Mittwoch, 31. Dezember 2014

Wenn die Sorgen von sinnlichen Gedanken überlagert werden...

VerkehrsVerbot
von Linda Calore

Eine Leseprobe findet ihr hier

Isabella führt mit ihren Freunden Lydia, Marlene und Marco eine kleine Gemeinschaftspraxis, in der sie psychologische Gespräche, Channeling, Yoga und Massagen anbieten. Diese Gemeinschaft klappt hervorragend, bis ihnen eine Anzeige wegen Kurpfuscherei und sexueller Belästigung ins Haus flattert. Alle vier sind geschockt. Und für Isabella ist es noch schlimmer, da sie erst ihren Freund Stefan, den sie abgöttisch liebt, beim Cybersex mit einer anderen erwischt. Wie sollen die 4 Freunde ihr Leben nur wieder auf die Reihe bekommen?

"Verkehrsverbot" ist das Debüt von Linda Calore und lässt mich zwiegespalten zurück. Die Autorin hat ein tolles Talent zum Erzählen, jedoch kann mich die Geschichte nicht vollends überzeugen.

Die Story wird von den vier Freunden selbst erzählt. Sie wechseln sich kapitelweise ab und erzählen aus ihrem Alltag, ihren Erlebnissen und auch ihren erotischen Fantasien. Dabei nimmt die Erotik einen sehr großen Teil der Schilderungen ein. Dadurch gerät die eigentliche Geschichte in den Hintergrund.

Und da bin ich auch schon an dem Punkt, der mir nicht gefallen hat und mich schlußendlich dazu brachte, die letzten 100 Seiten nur noch querzulesen: obwohl Linda Calore einen ansprechenden Stil hat, fließen die erotischen Szenen nicht einfach in die Geschichte ein, sondern werden mit der Holzhammermethode reingepresst.
Egal, in welcher Situation sich die Figuren befinden, überall schwingt die Erotik mit. Mal nur als Andeutung, doch meist wirklich als alles überdeckendes Bild. Dabei kommt es höchst selten zum Verkehr an sich. Viel mehr hungern die Charaktere nach Lust und Erotik und lassen dabei ihren Gedanken freien Lauf. Das finde ich an sich nicht schlecht, ist es doch spannend zu erfahren, was Isabella, Lydia, Marlene und Marco denken. Doch ihre Gedanken scheinen nur von diesem Thema beherrscht zu werden. Das ist schade.

Die Hintergrundgeschichte gerät dadurch fast in Vergessenheit. Das ist echt schade, denn sie bietet viel Potenzial. Zudem hat Linda Calore allen Figuren ein feuriges Temprament mitgegeben, das sie auch in Form von Anschreien und Ausflippen sehr gut ausleben. Auch hier wäre weniger manchmal mehr gewesen. Alles in allem wirkt der Roman wie eine in Papier gepresste Form von "Darf ich bei Ihnen ein Rohr verlegen?"

Was ich aber unbedingt positiv hervorheben möchte, ist der toll zu lesende Stil der Autorin. Linda Calore haucht ihren Figuren durch ihre freche und unkomplizierte Erzählweise glaubwürdig Leben ein. Besonders Isabella ist mir dadurch sympathisch geworden, denn sie spricht so, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Toll!


Fazit: auch wenn mich "Verkehrsverbot" nicht direkt gefangen nehmen konnte, kann ich mir gut vorstellen, eine andere Geschichte der Autorin zu lesen.

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