Mittwoch, 10. September 2014

Der Sport und das Gedankengut

Deutscher Meister
von Stephanie Bart

Eine Leseprobe findet ihr hier

Berlin, 1933: der Sinto Johann Trollmann boxt im Profibereich und ist bereit für den Titel. Schon seit über 2 Jahren will er endlich um die Meisterschaft boxen, doch immer wurde ihm der Zugang verwehrt. Nun hat der Führer Deutschlands Boxen zu DER Sportart des Reiches ausgerufen. Und was der Führer will, das geschieht auch. Der Vorsitzendes des Verbandes zieht die Säuberung kategorisch durch. Nur Trollmann bleibt. Doch kann er auch weiterhin boxen?

"Deutscher Meister" ist das Debüt von Stephanie Bart und für mich ein Stück gehobene Literatur, die zeigt, wie es im 3. Reich zuging. Begeisterung über das Werk verspüre ich nicht, aber ich bin beeindruckt.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben, wobei man zum Großteil Trollmann und seinen Kämpfen beiwohnt. Die Kämpfe und auch die Vorbereitungen darauf werden von der Autorin sehr akribisch und genau beschrieben. So konnte ich jede einzelne Bewegung der Boxer, ja sogar jeden Schlag genau nachvollziehen und mir bildlich vorstellen.

Die Politik, die 1933 geherrscht hat, ist eher ein Hintergrundrauschen, als das sie vorrangig in dem Roman diskutiert wird. Natürlich kommt Stephanie Bart nicht umhin, die Säuberung im Verband und die Ablehnung Trollmanns zu erklären, jedoch tut sie das oberflächlich, ja fast abwertend. Sie zeigt nicht mit der Holzhammermethode, was damals seinen Lauf nahm, sondern weist leise darauf hin.

Denn im Vordergrund stehen der Boxer und sein Kampf. Und genau dort, während Runde um Runde vergeht, erkennt man, wie die Politik ihren Lauf nimmt. Stephanie Bart bedient nicht die schlimmsten Bilder von Verfolgung, Denunzierung und ähnlichem, sondern zeigt allein durch die Kämpfe, welches Gedankengut zu der Zeit herrschte. Das hat mich beeindruckt, da die Autorin ihren Lesern nicht die Erkenntnis aufzwingt, sondern ihnen genug Zeit gibt, um selbst darauf zu kommen.

Die Geschichte indes verläuft eher gemächlich, zwischendrin fast langweilig. Der große Kampf, auf den Trollmann hinarbeitet, wird in epischer Breite erzählt. Jede Runde umfasst mehrere Seiten, jeder Schlag wird detailliert beschrieben. Am Ende war mir diese Art der Erzählung zu lang, sie verlor ihren Zauber und auch die Zwischentöne wiederholten sich. Hier hätte eine leichte Straffung dem Werk gut getan.

Der Stil von Stephanie Bart unterscheidet sich stark von dem, was ich sonst gewöhnt bin. Dennoch war es für mich keine Qual, das Buch zu lesen. Die Autorin wird an manchen Stellen poetisch ausladend, während sie bei anderen Augenblicken distanziert und kühl bleibt. Diese Mischung passt sehr gut zu der Thematik.


Fazit: "Deutscher Meister" ist beileibe kein einfacher Roman, aber zeigt dennoch, was in der damaligen Zeit abgelaufen ist. Wer gern mal ein Buch nicht nur zur Unterhaltung liest, sollte zugreifen.

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