Dienstag, 23. September 2014

Tod verjährt nicht!

Das Mädchenopfer
(Anthony-McLean-Reihe Band 1)
von James Oswald

Eine Leseprobe findet ihr hier

Detective Inspector Anthony McLean, von Kollegen und Freunden Tony gerufen, kommt eher zufällig an den Tatort eines blutigen Verbrechens: ein angesehener Bürger der Stadt Edingburgh wurde brutal ermordert und aufgeschlitzt. Da Tony es sich in der Vergangenheit mit seinen Vorgesetzten verscherzt hat, wird er zu dem Fall nicht hinzugezogen. Er bekommt einen im wahrsten Sinne des Wortes angestaubten Mord zugewiesen: auf einer Baustelle wird die grausam zugerichtete Leiche einer Frau gefunden. Um sie herum sind 6 Gefäße mit ihren Organen in Nischen versteckt. Die Untersuchungen ergeben, dass das Opfer vor gut 60 Jahren gestorben ist. Nicht gerade ein brisanter Fall, bis Tony McLean Zusammenhänge erkennt, die besser unerkannt geblieben wären...

"Das Mädchenopfer" ist der erster Thriller von James Oswald und hat mir sehr gut gefallen. Der Autor verlegte sich laut eigener Aussage nach einigen Fantasy-Romanen auf das blutige Genre. Und der Umschwung ist ihm, bis auf kleine Ausnahme, sehr gut gelungen.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben, dabei folgt man allerdings zum Großteil dem Ermittler McLean. Von diesem erfährt man auch so einiges aus seiner Vergangenheit und seinem Privatleben. So hat sich James Oswald zu Beginn eher auf das Privatleben seines Ermittlers konzentriert. Daher beginnt der Thriller, bis auf einen sehr blutigen Paukenschlag, still und fast gemütlich.

Auch im weiteren Verlauf der Story lässt der Autor keine Hektik aufkommen. Man verfolgt die Ermittlungen, die Tony zusammen mit 2 Kollegen durchführt und bekommt dabei einen Einblick in die Arbeit schottischer Polizeidienststellen. Tony McLean ist kein Starermittler, ja nicht mal sonderlich beliebt bei seinen Vorgesetzten und so kommt es, dass er mehr als einen Fall auf dem Tisch hat. Das hat mir gefallen, denn James Oswald behält trotz der Fülle an Informationen immer die Übersicht und gibt diesen Überblick auch sehr gut an seine Leser weiter.

Je mehr der Thriller fortschritt, desto spannender wurde er. Ich bin zum Schluss hin auf dem Sofa unruhig hin- und hergerutscht, weil ich unbedingt wissen wollte, wie alles zusammenhängt. Das Finale hat mich dann überrascht, allerdings bin ich noch immer unschlüssig, ob ich es gut oder doof finden soll. Auf der einen Seite führt es zwar die Fäden zusammen, auf der anderen Seite lässt es mir aber zu viel Raum für Spekulationen. Doch alles in allem ist es passend.

Die Figuren habe ich, bis auf ein paar Ausnahmen, sofort ins Herz geschlossen. Besonders der Gerichtsmediziner mit seiner etwas schrulligen Art hat es mir angetan. Aber auch die handelnden Personen, die ich nicht leiden konnte, konnte ich mit Leidenschaft nicht leiden. Dafür ein Lob an den Autoren.

Der Stil von James Oswald ist gut zu lesen, wenn auch ab und an etwas holprig. Seine Erzählweise ist distanziert, grausame Details fließen einfach ein, als wären sie nicht weiter der Rede wert. Für mich war dies eine neue Erfahrung, die mir aber gefallen hat.


Fazit: ein gutes Debüt im Thrillergenre und ein gelungener Serienauftakt. Ich kann das Buch empfehlen.

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