Mittwoch, 5. November 2014

Ermittlungen ohne Tony und Carol, geht das überhaupt?

Eiszeit
(Jordan-Hill-Reihe Band 8)
von Val McDermid

Eine Leseprobe findet ihr hier

Carol Jordan hat nach den traumatischen Erlebnissen ihren Job hingeworfen und sich komplett aus der Welt der Polizei und Ermittlungen zurückgezogen. Selbst Tony Hill, ihr ehemals bester Freund und nun Persona non grata für sie, weiß nicht, wo sie sich aufhält. Auch hat er mit Schuldgefühlen und Scham zu kämpfen, gibt er sich doch, so wie Carol es tut, die Schuld an den Ereignissen. Und während die beiden mit sich selbst kämpfen, werden in Bradfield Frauen entführt und ermordet. Frauen, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Carol Jordan haben. Zufall?

"Eiszeit" ist bereits der 8. Teil der Jordan-Hill-Reihe von Val McDermid und hat mir gut gefallen. Obwohl es das Cover und der Klappentext suggerieren, ermitteln die Polizistin und der Profiler mitnichten im aktuellsten Fall. Das tut ein anderes Team. Carol und Tony sind eher Randfiguren, aber präsent.

Die Geschichte wird, wie gewohnt, aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Während man in den vorangegangenen Romanen immer an der Seite von Carol Jordan und/oder Tony Hill war, kommt in diesem Teil noch Paula McIntyre hinzu. Paula kennt man als Teil von Carols Team. Jetzt muss sich Paula in einem neuen Team beweisen. Und genau das inklusive der Ermittlungen zu den Frauenmorden nimmt den Großteil des Krimis ein.

Was nicht an sich schlecht ist. Denn die Ermittlungen sind spannend und Paula beweist auf ihre Art, was sie bei Carol und Tony gelernt hat. Zudem bekommt man als Leser auch einen Einblick in ein "normales" Polizeiteam und erfährt somit, mit welchen Problemen sich die Kollegen dort herumschlagen müssen. Das fand ich toll.

Carol Jordan und Tony Hill bleiben eher im Hintergrund, es gibt jedoch immer wieder Kapitel, in denen man erfährt, wie es ihnen geht und was sie umtreibt. So verliert man nicht die Bindung zu den beiden. Wer sich allerdings auf eine neue Ermittlung des Duos gefreut hat, dürfte wohl enttäuscht sein.
Ich musste mich auch erst während des Lesens daran gewöhnen, dass ich diesmal nichts beziehungsweise nur wenig von Tonys brillianten Einfällen und Carols Maßnahmen lesen werde. Als ich diese Erwartung über Bord geworfen hatte, konnte mich der Thriller gefangen nehmen und hat mich dann auch bis zum Ende nicht mehr losgelassen.

Das Finale an sich ist logisch herbeigeführt und wirkte doch ein wenig überhastet. Der Täter wurde klassisch ermittelt, seine Festnahme war dann für meinen Geschmack leicht übertrieben. Dennoch passt der Schluß zum gesamten Buch.

Der Stil von Val McDermid ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist geradeaus, detailreich und sie hat ein Talent dafür, sich in ihre Täter hineinzuversetzen. Das gefällt mir.


Fazit: der 8. Band konnte mich zwar überzeugen, jedoch hoffe ich, dass im nächsten Teil Tony Hill und Carol Jordan wieder im Mittelpunkt stehen. Dennoch kann ich den Teil empfehlen.

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