23. Januar 2018

Dein Blut bestimmt dein Leben







Titel: Die rote Königin
Autor: Victoria Aveyard
Übersetzer: Birgit Schmitz
Reihe: Die Farbe des Blutes
Band: 1
Verlag: Carlsen
Seiten: 512
ISBN: 978-3551315724







In Mares Welt gibt es nur zwei Farben von Bedeutung: Rot und Silber. Ist dein Blut rot, bist du zum Dienen und Arbeiten verdammt. Ist dein Blut silber, genießt du den Status eines gottähnlichen Wesens. Mares Blut ist rot und sie kämpft mit ihrer Familie täglich ums Überleben. Durch einen Zufall gelangt sie an einen Job im Palast. Und zeigt dort Fähigkeiten, die man nur bei einer Silbernen erwarten kann. Kurzerhand wird Mare in das Königshaus integriert. Doch wie lang kann der Schwindel aufrecht erhalten werden?

"Die rote Königin" ist das Debüt von Victoria Aveyard und zugleich der Auftakt der "Die Farbe des Blutes" Trilogie. Obwohl das Grundgerüst der Geschichte schon hundertfach erzählt worden ist, nahm mich der Roman gefangen und bescherte mir ein paar aufregende Lesestunden.

Die Geschichte wird von Mare selbst erzählt. Als Rote kann sie nicht viel vom Leben erwarten. Im Gegenteil, sie ist zum Dienen, Kämpfen und Sterben verdammt. Doch die 17-Jährige hat einen großen Drang zur Rebellion. Und genau dieser Drang wird ihr gefährlich, als sie sich unter lauter Silbernen zurecht finden muss. Denn Mare zeigt Fähigkeiten, die eine Rote nie haben dürfte. Und ehe daraus ein Leuchtfeuer zum Aufstand der Roten wird, verfügt der König, dass die junge Frau am Hofe integriert wird. Natürlich inklusive Hochzeit mit der Nummer 2 der Thronfolge.

Zugegeben, zu Beginn musste ich teilweise sehr über den Aufbau der Geschichte grinsen. Ein Mädchen aus der Gosse zeigt auf wundersame Weise, dass sie anders ist und muss sich nun Hals über Kopf einer neuen Lebenssituation inklusive zweier attraktiver Prinzen, Intrigen und einer zickigen Konkurrentin stellen. Diese Erzählungen gab es schon hundertfach. Und dennoch hat mich Mare und ihr Kampf für ihre Überzeugungen faszniert und gefangen genommen. Positiv empfand ich zudem, dass sie trotz der beiden Prinzen einen einigermaßen kühlen Kopf behält und sich nicht hechelnd wie ein Schoßhund auf beide stürzt. Obwohl ich zu Anfang einige Vorbehalte gegen das vorlaute Mädchen hatte, schloß ich sie im Verlauf ins Herz und habe mit ihr die Hofetikette gelernt, gekämpft und geweint.

Die Story selbst ist spannend und rasant erzählt. Mare gewährt tiefe Einblicke in ihre Gedankenwelt, zeigt, dass sie von Unsicherheiten geplagt wird und ist erstaunlich reflektiert, was ihr Handeln angeht. Zudem ist sie realitätsbezogen und weiß genau um ihre Stärken und Schwächen. Das fand ich sehr gut. Obwohl ich manche Wendung vorausahnen konnte, hat mich die Autorin ein paar Mal überraschen können.

Das Ende von Band 1 empfand ich als rund und passend. Es gibt für die Fortsetzung genug offene Fäden. Jedoch werden ebenso viele lose Enden zusammengeführt, so dass der Schluss befriedigend ist.

Der Stil von Victoria Aveyard ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt, einnehmend und beinhaltet genau das richtige Maß an Emotionen. Klasse!

Fazit: Folgt der roten Königin! Ich kann das Buch, trotz des bekannten Aufbaus, empfehlen!


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21. Januar 2018

tödlich elektrisierend







Titel: Opferlämmer
Autor: Jeffery Deaver
Übersetzer: Thomas Haufschild
Reihe: Lincoln Rhyme und Amelia Sachs
Band: 9
Verlag: Blanvalet
Seiten: 576
ISBN: 978-3442374687






In New York wird ein Bus angegriffen. Doch der Täter nutzt dafür keine herkömmliche Waffe, sondern setzt das Gefährt unter Strom. Amelia Sachs und Lincoln Rhyme werden zu den Ermittlungen hinzugezogen. Wer manipuliert den Strom, um Menschen zu töten? Welches Ziel verfolgt der Täter? Und vor allem: Wie kann man ihn stoppen?

"Opferlämmer" ist der 9. Fall für das Duo Rhyme/Sachs und konnte mich wieder mal überzeugen. Jeffery Deaver greift in seinem Thriller eine Kraft auf, mit der wir uns tagtäglich umgeben und wendet sie als tödliche Waffe an. So schürt er die Angst bei seinen Protagonisten und Lesern. Klasse!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man großteilig Rhyme und Sachs bei ihren Ermittlungen. In einigen Kapiteln begleitet man Techniker und Elektriker in ihrem Arbeitsalltag und bekommt somit eine Ahnung davon, wie gefährlich dieser Job ist. Jeffery Deaver verwebt mit dieser Art der Erzählung geschickt Fachwissen und Spannung. Das mag ich sehr an seinen Werken.

Lincoln Rhyme ist mürrisch wie eh und je. Seine arrogante Art treibt mich gern mal zur Verzweiflung, bei diesem Fall jedoch hat sie sehr gut ins Bild gepasst. Zudem zeigt der im Rollstuhl sitzende Fachmann auch seine einfühlsame Seite. Etwas, das mich sehr überrascht hat. Denn ich hatte ihn bisher für einen emotionalen Eisklotz gehalten. Der Autor lässt seinen Figuren behutsam Änderungen angedeihen, die sie menschlich und realitätsnah wirken lassen. Großartig!

Die Story selbst nimmt langsam Fahrt auf, um dann den Leser aus den Socken zu hauen. Der Täter wird schnell ermittelt und ich hatte mich da schon gefragt, ob Deaver sich nun auf ein klassisches Katz-und-Maus-Spiel eingelassen hat. Doch bei ihm ist nichts, wie es scheint und so wartete der Roman mit einigen Überraschungen auf. Einige konnte ich mir vorab erschließen, doch in so manche Falle bin ich fröhlich reingetapst. Das passiert mir nicht mehr oft. Umso schöner, wenn mich doch noch ein Autor aufs Glatteis führen kann.

Das Finale ist großartig gelungen und hat mich zum Schluss lächeln und wehmütig werden lassen. Auch wenn ich die Folgebände schon kenne, habe ich mit Rhyme und Sachs gebangt, gelitten und geflucht.

Der Stil von Jeffery Deaver ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist detailgetreu, wo es sinnvoll ist und zieht seinen Leser durch trockenen Humor und auf den Punkt gebrachte Spannung in seinen Bann.

Fazit: Ich habe mich gern wie ein Lamm zur Schlachtbank führen lassen. Eine klare Leseempfehlung!


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19. Januar 2018

Verbrechen durch Raum und Zeit








Titel: Instabil - Die Vergangenheit ist noch nicht geschehen
Autor: Thariot und Sam Feuerbach
Verlag: Selfpublishing
Seiten: 412
ISBN: 978-1979346610









Patrick Richter wird mitten in der Nacht von einem Spezialkommando in seiner Wohnung festgenommen. Man wirft ihm die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Doch Patrick beteuert seine Unschuld. Niemand glaubt ihm. Einzig dem Ermittler Carsten Grünfeld kommen leise Zweifel. Jedoch verhallen diese ungehört und Richter soll nach Guantanamo ausgeliefert werden. In der Zelle passiert dann das Unglaubliche: Patrick verschwindet spurlos.

"Instabil – Die Vergangenheit ist noch nicht geschehen" ist der erste Teil einer Thrillertrilogie von Sam Feuerbach und Thariot. Leider konnte mich der Thriller mit den Zeitreiselementen nicht überzeugen. Die Autoren versuchen krampfhaft deutsche Schauplätze mit amerikanischer Action zu verbinden und scheitern dabei in meinen Augen am eigenen Anspruch.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man zum Einen Patrick Richter, der von jetzt auf gleich nach Guantanamo verschifft werden soll. Zum anderen lernt man aber auch Carsten Grünfeld und seinen Spezialtrupp kennen, die in Zusammenarbeit mit dem FBI Richter festsetzen sollen. Die Betonung liegt auf sollen, denn Richter verschwindet spurlos aus der Zelle und keiner weiß, wie er das angestellt hat. Dieses Szenario hat mich neugierig gemacht und ich war sehr gespannt, wie die beiden Autoren Action gepaart mit Zeitreisen und Spannung unter einen Hut bringen.

Leider scheitern die beiden für mich an ihren eigenen Zielen. Die Grundidee klingt sehr reizvoll, jedoch bleiben die Figuren sowie die Handlung für mich farb- und glanzlos. Ich konnte zu keinem der Charaktere wirklich eine Beziehung aufbauen. Das lag zum Einen daran, dass das Ensemble sehr stereotyp wirkt und mir die Gruppe der verschiedenen Charaktere (Unschuldiger auf der Flucht, Good Cop, arrogante Ermittlerzicke, FBI-Agent mit Wild-West-Manier) nur allzu bekannt vorkommt. Zum Anderen lernt man die handelnen Personen nicht wirklich kennen. Sie werden einfach ins Geschehen geworfen und bekommen nur so viel Kontur, wie es gerade zum Kontext passt. Sehr schade!

Auch die Story birgt nicht viel neues. Es gibt Verfolgungsjagden, Flüche und ganz viel "Wo zum Teufel bin ich eigentlich?". Diese Art der Geschichte habe ich vor einigen Jahren hundertfach gesehen und gelesen. Hier hätte ich mir mehr Vielfalt und Individualität gewünscht.

Desweiteren fehlte es mir an Glaubwürdigkeit. Zugegeben, dies bei einem Roman mit Zeitreisen zu verlangen, klingt paradox. Jedoch gibt es mittlerweile sehr gute und durchdachte Werke, die Zeitreisen auf ein einigermaßen wissenschaftliches Fundament stellen. Feuerbach und Thariot greifen hingegen auf einer eher zauberhafte Art des Zeitreisens zurück. Dies passt zwar zum Kontext des Thrillers, aber nicht mehr zu heutigen Erkenntnissen, wie solche Reisen theoretisch möglich wären.

Und so klappte ich das Buch nach knapp über der Hälfte zu. Weder Patrick noch sein Schicksal hatten mich in seinen Bann gezogen.

Der Stil der beiden Autoren ist gut und flüssig zu lesen. Sie halten sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf, sondern kommen direkt zur Sache. Und das knallhart.

Fazit: Für mich ein zu instabiles und zu bekanntes Gebilde. Ich kann das Buch nicht empfehlen.


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