31. August 2014

Wenn die Seen still sind...

Still
von Zoran Drvenkar

Eine Leseprobe findet ihr hier

In Berlin und Umgebung verschwinden immer wieder Kinder. Immer im Winter. Und sie kehren nie zurück. Bis auf eine: Lucia. Wo war sie? Was ist passiert? Das alles will die Welt erfahren, doch Lucia schweigt für lange Zeit.
Mika Stellar sucht Anschluß bei 4 Männern, die eine besondere Vorliebe für Kinder haben. Doch sein Ziel sind nicht die Opfer, sondern die Täter.

"Still" war mein erster Thriller von Zoran Drvenkar, obwohl ich dem Namen des Autors schon öfters begegnet bin. Sein neustes Werk hinterlässt mich erschüttert, berührt und begeistert.

Vorab sei direkt eine Warnung beziehungsweise ein Hinweis ausgesprochen: wer Bücher meidet, in denen Verbrechen an Kindern begangen werden, sollte um "Still" einen großen Bogen machen. Zwar geht der Autor nicht in die Details, überlässt dafür aber sehr viel der Fantasie seiner Leser.

Der Thriller wird aus 3 Perspektiven erzählt: einmal aus der Erzählerperspektive, bei der man einer Gruppe von Männern folgt, zum Zweiten wird der Leser direkt angesprochen und erlebt somit das Schicksal von Lucia hautnah mit und zum Dritten kommt Mika Stellar selbst zu Wort. Diese 3 Perspektiven machen das Werk so außergewöhnlich und so erschütternd. Denn das Schicksal von Lucia ist kein leichtes und wenn man dann noch direkt als Leser angesprochen wird, kann man gar nicht anders, als sich dem Sog zu ergeben.

Die Geschichte ist spannend und mitreißend erzählt. Dabei wird Zoran Dvrenkar aber keinesfalls reißerisch oder blutrünstig. Im Gegenteil: er berichtet im ruhigen, fast sachlichen Ton und lässt dadurch die Verbrechen, die im Raum stehen, noch brutaler wirken. Und man bekommt einen Einblick in die Denkweise der Täter, kann ihre Herangehensweise nachvollziehen und ekelt sich schon bald vor sich selbst, weil man den Gedanken so gut folgen kann.. Hier hat der Autor ganze Arbeit geleistet. Der Thriller selbst und der Aufbau sind so gut, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Allerdings musste ich so manches Mal tief durchatmen. Das schaffen nur wenige Autoren bei mir.


Fazit: ein brillianter Thriller, der mich überzeugt hat. Wer mit dem Grundthema klar kommt, sollte unbedingt zugreifen.


Ein großes Dankeschön geht an Eder & Bach für die Zurverfügungstellung des Buches.

29. August 2014

Blutig, spannend und einfach fesselnd

Mein bist du
von Luke Delaney

Eine Leseprobe findet ihr hier

Ein junger Mann wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Der Tatort lässt auf eine Beziehungstat schließen. Doch DI Sean Corrigan entdeckt schnell Ungereimtheiten. Und tatsächlich stellt der Forensiker kurze Zeit später fest, dass nichts so ist, wie es scheint. Wer hat den jungen Mann getötet und warum?

"Mein bist du" ist das Debüt von Luke Delaney und es konnte mich von der ersten Seite an überzeugen. Der Autor, der unter einem Pseudonym schreibt, kommt selbst aus dem aktiven Polizeidienst und weiß somit, wovon er schreibt.

Der Thriller beginnt direkt mit einem Paukenschlag: der Täter erzählt aus seiner Sicht, was ihn antreibt. Im weiteren Verlauf wechseln die Perspektiven. Der Täter darf immer aus der Ich-Perspektive erzählen, während man die Ermittlungen aus der Erzählerperspektive verfolgt. Dieser Wechsel hat es mir angetan und mich gefesselt. Zudem kann Luke Delaney aus meiner Sicht sehr gut die Überzeugungen des Mörders darstellen. Ein grausiges, aber zugleich spannendes Erlebnis.

Der Ermittler Sean Corrigan steht im Mittelpunkt des Thrillers und bringt, wie fast schon typisch für Polizisten in Thrillern, sein eigenes, privates Päckchen mit. Allerdings leidet er darunter nicht so extrem, wie es seine Kollegen in anderen Büchern tun. Das hat mir gefallen. Zudem wirkt Corrigan bodenständig, menschlich und macht Fehler. Er ist also kein Super-Cop, aber auch keiner, der kurz vor dem Ausschluss aus dem Polizeidienst steht. Damit hat der Autor für mich eine sehr gute Hauptfigur erschaffen.

Die Geschichte selbst ist spannend und rasant erzählt. Zur Mitte hin kommt man als Leser mal zum Atem, da auch die Ermittler sowie die Verfolgten ihre Strategien planen und abwarten. Danach nimmt der Thriller wieder Fahrt auf und bis zum Schluss konnte ich mich nicht mehr losreißen. Toll!

Der Stil von Luke Delaney ist sehr gut und angenehm zu lesen. Er spart nicht an Details, auch nicht an blutigen, dennoch schlachtet er diese nicht so aus, wie ich es von so manchem amerikanischen Autor gewohnt bin. Seine Erzählweise selbst ist unaufgeregt, was mir sehr gut gefallen hat.


Fazit: endlich mal wieder ein gelungenes Thriller-Debüt, das mich auf mehr hoffen lässt. Eine klare Leseempfehlung!

27. August 2014

Wenn das Leben nur noch einen Ausweg bietet...

Dann mach ich eben Schluss
von Christine Fehér

Eine Leseprobe findet ihr hier

Max ist tot. Gegen einen Baum gerast. Mit seiner Schwester, seinem besten Freund und seiner Freundin im Auto. War es Selbstmord oder doch ein Unfall? Was hat Max dazu getrieben? Und: hätte es verhindert werden können?

"Dann mach ich halt Schluss" ist ein Jugendbuch von Christine Fehér und beschäftigt sich mit dem schweren Thema Suizid und dessen Auslöser. Das Buch hat mich bewegt, teilweise so stark, dass ich beim Lesen pausieren musste.

Die Geschichte wird von verschiedenen Personen erzählt. Zu Wort kommen Max' bester Freund Paul und seine Freundin Annika, seine Eltern, seine Schwester Natalie sowie sein Mathelehrer Herr Brückner. Jeder erzählt aus seiner Perspektive, wie er Max erlebt und kennengelernt hat, jeder erhebt Vorwürfe, ob nun gegen sich oder andere. Und nur bei einigen reift die Erkenntnis, dass sie mehr hätten tun können, dass sie hätten fragen müssen, als Max ganz unten war. Diese Kapitel zeigten, mit welchen Fragen die Überlebenden zu kämpfen haben, welche Anklagen sie gegen sich selbst erheben. Und über allem steht nur eins: WARUM?

Auch Max selbst kommt zu Wort. Und in seine Beschreibungen konnte ich mich sehr gut hineinversetzen. Er ist sensibel, schüchtern und ruhig. Max will nicht kämpfen, er will einfach nur das machen, was ihm Spaß macht. Doch da sind die Erwartungen seines Vaters, die Ansprüche seiner Freundin und sein bester Freund, der einfach nur ein Überflieger ist. Und allen will Max es recht machen, ohne dabei auf sich zu achten. Das hat mir stellenweise die Tränen in die Augen getrieben.

Der Stil von Christine Fehér ist sehr gut zu lesen. Ihre Erzählweise drückt genau die Schwere aus, die nach so einem Tod bleibt und sie bringt die Verzweiflung von Max so emotional und natürlich rüber, dass ich einfach nur noch mitfühlen und mitleiden konnte.

Das Buch ist zwar für Jugendliche geschrieben, sollte aber auch von den Eltern beziehungsweise von Erwachsenen generell gelesen werden. Denn die Autorin schafft es sehr gut, den Druck, unter dem Max leidet, darzustellen. Vielleicht findet sich der ein oder andere darin wieder und erkennt, dass es auch andere Wege als den endgültigen gibt.


Fazit: ein mehr als bewegendes, aber kein leichtes Jugendbuch. Eine klare Leseempfehlung dennoch von mir!

26. August 2014

Roswell war nur der Anfang

Rho Agenda - Das zweite Schiff
(Rho-Agenda-Reihe Band 1)
von Richard Phillips

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Die USA betreten Neuland: der Präsident verkündet in einer Ansprache, dass Wissenschaftler seit über 60 Jahren an einem geborgenen UFO forschen und sie nun so weit, dass eine der Technologien nutzbar für die Menschheit wird. Das Erstaunen und die Begeisterung sind groß.
Zeitgleich entdecken die 3 Jugendlichen Heather, Jennifer und Mark in einem Canyon ein zweites UFO und stürzen sich mit Begeisterung auf die bisher ungekannte Technik. Und das hat für die drei ungeahnte Folgen...

"Rho Agenda – Das zweite Schiff" war mein erstes Buch von Richard Phillips und ich bin begeistert. Der Autor verknüpft Science-Fiction, Jugendbuch und Thriller so genial und passend miteinander, dass ich kaum mit dem Lesen aufhören konnte.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben, dabei folgt man aber unterschiedlichen Personen. So begleitet man zum Einen die 3 Jugendlichen und erkundet mit ihnen gemeinsam das UFO, zum Anderen erfährt man aber auch viel über die Arbeit der NSA inklusive seiner Agenten und deren Aufträge. Diese Mischung hat mir sehr gut gefallen, da ich so viele Informationen erhalten habe. Allerdings hatte ich dadurch nicht zwingend einen Wissensvorsprung, denn Phillips versteht es sehr gut, trotz vieler Details seine Leser im Dunkeln zu lassen. Grandios!

Zu Beginn des Romans musste ich mich sehr konzentrieren, da der Autor viele technische und physikalische Begriffe verwendet und auch so manche Technologie erklärt, bei der ich am Anfang nur ein großes Fragezeichen im Gesicht hatte. Dennoch waren die Erzählungen für mich schlüssig und nachvollziehbar.

Die Figuren, die Richard Phillips erschaffen hat, haben eine gewisse Tiefe und wirkten auf mich glaubwürdig. Gerade Heather, Jennifer und Mark zeigten trotz ihrer Intelligenz so manches, typisch jugendliche Verhalten. Dadurch wirkten die 3 auf mich menschlich und nicht überzeichnet.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Er verlangt seinen Lesern ein gewisses Maß an Konzentration ab, da die Wechsel der Personen und Orte unter Umständen sehr schnell von statten geht.


Fazit: ein toller Roman, der mich neugierig auf Teil 2 gemacht hat. Für Sci-Fi-Fans eine klare Leseempfehlung.

25. August 2014

Erschreckend, aber witzig

Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus
von Martin Wehrle

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Jeder von uns hat doch bestimmt während der Arbeit mal gedacht "Die Welt ist ein Irrenhaus und hier ist die Zentrale!". Martin Wehrle zeigt mit seinem zweiten Band "Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus", wie irre die Unternehmen in Deutschland wirklich sind.

Dabei geht der Autor sehr stark auf die Arbeitnehmerseite ein. Die Ansichten des Arbeitgebers werden nicht wiedergegeben. Aber wer will auch die Argumente hören, wenn man liest, wie der Leiter eines Discounters versucht 2 seiner Angestellten per Auto zu überfahren, wie Mitarbeiter zum gegenseitigen Mobbing aufgerufen und wo Bewerbungen wahlweise nach Namen, Schädelgröße oder Sternzeichen aussortiert werden?

Während ich beim ersten Buch noch von Herzen gelacht und mit dem Kopf genickt habe, blieb mir hier so manches Mal der Mund offen stehen. Denn ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Schmerzfreiheit in den Unternehmen gibt. Und doch musste ich auch hier bei der Lektüre so manches Mal nicken. Leider, möchte ich sagen, denn so sollte mit keinem Mitarbeiter umgegangen werden.

Toll fand ich, dass Martin Wehrle in jedem Kapitel auch die Arbeitnehmer direkt zu Wort kommen lässt. In seiner "Sprechstunde" hat er Zuschriften von Lesern veröffentlicht und zeigt damit, dass seine Fälle, so traurig bis schreiend komisch sie anmuten, leider keine Einzelfälle sind.

Wer sich noch tiefer mit der Materie beschäftigen möchte, kann sich im Literaturverzeichnis vertiefen. Dort hat der Autor Bücher und Artikel zu den einzelnen Themen aufgelistet. Das hat mir sehr gut gefallen.

Im Gegensatz zu Band 1 zeigt Wehrle diesmal keinen Ausweg aus solch einem Irrenhaus. Klar, der Weg der Kündigung steht jedem offen, doch im Vorgänger wurden auch erfolgreiche Wechsel gezeigt, was mich mehr angesprochen hat.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Martin Wehrle spricht die Missstände klar an und zeigt auch, was er davon hält. Das Buch ist also keinesfalls objektiv, macht aber umso mehr Spaß.


Fazit: Wer Band 1 mochte, wird auch Band 2 mögen. Ich kann es nur empfehlen.

24. August 2014

puristische Erzählung über das Ende der Welt

Jetzt
von Leon Reiter

Eine Leseprobe findet ihr hier

In Spanien geht ein Laserexperiment gehörig schief: Professor Sivamani reißt mit seinem Laser ein Loch in die Zeit. Um genauer zu sein zig Löcher. Und sie vermehren sich! Daher beschließt der Professor ein kleines Team aus 4 Wissenschaftlern zusammenzustellen, dass durch die Pocket genannten Zeitrisse gehen soll. Das Ziel: das Experiment noch vor dem Stattfinden zu sabotieren. Allerdings weiß niemand, welche Pocket wohin führt und das Team begibt sich auf gefährliche Reisen...

"Jetzt" ist das Debüt von Leon Reiter und hat mir gut gefallen. Der Autor entführt seine Leser in ein Szenario, was sowohl Träume erfüllen als auch den Untergang der Welt bedeuten kann.

Die Geschichte wird die gesamte Zeit aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man zum Großteil dem Team aus 4 Wissenschaftlern und begleitet sie in die verschiedenen Pockets. Die Story hat in meinen Augen kein Anfang und kein Ende. Man wird direkt zu Beginn einfach hineingeworfen und nach der letzten Seite hatte ich noch ein großes Fragezeichen im Gesicht. Der Roman ist also genauso paradox wie es die beschriebenen Zeitreisen sind. Das hat mich fasziniert.

Zu den Figuren konnte ich keinen Draht aufbauen, was mich aber in diesem Fall gar nicht gestört hat. Ich konnte weder Sympathie noch Antipathie empfinden. Ich war viel zu sehr darauf konzentriert, gemeinsam mit dem Team die Pockets und ihre Auswirkungen zu erforschen.

Der Stil von Leon Reiter ist so puristisch wie seine Geschichte. Er verschwendet kaum ein Wort für Gefühle oder ähnliches, zeigt seinem Leser aber umso deutlicher die wissenschaftliche Seite seines Thrillers auf. Die Erzählweise des Autors wirkt unterkühlt, nüchtern, ja fast teilnahmslos. Und dennoch konnte mich genau diese Art und Weise fesseln, da sie so gut zum Thema passte.

Allerdings glaube ich auch, dass dieser Stil nicht für jeden Leser was ist und empfehle einen Blick in die Leseprobe zu werfen!


Fazit: ein kühler, aber dennoch faszinierender Roman über Zeitreisen. Wer mit einem eher ungewohnten Stil klarkommt, sollte zugreifen.


Ein großes Dankeschön geht an den Piper-Verlag für die Bereistellung des Buches.

22. August 2014

Ihr seid doch verrückt!



Hallo Ihr Lieben,

seit Mitte Juli ist es auf meinem Blog etwas ruhiger geworden und das wird auch leider noch bis Ende August so weitergehen. Dennoch haltet ihr mir die Treue und habt meinen Blog über 4000 Mal besucht. Tausend Dank dafür! Ich bin echt sprachlos und freue mich sehr darüber!

Liebe Grüße
Eure Denise

21. August 2014

Nicht so überzeugend wie Band 1

Die Stimme des Vergessens
(Kristina-Mahlo-Reihe Band 2)
von Sabine Kornbichler

Eine Leseprobe findet ihr hier

Kristina Mahlo übernimmt die Nachlassabwicklung des verstorbenen Albert Schettler. Bei der Besichtigung des Hauses fallen ihrer Assistentin Funda und ihr direkt die Sicherungsmaßnahmen auf. Ein Gespräch mit dem Mitbewohner Peter Siebert bestätigt den Verdacht: Albert Schettler litt zu Lebzeiten unter Verfolgungswahn. In einem Brief, den er für Mahlo hinterlassen hat, gibt er ihr genaue Anweisungen bezüglich eines Bankschließfaches. Der Inhalt sei hochbrisant und müsse unbedingt an die Öffentlichkeit. Kristina tut dies als Hirngespinste ab...bis ihr die Unterlagen gestohlen werden!

"Die Stimme des Vergessens" ist der 2. Band der Kristina-Mahlo-Reihe von Sabine Kornbichler. Leider konnte mich der zweite Teil nicht so wie Band 1 begeistern.

Die Geschichte wird, wie auch schon beim Vorgänger, von Kristina Mahlo persönlich erzählt. Und ihre Erzählungen sind durchaus angenehm zu lesen. Ich konnte viele ihrer Gedankengänge und Ideen nachvollziehen und empfinde Kristina gerade durch so manche Schwäche als menschlich und sympathisch. Dennoch fehlte mir was...

Der erste Teil des Krimis, der auch im Klappentext erwähnt wird, ist relativ zügig abgehandelt. Beim Lesen kamen mir daher Zweifel, wohin die Geschichte noch führen soll, da ja der Fall an sich abgeschlossen war. Zwar geht der Krimi weiter und das auch mit einer guten Portion Spannung, dennoch wirkten die Beweggründe von Kristina auf mich nicht glaubwürdig und überzeugend. Das Argument, was Sabine Kornbichler liefert, ist mir persönlich zu schwammig und zu allgemein. Hier hätte ich mehr Tiefe toll gefunden.

Die Auflösung des Falls kam mir poltrig und oberflächlich vor. Ich hätte gern noch etwas über die Beweggründe des Täters erfahren. Dafür hätte die Geschichte gern im Mittelteil gekürzt werden können. Alles in allem habe ich den Krimi gern gelesen, jedoch war er für mich keine so runde Sache wie "Das Verstummen der Krähe".

Der Stil von Sabine Kornbichler ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist angenehm unaufgeregt und durchdacht, dabei aber auch menschlich. Dadurch konnte ich mich sehr schnell in ihre Hauptfigur hineinversetzen und mit ihr recherchieren.


Fazit: Band 2 fällt leider gegen Band 1 ab, brachte mir aber dennoch Lesespaß. Wer Kristina Mahlo mag, sollte zugreifen.


Ein großes Dankeschön geht an den Piper-Verlag für die Zuverfügungstellung des Buches!  

20. August 2014

Schöne Fassade, hässlicher Kern

Die Lügen der Anderen
von Mark Billingham

Eine Leseprobe findet ihr hier

Bei einem sonnigen Urlaub in Florida lernen sich 3 Pärchen aus Großbritannien kennen und verbringen die schönsten Tage im Jahr miteinander. Am letzten Abend verschwindet ein kleines Mädchen aus der Ferienanlage. Tragisch, doch was soll man machen? Wenige Wochen, nachdem die Pärchen wieder zu Hause sind, beginnen sie sich gegenseitig zum Dinner einzuladen. Und merken dabei, dass nicht alles so eitel Sonnenschein ist, wie es noch in Florida den Anschein hatte...

"Die Lügen der Anderen" war mein erster Roman von Mark Billingham und ich bin begeistert. Der Autor versteht es sehr gut, die Befindlichkeiten seiner Figuren und ihre gegenseitigen Beschuldigungen einzufangen.

Die Geschichte wird zumeist aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man je nach Situation einem der 3 Paare oder auch den Ermittlern. Durch diese Mischung, der ich konzentriert folgen musste, damit ich wusste, wem ich gerade folge, war ich immer auf dem aktuellen Stand und konnte alle Befindlichkeiten, Verdächtigungen und auch Ermittlungen nachvollziehen.

Die Dinner haben mich stellenweise an den Film "Der Gott des Gemetzels" erinnert, denn so bieder diese Dinner wirkten, so viel Gehässigkeit, Neid und auch Wut steckte hinter der Fassade. Und diesen schmalen Grat hat Mark Billingham sehr gut eingefangen und erlebbar gemacht.

Das Ende hat mich teilweise überrascht, war aber in sich schlüssig und sehr gut durchdacht. Das hat mir gefallen.

Der Stil des Autors lässt sich gut und flüssig lesen. Seine Erzählweise wirkt so erschreckend normal, als ob man einfach einer Freundin lauscht, wenn sie den neusten Klatsch erzählt. Gerade durch diese Einfachheit, die keineswegs einfältig oder langweilig war, war der Verlauf der Geschichte um so spannender und ich wollte einfach nur noch wissen, wie es ausgeht.


Fazit: ein grandioser Roman, der die Schwächen von gesellschaftlichen Konventionen sehr gut herausstellt. Eine klare Leseempfehlung!

19. August 2014

Zu schwach um zu überzeugen

Meine erste Lüge
von Marina Mander

Eine Leseprobe findet ihr hier

Luca lebt mit seiner Mama zusammen. Sein Vater ist verschwunden und Luca vermisst ihn auch nicht. Allerdings findet er das Wort "Halbwaise" verletzend und weiß ganz genau, was passiert, wenn seine Mama mal nicht mehr da sein sollte: er kommt ins Heim. Und da will er auf keinen Fall hin. Deshalb verheimlicht er auch der Außenwelt, dass seine Mama eines Morgens tot im Bett liegt...

"Meine erste Lüge" ist das Debüt von Marina Mander und lässt mich nach dem Lesen zwiegespalten zurück. Der Klappentext hatte mich neugierig gemacht, erinnerte mich das Werk doch an "Raum" von Emma Donoghue. Und von diesem Roman war ich damals begeistert. Das Buch von Marina Mander konnte das leider nicht.

Luca erzählt seine Geschichte aus der Ich-Perspektive und ich denke, genau hier liegt die Krux. Der Autorin ist es in meinen Augen nicht gelungen, sich vollständig und durchgehend in die Wahrnehmung eines kleinen Jungen hineinzuversetzen.

Zum Einen hat Luca Gedankengänge, die mir für einen Jungen um die 10 Jahre sehr philosophisch und fast hochtrabend vorkommen. Damit möchte ich keinesfalls unterstellen, dass Kinder in diesem Alter nicht durchaus tiefgehende und faszinierende Gedanken haben, dennoch wirkte es in Lucas Fall gestelzt.
Zum Anderen kennt Luca Worte und Begebenheiten, die nicht recht zu dem Bild passen, das Marina Mander von ihm zeichnet. Dadurch wirkt er nicht glaubwürdig und auch nicht echt.

Leider konnte mich auch die Geschichte an sich nicht überzeugen. Zwar stimmten mich die Versuche des Jungen melancholisch, wie er versucht, den Tod seiner Mutter geheim zu halten. Auf der anderen Seite kommt der Kleine nicht vom Fleck, es passiert so gesehen nichts und auch das Ende überzeugt weder durch Raffinesse noch Überraschung. Insgesamt wirkt das Werk unabgeschlossen und nicht bis zum Ende durchdacht.


Fazit: aus Kindersicht zu schreiben, ist schwierig und Marina Mander hat es leider nicht geschafft. Somit kann ich auch keine Leseempfehlung aussprechen.


Ein Dankeschön geht an den Piper-Verlag für die Bereitstellung des Buches.

18. August 2014

Jonah Miller bittet zum Gespräch mit den Toten

Reviver - Das Flüstern der Toten
von Seth Patrick

Eine Leseprobe findet ihr hier

Jonah Miller ist ein "Reviver" und arbeitet für ein forensisches Labor. Als Reviver kann er Tote unter bestimmten Voraussetzungen wiederbeleben, so dass sie ihre letzte Aussage machen können. Zugleich kann Jonah die Toten auch befragen und ihnen somit noch so manches Geheimnis entlocken. Bei einer Wiederbelebung kommt es jedoch zu etwas ungewöhnlichem: Jonah hört eine leise Stimme. Und diese Stimme sagt ihm "Wir sehen dich". Millers Berichte werden als stressbedingte Hallzuination abgetan... bis sich Ereignisse häufen, die so nicht stattfinden sollten.

"Reviver – Das Flüstern der Toten" ist das Debüt von Seth Patrick und es hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Mti seiner Mischung aus Fantasy und Thriller trifft der Autor genau meinen Nerv.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man jedoch zum Großteil Jonah und seinen Erlebnissen. Das hat mir sehr gut gefallen, denn Jonah ist eine facettenreiche und sehr sympathische Figur. Zudem lässt sich Seth Patrick viel Zeit um die Vor- und auch Nachteile von Millers Begabung aufzuzeigen. Dabei wird es aber zu keinem Punkt langweilig oder langatmig.

Die Geschichte besitzt einen ganz besonderen Reiz, denn die Reviver sind ein fester Bestandteil von Ermittlerteams und erregen nicht mehr so viel Aufsehen. Zudem hat sich die Öffentlichkeit bereits an diese Begabung Einzelner gewöhnt. Das fand ich sehr entspannend, denn meine bisherigen Fantasy-Krimi-Mix-Erfahrungen zeigen ein eher durchwachsendes Bild. Bei "Reviver" konnte sich der Autor aber durch seine eigenen Vorgaben auf die Story und seine Figuren konzentrieren und musste nicht auch noch die typischen Probleme von übernatürlich Begabten, wie Ablehnung oder Sensationsgier der Gesellschaft, beschreiben. Eine sehr gelungene Lösung in meinen Augen.

Die Spannung des Thrillers brodelt längere Zeit im Hintergrund, ehe sie sich bei circa der Hälfte des Buches Bahn bricht. Der Autor konzentriert sich trotz Jonahs Begabungen vorrangig auf die Ermittlungen und lässt die Fähigkeiten des Revivers nur dann einfließen, wenn es notwendig und auch logisch nachvollziehbar ist. Endlich ist mal der übernatürlich Begabte nicht der Superheld oder der Einzige, der die Welt retten kann. Seth Patrick zeigt einen ganz normalen Mann mit einer nicht ganz so normalen Begabung. Super!!

Das Ende war für mich schlüssig und sehr gut aufgebaut. Durch den Epilog stößt der Autor die Tür für eine Fortsetzung sehr weit auf. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn ich Jonah Miller nochmal in Aktion erleben darf.


Fazit: ein mehr als geniales Debüt, das genau die richtige Mischung aus Fantasy und Thriller beinhaltet. Eine klare Leseempfehlung.


Ein großes Dankeschön geht an den Blanvalet-Verlag für die Zuverfügungstellung des Buches!

17. August 2014

Die Flucht ins Paradies...oder?

Breathe - Flucht nach Sequoia
(Breathe-Reihe Band 2)
von Sarah Crossan

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Bea, Quinn und Jazz befinden sich nach der Zerstörung des Hains auf dem Weg nach Sequoia. Ihre Vorankommen wird durch eine schwere Verletzung Jazz' sehr eingeschränkt. Zu dritt kommen sie nicht weiter. Was sollen sie tun?
Alina und ihre Kameraden sind da schon einen Schritt weiter und können das ersehnte Ziel Sequoia schon sehen. Werden sie dort die erhoffte Hilfe bekommen?

"Breathe – Flucht nach Sequoia" ist Teil 2 der Breathe – Reihe von Sarah Crossan und konnte mich leider nicht so begeistern, wie es der erste Band vermocht hatte. Vielleicht lag es unter anderem da ran, dass im Klappentext schon sehr viele Informationen vorweggenommen werden?

Der Roman wird, wie auch schon in Teil 1, von verschiedenen Personen erzählt. Zum Einen wären da Quinn und Bea, die gemeinsam ums Überleben kämpfen. Zum Anderen Alina und Oscar, die einfach nur versuchen aus ihrer Situation das Beste zu machen. Diese verschiedenen Blickwinkel und die damit verbundenen unterschiedlichen Erzählstränge haben mir sehr gut gefallen, da ich die Geschichte so auf mehrere Arten erleben konnte.

Leider wusste ich durch den Klappentext schon sehr viel aus der zweiten Hälfte des Buches, was mir die Spannung genommen hat. Der Verlauf der Story ist toll, die Autorin stellt die einzelnen "Leidens"wege sehr gut dar. Allerdings lässt sie sich an manchen Punkten in meinen Augen zu wenig Zeit. So konnte bei mir leider nicht immer die von ihr beabsichtigte Stimmung aufkommen.

Der Schluss hat mich dann doch enttäuscht. Hatte ich bis 30 Seiten vor dem Ende noch mit einem 3. Band gerechnet (einfach aufgrund der Spannung), so handelt Sarah Crossan das große Finale innerhalb dieser 30 Seiten ab und gut ist. Das war für mich kein passender Abschluß und das hat diese tolle Reihe auch nicht verdient. Sehr schade!


Fazit: Band 2 bleibt hinter seinem Vorgänger zurück und kann nicht vollends überzeugen. Dennoch hatte ich großteilig Spaß beim Lesen.

15. August 2014

Zum Dahinschmelzen!!

Real - nur für dich
(Real-Reihe Band 1)
von Katy Evans

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Brooke wird von ihrer besten Freundin Melanie zum Besuch eines Boxkampfes genötigt. Ihr Interesse hält sich in Grenzen, bis der Boxer Remington den Ring betritt. Und schon ist Brooke hin und weg. Etwas, das sie nie für möglich gehalten hat. Und als der Boxer nach dem Kampf auch noch aus dem Ring springt, sie küsst und nach ihrer Nummer fragt, ist es um sie geschehen. Doch wie soll sie mit einem Mann klar kommen, der seine Frauen wechselt, wie andere Leute ihre Unterwäsche?

"Real – nur für dich" ist das Debüt von Katy Evans und hat mir, trotz einiger Schwächen, gut gefallen. Es ist eine romantische und prickelnde Geschichte fürs Herz!

Die Story wird von Brooke aus der Ich-Perspektive erzählt. Somit konnte ich ihre Gefühle, ihre Regungen und Erregungen hautnah miterleben. Ihre Gefühlswelt gerät beim Anblick von Remy völlig aus den Fugen und das konnte ich sehr gut nachvollziehen. Die Autorin hat es sehr gut geschafft, die Gefühle von Brooke anschaulich und in weiten Teilen einfühlsam darzustellen. Toll!!

Allerdings musste ich auch so manches Mal den Kopf schütteln oder aus vollem Herzen lachen. Brooke scheint, was Remy angeht, komplett undicht zu sein und nässt ein Höschen nach dem anderen durch, sobald der attraktive Boxer den Raum betrifft. Das ist zwar zu Beginn noch nachvollziehbar und auch gut zu lesen, doch spätestens nach dem fünften Mal wird es nur noch lustig. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Zudem hat mich Brookes beste Freundin Mel genervt, sobald sie aufgetreten ist. Sie nennt ihre beste Freundin fast nie beim Namen, sondern belegt sie, wohl liebevoll (??), mit Beschimpfungen. Nun ja, wer es mag...für mich war das nichts.

Dennoch kann ich sagen, dass mich die Geschichte von Brooke und Remy berührt und zum Ende hin sogar zu Tränen gerührt hat. Und ich will unbedingt wissen, wie es mit den beiden weitergeht.

Der Stil von Katy Evans ist sehr gut und flüssig zu lesen. Die prickelnden Szenen beschreibt sie ausführlich, aber nie so, dass ich mich unwohl gefühlt hätte.


Fazit: ein hochromantisches Werk, das trotz seiner Schwächen überzeugen konnte. Ich freue mich auf Band 2!

13. August 2014

Was geht vor: das Leben einzelner oder der Gemeinschaft?

Level 
(Silo-Reihe Band 2)
von Hugh Howey

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2049: Der gerade gewählte Abgeordnete Donald Keene wird von dem Senator Thurman mit der Planung und dem Bau eines riesigen, unterirdischen Silos beauftragt. Zu spät erkennt Donald, zu welchem Zweck das Silo wirklich gebaut werden soll. Die Welt steht am Abgrund und der Abgeordnete kann sich gerade so in das Silo retten.
Jahre später steht der Wächter Troy vor einer schwierigen Aufgabe: in einem Silo ist eine Revolte ausgebrochen. Soll er diese mit tödlichen Folgen niederschlagen oder seine eigene Neugier befriedigen und der Revolte ihren Lauf lassen??

"Level" ist Teil 2 der Silo-Trilogie von Hugh Howey und hat mich wieder begeistert. Obwohl der Band nach dem ersten Teil "Silo" erschienen ist, erzählt er die Vorgeschichte zu Band 1. Und diese Vorgeschichte ist erschütternd, spannend und deprimierend zugleich.

Der Roman wird aus der Erzählerperspektive berichtet und man folgt verschiedenen Personen und Blickwinkeln. Zudem springt man in der Zeit auch mal 20 oder mehr Jahre nach vorn. Dennoch konnte ich der Geschichte jederzeit ohne Schwierigkeiten folgen. Das lag vor allem an der fesselenden und zugleich unaufgeregten Erzählweise Howeys.

Während die Story weiter voranschreitet, werden immer mehr Details zu den Silos und ihrem Sinn und Zweck deutlich. Und so manche Idee, die zu den Silos geführt hat, hat mir den Mund aufgrund ihrer Ungeheuerlichkeit offen stehen lassen. Ich konnte mich kaum von dem Buch lösen, da ich unbedingt wissen wollte, wie weit Menschen gehen können, um vermeintlich alle zu schützen.

Das Finale spannt dann auch den Bogen zu seinem Vorgänger und lässt den Leser mit einem Cliffhanger allein. Ich hoffe, dass sehr bald Band 3 erscheinen und übersetzt wird. Denn ich will unbedingt wissen, wie die Figuren mit ihren gemachten Entdeckungen umgehen und welche Konsequenzen sie daraus ziehen.

Der Stil von Hugh Howey lässt sich sehr gut und flüssig lesen. Der Autor hat das Talent, dort detailliert zu erzählen, wo es nötig ist und da Dinge auszulassen, die er der Fantasie seiner Leser überlassen möchte. Zudem sind seine Kampfszenen weder blutig noch effektheischend. Das hat mir sehr gut gefallen.

Ein Tipp für Leser, die in die Reihe einsteigen möchten: Es ist das Beste, wenn ihr mit "Silo" beginnt, denn sonst wird euch durch "Level" so manche Entdeckung vorweggenommen und das wäre doch schade, oder?


Fazit: ein grandiose Fortsetzung, die mit viel Geschick auf ein großes Finale zusteuert. Eine klare Leseempfehlung!


Ein großes Dankeschön geht an den Piper-Verlag für die Zurverfügungstellung des Buches.

12. August 2014

Viel Gejammer, wenig tiefgründiges

Das wirst du bereuen
von Amanda Maciel

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Sara und ihre beste Freundin Brielle haben es auf die Neue an der Schule abgesehen. In ihren Augen ist Emma eine Schlampe, macht mit jedem männlichen Wesen rum und spannt den Mädels an der Highschool ihre Freunde aus. Doch damit nicht genug: Emma macht sich an Saras Freund Dylan ran und gewinnt ihn für sich. Damit bringt Emma das Fass für Sara zum Überlaufen und die beiden Freundinnen treiben es bunt. Zu bunt, wie sich bald herausstellt, denn Emma begeht Selbstmord...

"Das wirst du bereuen" ist der Debütroman von Amanda Maciel und beschäftigt sich mit einem bekannten, aber oft verdrängten Thema: Mobbing an der Schule. Doch obwohl das Thema so wichtig ist, schafft es die Autorin nicht, mir ihre Geschichte näher zu bringen.

Der Roman wird von Sara aus der Ich-Perspektive sowie auf zwei Zeitebenen (vor und nach dem Selbstmord) erzählt. Sara ist eine der Hauptakteurinnen des Mobbings, wenn auch nicht diejenige, die alles initiiert hat. Leider ist während der gesamten Geschichte kaum eine Veränderung an ihr festzustellen: sie gibt Emma die gesamte Schuld daran, dass Sara nun ein Leben wie ein Spießrutenlauf führt und vor Gericht muss. Sie schimpft auf die Welt, auf Emma im Besonderen und erst spät reift in ihr sowas wie Erkenntnis, dass vielleicht auch die Freundschaft zu Brielle eine Rolle gespielt haben könnte. Das war mir zu wenig.

Zudem ging mir das Gejammer auf den Sender. Auf der einen Seite konnte ich zwar dadurch Saras Position gut nachvollziehen, aber auf der anderen Seite zeigt das Gejammer nur, dass sie nichts verstanden hat.

Leider erfährt man auch nur eine Sichtweise. Ich hätte es besser gefunden, wenn man auch aus Emmas Leben etwas erfahren hätte. Denn so kennt man Emma nur als vermeintlich leicht zu habendes Mädchen und weiß gar nicht genau, wie sie wirklich war. War Emmas Position der Autorin nicht wichtig? Oder wollte sie mit dem Fehlen nur zeigen, dass es egal ist, wer gemobbt wird, denn Mobbing ist immer schlimm?? Ich bin aus dem Roman nicht schlau geworden, habe keine andere Sichtweise entdeckt und konnte zwischendrin einfach nur noch den Kopf schütteln.


Fazit: Ein Buch, das ein wichtiges Thema zu lasch und zu oberflächlich behandelt. Ich kann es nicht weiterempfehlen.

11. August 2014

motzende Polizisten und wenig Thrill

Dunkles Blut
(Logan-McRae-Reihe Band 6)
von Stuart MacBride

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Detective Sergeant Logan McRae hat es nicht einfach: seine Vorgesetzte Steel schüttet ihn mit Fällen zu, seine Kollegen verdrücken sich, sobald es geht und jetzt muss er auch noch helfen, einen freigelassenen Sexualstraftäter zu überwachen. Bei seinem Glück bekommt die Presse auch schnell heraus, wo der Täter untergebracht ist und provoziert dadurch einen öffentlichen Aufschrei. Als wäre das noch nicht genug, verschwindet ein Informant spurlos. Wie soll McRae das nur alles unter einen Hut bringen?

"Dunkles Blut" war mein erster Thriller von Stuart MacBride, er ist aber bereits Band 6 der Logan-McRae-Reihe. Für mich wird es allerdings auch der letzte Band dieser Reihe und wahrscheinlich auch des Autors gewesen sein.

Die Story klingt vom Klappentext her hochinteressant: ein Sexualstraftäter kommt frei, ist augenscheinlich geläutert und will einfach nur in Ruhe leben. Dennoch muss er unter Polizeischutz und -überwachung gestellt werden, da er immer noch als gefährlich gilt. Doch dieser spannend klingende Plot geht in den anderen Fällen von McRae fast unter. Der Sergeant ist so überarbeitet und muss sich um so viele Fälle kümmern, dass er zu einem solch wichtigen Fall gar nicht kommt. Sehr schade.

Zudem scheint es bei der schottischen Polizei üblich zu sein, dass man sich gegenseitig beschimpft, keinen Respekt voreinander hat und sogar versucht, andere Kollegen auszuspielen. Klar, in jedem Job gibt es Intrigen, Gerüchte und ähnliches, aber in McRaes Abteilung nimmt es doch sehr ausufernde und dadurch unglaubwürdige Züge an.

Zudem bedient sich der Autor bei den schlimmsten Klischees: Chefin Steel ist lesbisch, dauerspitz und baggert alles Weibliche an, was nicht bei 3 auf dem Baum ist, McRae hat ein Alkohol- und Gewaltproblem, sein Kollege Bob furzt alle Nase lang und verpestet die Luft. Das war für mich irgendwann nicht mehr lesbar, obwohl ich bis zum Schluss durchgehalten habe.

Und ich habe nur deshalb durchgehalten, weil ich unbedingt wissen wollte, wie alles zusammenhängt. Nun ja, das hätte ich mir auch sparen können. Die Auflösung war in meinen Augen sehr weit hergeholt, wenn auch menschlich teilweise verständlich.

Stuart MacBrides Thriller werden als besonders hart und modern beschrieben. Also genau mein Ding. Doch das Einzige was hart an "Dunkles Blut" war, waren die Ausdrucks- und Vorgehensweise der Polizisten. Weder waren die beschriebenen Verbrechen schlafraubend, noch die Ermittlungen besonders spannend. MacBride verzettelt sich in zu vielen kleinen Fällen, als dass es irgendwie interessant werden könnte.


Fazit: Hart? NEIN! Modern? Nicht wirklich. Wer gute Thriller sucht, sollte um diesen hier einen großen Bogen machen!

9. August 2014

Finde die Wahrheit und triff eine Entscheidung

Godspeed - Die Suche
(Godspeed - Reihe Band 2)
von Beth Revis

Amy ist nun seit 3 Monaten aufgetaut und dennoch fühlt sie sich auf der Godspeed nicht wohl. Die anderen Bewohner meiden sie, beschimpfen sie als "Freak" und lassen ihr kaum Raum zum Leben. Junior hingegen muss nun schneller als gedacht in die Rolle des Ältesten wachsen. Doch die Rolle ist größer als gedacht und schwerer als befürchtet. Und dann bekommt Amy eine Dra-Kom, die ihren Alltag komplett verändert und sie auf ein Geheimnis aufmerksam macht, das bereits Tote forderte...

"Godspeed – Die Suche" ist der 2. Band der Godspeed – Trilogie von Beth Revis und konnte mich nach einigen Startschwierigkeiten begeistern.

Der zweite Teil schließt sich nahtlos an Teil 1 an. Es gibt keine Rückblenden oder Zusammenfassungen. Dies hat mir den Einstieg erschwert, da ich den ersten Teil vor geraumer Zeit gelesen habe und mich somit nicht mehr an alle Details erinnern konnte. Hier wäre ein kurzer Rückblick sinnvoll gewesen. Oder man liest einfach die beiden Bände zeitnah nacheinander...

Die Geschichte wird abwechselnd von Amy und Junior erzählt. Hier bleibt Beth Revis ihrem Schema aus Teil 1 treu. Die beiden Sichtweisen zeigen zwei unterschiedliche Welten: zum Einen Junior, der einfach nur versucht das Schiff und seine Bewohner unter Kontrolle zu bekommen ohne ein Tyrann zu werden. Zum Anderen Amy, die einfach nur endlich ankommen und nicht mehr der Freak sein will.
Diese Gegensätze haben mir sehr gut gefallen, denn sie zeigen, wie schwer zum Einen ein Wechsel des Regierungsstils ist und dass gut gemeint das Gegenteil von gut gemacht sein kann.

Spannung kam bei mir erst nach gut 100 Seiten auf. So lang dümpelt die Story eher vor sich hin und auch die ersten Rätsel, die Amy zu lösen hat, stellten mich nicht vor ungeahnte Herausforderungen. Doch je mehr die Geschichte fortschritt, desto fesselnder wurde sie und ich konnte mich ab der Hälfte nicht mehr von dem Buch lösen.

Das Finale von Band 2 macht Lust auf Band 3 und ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte von Amy, Junior und der Godspeed zu Ende gehen wird.


Fazit: ein guter 2. Teil mit Startschwierigkeiten. Dennoch kann ich auch Band 2 der Godspeed-Reihe empfehlen.

5. August 2014

Wenn die Spannung verspielt wird...

Das Spiel des Schicksals
von Laura Powell

Cat lebt mit ihrer Tante Bel in London im Stadtteil Soho. Cat ist gern allein unterwegs und versucht nicht weiter aufzufallen. Dennoch wird sie von einem gehetzt wirkenden Mann angesprochen, der sie um Hilfe anfleht. Cat ignoriert diese eigenartige Bitte und ist auch nur kurz irritiert, als sie sieht, dass der Mann von einer Gruppe verfolgt wird. Und doch...irgendwas an der Szenerie bereitet ihr Kopfschmerzen und sie begibt sich auf Spurensuche. Dabei ahnt sie nicht, wie sonderbar und auch gefährlich ihre Suche wird...

"Das Spiel des Schicksals" ist das Debüt von Laura Powell und konnte mich leider, trotz des sehr interessant klingenden Klappentextes, nicht überzeugen. Die Autorin erzählt eine durchaus gute Geschichte mit so wenig Herz und Elan, dass mir teilweise die Lust am Lesen vergangen ist.

Der Roman wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben, allerdings folgt man nur der Hauptfigur Cat. So erlangt man auch keinen Wissensvorsprung, was das Spiel der Trümpfe angeht. Das fand ich sehr schade, denn das Spiel ist sehr umfangreich und hat so viele Regeln und Kniffe, dass mir der Kopf schwirrte.

Leider verbringt man auch sehr viel Zeit mit dem Erforschen des Spiels, aber nicht mit dem Spiel selbst. So gelangen Cat und ihre Begleiter erst auf den letzten 90 Seiten überhaupt zu ihrer Aufgabe, die im Klappentext schon vorweggenommen wird. Auch das Geheimnis um Cats Eltern wird in meinen Augen gar nicht gelöst. Zwar gibt es eine Andeutung, das war es aber auch schon.

Zudem habe ich Spannung und auch Emotionen vermisst. Cat ist abgehärtet und wirkt selbst auf der Suche nach Ergebnissen forsch und rational. Dabei sucht sie doch nach einer Erklärung für den Tod ihrer Eltern. Hier hätte ich mir mehr Gefühle gewünscht.

Der Roman endet sehr abrupt, so dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass es einen 2. Teil des Spiels des Schicksals gibt. Allerdings habe ich bei meiner Suche im Internet nichts weiter gefunden. So muss ich mich damit abfinden, dass mich das gesamte Werk unbefriedigt und enttäuscht zurücklässt.


Fazit: ein gut gemeinter Fantasy-Roman, der aber leider so gar nicht anziehend ist. Keine Empfehlung von meiner Seite!

4. August 2014

Machen Sie einen Fehler, sterben Piloten

Das Kastanienhaus
von Liz Trenow

Eine Leseprobe findet ihr hier

England, kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges: Lily hat gerade die Schule abgeschlossen und möchte nach Genf gehen um zu studieren. Doch der nahende Krieg macht ihr einen Strich durch die Rechnung und sie ist gezwungen in den Familienbetrieb einzusteigen. Aber Seidenweberei war nie ihr Traum. Dennoch fügt sie sich in ihr Schicksal und merkt bald, dass es mehr für sie bereit hält...

"Das Kastanienhaus" ist das Debüt von Liz Trenow und hat mich von Beginn an verzaubert. Lilys Geschichte ist nicht nur eine, die sich um die Familie dreht, man lernt auch so manches Detail der Seidenweberei kennen.

Lily erzählt ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive. Dabei fängt sie mit einem traurigen Ereignis an: ihr geliebter Ehemann ist verstorben und sie muss nun im Alter von 80 Jahren mit der Trauer kämpfen. Um ihrem Sohn das Kastanienhaus übergeben zu können, möchte sie aufräumen und entdeckt dabei einen alten Koffer, der schöne und traurige Erinnerungen weckt. Und in diese Erinnerungen bin ich mit Lily eingetaucht.

Die sehr persönliche Geschichte ist wunderschön erzählt. Lilys Erzählungen drehen sich in erster Linie um ihre Familie und um die Fabrik; Kriegsereignisse sind ein Randthema. Und doch wurde mir beim Lesen deutlich, welche Kräfte ihre Familie aufbringen musste, denn schließlich war die Fabrik kriegswichtig. Dabei verfängt sich Lily beim Erzählen weder in zu großen Gefühlen, noch wird sie rührselig oder pathetisch. Bei jeder Schilderung schwingt dennoch viel Liebe, manchmal auch Wut oder Trauer mit. Diese Mischung hat mich sehr gefesselt.

Zum Ende hin habe ich so manche Träne verdrückt, denn auch Lilys Familie bleibt von den Kriegsfolgen nicht verschont. Somit wirkt der Roman für mich auch realistischer als wenn am Ende alles gut gegangen wäre.

Der Stil von Liz Trenow ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist einfühlsam, detailverliebt, aber nicht übertrieben oder zu verklärend. Fakten schildert sie genauso umfangreich wie die erste Liebe. Das hat mir sehr gut gefallen.


Fazit: "Das Kastanienhaus" ist etwas für Herz und Seele. Wer einfach mal in eine Familiengeschichte abtauchen möchte, sollte zugreifen.

2. August 2014

Ein Mord so unerklärlich wie das Leben

Blutopfer
(Verena-Sander-Reihe Band 1)
von Britt Reißmann

Eine Leseprobe findet ihr hier

Verena Sander, gerade frisch befördert, wird an den Fundort einer Leiche gerufen. Mit vielem hat sie gerechnet, nur nicht, dass ihre 14-jährige Tochter Mona vor Ort sein würde und als Finderin der Leiche gilt. Während Verena nun auf der einen Seite einen Mörder finden muss, kämpft sie daheim mit einer traumatisierten Tochter, die sich auch noch zu einem kiffenden Jungen hingezogen fühlt. Wie werden die Kämpfe ausgehen? Und wer hat Interesse daran, dass der Mord nicht aufgeklärt wird?

"Blutopfer" war mein erster Krimi von Britt Reißmann und nach dem Lesen frage ich mich, warum eigentlich? Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt und mich erst wieder losgelassen, als ich den letzten Satz gelesen habe.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive berichtet, man begleitet jedoch zu einem großen Teil die Ermittlerin Verena Sander. Diese hat neben den Ermittlungen auch noch eine pubertierende Tochter daheim, einen Ex-Mann, der nun auf einmal um das Aufenthaltsbestimmungsrecht kämpfen will und einen Kollegen, der sich in einer Männlichkeit bedroht sieht. Dies alles muss Verena unter einen Hut bringen und vergisst sich dabei manchmal selbst. Dennoch ist die Situation der Ermittlerin so lebensnah und realistisch beschrieben, dass ich mich mit Verena verbunden fühlte. Was nicht heißt, dass ich jede Entscheidung von ihr gut fand. Aber dennoch habe ich mit ihr mitermittelt, mitgefiebert und mitgeweint.

Einen Teil der Lösung habe ich zwar schon nach knapp 130 Seiten gefunden, das tat aber meinem Lesespaß keinen Abbruch. Denn das Finale und die Auflösung war logisch, sehr gut ermittelt und dazu noch realitätsnah. So muss ein Krimi sein.

Der Stil von Britt Reißmann ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist fesselnd und gleichzeitig so normal, als ob mir eine gute Freundin ihre Geschichte erzählt hätte. Die Autorin füllt ihren Krimi mit sehr viel Liebe zum Detail, lässt aber blutige Fakten fast außer Acht. Das hat mir sehr gut gefallen.


Fazit: "Blutopfer" ist ein toller, deutscher Krimi, der mir Lust auf mehr von Britt Reißmann gemacht hat. Eine klare Leseempfehlung an alle Krimifans!

Ein Mord so unerklärlich wie das Leben

Blutopfer
(Verena-Sander-Reihe Band 1)
von Britt Reißmann

Eine Leseprobe findet ihr hier

Verena Sander, gerade frisch befördert, wird an den Fundort einer Leiche gerufen. Mit vielem hat sie gerechnet, nur nicht, dass ihre 14-jährige Tochter Mona vor Ort sein würde und als Finderin der Leiche gilt. Während Verena nun auf der einen Seite einen Mörder finden muss, kämpft sie daheim mit einer traumatisierten Tochter, die sich auch noch zu einem kiffenden Jungen hingezogen fühlt. Wie werden die Kämpfe ausgehen? Und wer hat Interesse daran, dass der Mord nicht aufgeklärt wird?

"Blutopfer" war mein erster Krimi von Britt Reißmann und nach dem Lesen frage ich mich, warum eigentlich? Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt und mich erst wieder losgelassen, als ich den letzten Satz gelesen habe.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive berichtet, man begleitet jedoch zu einem großen Teil die Ermittlerin Verena Sander. Diese hat neben den Ermittlungen auch noch eine pubertierende Tochter daheim, einen Ex-Mann, der nun auf einmal um das Aufenthaltsbestimmungsrecht kämpfen will und einen Kollegen, der sich in einer Männlichkeit bedroht sieht. Dies alles muss Verena unter einen Hut bringen und vergisst sich dabei manchmal selbst. Dennoch ist die Situation der Ermittlerin so lebensnah und realistisch beschrieben, dass ich mich mit Verena verbunden fühlte. Was nicht heißt, dass ich jede Entscheidung von ihr gut fand. Aber dennoch habe ich mit ihr mitermittelt, mitgefiebert und mitgeweint.

Einen Teil der Lösung habe ich zwar schon nach knapp 130 Seiten gefunden, das tat aber meinem Lesespaß keinen Abbruch. Denn das Finale und die Auflösung war logisch, sehr gut ermittelt und dazu noch realitätsnah. So muss ein Krimi sein.

Der Stil von Britt Reißmann ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist fesselnd und gleichzeitig so normal, als ob mir eine gute Freundin ihre Geschichte erzählt hätte. Die Autorin füllt ihren Krimi mit sehr viel Liebe zum Detail, lässt aber blutige Fakten fast außer Acht. Das hat mir sehr gut gefallen.


Fazit: "Blutopfer" ist ein toller, deutscher Krimi, der mir Lust auf mehr von Britt Reißmann gemacht hat. Eine klare Leseempfehlung an alle Krimifans!

Ein Mord so unerklärlich wie das Leben

Blutopfer
(Verena-Sander-Reihe Band 1)
von Britt Reißmann

Eine Leseprobe findet ihr hier

Verena Sander, gerade frisch befördert, wird an den Fundort einer Leiche gerufen. Mit vielem hat sie gerechnet, nur nicht, dass ihre 14-jährige Tochter Mona vor Ort sein würde und als Finderin der Leiche gilt. Während Verena nun auf der einen Seite einen Mörder finden muss, kämpft sie daheim mit einer traumatisierten Tochter, die sich auch noch zu einem kiffenden Jungen hingezogen fühlt. Wie werden die Kämpfe ausgehen? Und wer hat Interesse daran, dass der Mord nicht aufgeklärt wird?

"Blutopfer" war mein erster Krimi von Britt Reißmann und nach dem Lesen frage ich mich, warum eigentlich? Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt und mich erst wieder losgelassen, als ich den letzten Satz gelesen habe.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive berichtet, man begleitet jedoch zu einem großen Teil die Ermittlerin Verena Sander. Diese hat neben den Ermittlungen auch noch eine pubertierende Tochter daheim, einen Ex-Mann, der nun auf einmal um das Aufenthaltsbestimmungsrecht kämpfen will und einen Kollegen, der sich in einer Männlichkeit bedroht sieht. Dies alles muss Verena unter einen Hut bringen und vergisst sich dabei manchmal selbst. Dennoch ist die Situation der Ermittlerin so lebensnah und realistisch beschrieben, dass ich mich mit Verena verbunden fühlte. Was nicht heißt, dass ich jede Entscheidung von ihr gut fand. Aber dennoch habe ich mit ihr mitermittelt, mitgefiebert und mitgeweint.

Einen Teil der Lösung habe ich zwar schon nach knapp 130 Seiten gefunden, das tat aber meinem Lesespaß keinen Abbruch. Denn das Finale und die Auflösung war logisch, sehr gut ermittelt und dazu noch realitätsnah. So muss ein Krimi sein.

Der Stil von Britt Reißmann ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist fesselnd und gleichzeitig so normal, als ob mir eine gute Freundin ihre Geschichte erzählt hätte. Die Autorin füllt ihren Krimi mit sehr viel Liebe zum Detail, lässt aber blutige Fakten fast außer Acht. Das hat mir sehr gut gefallen.


Fazit: "Blutopfer" ist ein toller, deutscher Krimi, der mir Lust auf mehr von Britt Reißmann gemacht hat. Eine klare Leseempfehlung an alle Krimifans!

Ein Dorf steht zusammen!

Schattengrund
von Elisabeth Herrmann

Eine Leseprobe findet ihr hier

Nicola, die nur mit Nico gerufen wird, erbt von ihrer Tante ein Haus. Die Freude währt jedoch nicht lang, denn Nicos Eltern schlagen das Erbe in ihrem Namen aus. Dabei sind es nur noch 6 Wochen bis zu ihrem 18. Geburtstag. Verärgert, wütend und auch neugierig fasst Nico einen Plan: sie macht sich allein auf nach Siebenlehen, wo das Haus ihrer Tante steht. Doch ihr Besuch dort ist nicht gern gesehen, rührt Nicos Anwesenheit doch an alten Geschichten, die jeder vergessen wollte...

"Schattengrund" ist mein erster Jugendthriller von Elisabeth Herrmann. Ich kenne die Autorin bisher von ihrer Vernau-Reihe und habe mich sehr auf das Buch gefreut. Nach dem Lesen kann ich sagen, dass meine Freude eingetrübt ist.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben, man begleitet jedoch zu einem Großteil der Zeit Nico und ihrer Suche nach den Spuren der Vergangenheit. Der Thriller spielt im kalten und sehr schneereichen November, was ich mir durch die detaillierten Beschreibungen Herrmanns auch sehr gut und bildhaft vorstellen konnte.

Der Klappentext verrät leider schon die Hälfte der Geschichte, so dass es bis zur Mitte des Buches kaum Überraschungen für mich gab. Das war sehr schade und dadurch wurde auch meine Lesefreude getrübt. Wer sich also die Spannung komplett erhalten möchte, der sollte den Klappentext nicht allzu intensiv lesen.

Und spannend ist dieser Jugendthriller durchaus. An manchen Stellen überfiel mich eine Gänsehaut, weil ich mit Nico in unheimlichen Ecken nachgeforscht und bohrende Fragen bei den Bewohnern gestellt habe. Die Atmosphäre des gesamten Buches hat etwas trügerisch friedliches, man merkt aber beim Lesen sofort, dass dieser Frieden nur Fassade ist.

Die Auflösung der Geschichte war mir persönlich zu einfach und zu vorhersehbar. Allerdings habe ich auch schon so manchen Thriller und so manche Familiengeschichte gelesen. Für Jugendliche, die sich mal an dem Genre versuchen möchten, ist "Schattengrund" durchaus ein sehr guter und zugleich nicht allzu blutiger Einstieg.

Der Stil von Elisabeth Herrmann ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise hat mich direkt gefesselt und auch ihre Liebe zum Detail konnte mich begeistern.


Fazit: für den Einsteiger ist "Schattengrund" sehr gut geeignet, für erfahrene Thriller-Leser zu offensichtlich. Daher kann ich das Buch nur teilweise empfehlen.