Sonntag, 30. November 2014

Debüt über die Machenschaften bei Übernahmen

Lauras Unschuld
von Hugo C


LS Technologies, ein Autozulieferer, soll von dem Konzern RSS, einem Stahllieferanten, übernommen werden. So weit, so ungewöhnlich. Allerdings ist Laura Sand, die mit der Analyse der Attraktivität des Angebotes betraut ist, mit dem Vorstandsvorsitzenden von RSS John Swansea liiert. Von dieser Beziehung weiß niemand...bisher, denn die Übernahme verläuft nicht so, wie sich John Swansea das vorgestellt hat. Und auf beiden Seiten wird mit harten Bandagen gekämpft, um die eigenen Interessen durchzusetzen.

"Lauras Unschuld" ist das Debüt von Hugo C und hat mir insgesamt gefallen. Der Autor schreibt unter einem Pseudonym, da er nach eigener Aussage selbst in dem Segment tätig ist, in dem sein Roman spielt. Und das er sich in der Materie auskennt, merkt man direkt beim Lesen.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man allen möglichen Personen, so dass man immer über das Vorgehen von Swansea, dem Chef von LS Dr. Stuck, Laura und vielen anderen im Bilde ist. Zwar ist dies toll, da man ab und an einen Wissensvorsprung genießen konnte, dennoch war es mir zu viel. Denn durch die ständigen und zahlreichen Wechsel konnte ich keine Figur so wirklich kennenlernen. Mir hätte es mehr gefallen, wenn ich nur 2 oder 3 Figuren begleitet hätte, dafür diese aber intensiver. So geht mit den Sprüngen auch mal der rote Faden verloren.

Die Story selbst ist hochinteressant, wenn man sich für Firmenübernahmen und die schwarzen Schafe der Branche begeistern kann. Hugo C fährt mit den beiden Kontrahenten jedes legale und illegale Geschütz auf. Das fand ich toll und es wirkte auf mich auch nicht übertrieben. Die Privatssphäre seiner handelnden Figuren bleibt sehr stark im Hintergrund und wird nur dann beleuchtet, wenn sie für die Intrigen wichtig ist. Dieses Vorgehen hatte durchaus etwas für sich. Dennochh hätte ich es toll gefunden, wenn gerade das Privatleben von Laura, die zumindest in der ersten Hälfte des Buches wie die Hauptfigur wirkt, näher beleuchtet worden wäre. Das hätte in meinen Augen die Glaubwürdigkeit von vielen Handlungen erhöht. So wirkten manche Vorgehensweisen unüberlegt, naiv oder risikofreudig, weil ich die Gedankengänge der jeweiligen Figur nicht verfolgen konnte.

Der Stil von Hugo C ist gut zu lesen. Allerdings sollte man sich vor der Lektüre schon mal mit dem Finanzwesen beziehungsweise mit Unternehmensübernahmen beschäftigt haben. Denn sonst kann es passieren, dass man mit den Fachbegriffen, die der Autor benutzt, überfordert ist.

Hugos Erzählweise ist nüchtern, direkt und ohne große Schnörkel. Für mich passte das perfekt zur Geschichte.


Fazit: ein durchaus lesenswertes Debüt, das nur noch der Feinschliff in Rhetorik und so manche Erklärung fehlt. Dennoch kann ich es interessierten Lesern empfehlen.

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