zu Ende gespielt. So ist es leider ein Fehlgriff.


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10. Dezember 2017

Jede Lüge hat ihren Preis








Titel:
 Tick Tack
Autor: Megan Miranda
Übersetzer: Elvira Willems
Verlag: Penguin Verlag
Seiten: 432
ISBN: 978-3328101628








Vor 10 Jahren zog Nic weg aus ihrer Heimatstadt. Damals verschwand ihre beste Freundin Corinne von einem Tag auf den anderen. Durch einen familiären Notfall kehrt Nic in ihre Heimatstadt zurück und muss erkennen, dass Geheimnisse die Zeit überdauern...

"Tick Tack" ist der erste Thriller von Megan Miranda und konnte mich gar nicht überzeugen. Die Autorin landete mit ihrer Idee, die Geschehnisse zeitlich rückwärts zu erzählen, in den USA einen Überraschungserfolg. Für mich ging das Konzept nicht auf.

Die Geschichte wird von Nicolette, genannt Nic, selbst erzählt. Gemeinsam mit ihr kehrt man zurück in ein verschlafenes Nest, in dem nicht nur vor 10 Jahren ihre beste Freundin verschwand, sondern auch ganz aktuell eine junge Frau unauffindbar ist. Zufall? Daran glaubt Nic nicht und begibt sich auf Spurensuche.

Das Grundgerüst des Thrillers ist allseits bekannt und oft genug erzählt worden. Aber mit der Idee, die Ereignisse zeitlich rückwärts zu erzählen, war meine Neugierde geweckt. Und sie schlief beim sehr gewöhnungsbedürftigen Stil direkt wieder ein. Bei Nics Erzählungen hatte ich das Gefühl, ich erlebe die Welt durch Watte, Nebel und vor allem ohne Zusammenhänge. Mit jedem Kapitel mehr wuchs mein Unverständnis. Denn die Hauptfigur wirkt komplett unkonzentriert, was sich auch auf mich übertrug. Während des Lesens merkte ich immer mehr, wie meine Gedanken abdrifteten und ich das Interesse verlor.

Megan Miranda konnte mich nicht gefangen nehmen. Daher legte ich das Buch nach über einem Viertel zur Seite. Es passierte nicht wirklich etwas und die wenigen Highlights wurden mit so wenig Elan erzählt, dass ich auch Gras beim Wachsen zuschauen könnte.

Fazit: Tick Tack, vertane Lebenszeit. Ich kann das Buch nicht empfehlen.


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