Samstag, 13. September 2014

Der 2. Weltkrieg aus Sicht eines Kindes

Im Winter schläft man auch bei den Wölfen
von Andrea Molesini

Eine Leseprobe findet ihr hier

Italien während des 2. Weltkrieges: die beiden 10-jährigen Jungs Pietro und Dario werden von ein paar Nonnen in einem Kloster versteckt. Doch der Wahnsinn der Verfolgung macht auch vor den Kirchentüren nicht halt. Und so müssen die beiden Jungen zusammen mit ein paar Nonnen und einem Priester fliehen. Während der Flucht gibt es nur eine zentrale Frage: wem kann man noch trauen?

"Im Winter schläft man auch bei Wölfen" war mein erster Roman des Autors Andrea Molesini und er hat mir gefallen. Molesini lässt seinen Leser die Schrecken des Krieges durch die Augen eines 10-Jährigen sehen.

Denn die Geschichte wird von Pietro höchstselbst erzählt. Und obwohl Pietro weiß, das Krieg ist, sind seine Erzählungen und seine Gedanken so sprunghaft und neugierig, wie sie es nur bei einem 10-jährigen sein können. Der Kleine hat eine sehr gute Beobachtungsgabe und weiß ganz genau, wer wann was vor ihm verheimlichen will. Und das ärgert ihn, denn er ist laut eigener Ausssage ja nicht blöde und weiß, wenn die Erwachsenen flüstern, dass sie dann was zu verbergen haben.

Sein bester Freund Dario hingegen ist kein Mann großer Worte. Er spricht in dem gesamten Buch höchstens 10 Sätze, doch Pietro versteht sich mit ihm prächtig und auch stumm. Zudem weiß Pietro, was er an seinem besten Freund hat und beschützt ihn mit einer Hingabe, wie es sie nur bei Kinderfreundschaften gibt.

Die Beschreibungen des 10-jährigen Jungen, die vor Fantasie und Wortschöpfungen nur so strotzen, haben mich berührt. Den Krieg einmal aus der Perspektive eines Kindes zu sehen, war für mich etwas neues und ganz anderes. Für Pietro ist die Flucht eher ein Abenteuer und so verliert das hässliche Gesicht der Gewalt ein wenig seine Kraft, auch wenn der Kleine ab und an zugeben muss, dass er Angst hat.

Der Stil von Andrea Molesini ist gut und flüssig zu lesen. Er trifft die Wortwahl und auch die Gedanken eines Kindes in meinen Augen sehr gut und übertreibt es dabei auch nicht.


Fazit: wer mal einen anderen Blick auf den 2. Weltkrieg werfen möchte, sollte zugreifen.


Ein großes Dankeschön geht an den Piper-Verlag für die Bereitstellung des Buches!

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