16. Oktober 2017

Robert Langdon ist zurück!







Titel: Origin
Autor: Dan Brown
Reihe: Robert Langdon
Band: 5
Übersetzer: Axel Merz
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 668
ISBN: 978-3431039993







Professor Robert Langdon wird von seinem ehemaligen Studenten und guten Freund Edmond Kirsch nach Bilbao eingeladen. Grund: Eine Präsentation, die unser Verständnis von der Welt komplett über den Haufen werfen wird. Kirsch hatte seine Entdeckung kurz zuvor mit Vertretern der großen Kirchen besprochen. Und diese wollen um jeden Preis verhindern, dass die Welt davon erfährt. Dafür scheint jedes Mittel recht zu sein...

"Origin" ist mittlerweile der 5. Band um Robert Langdon aus der Feder von Dan Brown. Während der Autor in seinen ersten zwei Büchern sich an die Grundfesten der katholischen Kirche wagte, beschäftigt er sich in seinem neusten Buch mit den Fragen "Woher kommen wir?" und "Wohin gehen wir?" Mir hat der Roman sehr gut gefallen.

Die Geschichte wird wie gewohnt von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man sowohl Professor Langdon, der sich in Bilbao eigentlich nur die Präsentation seines ehemaligen Schützlings anschauen möchte als auch dem fiesen Gegenspieler, der genau diese Präsentation verhindern will. Diese Art des Erzählens ist typisch Dan Brown. Der Autor bleibt seinem Erfolgsrezept treu. Wer erwartet hat, dass Brown sich in der Hinsicht verändert, wird enttäuscht sein.

Ich bin ein sehr großer Fan Robert Langdons und freute mich auf neue Erkenntnisse in Sachen Symbole und deren Deutung. Leider kommt dieser Zweig zu kurz in diesem Band. Dies hat der Spannung aber nicht geschadet. Denn Robert muss sich dank Kirsch mit den zwei Fragen auseinandersetzen, die bisher nur durch die Religionen beantwortet wurden: "Woher kommen wir?" und "Wohin gehen wir?" Die Antworten darauf können die Welt verändern. Und so schwebt der Professor wieder mal in Lebensgefahr.

Und auch wenn die Spannung das ganze Buch über hoch war, hatte ich das Gefühl, dass es für Langdon diesmal ruhiger zuging. Während er im Da-Vinci-Code rätsel lösend durch die Lande hetzte, hatte er in Spanien mehr Zeit. Das fand ich toll und Robert wirkte nicht wie der Über-Professor, der alles aus dem Ärmel schüttelt. Klasse!

Die Story ist von Beginn an mitreißend und hat mich kaum losgelassen. Ich vermutete hinter jedem Hilfsangebot eine Falle, war erstaunt, wie schön und gleichzeitig geheimnisvoll Barcelona ist und rätselte mit Langdon, wie die Antworten auf die beiden Fragen aussehen könnten. Das Finale hat mich absolut überzeugt und ich empfand beim Lesen der letzten Seiten Hoffnung und Genugtuung. Das fand ich sehr gut gelöst.

Der Stil von Dan Brown ist leicht und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist fesselnd, detailverliebt und dennoch verständlich. Ich habe immer wieder die angesprochenen Gebäude gegooglet um mir die Orte besser vorstellen zu können. Dies tue ich äußerst selten und nur dann, wenn mich das Buch wirklich mitreißt.

Fazit: Robert Langdon ist zurück und verändert wieder mal die Welt. Ich kann das Buch wirklich empfehlen.




9. Oktober 2017

Seine Planung ist dein Tod









Titel: Angstmörder
Autor: Lorenz Stassen
Seiten: 352
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3453438798









Nicholas Meller ist ein mäßig erfolgreicher Anwalt. Dennoch bewirbt sich die Jurastudentin Nina um eine Referendarssstelle bei ihm. Schnell wird klar, Nina benötigt einfach nur Praxiserfahrung und genügend Zeit um sich auf ihr Examen vorzubereiten. Für Meller kein Problem, er selbst ist auch eher Fan seiner Playstation als seiner Mandanten. Bis ein ehemaliger Mandant wegen Mordes verhaftet wird. Nicholas und Nina versuchen alles, um die Unschuld des Mannes zu beweisen und geraten dabei ins Visier des Mörders...

"Angstmörder" ist das Debüt von Lorenz Stassen und hat mir, bis auf eine kleine Ausnahme, gut gefallen. Der Autor verwebt das Leben seines semi-erfolgreichen Anwalts mit einer Mordserie, deren Ausmaß kaum einer kennt. Toll!

Die Geschichte wird abwechselnd von Nicholas und von einem auktorialen Erzähler berichtet. Während man mit dem Anwalt über seinem ersten Mordfall brütet, bekommt man in anderen Kapiteln einen Einblick in die Welt des Täters und seiner Opfer. Dieser Wechsel der Blickwinkel hat mir sehr gut gefallen und ich war direkt gefangen von der Story.

Mit Nicholas Meller hat Lorenz Stassen eine streitbare Hauptfigur erschaffen. Auf der einen Seite hat der Anwalt das Herz am richtigen Fleck und wirkt situationsabhängig sympathisch, auf der anderen Seite zeigt er eine chauvinistische, machohafte und arrogante Art, bei der ich so manches Mal laut vor Missfallen geschnaubt habe. Ihm gegenüber stellt der Autor die körperlich behinderte Nina. Ihr fehlt seit Geburt ein Arm. Mit dieser Beeinträchtigung geht sie sehr souverän um und zeigt mit Humor und Sarkasmus, dass das Fehlen nicht so schlimm ist wie die teilweise Dummheit ihrer Umwelt. Im Zusammenspiel sind der Anwalt und seine Referendarin herrlich witzig und erfolgreich. Das mochte ich sehr.

Die Story ist von Beginn an spannend und fesselt sofort. Mit jedem Kapitel wird mehr und mehr klar, dass Meller und Nina einer Mordserie auf der Spur sind, die bisher unentdeckt blieb. Ich habe mit den beiden kombiniert, ermittelt und mit den Opfern des Mörders gehofft.

Auch der Täter war sehr interessant. Leider lässt ihn Lorenz Stassen zum Ende hin einen sehr fahrlässigen, schon dummen Fehler machen, der für mich einen Knick in dem ansonsten guten Thriller darstellt. Der Fehler musste sein, damit das Finale funktioniert, für mich war er jedoch zu durchschaubar und für den Täter einfach nicht typisch oder logisch. Das fand ich sehr schade.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, an den richtigen Stellen mit Humor gespickt und detailreich, ohne dabei ins Schwafeln zu kommen. Toll!

Fazit: Nicholas erwartet dich in seiner Kanzlei. Trotz kleinem Tief eine Leseempfehlung.


Neugierig geworden? Eine Leseprobe findet Ihr hier

7. Oktober 2017

Jeder an seinem Platz








Titel: Die Optimierer
Autor: Theresa Hannig
Seiten: 303
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3404208876










Europa im Jahr 2052. Die Bundesrepublik Europa, kurz BEU, ist das Paradies auf Erden. Jeder Bürger hat eine Aufgabe, jeder fühlt sich wohl und ist voll vernetzt. Samson Freitag ist einer der Beamten, die dieses erfüllende Leben möglich machen, denn er ist Lebensberater und verhilft Menschen zu der Aufgabe, für die sie bestimmt sind. Doch dann gerät Samsons Welt aus dem Tritt und er muss erkennen, dass das System nicht nur positives bereithält...

"Die Optimierer" ist das Debüt von Theresa Hannig und hat mich begeistert. Die Autorin erschafft eine vermeintlich positive Zukunftsvision, in die man sich hineinwünscht bis man erkennen muss, dass die Tücken hinter der Fassade lauern. Grandios!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man dem Lebensberater Samson Freitag und lernt so den Alltag in München kennen, genießt die Errungenschaften der Technik und sammelt Sozialpunkte. Diese Punkte sind wichtig für die Beförderung von Samson, für sein soziales Leben und seine Stellung in der Gesellschaft. Ohne diese Punkte ist  man ein Aussätziger mit beschränkten Rechten und starker Überwachung. Wer will das schon?

Freitag gehört zu den sehr gewissenhaften Bürgern: Überkorrekt, systemtreu und immer darauf bedacht, Gutes zu tun. Für mich war er trotz dieser Hörigkeit ein großer Sympathieträger. Und mein Mitgefühl wuchs, als Samson erkennen musste, dass seine perfekte Welt nur für den perfekt ist, der sich anpasst. Als seine Freundin ihn verließ, war das ein herber Schlag, aber noch verkraftbar. Als ihm dann auch noch unterstellt wird, er hätte einen Fehler in der Lebensberatung gemacht, bricht die heile Welt Stück für Stück auseinander.

Theresa Hannig hat mit ihrem Lebensberater eine Figur erschaffen, die man belächelt, in den Arm nehmen und teilweise schütteln möchte. Ich habe zu Beginn so manches Mal gedacht, was für eine hübsche Marionette Freitag abgibt. Doch mit jedem Schicksalsschlag zeigte Samson mehr Menschlichkeit, mehr Verletzbarkeit. Das fand ich toll. Erschreckend fand ich hingegen, wie grausam so eine perfekt durchdachte Welt werden kann. Da fröstelte es mich so manches Mal.

Die Story war von Beginn an fesselnd und hat mich begeistert. Dies lag vor allem an dem sich langsam offenbarenden Schrecken der Zukunft und Technik. Ich stand gemeinsam mit Samson ratlos da, konnte die Abhängigkeit von der Technik kaum glauben und erkannte doch so oft, wie wenig entfernt wir davon sind.

Der Schluss hat mich dann aus den Socken gehauen. Obwohl ich eine kleine Ahnung hatte, wie es ausgehen könnte, hat mich das Gesamtbild doch überrascht, nachdenklich gestimmt und begeistert. So wünsche ich mir Romane!

Der Stil von Theresa Hannig ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist detailreich, ohne sich zu verrennen und mitreißend, ohne den Leser zu hetzen. Toll!

Fazit: Jeder an seinem Platz, egal, wie sehr er sich dagegen sträuben möchte. Eine klare Lesempfehlung.


Neugierig geworden? Eine Leseprobe findet Ihr hier