11. September 2014

Auch Lämmer müssen manchmal Löwen sein

Gated - Die letzten 12 Tage
von Amy Christine Parker

Eine Leseprobe findet ihr hier

Layla lebt mit ihren Eltern in einer kleinen Gemeinschaft namens Mandrodage Meadows. Sie genießen ihr friedliches und abgeschiedenes Leben, folgen den Anweisungen ihres Anführers Pioneer und bereiten sich auf den nahenden Weltuntergang vor. Layla stellt ihre Lebensumstände nicht in Frage, bis sie Cody kennenlernt. Er stellt ihr Fragen, die sie zum Denken bringen. Ist das Leben in Mandrodage Meadows wirklich so toll?

"Gated – Die letzten 12 Tage" ist das Debüt von Amy Christine Parker und es hat mich begeistert. Ihr Roman erzählt das Schicksal der fast volljährigen Layla in einer abgeschlossenen, fast fanatischen Gemeinschaft.

Die Geschichte wird von Layla aus der Ich-Perspektive berichtet. Dabei erfährt man schon auf den ersten Seiten, dass sie sich nicht mit allen Anweisungen von Pioneer wohlfühlt, sie sich aber ihren Eltern zu Liebe versucht anzupassen. Gedanken, die ihr böse erscheinen, verdrängt sie. Und doch merkte ich sehr schnell, dass Layla nicht so zufrieden ist, wie sie nach außen hin den Eindruck machen möchte. Ihre Gefühle, ihre innere Zerrissenheit und ihre Bedenken konnte ich durch die Ich-Perspektive und der sehr eindringlichen Erzählweise sehr gut nachvollziehen. Ich habe beim Lesen mit Layla getobt, geweint und gegrübelt. Auffallend war für mich, dass die fröhlichen Momente sehr rar gesät waren.

Die Geschichte selbst hat mich ebenso beeindruckt. Amy C. Parker gibt einen sehr detailierten und für mich authentischen Einblick in das Leben einer Glaubensgemeinschaft, die nur einem Führer und dessen Visionen folgt. Sie zeigt ebenso deutlich, wie sich jahrelange Gehirnwäsche auf das Denken von Jugendlichen auswirkt, seien sie nun nicht so überzeugt wie Layla oder so besessen wie ihr bester Freund Will.

Ich hatte teilweise das Gefühl in einer Dokumentation zu stecken und viele Dinge, die im Inneren solch einer Gemeinschaft vorgehen, live mitzuerleben. Dennoch hatte ich nicht das Gefühl, dass die Autorin den Zeigefinger erhebt oder die Menschen, die Pioneer folgen, verurteilt. Sie überlässt es ihren Lesern, selbst eine Position einzunehmen. Das hat mir sehr gut gefallen.

Auch das Ende hat für mich gepasst und war stimmig. Der Roman ist in sich abgeschlossen und alle Handlungsstränge werden zusammengeführt und aufgeklärt. Die Zitate, die zu Beginn eines jeden Kapitels stehen, gaben mir zu denken und zeigten auch, wie gefährlich manchmal nur wenige Worte sein können.

Der Stil von Amy C. Parker ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise passt zu einer fast volljährigen Jugendlichen, die nicht viel von der Welt kennt.


Fazit: ein tolles und ergreifendes Debüt, das sich ernst und zugleich lesenswert mit dem Thema Abschottung befasst. Eine klare Leseempfehlung.

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