Samstag, 21. Januar 2017

Edel Crime Night - Das kriminelle Rat Pack ist in der Stadt!




Hallo Ihr Lieben,

es war wieder so weit: im Berliner Kriminaltheater wurde es düster und blutig. Der Verlag Edel Elements lud zur Crime Night und da konnte ich als Blutfan natürlich nicht fehlen.

Die Ehre gaben sich diesmal Martin Krist, Debütautor Florian Schwiecker und Linus Geschke. Moderiert wurde der Abend von Karla Paul, der Velegerin von Edel Elements.

Den Lesungsreigen begann der böse Bube aus Berlin, Martin Krist. Er nahm die Zuhörer mit in sein neustes e-Serial "Brandstifter". Die Serie erscheint Mitte Februar und ich kann schon jetzt versprechen: es wird spannend. Der Autor las das erste Kapitel und man hätte eine Stecknadel fallen hören können. 


Nach den packenden Szenen entspann sich zwischen Martin Krist und der Moderatorin ein Gespräch um den Schreibprozess und die Ideenfindung. Der Autor berichtete von dem Gefühl, nach Fertigstellung eines Buches leergebrannt zu sein und dass jeder Roman bei ihm pures Handwerk ist. Seine beiden Kollegen konnten dem nur zustimmen. Es gibt Emotionen, die kennt wohl jeder Autor.

Als zweites las Florian Schwiecker aus seinem Debüt "Verraten". Ich selbst war von dem Buch null überzeugt, dennoch war es interessant zu hören, wie Florian auf seine Idee kam. Er war jahrelang als Strafverteidiger tätig, arbeitete in den USA und Kanada und trug die Idee zu seinem Thriller schon etliche Jahre mit sich herum. Florian gestand nach dem Lesen, dass er irre aufgeregt war. Dies hat man ihm aber kaum angemerkt. Es war herrlich menschlich.


Der dritte im Bunde war Linus Geschke. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bisher noch keines seiner Bücher gelesen habe. Aber das muss ich zwingend nachholen!! Linus überzeugte nicht nur mit seiner Kostprobe aus "Die Akte Zodiac" , sondern auch durch seinen Humor. Der Journalist verriet, dass er schon mal eine Figur einfach aus seinen Büchern herausschreibt, wenn sie ihm unsympathisch wird oder auch, dass die Charakterzüge seiner Freunde für Charakter in seinen Büchern herhalten müssen.


Und obwohl er eine Mordszene vorlas, schmunzelte das Publikum. Denn Linus Geschke gestand, bevor er anfing zu lesen, dass er sein neustes Buch selbst noch nicht gelesen habe. Und er fand es gar nicht so übel ;)

Der Abend war wunderbar. Eine Lesung mit 3 Autoren ist eine großartige Idee, denn so kann man nicht nur 3 Kreativen beim Lesen zuhören, sondern erfährt auch, wie unterschiedlich sie an ihre Werke gehen, wo sie ihre Schwerpunkte setzen und was sie vereint: die Liebe zum gedruckten Wort.


Ich kann jedem nur empfehlen, mal eine Lesung der Drei zu besuchen. Egal, ob sie gemeinsam unterwegs sind oder alleine. Mein Abend war, obwohl ich einen harten Tag hinter mir hatte, echt gerettet. 

Donnerstag, 19. Januar 2017

Wenn du eigentlich keine Rosen haben willst...

(Quelle: L.C. Frey)
Ich breche dich
(Walter - Sauer - Reihe Band 2)
von L.C. Frey 
( 283 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Jan Chernik durchlebt eine harte Trennung von seiner Freundin. So ganz hat er es noch nicht realisiert, da passiert das Ungeheuerliche: Katrina bringt sich selbst um. Jan stürzt in ein tiefes Loch und kann es kaum verarbeiten. Da entdeckt er ein kleines Paket. Der Inhalt: eine rote Rose aus Papier. Er ist erschrocken und wendet sich an die Polizei. Dort wird er belächelt. Bis auf Hauptkommissar Walter Sauer. Denn er erkennt die Rose aus einem Fall, der 12 Jahre zurückliegt. Ein Fall, der eigentlich abgeschlossen ist...

"Ich breche dich" ist der zweite Fall für Walter Sauer und hat mich wieder überzeugt. Zeitlich spielt dieser Band allerdings vor dem ersten Band, also obacht. L.C. Frey lässt dieses Mal seinen Ermittler an sich selbst zweifeln, führt uns in Abgründe des menschlichen Handelns und bleibt dennoch erfrischend realistisch.

Die Geschichte wird aus der Perspektive eines auktorialen Erzählers berichtet. Dabei folgt man sowohl Walter Sauer bei seinen Ermittlungen als auch Jan Chernik, der als eher mittelmäßiger Autor versucht sich über Wasser zu halten und dessen Leben mit dem Selbstmord seiner Freundin total aus den Fugen gerät. Zudem wirft L.C. Frey seine Leser in wenigen Kapiteln auch in die Vergangenheit. Der Grund erschließt sich erst zum Schluss. Diese Mischung hat mich gefesselt, auch wenn der Beginn Frey-untypisch sehr ruhig verläuft. Denn zunächst muss man mit Chernik den Tod verkraften und darum kämpfen, angehört zu werden. Auch Walter Sauer stürzt sich nicht direkt in die Ermittlungen, sondern fühlt vor. Doch das ist die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm.

Die Figuren sind nicht rund, sondern haben ihre Ecken und Kanten. Dabei spürt man vor allem bei Sauer, dass er aus den damaligen Fall noch immer nicht ganz verkraftet hat. Er ist vorsichtiger, selbstkritischer und wirkt in sich geschlossener. Als tollen Kontrastpunkt setzt der Autor da Jan Chernik, der sich nach anfänglicher Lethargie mit Feuereifer in eigene Ermittlungen zum Tod seiner Freundin stürzt. Als diese beiden starken Männer aufeinander treffen, passen sie wie Arsch auf Eimer. Obwohl ich Kombinationen aus Ermittler/Zivilist kritisch gegenüber stehe, schafft L.C. Frey es, das Gespann realitätsnah zu belassen und Chernik nicht zu einem geheimen Superermittler zu stilisieren. Klasse!

Die Story beginnt, wie schon geschrieben, recht ruhig, entwickelt aber einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Denn mit jeder Seite, mit jedem Kapitel merkte ich, dass hinter all dem viel mehr steckt, als ich zunächst dachte. Und es wurde grausamer, als ich es mir zunächst vorstellen konnte. Hier führte der Autor mich geschickt an der Nase herum.

Das Finale ist dramatisch, aber passend. Auch wenn die Lösung nicht überraschend war, passte sie sehr gut zum gesamten Thriller. Ingesamt bin ich sehr zufrieden mit der Lektüre.

Der Stil von L.C. Frey ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ich kenne einige Werke von ihm und bin immer wieder erstaunt, wie leicht er zwischen Ausdrucksweise, Detailreichtum und Direktheit wechseln kann. Wer Herb gelesen hat, weiß, was ich meine.

Fazit: Sauer zum zweiten. Strike! Ich kann es einfach nur empfehlen.

Dienstag, 17. Januar 2017

Ein neues Team, eine neue Mordserie

Schwarzes Netz
(Jordan - Hill - Reihe Band 9)
von Val McDermid
(464 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Carol Jordan genießt ihr Leben ohne Polizei auf dem Land. Nur sie, ihr Hund und die Scheune ihres verstorbenen Bruders. Doch es gibt noch einen Gefährten in ihren einsamen Stunden: den Alkohol. Und das kann Dr. Tony Hill, der sich immer noch um seine nicht ganz so heimliche Liebe sorgt, nicht zulassen. Ein zäher Kampf beginnt. Und er muss schnell ausgefochten werden, denn in Bradfield geschehen seltsame Selbstmorde...

"Schwarzes Netz" ist der 9. Fall für Carol Jordan und Tony Hill und er hat mir gut gefallen. Val McDermid legt in diesem Thriller das Hauptaugenmerk auf die menschliche Seite ihrer beiden Hauptfiguren. Die Ermittlungen geraten dadurch stark, in manchen Szenen zu stark, in den Hintergrund.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Zu einem großen Teil folgt man Tony Hill und Carol Jordan bei ihren privaten Auseinandersetzungen und späteren Ermittlungen. Einige Kapitel sind dem Täter und seiner Denkweise gewidmet. Diese Mischung fand ich toll, denn so konnte ich bei den einzelnen Ermittlungserfolgen erkennen, wie nah das Team dem Täter wirklich ist. Toll!

Für mich war der 9. Fall ein großes Wiedersehensfest. Endlich kamen alle Figuren wieder zusammen um gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Dabei ließ die Autorin jedoch keine Schwäche außer Acht. So formte sich eine Gemeinschaft, die durchaus realitätsnah und menschlich wirkt. Val McDermid erschafft keine übergroßen Starermittler, sondern präsentiert jedes Teammitglied, besonders aber Carol Jordan, mit menschlichen Schwächen und Fehlern. Dies alles beschreibt sie aber unaufdringlich und ohne moralischen Zeigefinger. So macht das Lesen Spaß.

Die Story war von Beginn an spannend, wenn auch nicht thrillerartig. Ich würde diesen Band eher einen Roman mit Krimielementen nennen. Denn gut 2/3 des Buches geht es um Carol, ihre Alkoholsucht und die Folgen. Erst im letzten Drittel findet so etwas wie eine Ermittlung statt, die dann aber teilweise zu glatt und reibungslos verläuft. Hier hätte ich mir eine Kürzung im ersten Teil zugunsten der Spannung im letzten Teil des Buches gewünscht. Die Lektüre hat mir dennoch Freude bereitet, keine Frage. Aber es ist eben nicht der gewohnte McDermid-Thrill, sondern einfach ein aufrüttelnder Roman, der sich gut als Zwischenstück zwischen 2 Fällen beschreiben lässt.

Das Finale ist gewohnt bodenständig, logisch herbeigeführt und großartig in Szene gesetzt. Die Ermittlungen laufen zusammen und lassen nur einen Schluss zu. Ich persönlich habe mich sehr gefreut, dass hier Tony Hill sein Können unter Beweis stellen durfte.

Der Stil von Val McDermid ist einfach und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt, detailreich, wo es nötig ist und in keinem Punkt überladen. Klasse!
Fazit: Tony und Carol sind zurück. Und sie können es noch. Für Fans eine klare Leseempfehlung.

Freitag, 13. Januar 2017

wahrhaftiger Verrat am Lesespaß

Verraten
(Luk-Krieger-Reihe Band 1)
von Florian Schwiecker
(288 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Mitten auf dem Kurfürstendamm in Berlin explodieren in einem Café zwei Bomben. Agent Luk Krieger, der sich im Café mit einem Informanten treffen wollte, kommt knapp mit dem Leben davon. Hatte es der Attentäter auf ihn abgesehen oder ist doch alles nur großer Zufall? Wer steckt hinter dem Anschlag? 

"Verraten" war mein erster Thriller von Florian Schwiecker und wird auch mein letzter sein. Denn der Autor hat so viel Leidenschaft beim Erzählen wie ich beim Mandarinen schälen. Da kann auch die Story um einen Agenten in Deutschland nichts retten.

Die Geschichte beginnt im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Paukenschlag. Florian Schwiecker wirft seine Leser mitten in einen Bombenanschlag und lässt sie, wie seine Hauptfigur Luk Krieger, verwirrt und desorientiert zurück. Die Idee zum Einstieg hat mir super gefallen und ich hatte mich schon im Vorfeld sehr auf die Lektüre gefreut. Doch mit jeder Seite mehr merkte ich, dass der Autor bestimmt vieles super kann, nur eines nicht: erzählen.

Denn obwohl der Anschlag mitten in der Hauptstadt stattfindet, es massig Opfer gibt, empfand ich bei den Beschreibungen gar nichts. Florian Schwiecker schaffte es nicht, Atmosphäre aufzubauen und mich mit den Opfern gemeinsam leiden zu lassen. Noch bevor ich wusste, wo ich bin, war auch schon die Action da. Ich mag es rasant, doch das war für mich eher mit dem Holzhammer und dem gesamten Zaun erschlagen. Das wäre noch nicht so schlimm gewesen, wenn es danach wenigstens spannend weitergegangen wäre.

Doch da wurde ich ebenso enttäuscht. Luk Krieger wird als DER Über-Agent dargestellt. Das ist okay und würde passen, wenn eben das Gesamtwerk stimmig wäre. Doch das ist es nicht. Die Erzählweise von Schwiecker erinnerte mich großteilig an einen Schulaufsatz: hölzern, statisch, nicht packend. Er beschrieb die Handlungen exakt so, wie man sie durchführen würde. Emotionen, Spannung, Abwechslung? Leider Fehlanzeige.

Und so flog dieses Buch nach gut 50 Seiten in die Ecke. Ich konnte es einfach nicht lesen. Echt schade, denn es hätte so viel aus der Geschichte gemacht werden können.

Fazit: ich fühle mich verraten! Keine Empfehlung.