5. September 2014

Mein Interview mit Britt Reißmann


Es ist wieder soweit. Ich durfte ein Interview führen. Und diesmal mit einer Autorin, genauer gesagt einer Krimi-Autorin. Britt Reißmann stand mir per Mail Frage und Antwort und kam bei meinen Fragen sogar ins Plaudern, was mich natürlich gefreut hat. Ich hoffe, ihr habt genau so Spaß am Interview wie wir!


F: Zuerst meine Lieblingsfrage: welches Buch liest du zur Zeit?

A: „Das Haus des Todes“ von Paul Cleave, einen richtig heftigen Thriller. Nachdem ich in den letzten zwei Jahren als Jurorin für den DeLiA-Preis fast 350 Liebesromane gelesen habe, brauche ich jetzt einfach mal ein Kontrastprogramm. 


F: Du hast eine Ausbildung zur Sängerin hinter dir und bist dann zur Polizei gegangen. Wie kam es dazu? Und wie reagierten und reagieren die Kollegen, wenn sie erfahren, dass du auch noch singen kannst?

A: Mein eigentlicher Lehrberuf war Intarsienschneiderin. Den Abschluss zur Sängerin habe ich erst danach gemacht und bin insgesamt 11 Jahre lang mit verschiedenen Bands durch die Lande getingelt. Beide Berufe musste ich aufgeben, weil es nach der deutschen Wiedervereinigung in der ehemaligen DDR einfach keine Jobs mehr gab. Auf der Suche nach Arbeit hat es mich dann nach Stuttgart verschlagen, wo ich mich nach einen Umweg über die Hotelbranche einfach im Schreibdienst bei der Polizei beworben habe, weil ich tippen konnte und Krimifan war. Das war wohl eine Art schicksalhafte Fügung, denn ohne diesen Job wäre ich kaum zum Krimischreiben gekommen.

Meine Kollegen finden es ziemlich originell, eine im Team zu haben, die Krimis schreibt, die auch noch auf unserer Dienststelle – der Stuttgarter Mordkommission - spielen. Einige haben schon gerätselt, ob jemand von den Kollegen für die eine oder andere Figur vielleicht Pate gestanden haben könnte (was aber wirklich nicht der Fall ist, alle Figuren sind erstunken und erlogen). Dass ich früher mal Sängerin war, wissen die wenigsten. Ich gehe damit auch nicht hausieren, nicht dass ich am Ende noch bei Dezernatsfeiern ran muss! 


F: Mit Thea Engel hast du deine erste Reihe quasi abgeschlossen, mit "Blutopfer" hast du nun Verena Sander zu deiner Hauptfigur gemacht. Weißt du schon, in wie vielen Bänden deine Leser mit ihr ermitteln dürfen?

A: Das kann ich jetzt unmöglich sagen. Im Moment arbeite ich ja gerade erst am zweiten Teil der Verena-Sander-Serie. Wie viele es davon noch geben wird, hängt nicht zuletzt auch vom Erfolg der Reihe ab. Fakt ist: Je mehr Leser meine Bücher finden, umso größer stehen die Chancen auf zahlreiche Fortsetzungen. Ich kann das leider nicht allein entscheiden. Der Verlag will ja auch was daran verdienen. ;-)


F: Kommen deine Ideen zu den Krimis ausschließlich aus deinem beruflichen Alltag?

A: Nein. Der zu „Blutopfer“ kam beispielsweise aus einer dpa-Meldung. Natürlich fließen auch immer Anregungen aus dem beruflichen Alltag ein. Ich erzähle aber nie komplette reale Fälle nach, sondern merke mir interessante Details und spinne eine eigene Geschichte daraus.
Kleine, eher nebensächliche Anekdoten aus unserem Arbeitsalltag übernehme ich aber manchmal fast 1:1. Die Kollegen freuen sich dann immer, wenn sie auf kleine Insider stoßen, die natürlich nur sie erkennen.


F: Sowohl im realen als auch im fiktionalen Leben jagst du Verbrecher. Was tust du um dich davon abzulenken?

A: Da ich ja keine Polizistin, sondern „nur“ Angestellte im Schreib- und Bürodienst bin, jage ich die Verbrecher nicht wirklich selbst, sondern bringe nur ihre Geständnisse zu Papier (falls sie gestehen) oder ihre Lügenmärchen (falls sie uns die Hucke vollschwindeln) und tippe die Korrespondenz für Staatsanwaltschaft und Gericht sowie all den Schriftkram für die Ermittlungs- und Verfahrensakten. Zu Hause schreibe ich dann meist weiter – an meinen selbst ausgedachten Fällen. Und wenn ich einmal nicht schreibe, dann lese ich viel oder verplempere Zeit bei Facebook. Ansonsten bin ich riesiger Musical-Fan und bin hin und wieder – wenn ich es mir leisten kann – im Stuttgarter Palladium- oder Apollo-Theater zu finden. Der Fernseher fristet bei mir ein recht trostloses Dasein, weiß gar nicht mehr, wie man den bedient.


F: Wenn du deine Bücher schreibst, wo und wie schreibst du sie?

A: Am Computer. Ich habe in meinem Wohnzimmer einen winzigen Erker, in dem mein Schreibtisch steht, der nur 90 cm breit ist (und haargenau in den Erker passt). Man kann sich kaum vorstellen, was, abgesehen vom Monitor, für Berge von Zetteln, Rechercheliteratur und Notizbüchern sich darauf stapeln – oft ist kaum Platz für die Kaffeetasse. Das ist der Ort, an dem meine Manuskripte entstehen. Allerdings schleppe ich fast immer und überall ein Notizbuch mit mir rum, damit ich jederzeit eine Idee aufschreiben kann, die mich unerwartet überfällt. Ich bin aber auch schon, als ich es mal vergessen hatte, spontan aus der Bahn gesprungen, in die nächste Postfiliale gerannt und hab mir dort einen Paketzettel geklaut, auf dem ich mir das Nötigste notiert habe. Ich komme lieber später nach Hause als dass ich eine gute Idee vergesse.


F: Du hast zunächst mit Kurzgeschichten begonnen. Wie schwer war es für dich, mal eine Geschichte zu schreiben, die nicht nach 50 oder 60 Seiten aufhört?

A: Genau genommen habe ich mit einem Kinder-Fantasy-Roman begonnen, der 258 Seiten umfasst und inzwischen leider vergriffen ist. An dem habe ich allerdings auch drei Jahre geschrieben, nämlich im Erziehungsurlaub, bevor ich zur Kripo kam. Ich hatte das Romanschreiben also schon geübt, und beim ersten Thea-Engel-Krimi hatte ich auch noch eine Co-Autorin (Silvija Hinzmann), musste also nicht alles alleine schreiben.
Natürlich finde ich es schwieriger, einen Roman zu plotten als eine Kurzgeschichte, zumal man viel mehr Handlungsstränge überblicken und sinnvoll zusammenführen muss. Ich bin kein sonderlich logisch denkender Mensch und empfinde das Plotten als sehr anstrengend. Der Spaß fängt für mich erst beim Ausformulieren der Szenen an. Kurzgeschichten schreibe ich zwischendurch immer noch just for fun, weil es Spaß macht, ein Anthologieprojekt gemeinsam mit anderen Autoren zu planen und zu verwirklichen. Die sind dann aber auch deutlich kürzer als 50 Seiten.


F: Und meine letzte Frage: wirst du mit "Blutopfer" mal auf Lesetour gehen bzw. wo können dich deine Leser in nächster Zeit mal live erleben (außer bei der Polizei ;) )?

Ich muss gestehen, dass ich ziemlich faul bin, was Lesungen betrifft, was aber auch an meinen knappen Zeitreserven liegt. Ich muss ja alles, was mit dem Schreiben und Vermarkten zu tun hat, auch mit meinem Kripo-Job koordinieren, der nicht immer berechenbar ist. Für eine Lesereise müsste ich Urlaub nehmen, den ich manchmal dringend für eine Schreibklausur brauche. Daher lese ich eher selten, und wenn, dann meist im Raum Stuttgart, wo ich ohne lange Anreise und Übernachtung auskomme. Im Moment ist nichts geplant, aber wenn, dann findet man die Termine auf jeden Fall auf meiner Homepage brittreissmann.de oder meiner Autorenseite bei facebook.

Am besten stehen die Chancen, mich live kennenzulernen, wenn man sich im Stadtgebiet Stuttgart wegen Mordes oder gefährlicher Körperverletzung verhaften lässt. ;-)

Liebe Denise, herzlichen Dank für die Fragen. Es hat mir Spaß gemacht, virtuell mit dir zu plaudern. 


Und ich danke dir, liebe Britt, für das offene und herzliche Interview. Wer nun was von Britt lesen möchte, kann einfach hier klicken! Ich freue mich schon auf den zweiten Fall von Verena Sander!!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen