Montag, 30. Juni 2014

Sehr gute Idee, spröde Hauptfigur

Gefährliche Täuschung
von Sabine Kornbichler

Eine Leseprobe findet ihr hier

Emma ist mit ihrem Mountainbike unterwegs, als sie auf einen verletzten Mountainbiker stößt. Als sie ihm helfen will, wird sie selbst zum Opfer. Der Täter betäubt sie und hält sie 5 Tage lang in einer Hütte gefangen. Sein Ziel: 100.000 EUR. Als Emmas Mann dieses Geld liefert, kommt Emma frei. Doch wie frei kann sie weiterleben, wo sie weiß, dass der Täter noch draußen herumläuft?

"Gefährliche Täuschung" war mein 2. Krimi von Sabine Kornbichler und konnte mich nicht vollends begeistern. Die Idee, dass Emma nach ihrer Entführung selbst den Täter sucht und sich auch noch gegen Beschuldigungen der Polizei wehren muss, fand ich sehr gut. Mit Emma als Figur konnte ich leider nicht warm werden.

Die Geschichte wird von Emma aus der Ich-Perspektive erzählt. Somit ist man hautnah dabei, als sie entführt, festgehalten und wieder freigelassen wird. Durch die sehr emotionalen Erzählweise konnte ich auch mit der Hauptfigur mitfühlen und ihre Ängste sehr gut nachvollziehen.
Doch je mehr sich Emma auf Tätersuche begibt, desto unsympathischer ist sie mir geworden. Sie ist sehr schnell dabei, Menschen zu beschuldigen; kämpft gegen alles an, was die Polizei sagt und widersetzt sich auch Anweisungen. Zwar konnte ich dies zu einem kleinen Teil nachvollziehen, doch mir fehlte die Einsicht Emmas, dass nicht alles, was sie denkt und tut, richtig und gut ist. Hier hätte der Hauptfigur mehr Selbstkritik gut getan.

Der Stil von Sabine Kornbichler ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist gefühlsbetont, aber nicht weinerlich oder kitschig, die Handlungen Emmas sind nachvollziehbar, wenn auch nicht immer verständlich.

Fazit: ein guter Krimi, bei dem ich nur mit der spröden Hauptfigur zu kämpfen hatte. Wer sich daran nicht stört, kann beherzt zugreifen.


Ein großes Dankeschön an den Piper-Verlag für die Zuverfügungstellung des Buches.

Sonntag, 29. Juni 2014

Romantisch und zum Heulen schön

be with me
(wait-for-you-Reihe Band 2)
von J. Lynn

Eine Leseprobe findet ihr hier

Teresa muss nach einem Unfall ihren Traum vom Tanzen aufs Eis legen. Daher schreibt sie sich an der Uni, auf die auch ihr Bruder Cameron geht, ein. Womit sie allerdings nicht gerechnet hat, ist, dass sie nun auch Camerons besten Freund Jase jeden Tag begegnen wird. Jase hat ihr vor Monaten den wunderbarsten Kuss ihres Lebens geschenkt und sich danach nie wieder gemeldet. Wie soll das jetzt auf dem Campus gut gehen?

"Be with me" ist der 2. Band der Wait-for-You-Reihe und dreht sich um Teresa und Jase. Die beiden konnte man schon im ersten Teil der Serie kennenlernen. Die Autorin J. Lynn hat es auch mit diesem Roman geschafft, mich zu verzaubern und zum Weinen zu bringen.

Die Geschichte wird von Teresa aus der Ich-Perspektive erzählt. Sie hadert dabei immer noch mit ihrer Vergangenheit und vor allem mit ihren Gefühlen zu Jase. Dies wird durch ihre chaotische Gefühlswelt mehr als deutlich. Auf der anderen Seite wirkt sie aber auch stark. Diese Mischung passt sehr gut zu der Figur und mir hat es sehr viel Freude bereitet, ihre Geschichte zu lesen.

Auch in diesem Roman kommen Romantik und auch Erotik nicht zu kurz. Da sowohl Jase als auch Teresa schon Erfahrungen in diesem Gebiet gesammelt haben, sind die beiden direkter und schneller als Cam und Avery im ersten Teil. Wer aber denkt, dass es in dem ganzen Buch nur Friede, Freude, Eierkuchen gibt, täuscht sich. J. Lynn behandelt ebenso Themen, die mir aus Traurigkeit die Tränen in die Augen haben schießen lassen. Es gab Kapitel, die ich nur noch verschwommen wahrgenommen habe, weil ich so viel geweint habe, im guten wie im traurigen Sinne. So etwas schaffen nur ganz wenige Autoren bei mir.

Fazit: eine tolle, rührende Geschichte, die ich nur empfehlen kann. Wer Romantik und ein wenig Dramatik mag, kann beherzt zugreifen.


Ein dickes Dankeschön geht an den Piper-Verlag für die Bereitstellung des Buches.

Samstag, 28. Juni 2014

Mein Interview mit Teri Terry



Nachdem ich die Ehre hatte, 3 männliche Autoren für meinen Blog interviewen zu dürfen, kommt nun die erste Autorin an die Reihe. Auch thematisch geht es in eine ganz andere Richtung, da Teri Terry mit ihrer Slated-Trilogie doch vor allem jugendliche Leser angesprochen hat. Nachdem der finale Band erschienen und von mir lesetechnisch verschlungen wurde, war ich neugierig, was die Autorin so bewegt. Daher ließ ich es mir nicht nehmen, sie einfach mal zu fragen.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen des Interviews!


Q: At first, my beloved question: what book do you read at the moment?
F: Zuerst meine Lieblingsfrage: welches Buch liest du zur Zeit?

A: A proof copy of Sophia Bennett’s The Castle. It’s out in August.
A: Ein Probeabdruck von "The Castle" von Sophia Bennett. Es wird im August erscheinen.


Q: You finished your trilogy Slated. Congrats! What are your next plans?
F: Du hast deine Slated-Trilogie beendet. Gratulation dazu. Was sind deine nächsten Pläne?

A: My new book is Mind Games. We should have a cover for it soon; it is out with Orchard Books in the UK in March 2015, and I hope it will be in translation in Germany also.
A: Mein neues Buch heißt "Mind Games". Bald wird es ein Cover geben und es wird im März 2015 im Verlag Orchard Books in Großbritannien erscheinen. Ich hoffe, dass es dann auch eine deutsche Übersetzung geben wird.


Q: How came the idea for "Slated" and how long did you search for a publisher? 
F: Wie kamst du auf die Idee für "Slated" und wie lange hast du nach einem Verlag gesucht?

A: Slated actually started with a dream that I had, of a girl running on a beach – this became the prologue to Slated, and the story grew from there. I got an agent with Slated in the spring of 2011, and she submitted it to publishers. There were several interested and there was an auction – it was all very exciting, and happened fast – over just a few months.
A: "Slated" startete eigentlich mit einem Traum, den ich hatte: ein Mädchen, das am Strand entlangrennt. Diese Szene wurde der Prolog zu "Slated" und die Geschichte nahm von dort aus ihren Lauf. Im Frühjahr 2011 habe ich eine Agentin für "Slated" gefunden, die mein Werk verschiedenen Verlagen angeboten hat. Es waren einige daran interessiert und es gab eine Auktion. Das war alles sehr aufregend und es ging schnell, das Ganze dauerte nur wenige Monate.


Q: Was the trilogy finished when you presented it to the publisher?
F: War die Trilogie schon fertig, als du sie dem Verlag präsentiert hast?

A: I’d finished the first book only when I got my publishing deal for the Slated trilogy.
A: Als ich meinen Vertrag mit einem Verlag für die "Slated"-Trilogie bekam, war ich nur mit dem ersten Band fertig.


Q: Was writing for young adults your first choice?
F: War das Schreiben für junge Erwachsene deine erste Wahl?

A: Absolutely! I love writing YA. I started writing for adults years ago, but knew I’d found my home when I started writing teenage voices.
A: Absolut! Ich liebe es für junge Erwachsene zu schreiben. Jahre zuvor habe ich mal mit dem Schreiben für Erwachsene bekommen, aber so richtig zu Hause fühlte ich mich erst, als ich angefangen habe jugendliche Stimmen niederzuschreiben.


Q: I read, that you travelled a lot in your live. Is there a country that you don't see yet but want to?
F: Ich habe gelesen, dass du in deinem Leben viel gereist bist. Gibt es ein Land, was du noch nicht bereist hast, aber gerne noch bereisen möchtest?

A: I love traveling! I’d like to spend more time in Europe. I’ve seen a lot of Australia and Canada already.
A: Ich liebe Reisen! Ich möchte gern mehr Zeit in Europa verbringen. Ich habe schon sehr viel von Australien und Kanada gesehen.


Q: I read on your homepage, that you worked as a scientist. What was your science?
F: Ich habe auf deiner Homepage gelesen, dass du als Wissenschaftlerin gearbeitet hast. Was war dein Fachgebiet?

A: I did a B Sc in Microbiology.
A: Mein Fachegebiet war die Mikrobiologie.


Q: Do you will come to Germany to present your books?
F: Wirst du nach Deutschland kommen um deine Bücher vorzustellen?

A: If my publisher wants to bring me to Germany, I’d love to come!
A: Wenn mein Verlag mich nach Deutschland einlädt, würde ich liebend gern kommen!


Q: It's football-time all over the world. Do you interest in this world cup and if you do so, who is your favorite?
Q: Der Fußball regiert aktuell die Welt. Interessiert dich die Weltmeisterschaft und wenn ja, wer ist dein Favorit?

A: I’m not into football – sorry to football lovers everywhere! I’m more of a cricket girl.
A: Fußball interessiert mich gar nicht - tut mir leid, Fußballliebhaber! Ich bin mehr für Kricket.


Q: And at last: is there anything you want to tell your German readers? 
Q: Und zuletzt: gibt es etwas, was du deinen deutschen Lesern sagen möchtest?

A: Thank you so much for all your enthusiasm for the Slated trilogy; thank you for reading!
A: Vielen Dank für eure Begeisterung für die "Slated"-Trilogie. Vielen Dank fürs Lesen!

Ich danke Teri für das tolle und informative Interview und hoffe, dass sie bald mal nach Deutschland kommen kann.

Der Lebensspender als todbringende Waffe

H2O - Das Sterben beginnt
von Ivo Pala

Eine Leseprobe findet ihr hier

6 Menschen sterben an einer radioaktiven Vergiftung. Ihre Gemeinsamkeit? Auf den ersten Blick keine. Bis die Erkenntnis das Team der Terrorabwehr wie erstarrt zurücklässt: alle Opfer kamen mit Leitungswasser in Berührung. Und tatsächlich wird wenig später das vergiftete Trinkwasserreservoir gefunden. Doch damit nimmt der Terror erst seinen Anfang und Julian Berg, Leiter des Teams und Dr. Alexander Kehlhausen, Experte für Strahlenschutz müssen sehr weit gehen, um den Terror aufzuhalten. Schaffen sie es?

"H2O - Das Sterben beginnt" ist mein erster Thriller von Ivo Pala und hat mir sehr gut gefallen. Der Autor inszeniert eine Horrorvorstellung schlechthin: ein Terroranschlag auf eine der grundlegendste Versorgung der Menschen.

Die Geschichte wird temporeich aus der Erzählerperspektive berichtet. Dabei begleitet man sowohl die Einsätze innerhalb Deutschlands, als auch die Meetings in der Einsatzzentrale und die Besprechungen im Bundeskanzleramt. Unterschwellig ist immer die Angst und die Gefahr zu spüren. Die Handlungen der einzelnen Personen, allen voran Julian Berg, wirken für die Story schlüssig und nachvollziehbar, sind aber in meinen Augen weit von der Realität entfernt. So gibt es viele Grenzüberschreitung, die zwar für mich persönlich überzeugend sind, aber so in der Wirklichkeit kaum vorkommen werden. Dennoch tat dies meinem Lesespaß keinen Abbruch.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: die Geschichte konzentriert sich voll und ganz auf die Einsätze der Terrorabwehr. So ist man zwar auf der professionellen Seite dabei, allerdings hätte ich mir auch einen Einblick in eine normale Familie gewünscht. Denn die Angst der Bevölkerung kommt durch nüchternen Berichte der Kämpfer nicht so gut wie von mir erhofft rüber.

Der Stil von Ivo Pala ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist rasant und er konzentriert sich nur auf die Details, die für den Thriller relevant sind. Dabei arbeitet er gern mit Cliffhangern am Kapitelende. Mir hat dieser Stil beim Lesen sehr viel Spaß gebracht.

Fazit: ein lesenswerter Thriller, der zeigt, wie angreifbar wir sind. Eine klare Empfehlung an alle Thriller-Fans, die sich eine schlüssige, wenn auch nicht realitätsnahe, Story wünschen.


Ein großes Dankeschön an den Blanvalet-Verlag für die Zuverfügungstellung des Buches.

Freitag, 27. Juni 2014

Unfälle können vermieden werden, Morde nicht!

Teuflisches Spiel
(Kate-Burkholder-Reihe Band 5)
von Linda Castillo

Eine Leseprobe findet ihr hier

Spät am Abend wird ein Buggy, besetzt mit einem amischen Vater und seinen 3 Kindern, von einem Auto gerammt. Die verletzte Familie wird einfach liegen gelassen und später von einem Autofahrer entdeckt. Kate Burkholder, Chief der Polizei und ehemaliges Mitglied der Amisch-Gemeinde, begreift schnell, dass das Unglück nur auf den ersten Blick nach einem Unfall aussieht...

"Teuflisches Spiel" ist der 5. Teil der Kate-Burkholder-Reihe und konnte mich wieder überzeugen. Linda Castillo schafft es auch mit mit diesem Thriller, mir die Welt der Amische näher zu bringen und mich gleichzeitig mit einem spannenden Fall zu fesseln.

Die Geschichte wird großteilig von Kate Burkholder aus der Ich-Perspektive erzählt. Die Ermittlerin ist dabei eher nüchtern und distanziert, vor allem aber unaufgeregt. Das gefällt mir sehr gut an ihr. Der Fall selbst und die handelnden Personen wirken realitätsnah und glaubwürdig. Während der Geschichte kommt noch ein zweiter Fall ans Licht, der die starke Chefin der Polizei schwanken lässt. Und hier gewährt sie dann auch einen Einblick in ihre Gefühlswelt. Diese für mich neue Seite hat mich überrascht, aber ich hoffe, dass wir in den nächsten Bänden mehr davon zu sehen bekommen.

Der Stil von Linda Castillo ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist ruhig, wenig effektheischend und sie legt keinen Wert auf blutige Details. Dafür geht dieser Thriller aufgrund seiner Thematik und den Beweggründen der Figuren unter die Haut.

Ein Hinweis für Erstleser von Linda Castillo: Obwohl jeder Fall in sich abgeschlossen ist, ist es sinnvoll die Reihenfolge der Serie einzuhalten, damit man die Entwicklung der Figuren besser nachvollziehen kann.

Fazit: ein toller 5. Teil, der mich schon jetzt ungeduldig auf Band 6 warten lässt. Eine klare Leseempfehlung.

Donnerstag, 26. Juni 2014

Wozu überleben, wenn man sich einen Mann suchen kann?

Poison Princess
(Poison-Princess-Reihe Band 1)
von Kresley Cole

Eine Leseprobe findet ihr hier

Evie wird von Visionen heimgesucht. Selbst ein Klinikaufenthalt hat ihr nicht geholfen. Daher versucht sie, alles zu verdrängen, bis...ja bis das Schicksal zuschlägt und mit einem Schlag die gesamte Zivilisation zerstört. Evie versucht zu überleben und dabei hilft ihr der junge Mann, den sie nie wiedersehen wollte: Jackson Deveraux...

"Poison Princess" ist das erste Jugendbuch von Kresley Cole und auch mein erster Versuch mit der Autorin. Während ich am Anfang noch hin und weg war, wurde das Buch ab der Hälfte immer schwächer und hormongeschwängerter. Das passt in meinen Augen überhaupt nicht zu der dystopischen Welt, die Kresley Cole erschaffen hat.

Die Geschichte wird von Evie aus der Ich-Perspektive erzählt. Dabei ist sie wie eine typische 16-jährige, wenn sie diese Visionen nicht hätte. Toll fand ich, dass die Erzählung VOR der Zerstörung beginnt und ich somit ein Gefühl für Evie, ihre Freunde und ihr soziales Umfeld bekommen. Auch der Bad Boy Jackson lernen wir dort schon kennen. Klar klingt das erstmal nach einer Geschichte voller Klischees, doch bis zur Hälfte war ich guter Hoffnung, da dieses "Ich finde ihn toll, darf es aber nicht zeigen" nicht bzw. nur kaum anklang.

Ab der Hälfte schlugen dann allerdings die Hormone voll zu. Jackson kann nur noch an das Eine denken, gibt dies offen zu und Evie windet sich, weil sie nicht zugeben will, dass sie es auch will, aber sich das Ganze romantischer vorstellt. Die anderen Überlebenden, seien es Milizen oder Evies Mutter, können auch nur an das Eine denken: wie bringe ich die Frau an den Mann?? Überleben oder gar an etwas anderes denken kommt fast nicht mehr vor, es sei denn, Evie wird von einer ihrer Visionen überfallen. Die sowohl für sie als auch für den Leser undurchsichtig bleiben.

Fazit: man merkt leider zu deutlich, welche Art von Romanen Kresley Cole sonst schreibt. Was dort passt, ist bei "Poison Princess" einfach nur übertrieben. Schade!

Mittwoch, 25. Juni 2014

Wenn der erste Satz dich schon zu Tränen rührt...

und in mir der unbesiegbare Sommer
von Ruta Sepetys

Litauen, Sommer 1941: Lina ist 15, als sie und ihre Familie von den Sowjets deportiert werden. Weder weiß sie, wohin es geht, noch kann sie verstehen, warum sie als Verbrecher beschimpft werden. Doch mit jedem zurückgelegten Kilometer in einem Viehwaggon begreift Lina, dass ihr Leben nie wieder so sein wird, wie es war.

"Ich war im Nachthemd, als man mich holte", so beginnt die Geschichte von Lina und allein bei diesem Satz standen mir schon die Tränen in den Augen. Denn diese wenigen Worte reichten aus, um mir begreiflich zu machen, dass das Debüt von Ruta Sepetys weder verklärt noch beschönigt, sondern seine Finger direkt in die Wunde der Deportationen legt.

Die Geschichte wird von Lina aus der Ich-Perspektive erzählt. Mit 15 Jahren kommt sie so manches Mal altklug und besserwisserisch rüber, aber unter all dem konnte ich den Schmerz, die Angst und die schwindende Hoffnung herauslesen. Auch wenn das Schicksal von Lina und ihrer Familie Fiktion ist, so hält sich die Autorin meines Wissens und Erachtens nach sehr stark an die damalige Realität. Bei vielen Szenen standen mir Tränen in den Augen, weil die 15-jährige Erzählerin mit ihrer ganz eigenen und fast schonungslosen Art von Toten, Hunger und Angst erzählt.

Der Stil von Ruta Sepetys ist sehr gut und flüssig zu lesen. Trotz des traurigen Themas entwickelt der Roman eine Sogwirkung, der ich mich nicht entziehen konnte. Und so habe ich fast eine Nacht lesend auf dem Sofa verbracht, weil ich unbedingt wissen wollte und hoffte, dass es das Schicksal mit Lina gut meint.

Fazit: ein mehr als bewegendes Buch, das ich nur jedem empfehlen kann!

Dienstag, 24. Juni 2014

Nichts ist, wie es scheint

Engelsblut
(Darmstadt-Krimi Band 6)
von Michael Kibler

Eine Leseprobe findet ihr hier

Steffen Horndeich, Kommissar bei der Mordkommission Darmstadt, will sich mit seiner Frau einen gemütlichen Abend machen. Doch ein Anruf seiner Chefin Margot Hesgart zerstört die traute Zweisamkeit. Eine junge Frau hat sich vor einen Zug geworfen. Die Sache scheint schnell klar. Kaum zu Atem gekommen, müssen sich die beiden Ermittler schon um einen zweiten Fall kümmern: ein Ehepaar ist ermordet und ausgeraubt worden. Warum nur?

"Engelsblut" war mein erstes Buch von Michael Kibler, dabei ist dieser Darmstadt-Krimi schon Teil 6 der Reihe um die Ermittler Horndeich und Hesgart. Aber auch ohne das Vorwissen aus den anderen Bänden fand ich mich schnell in den Krimi ein.

Die Geschichte ist spannend und fesselnd erzählt. Ich bin ein Fan von amerikanischen Thrillern und musste hier beim Lesen erstmal einen Gang runterschalten. Das tat aber meinem Lesespaß keinen Abbruch. Denn Michael Kibler versteht es, seine Leser bei der Stange zu halten. Zum Einen beschreibt er die Ermittlungen in meinen Augen realitätsnah, zum Anderen lässt er auch immer wieder kleine Witze einfließen, die die Stimmung lockern.

Die beiden Ermittler habe ich direkt ins Herz geschlossen. Sie wirken weder übermenschlich, noch haben sie scheinbar unlösbare private Probleme. Sie wirken so herrlich normal und dadurch waren sie mir nah.

Der Stil von Michael Kibler lässt sich sehr gut und flüssig lesen. Seine Erzählweise ist fesselnd, aber nicht gestelzt oder übertrieben. Auch arbeitet der Autor nicht mit Cliffhangern am Kapitelende, was ich als erfrischende Abwechslung empfand.

Fazit: auch wenn es schon Band 6 ist, hat mir das Lesen sehr viel Spaß gemacht und ich werde mir die ersten Bände genauer anschauen. Eine klare Leseempfehlung an alle Krimi-Fans.


Vielen Dank an den Piper-Verlag für die Zuverfügungstellung des Buches.

Welche Welt ist gefährlicher?

Silo
(Silo-Reihe Band 1)
von Hugh Howey

Eine Leseprobe findet ihr hier

Die Welt ist zerstört, vergiftet, nicht mehr bewohnbar. Die Überlebenden haben sich in ein Silo unter der Erde zurückgezogen und leben dort nun auf engstem Raum. Es gibt strenge Regeln und Gesetze und die schlimmste Bestrafung ist die Reinigung. Denn die Verurteilten müssen dann an die Oberfläche, die Kameralinsen, die die Außenwelt für die Silobewohner filmen, reinigen und verenden dann qualvoll. Doch warum gibt es dann immer wieder Menschen, die freiwillig hinaus wollen? Und wieso bekommt eine Abteilung Privilegien, während sich die anderen den Regeln unterwerfen müssen?

"Silo" ist das Debüt von Hugh Howey und es hat mich zutiefst bewegt. Der Autor erschafft eine postapokalyptische Welt, in der die Menschen unter der Erde leben und mit doch sehr alltäglichen Problemen klar kommen müssen. Dabei erschafft er eine Atmosphäre aus Beklemmung, Paranoia und Unzufriedenheit.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive berichtet und ist sehr eindringlich geschrieben. Von Beginn an konnte ich die Beklemmung, die einige Figuren im Silo empfinden, sehr gut nachvollziehen. Das Buch lebt nicht unbedingt von einer mörderischen Spannung, sondern durch das tiefe Eindringen in eine beängstigend enge Welt. Für mich waren die Handlungen der Figuren sehr gut nachvollziehbar und gerade durch den beengten Raum, in dem die Geschichte spielt, wollte ich unbedingt wissen, welche Konsequenzen aus diesen Handlungen erwachsen.

Der Stil von Hugh Howey ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist detailreich, aber nicht überladen und er schafft es dadurch, dass sich der Leser sehr schnell in die Welt von Silo reindenken kann. Bei vielen Szenen lief bei mir ein innerer Film ab, so gut sind die Beschreibungen des Autors.

Fazit: ein beklemmendes und sehr gutes Debüt, das mich ungeduldig auf die Fortsetzung warten lässt. Eine klare Leseempfehlung an alle, die "Was wäre wenn?"-Szenarien lieben.

Montag, 23. Juni 2014

Mein Interview mit Sebastien de Castell



Ich bin ja schrecklich neugierig. Deshalb konnte ich mich auch nicht zurückhalten, mal bei einem Neuling im Fantasy-Genre für ein Interview anzufragen. Und tatsächlich hat sich Sebastien de Castell bereit erklärt, sich meinen Fragen zu stellen. Trotz des französisch anmutenden Namen spricht der Autor Englisch, was mir die Interviewführung sehr erleichtert hat.

De Castell konnte mich mit seinem Debüt "Blutrecht" überzeugen und ich bin schon gespannt auf den zweiten Teil, der aller Voraussicht nach im Herbst 2014 erscheinen wird. Doch nun genug der Vorrede, hier kommt das Interview. Viel Spaß dabei!

Q:At first, my favorite question: which book do you read at the moment?
F: Als erstes eine meiner Lieblingsfragen: welches Buch liest du aktuell?
A:I just finished reading Wool by Hugh Howey - a very impressive science fiction novel that did a wonderful job of blending a mysterious post-apocalyptic setting with very human problems. I’m now reading the horror novel NOS4A2 by Joe Hill which is already captivating me.
A: Ich habe gerade Wool von Hugh Howey [ Anmerkung meinerseits: im Deutschen Silo von Hugh Howey] beendet. Eine sehr beeindruckende Science-Fiction-Geschichte, bei der ein postapokalyptischer Hintergrund mit sehr menschlichen Problemen verbunden wird. Jetzt lese ich das Horror-Buch NOS4A2 von Joe Hill, was mich ebenso fasziniert.

Q: How did you get inspired for the story of the greatcoats?
F: Was hat dich zu deiner Geschichte über die Greatcoats inspiriert?
A: The idea for the Greatcoats - the sword fighting travelling magistrates who play a central role in the novel - came from reading about the itinerant judges of the English Middle-Ages. Unlike the judges we have today who work in the relative opulence of a courtroom, the itinerant judges had to go out on a circuit that could take an entire year, travelling from town to town, hearing cases and trying to mete out the King’s justice. It sounded like an awfully dangerous job, though it’s vastly more so in the world of Traitor’s Blade.
A: Die Idee zu den Greatcoats - schwertkämpfende Magistrate, die eine zentrale Rolle in meinem Buch spielen - kam mir, als ich etwas über die reisenden Richter des englischen Mittelalters gelesen habe. Im Gegensatz zu den heutigen Richtern, die den relativen Luxus eines Gerichtssaals genießen können, mussten die reisenden Richter auf eine Rundreise, die gut und gern mal ein Jahr dauern konnte, gehen, von Stadt zu Stadt reisen, sich Fälle anhören und dann versuchen, im Namen des Königs Gerechtigkeit zu sprechen. Es klang nach einem fürchterlich gefährlichen Job, doch es ist noch wesentlich schlimmer in der Welt von "Blutrecht".

Q: How many novels do you plan with them?
F: Wie viele Bücher planst du mit den Greatcoats?
A: The second book is complete and with the publishers. It’s title is Hochverrat and it takes the main characters on a darker and more perilous journey than they’ve faced before. Falcio will come to question his idealized memories of King Paelis, Kest will pay the price that comes with wanting to be the greatest swordsman in the world, and Brasti will discover he can no longer get away with simply playing the charming rogue. Valiana, Aline, and the Tailor all take more central roles in the second book than they did in the first, and the clash between their different visions of right and wrong will shake Tristia’s very foundations.
Although The Greatcoats is a four-book series, I’m committed to ensuring that each book is a complete story in and of itself. I was determined with Traitor’s Blade to end the novel at a point that would give readers a satisfying conclusion rather than simply a cliffhanger, and I’ve worked very hard to do the same with Hochverrat, so I very much hope that readers will enjoy it.
A: Der zweite Teil ist bereits fertig und beim Verlag. Der Titel lautet "Hochverrat" und die Hauptfiguren werden auf eine dunklere und beschwerlichere Reise als ihre vorherige gehen. Falcio wird seine idealisierten Erinnerungen an König Paelis in Frage stellen, Kest wird den Preis für seinen Traum der größte Schwertkämpfer der Welt zu sein bezahlen und Brasti wird entdecken, dass er sich mit seiner Rolle als charmanter Schurke nicht mehr davonstehlen kann. Valiana, Aline und die Schneiderin werden eine größere Rolle als im ersten Teil spielen und der Streit über ihre verschiedenen Ansichten von Richtig und Falsch wird Tristias feste Glaubenssätze erschüttern.
Auch wenn die Greatcoats-Reihe auf 4 Bücher angelegt ist, ist es mir wichtig, dass jede Geschichte der Reihe in sich selbst abgeschlossen ist. Ich habe mich bei "Blutrecht" entschieden, den Lesern ein zufriedenstellendes Ende statt einen simplen Cliffhanger zu liefern und ich arbeite hart daran, dass ich das Gleiche bei "Hochverrat" hinbekomme. Ich hoffe, den Lesern wird es gefallen.

Q: You studied archology, but you don't want to work as one. Why?
F: Du hast Archäologie studiert, arbeitest aber nicht als Archäologe. Warum?
A: I was inspired by a mixture of a passion for history and secretly wanting to be Indiana Jones. Of course, every archaeology teacher will tell you it’s nothing like that, but you can still go through your entire degree tricking yourself into believing it will be an adventurous and glamorous lifestyle. Archaeology is a great field for people who enjoy camping and spending a lot of time out in the sun and working very slowly and very meticulously. I like cities and get bored very easily, so it wasn’t a good fit for me. It only took me four hours on a dig to figure out I’d never go on another one again. However my degree was still a wonderful part of my overall education. You learn a great deal about the world and how we understand human life and culture from archaeology.
A: Ich war beseelt von einer Mischung aus Leidenschaft für Geschichte und so zu sein wie Indiana Jones. Natürlich sagt dir jeder Archäologielehrer, dass diese Vorstellung nichts mit der Realität zu tun hat, aber dein Glaube an einen abenteuerlichen und glamourösen Lebensstil wird dich bis zu deinem Abschluss bringen. Archäologie ist was für Menschen, die Zelten und sehr langsames und sehr sorgfältiges Arbeiten in der Sonne lieben. Ich mag Städte und bin schnell gelangweilt, daher passte der Job nicht zu mir. Es brauchte nur 4 Stunden bei einer Grabung, bis mir klar wurde, dass ich sowas nie wieder machen möchte. Aber mein Abschluss ist immer noch ein toller Teil meiner Allgemeinbildung. Du lernst einen Großteil der Welt kennen und wie wir mit Archäologie menschliches Leben und Kultur begreifen.

Q: I read in the internet, that you were a musician. Which music and which instruments did you play?
F: Ich habe im Internet gelesen, dass du Musiker warst. Welche Musik und welches Instrument hast du gespielt?
A: When I finished university I went on tour with a rock & roll band singing and playing guitar. I still perform quite often either as a singer, guitarist, or keyboard player. My most enjoyable gig is getting to perform as John Lennon in a Beatles tribute band simply because I love the music and the camaraderie with my bandmates.
A: Als ich mit der Uni fertig war, bin ich mit einer Rock'n'Roll-Band auf Tour gegangen. Dort war ich für Gesang und Gitarre zuständig. Ich trete noch immer als Sänger, Gitarrist oder Keyboarder auf. Mein liebster Auftritt ist meine Perfomance als John Lennon in einer Beatles-Tribute-Band, einfach weil ich die Musik und die Kameradschaft mit meinen Bandkollegen liebe.

Q: I read although, that you were a choreograph for fightings. That sounds interessting. Which fight arts did you do?
F: Ich habe ebenso gelesen, dass du Kampfchoreograph warst. Das klingt interessant. Welche Kampfarten hast du choreographiert?
A: Fight choreography is its own art - quite separate from all other martial arts. Because the goal is to simulate violence and tell a story rather than to quickly and efficiently disable an opponent, everything works in reverse from actual fighting. I’ve choreographed duels, large battle scenes, and even martial arts scenes. In terms of actual martial arts, I started with Tai Chi and epee fencing. I sometimes do rapier fencing as well.
A: Kampfchoreographie ist eine eigene Kunst - unabhängig von allen anderen Martial Arts, da das Ziel die Simulation von Gewalt und das Erzählen einer Geschichte ist und nicht das schnelle und effektive Ausschalten eines Gegners. Alles läuft umgekehrt zu echten Kämpfen. Ich habe Duelle, große Kampfszenen und auch Martial-Arts-Szenen choreographiert. Bezogen auf normale Martial Arts habe ich mit Thai Chi und Degenfechten begonnen. Manchmal fechte ich auch mit einem Rapier.

Q: You write fantasy (and by the way, I have to say beautiful fantasy). Is this your favorite genre or do you try other types like romantic or crime?
F: Du schreibst Fantasy (und ganz nebenbei gesagt, wundervolle Fantasy). Ist das dein Lieblingsgenre oder hast du es mal mit ganz anderem wie Romantik oder Krimi versucht?
A: I’m delighted that you enjoyed the book so much! I love writing fantasy because of its ability to enchant us and make us see our own world differently. However I also write crime and thriller fiction but with unusual detectives. My current project is a kind of grown-up dark Nancy Drew story.
A: Ich bin erfreut, dass dir mein Buch so gut gefallen hat! Ich liebe das Schreiben von Fantasy, weil es uns die Möglichkeit bietet uns zu verzaubern und unsere eigene Welt in einem anderen Licht zu sehen. Allerdings schreibe ich auch Krimis und Thriller, allerdings mit ungewöhnlichen Ermittlern. Mein aktuelles Projekt ist eine Art erwachsen gewordene, düstere Nancy-Drew-Story.

Q: Will you visit germany to present your books?
F: Wirst du mal nach Deutschland kommen um deine Bücher vorzustellen?
A: I would absolutely love to come to Germany to present my books - be sure to tell my publishers (Piper Verlag) to fly me out!
A: Liebend gern würde ich nach Deutschland kommen um meine Bücher zu präsentieren. Also sag meinem Verlag (Piper-Verlag), dass sie mich ausfliegen sollen!

Q: And at last: is there anything do you want to tell your german readers?
F: Und als letztes: gibt es etwas, was du deinen deutschen Lesern sagen möchtest?
A: One of the most exciting moments for me as an author was when my agent told me that Blutrecht was going to be published in German. I know that there are terrific German novelists and so it’s an honour and a privilege to have my book on the shelf next to theirs. I very much hope German readers will enjoy the Greatcoats series!
A: Einer meiner aufregendsten Momente als Autor war es, als mir mein Agent mitgeteilt hat, dass "Blutrecht" in Deutschland veröffentlicht wird. Ich weiß, dass es sehr gute deutsche Autoren gibt und so ist es für mich Ehre und Privileg zugleich, dass mein Buch im Regal neben ihren steht. Ich hoffe sehr, dass die deutschen Leser meine Greatcoats-Reihe mögen!


Ich danke Sebastien für das offene und aussagekräftige Interview und freue mich schon auf die Fortsetzung!

Sonntag, 22. Juni 2014

Wie weit gehst du für Perfektion?

Bibel der Toten
von Tom Knox

Eine Leseprobe findet ihr hier

Südfrankreich: Julia, eine junge Archäologin, findet in einer Höhle menschliche Schädel, die alle eine Gemeinsamkeit haben: ein von Menschenhand hergestelltes Loch in der Stirn. Begeistert über ihren Fund, berichtet sie ihrem Expeditionsleiter davon. Doch der winkt nur ab und verhöhnt sie sogar. Kurze Zeit später ist er tot...
Zur gleichen Zeit kämpft sich der Fotojournalist Jake mit seiner kambodschanischen Begleiterin Chemda durch die Killing Fields Kambodschas. Beide wollen Licht in das dunkle Kapitel der Roten-Khmer-Regierung bringen. Doch immer wieder geraten sie in tödliche Gefahr...

"Bibel der Toten" war mein erster Thriller von Tom Knox und er hat mich, trotz eines leicht schwachen Mittelteils, begeistert. Der Autor befasst sich unter anderem mit den Verbrechen der Roten Khmer, einem Teil der Menschheitsgeschichte, über den ich eindeutig zu wenig weiß.

Die Story ist über weite Strecken sehr spannend und interessant. Tom Knox hetzt seinen Leser gemeinsam mit seinen Figuren durch verschiedene Verfolgungsjagden und die dabei entstehenden Ängste sind zu spüren. Leider verliert er darüber ab und an das Voranbringen der Geschichte, so dass ihr im Mittelteil leicht die Luft ausgeht. Doch zum Schluss hin fängt er sich wieder und das Finale, das für mich überraschend und beängstigend war, lässt mich begeistert, wenn auch entsetzt zurück.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist schonungslos, brutal und direkt. Die Verbrechen, die von den Roten Khmer begangen worden sind, werden direkt und ohne Umschweife angesprochen und beschrieben. Leser mit schwachen Magen sollten sich also diese Lektüre zweimal überlegen.

Fazit: ein sehr guter Thriller über ein schwieriges und, wie ich finde, oft vergessenes Thema. Eine klare Leseempfehlung für alle, die nicht vor der brutalen Direktheit Tom Knox' zurückschrecken.


Ein großes Dankeschön an den Piper-Verlag für die Bereitstellung des Buches.

Samstag, 21. Juni 2014

Unten im Meer...

Renegade Tiefenrausch
(Renegade Band 1)
von J.A. Souders

Eine Leseprobe findet ihr hier

Evelyn lebt in Elysium, einer scheinbar perfekten Stadt auf dem Meeresgrund. Ihre Mutter ist das Oberhaupt dieser Stadt und tut alles dafür, dass die Bewohner in Frieden leben können. Ihre Gesetze scheinen hart, aber wirkungsvoll. Da dringt ein Oberflächenbewohner in die perfekte Welt ein und Evelyn merkt langsam, dass Mutter nicht immer Recht hatte. Doch wie groß sind die Lügen und kann sie dem Oberflächenbewohner mit Namen Gavin überhaupt trauen?

"Renegade: Tiefenrausch" ist der erste Roman von J.A. Souders und hat mir sehr gut gefallen. Die Autorin erschafft eine dystopische Welt auf dem Meeresgrund, die nur auf den ersten Blick perfekt scheint. Doch sobald man tiefer eintaucht, erfährt man Details, die einem Gänsehaut bereiten.

Die Geschichte wird von Evelyn aus der Ich-Perspektive erzählt. Zu Beginn mutet es sehr komisch an, dass sie jedes Kapitel mit der gleichen Beschreibung beginnt. Doch je näher man Elysium und Mutter kennenlernt, desto mehr merkt man, wie verdreht die Weltansicht des Oberhauptes ist. Evelyn selbst misstraut, sobald sie ein paar Mal mit Gavin gesprochen hat, dem System sehr schnell. Mir ging es in manchen Situationen zu schnell, denn die Jugendliche kennt keine andere Welt aus der ihren. Dennoch war für mich die Geschichte insgesamt schlüssig und sehr spannend. Das Ende ist offen gestaltet und lässt auf eine Fortsetzung hoffen.

Gavin und Evelyn sind mir schnell ans Herz gewachsen, da die beiden schon vor ihrer Zeit erwachsen werden mussten. Auch die Charakterisierung der Mutter hat mir sehr gut gefallen. Sie konnte ich aus vollem Herzen hassen. Allerdings konnte ich ebenso gut ihre Beweggründe nachvollziehen. Genau diese Mischung finde ich wichtig.

Der Stil von J.A. Souders ist sehr gut und flüssig zu lesen. Sie trifft den Charakter Evelyns durch ihre naive, dann aber immer selbstbewusst werdende Erzählweise sehr gut.

Fazit: ein tolles Debüt, das Lust auf mehr macht. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung! Eine klare Leseempfehlung an alle Dystopie-Liebhaber.


Danke an den Piper-Verlag für die Bereitstellung des Buches.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Bedrückende Geschichte, nicht immer passender Stil

Tribunal
von André Georgi


Eine Leseprobe findet ihr hier

Jasna Brandic ist kurz vor dem Ziel. Sie hat es geschafft einen Kronzeugen für die Verurteilung des Kriegsverbrechers Kovac nach Den Haag zu bekommen. Doch kurz bevor der Zeuge vor Gericht aussagen kann, kommt es zu einem tötlichen Attentat. Der Prozess droht aufgrund fehlender Zeugen zu platzen, da erreicht Jasna eine Nachricht aus Belgrad. Wird sie ihr folgen?

"Tribunal" ist der erste Thriller von André Georgi und er hat sich dafür ein nicht gerade leichtes Thema ausgesucht. Er behandelt in seinem Werk die Jagd auf Kriegsverbrecher aus dem Bosnienkrieg Anfang der 90er Jahre. Auch wenn die Thematik bedrückend ist und viel Raum für gut erzählte Geschichten lässt, konnte mich der Stil Georgis nicht überzeugen.

Die Geschichte wird die gesamte Zeit aus der Erzählerperspektive berichtet. Dabei begleitet man sowohl die Ermittlerin Jasna, als auch später eine kleine Gruppe von Kriegsverbrechern, die sich auf der Flucht befinden. Die Entwicklung der Story ist spannend und man merkt, dass der Autor auch als Dramaturg unterwegs ist.

Allerdings wird Georgi mit seinem Stil seiner Geschichte nicht gerecht. Er erzählt nüchtern, distanziert und schonungslos. Was zu Beginn noch sehr gut passt, verleidete mir mit Fortschreiten des Werkes den Spaß am Lesen (soweit man hier von Spaß aufgrund der Thematik sprechen kann). Seine Figuren bleiben blass und oberflächlich, so dass ich auch keine Bindung aufbauen konnte. Die Beweggründe der Täter bleiben ebenso im Dunkeln wie die Entscheidungen der Ermittler. Zudem verwendet Georgi keine Anführungszeichen bei der wörtlichen Rede, was gerade en vogue zu sein scheint, aber für mich immer wieder störend ist.

Das für mich größte Manko sind aber die bildlichen Vergleiche, die der Autor zieht. Egal, in welcher blutigen oder gewaltsamen Situation sich seine Figuren gerade befinden, die Vergleiche Georgis beziehen sich auf die primären und sekundären Geschlechtssmerkmale von Männern und Frauen. Das passt nun gar nicht zur Geschichte und schon gar nicht zur Thematik. Hier hätte ich mehr Fingerspitzengefühl erwartet.

Fazit: ein sehr gutes Debüt, was die Story angeht, aber am Stil sollte der Autor meiner Meinung nochmal feilen. Daher auch nur eine eingeschränkte Leseempfehlung.

Mittwoch, 18. Juni 2014

Solides Debüt mit kleinen Schwächen

Quelle: Blanvalet-Verlag
Sibirischer Wind
von Ilja Albrecht

Eine Leseprobe findet ihr hier

Kiran Mendelsohn, Profiler und Berater des BKA, startet mit einem gemütlichen Frühstück in seinen wohlverdienten Urlaub. Doch bevor er überhaupt einen Bissen zu sich nehmen kann, wird er von der Oberstaatsanwältin Eleonore Roellinghoff zurück ins Büro beordert. Der Fall: ein Industriemagnat wird am Wannsee verprügelt und erschossen. Das Brisante dabei ist, dass das Opfer enge Beziehungen sowohl zur Bundesregierung als auch zu Russland pflegte. Kann der Täter durch Mendelsohn und sein Team gefunden werden? Oder muss er aufgrund politischer Interessen im Dunkeln bleiben?

"Sibirischer Wind" ist das Debüt von Ilja Albrecht und hat mir bis auf einige Schwächen gut gefallen. Für ein Debüt beinhaltet der Thriller alles, was benötigt wird: Spannung, 2 schnoddrige Ermittler und eine große Verschwörung.

Die Story wird aus der Erzählerperspektive berichtet, wobei man als Leser großteilig den Profiler Kiran Mendelsohn begleitet. Dadurch ist man hautnah bei den Ermittlungen des Teams dabei und erlebt somit auch die Höhen und Tiefen sowie die Fallstricke bei einem Fall von politischer Brisanz. Ilja Albrecht zeigt dabei schonungslos, wie weit die Verstrickungen von Industrie, Politik und Ermittlungsbehörden gehen können. Wie nah er damit an der Wahrheit ist, kann ich nicht beurteilen, aber die Herleitungen wirken realitätsnah und nachvollziehbar.

Ich habe beim Lesen besonders 2 Figuren ins Herz geschlossen: Profiler Kiran Mendelsohn und Teamleiter Bolko Blohm. Die zwei nehmen kein Blatt vor den Mund und gerade Blohm ist so schnoddrig drauf, dass ich manches Mal in lautes Lachen ausgebrochen bin. Das hat mir sehr gut gefallen.

Ilja Albrecht geizt zwar auf der einen Seite nicht mit Details und seitenlangen Beschreibungen, geht aber auf der anderen Seite für mich zu oberflächlich über bestimmte Sachen drüber. Seinen Figuren fehlt leider die Tiefe. Zwar erfährt man ein paar Sachen, gerade was Kiran angeht, aber doch bleibt vieles im Dunkeln. Hier hätte ich mir mehr Informationen gewünscht.

Auch der Schwung zur Lösung des Falls war für mich zu einfach. Zwar ist die Lösung nachvollziehbar, doch sah es mir zu sehr nach Kommissar Zufall aus. Allerdings glaube ich auch, dass Ilja Albrecht, wenn er weitere Bücher mit dem Team raus bringt, sich hier weiterentwickeln kann.

Fazit: ein für mich solides Debüt, welches schon zeigt, was der Autor kann. Ich hoffe, dass er bei weiteren Büchern sich steigern wird. Für Thriller-Fans durchaus etwas.


Eine Dankeschön an den Blanvalet-Verlag für die Zuverfügungstellung des Buches.



Dienstag, 17. Juni 2014

Der Tod kommt per Internet

Der Totschläger
(Hunter-und-Garcia-Thriller Band 5)
von Chris Carter

Robert Hunters Telefon klingelt. Das ist nun für den Detective des Morddezernates in L.A. nichts neues. Die Stimme am anderen Ende lässt ihn allerdings nicht kalt, befiehlt sie ihm doch, eine bestimmte Website aufzurufen. Dort ist ein gefesselter Mann in einem solide wirkenden Glaskasten zu sehen. Der Anrufer stellt Hunter vor die Wahl: wie soll der Mann sterben? Durch Wasser oder durch Feuer? Hunter kann nicht entkommen und trifft eine folgenschwere Entscheidung...

"Der Totschläger" ist bereits Band 5 in der Reihe um Robert Hunter und Carlos Garcia. Und wieder schafft es Chris Carter, dass ich mich kaum vom Buch lösen konnte und zum Ende hin keine Fingernägel mehr besaß.

Die Geschichte wird in einem hohen Tempo erzählt. Doch diesmal stößt Hunter, der nur als hochintelligent zu bezeichnen ist, an seine Grenzen und muss sich Hilfe beim FBI holen. Die Einbindung dieser Hilfe gibt dem Leser einen tieferen Einblick in die Welt der Cyperkriminalität. Die Details, die der Autor anführt, wirken sehr gut recherchiert. Dadurch war für mich auch die Verzweiflung der Ermittler sehr gut nachvollziehbar.

Je länger eine Reihe wird, desto skeptischer werde ich, ob der Autor sein Niveau halten kann. Chris Carter kann! Er beweist eine morbide, ja fast kranke Fantasie, was die Todesarten angeht. Doch nicht nur die Morde, sondern auch die Wege dorthin haben mich frösteln lassen. Das Finale fand ich sehr gut und schlüssig.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Chris Carter verschwendet keine Zeit, sondern wirft seinen Leser mitten ins Geschehen und hält ihn durch einen Mix aus Details und Cliffhangern in der Geschichte. Das hat mir sehr gut gefallen.

Fazit: ein sehr guter 5. Band, der sich hinter seinen Vorgängern nicht verstecken muss. Eine klare Empfehlung an alle Thriller-Fans.

Montag, 16. Juni 2014

Kein leichte Unterhaltung, dafür viel Tiefe

Zertrennlich
von Saskia Sarginson

Viola und Isolte sind eineiige Zwillinge, die zusammen mit ihrer Mutter in einem Haus im Wald aufwachsen. Ihre Kindheit ist geprägt von Natur und Freiheit. Jahre später verfolgt Isolte hartnäckig ihre Karriere als Journalistin bei einem Modemagazin. Viola hingegen verfolgt ein komplett anderes Ziel: den Hunger und ihren Körper zu besiegen. Warum will die eine so unbedingt leben, während die andere unbedingt sterben will??

"Zertrennlich" ist das Debüt von Saskia Sarginson und es hat mich zum Großteil beeindruckt. Leider verdirbt mir der Schluss den gesamten Leseeindruck.

Die Geschichte von Viola und Isolte ist keine Geschichte für zwischendurch oder für fröhliche Stunden. Der Roman ist geprägt von Traurigkeit, Geheimnissen und Kampf. Dabei darf man allerdings keinen wirklichen Fortgang der Story erwarten. Der Roman besticht durch seine Tiefe und nicht durch den Fortschritt der Handlung.

Viola erzählt ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive und somit erfährt man hautnah, wie abhängig sie von ihrer Schwester Isolte, genannt Issy, ist. Auch ihre Gedankengänge sind eher naiv und leichtgläubig. 
Issys Sicht der Dinge wird aus der Erzählerperspektive geschildert. Isolte wirkt unnahbar, zielgerichtet und dominant. Und das merkt man in allem, was sie tut: im Umgang mit ihrem Freund, in den Rückblicken in ihre Kindheit und einfach auch an den Worten, die Saskia Sarginson gewählt hat.
Ich konnte mit beiden Frauen nicht warm werden, was allerdings meinen Lesespaß nicht trüben konnte.

Die Autorin macht es ihren Lesern nicht allzu einfach, was ihren Roman angeht. Ohne Ankündigung wechselt sie Perspektiven und Zeitebenen. Das verlangte von mir Konzentration beim Lesen. Nach einer kurzen Eingewöhnung las sich das Debüt aber sehr flüssig.

Der Schluss macht in meinen Augen den gesamten Aufbau, den ich bemerkens- und lesenswert finde, zu nichte. Sarginson beschränkt sich auf ein Ende, was zu viele Fragen offen lässt und auf der anderen Seite zu einfach für diese Art der Geschichte ist. Schade!

Fazit: eine schwere, wenn zugleich auch tolle Geschichte. Wer mit einem zu leichten Ende leben kann, sollte zugreifen.

Ein großes Dankeschön geht an die Büchereule und den script5 - Verlag für das Leseexemplar.

Sonntag, 15. Juni 2014

Zum Weinen schön!

wait for you
(wait-for-you-Reihe Band 1)
von J. Lynn

Eine Leseprobe findet ihr hier

Avery kommt zu ihrem ersten Kurs des neuen Studienjahres zu spät und rennt auch noch auf dem Weg zum Kurs in den süßesten Jungen der ganzen Uni. Cam ist einfach nur großartig und Avery würde am liebsten im Boden versinken. Doch Cam scheint einen Narren an ihr gefressen zu haben und die Beiden freunden sich an. Wird ihre Freundschaft Bestand haben, in der sie ein dunkles Geheimnis verschweigt?

"Wait for you" ist ein romantisches Buch aus der Feder von J. Lynn. Dieser Autorenname ist das Pseudonym von Jennifer L. Armentrout, die unter anderem "Dreh dich nicht um" geschrieben hat. Der Roman hat mir sehr gut gefallen und mich zu Tränen gerührt.

Die Geschichte wird von Avery aus der Ich-Perspektive erzählt. Man begleitet sie das gesamte Studienjahr und lernt so nicht nur ihre Freunde Brit und Jacob, sondern auch Cam kennen, der der fleischgewordene Traum aller Frauen zu sein scheint. Doch Avery plagen aufgrund ihrer Vergangenheit Selbstzweifel. Was in ihrer Vergangenheit passiert ist, bleibt lang im Dunkeln. Durch Hinweise und Andeutungen konnte ich mir zwar einiges zusammenreimen, aber die Wahrheit hat mich dann doch umgehauen.

Ja, das Buch ist hochromantisch, an manchen Stellen sogar schnulzig, aber in meinen Augen ist es das perfekte Buch fürs Herz. Ich habe mit Avery gelacht, geschwärmt und auch geweint. Teilweise ging mein Schluchzen über mehrere Kapitel. Das lag nicht nur an den Begebenheiten selbst, sondern auch an dem wundervollen Erzählstil J. Lynns. Die Autorin stellt die Gefühlswelt ihrer Hauptfigur so echt und nachvollziehbar da, dass mir gar nichts anderes übrig blieb, als zu weinen, zu lachen und zu schmachten.

Fazit: wer etwas wunderschönes und nicht abgedroschenes fürs Herz sucht, ist bei "Wait for you" genau richtig. Eine klare Leseempfehlung.

Samstag, 14. Juni 2014

Es lässt mich zwiegespalten zurück


Lebendig
von Jack Ketchum

Eine Leseprobe findet ihr hier

Sara wird auf dem Weg zu einer Abtreibungsklinik entführt. Ihre Entführer sperren sie in einen Keller, foltern und quälen sie. Was sie wollen, sagen sie nicht. Was sie verfolgen, sagen sie nicht. Nur eine Info hat Sara: spurt sie nicht, ist nicht nur ihr Leben in Gefahr.

"Lebendig" war mein erstes Buch von Jack Ketchum und es lässt mich zwiegespalten zurück. Jedoch nicht, wie man vermuten könnte, wegen der Brutalität, sondern wegen der Oberflächlichkeit der Hauptgeschichte. Die beiden Kurzgeschichten, die als Bonusmaterial bezeichnet werden, haben mir hingegen sehr gut gefallen.

In der Hauptgeschichte konzentriert sich Jack Ketchum ganz auf das Martyrium von Sara. Die Hintergründe, warum sie entführt und gequält wird, bleiben schwammig und bis auf eine konkrete Aussage auch im Dunkeln. Diese Aussage steht aber im krassen Gegensatz zur Behandlung Saras, was mich wiederum stutzig werden ließ,
Dass der Autor gar nicht auf die Suche nach Sara eingangen ist, hat mir hingegen sehr gut gefallen. Ich fand diese Herangehensweise außergewöhnlich und interessant zu lesen.
Zwiegespalten bin ich, da Ketchum nach einer sehr guten Einleitung für mich einfach zu schnell über die Monate der Gefangenschaft hinweg geht. Während er zu Beginn die Qualen noch detailliert, ja fast minutiös beschreibt, werden die folgenden Wochen und Monate im Zeitraffer abgetan. Das war mir, aufgrund einer fehlenden anderen Perspektive, zu wenig.

Die beiden Kurzgeschichten, die auf die Hauptgeschichte folgen, zeigen eher das Potenzial, welches ich von Ketchum erwartet hatte. Obwohl die beiden Geschichten nicht viele Seiten einnehmen, haben sie mich sofort gefangen genommen und festgehalten.

Fazit: vielleicht habe ich für meinen ersten Versuch mit Ketchum nicht gerade ein Meisterwerk von ihm gewählt. Daher kann ich hier auch nur eine eingeschränkte Empfehlung aussprechen.