Dienstag, 30. September 2014

Das Dorf schweigt!

Das Dorf der Mörder
(Sanela-Beara-Reihe Band 1)
von Elisabeth Herrmann

Eine Leseprobe findet ihr hier

Im Berliner Tierpark werden in einem Gehege Teile einer Leiche gefunden. Die Streifenpolizistin Sanela Beara ist mit ihrem Kollegen zuerst am Tatort. Doch statt Dienst nach Vorschrift zu tun, ermittelt Sanela auf eigene Faust. Kurze Zeit später wird die Mitarbeiterin des Tierparks Charlotte "Charlie" Rubin verhaftet. Sie ist geständig. Und dennoch lässt der Fall Sanela keine Ruhe. Auch dem angehenden Psychotherapeuten Jeremy Saaler, der zusammen mit seinem Chef Dr. Dr. Brock das Gutachten über Charlie erstellen soll, kommen Zweifel an der Täterschaft. Doch wie soll er das beweisen, wo doch selbst die Täterin alles zugibt?

"Das Dorf der Mörder" ist der Auftakt zu einer neuen Krimireihe von Elisabeth Herrmann. Ich habe von der Autorin bisher fast alle Werke gelesen und auch ihr neuster Krimi konnte mich überzeugen.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man zum Einen der Polizistin Sanela, deren Neugierde nicht immer förderlich ist, zum Anderen den angehenden Psychotherapeuten Jeremy Saaler, der für seinen Beruf noch viel lernen muss. In manchen Kapiteln begleitet man auch Sanelas Chef, doch in der Hauptsache konzentriert sich der Roman auf die beiden erstgenannten Figuren.

Sanela und Jeremy sind dabei keine reinen Sympathieträger. Vor allem mit der engagierten Polizistin hatte ich lange Zeit Probleme. Für mich war sie an vielen Stellen übermotiviert, dickköpfig und einfach stur. Erst spät, fast zu spät, wird ihr Vorgehen schlüssig erklärt und so konnte ich einen Draht zu ihr finden.

Auch Jeremy macht es einem nicht einfach, aber zu ihm konnte ich schneller einen Zugang finden als zu Sanela. Elisabeth Herrmann hat mit den beiden Trägern ihrer Geschichte keine einfachen oder glatten Figuren erschaffen, sondern sich bewusst für Menschen entschieden, deren Leben keine gerade Linie war und ist. Das hat mir gefallen.

Der Krimi selbst ist fesselnd und spannend. Die Ermittlungen stehen klar im Vordergrund, wobei es in erster Linie um die eigenmächtigen Ermittlungen von Beara geht. Dabei habe ich mir so manches Mal an den Kopf gefasst und gestaunt, was sie sich alles rausnimmt und was ihr ihr Chef alles durchgehen lässt. Der Grat zwischen Glaubwürdigkeit und Übertreibung war dabei sehr schmal in meinen Augen. Je weiter jedoch diese Ermittlungen voranschritten, desto mehr wollte ich einfach wissen, was es mit Charlie, ihrer Schwester Cara und dem Heimatdorf der beiden auf sich hat. Und diese Geheimnisse haben mich gefangen genommen und erst nach der letzten Seite wieder losgelassen.

Der Stil von Elisabeth Herrmann ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt, detailliert, wo es sich anbietet und dabei so verschlungen, dass man bis zum Schluss ratlos bleibt, wie alles zusammenhängt. Toll!

Fazit: ein gelungener Auftakt mit einer spröden Ermittlerin. Wer auch mal mit einer nicht sofort sympathischen Hauptfigur klar kommt, sollte zugreifen.



Montag, 29. September 2014

Who you gonna call? Lockwood!

Lockwood & Co. - Die seufzende Wendeltreppe
(Lockwood & Co. - Reihe Band 1)
von Jonathan Stroud

Eine Leseprobe findet ihr hier

London wird seit Jahren von dem Problem beherrscht. Geister, sogenannte Besucher, machen es den Bewohnern von London und anderen Städten Englands schwer ein ruhiges Leben zu führen. Für die Bannung von Geistern und den Schutz der Einwohner gibt es Agenturen. Eine davon ist Lockwood & Co. Sie besteht aus 3 Leuten: Lockwood, George und Lucy. Alle 3 sind Jugendliche, haben Gaben und sind mehr schlecht als recht im Geistervertreibungsgeschäft. Bis eines Nachts Lucy und Lockwood versuchen einen Geist in einem alten Haus zu bannen und dabei das gesamte obere Stockwerk abfackeln. Damit scheint die Agentur raus aus dem Business zu sein...oder?

"Lockwood & Co. - Die seufzende Wendeltreppe" ist der Auftakt einer neuen Jugenbuchreihe von Jonathan Stroud. Ich habe von dem Autoren bereits die ersten 3 Bände seiner Bartimäus – Tetralogie gelesen und war begeistert. Lockwood kann zwar Bartimäus nicht das Wasser reichen, hat aber durchaus seinen Charme.

Die Geschichte wird von der Agentin Lucy erzählt, deren Gabe das Hören von Besuchern ist. Sie gibt einen Einblick in die aktuellen Geschehnisse, berichtet aber auch von ihrer Vergangenheit und wie sie überhaupt zu Lockwood & Co. gekommen ist. Somit erfährt der Leser auch, wie die Geisterjagd in England funktioniert, welche Mittel helfen und was man tunlichst vermeiden sollte. Das hat mir sehr gut gefallen, denn durch die vielen Details fiel mir die Orientierung bei der Jagd nicht schwer.

Die Story ist spannend und angenehm erzählt. "Die seufzende Wendeltreppe" kann durchaus als Einleitung in die Serie gesehen werden, denn viele Begebenheiten werden detailliert geschildert und erklärt. Mir persönlich hat das gefallen. Ich kann mir aber vorstellen, dass gerade so mancher junger Leser davon gelangweilt sein könnte.

Die 3 Agenten von Lockwood & Co. sind mir direkt ans Herz gewachsen. Jeder ist auf seine Art verschroben, eigenwillig und damit liebenswert. Lucy scheut sich auch nicht, ab und an ironisch und leicht frotzelnd über ihre beiden männlichen Kollegen zu berichten. Ich hatte dadurch eine Menge Spaß beim Lesen.

Der Stil von Jonathan Stroud ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise passt zu seiner jungen Hauptfigur Lucy, wobei es an altklugen Einwürfen, die ein wenig an Bartimäus erinnern, nicht mangelt.


Fazit: Lockwood & Co. ist eine Reihe, die bestimmt Spaß bringen wird. Ich kann den ersten Band empfehlen.

Sonntag, 28. September 2014

Grausamer als Band 1, aber ein würdiger Nachfolger

Memento - Die Feuerblume
(Memento - Reihe Band 2)
von Julianna Baggott

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Pressia, Bradwell und El Capitán wollen eine Armee aufbauen um das Kapitol anzugreifen. Währenddessen finden Partridge und Lyda Schutz bei den Müttern, einer Gruppe von Frauen, die mit ihren Kindern verschmolzen sind. Dort zeichnen die beiden Reinen Karten des Kapitols, die die Planung eines Angriffs leichter machen sollen. Außerhalb des Kapitols wird ein kleines Mädchen aufgegriffen. Sie wirkt rein, doch schnell erkennen Pressia und ihre Freunde, dass die Kleine mal eine Unglückselige war, so wie sie. Das Kapitol hat das Mädchen gereinigt und ihr eine Botschaft eingetrichtert. Eine Botschaft, die das Ende für alle Unglückseligen bedeuten könnte...

"Memento – Die Feuerblume" ist der 2. Teil der Memento – Trilogie von Julianna Baggott. Während man in Band 1 noch die Welt von Pressia und Co. kennengelernt hat, konzentriert sich der zweite Roman vollständig auf den Kampf gegen das Kapitol.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive berichtet, dabei folgt man aber kapitelweise verschiedenen Personen. So erfährt man nicht nur, wie Pressia, Bradwell und El Capitán eine Armee aufbauen und Nachforschungen anstellen, sondern begleitet auch Partridge und Lyda auf ihrer Reise mit den Müttern. Diese Wechsel haben mir sehr gut gefallen, da ich somit über alle Gegebenheiten Bescheid wusste und einige Schlüsse ziehen konnte, die den Figuren noch verborgen blieben.

Die Story selbst ist in meinen Augen grausamer, aber auch nachdenklicher als im Vorgänger. Jetzt kommt es immer wieder zu blutigen Zusammenstößen mit den Spezialkräften aus dem Kapitol oder mit mutierten Wesen in den Dustlands. Zudem werden die Pläne des Kapitolregenten Willux immer deutlicher und die Nachforschungen, die Pressia und ihre Freunde anstellen, lassen erahnen, wie krank der Regent schon vor dem Abwurf der Bomben war. Mich hat es entsetzt, wie wenig Wert ein Leben für diesen Mann hat und wie egoistisch er seine Pläne verfolgt. Auch vor den brutalsten Methoden schreckt er nicht zurück, wie man ja schon teilweise in Band 1 erleben musste.

Der Roman endet mit einem Cliffhanger, der mich sehr neugierig auf den Abschlussband gemacht hat.

Die Figuren, ganz besonders El Capitán, machen eine deutliche Wandlung durch und zeigen nun auch mal Emotionen. Im ersten Band wirkten viele der Personen kühl, ja fast starr. In "Die Feuerblume" tauen sie nun auf und gewähren einen Einblick in ihre Vergangenheit und in ihre Gefühlswelt. Dadurch wirken sie menschlicher und näher. Das hat mir sehr gut gefallen.

Der Stil von Julianna Baggott lässt sich sehr gut und flüssig lesen. Passend zu ihren Figuren wird auch ihre Erzählweise sanfter, aber keinesfalls schonender. Kämpfe, Tote und Verletzungen beschreibt sie weiterhin so emotionslos und distanziert, wie ich es von ihr aus ihrem ersten Buch kenne.


Fazit: eine tolle Fortsetzung, die mich gespannt auf das Finale warten lässt. Eine klare Leseempfehlung.

Freitag, 26. September 2014

Wie Twilight, nur ohne Vampire

Obsidian - Schattendunkel
(Obsidian-Reihe Band 1)
von Jennifer L. Armentrout

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Katy ist mit ihrer Mutter aus dem sonnigen Florida nach West Virginia gezogen. Der kleine Ort, den sie nun ihr Zuhause nennen muss, hat nicht mal eine funktionierende Post. Für die leidenschaftliche Buchbloggerin ist das grausam. Noch grausamer für sie ist es allerdings, dass ihre Mutter sie zwingt doch unbedingt mit den Jugendlichen von Nebenan Freundschaft zu schließen. Katy schlurft also rüber, klopft und vor ihr steht auf einmal der Traum jedes Mädchens: Daemon Black. Groß, trainiert und wunderschön. Wenn da nicht sein mehr als fragwürdiger Charakter wäre. Katy freundet sich dennoch mit dessen Schwester Dee an und merkt bald, dass die Geschwister nicht so normal sind, wie sie zunächst wirkten...

"Obsidian – Schattendunkel" von Jennifer L. Armentrout ist ein Jugendroman nach Schema F. Ich kenne mehrere Bücher der Autorin und hatte mich sehr auf dieses hier gefreut. Doch nach dem Lesen bin ich hin- und hergerissen zwischen "eine tolle Geschichte" und "och nee, das kenne ich doch schon!".

Die Geschichte wird von Katy höchstselbst erzählt. Und dabei merkt man schnell, dass sie am liebsten werkelt und sich nicht für die mädchentypischen Themen interessiert. Zudem sind ihre Gedanken nicht von Jungs, Party und ähnlichem beherrscht, sondern von ihren Büchern, der Natur und dem Leben an sich. Das hat mir gefallen, denn damit fällt Katy nicht in eine typische Kategorie.

Auch die Story selbst ist durchaus fesselnd und interessant. Aber dennoch: je mehr ich gelesen habe, desto mehr habe ich mich an Romane wie Twilight erinnert gefühlt. Der dunkle, geheimnisvolle Typ; ein großes Geheimnis, das herauskommt, als die weibliche Hauptfigur in Gefahr ist; Gefühle, die nicht sein dürfen und ganz viel Kampf gegen das Böse, dem sich auch die sterbliche Hauptfigur anschließt, obwohl sie doch einfach nur fliehen soll. Das kennt man und entweder man liebt es oder man hasst es.

Und ich bin mir eben nicht sicher. Denn auf der einen Seite habe ich beim Lesen oft die Augen verdreht und nur noch auf bestimmte Sätze oder Gegebenheiten gewartet, die dann auch eintraten. Auf der anderen Seite sind mir Katy, Daemon, Dee und die anderen dann doch so sympathisch und ans Herz gewachsen, dass mich die Fortsetzung interessiert. Denn die Autorin baut dann doch so einige Unterschiede ein, die mich gereizt haben: Katy gibt sich Daemon nicht sofort hin, es gibt keine Dreiecksgeschichte mit einem anderen Jungen und auch das Geheimnis, welches Daemon und seine Familie umgibt, ist mal was neues. Auch wenn ich darüber bei der Enthüllung lachen musste.

Der Stil von Jennifer L. Armentrout ist sehr gut und leicht zu lesen. Ihre Erzählweise passt zu einer jugendlichen Bloggerin und ist so schwungvoll, dass ich einfach nur dranbleiben wollte. Super!


Fazit: wer von typischen Jugendbüchern noch nicht die Nase voll hat, der wird Obsidian lieben. Wer mal was besonderes lesen möchte, ist hier leider falsch.

Donnerstag, 25. September 2014

Als der Krieg noch schlief...

Der Krieg und das Mädchen
von Jürgen Seidel


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Berlin, 1914: Mila und Fritz sind ein Paar, zumindest in den seltenen gemeinsamen Stunden. Ansonsten sind die beiden mit Fritz' Freunden unterwegs, schwadronieren über die Welt und reden über den Krieg, der angeblich bevorsteht. Während die Jungs schon scharf darauf sind, sich an der Front zu beweisen, hält Mila nicht viel davon. Doch laut sagen darf sie das nicht. Denn wer nicht für den Krieg ist, ist gegen den Kaiser und risikiert Kopf und Kragen. Zudem war Milas Vater Franzose, was die Sache für sie noch schwieriger macht. Daher verhält sie sich auch meist zurückhaltend. Aber als der Lehrer von Fritz und den Jungs sie beleidigt, platzt ihr der Kragen. Unter 4 Augen sagt sie dem Lehrer die Meinung und da passiert das Unglück: der Lehrer verstirbt in ihrem Beisein! Von nun an muss Mila sich gegen Anfeindungen und schlimmeres wehren...

"Der Krieg und das Mädchen" ist mein erster Roman von Jürgen Seidel und nach dem Lesen frage ich mich, warum eigentlich. Das Buch ist zwar für Jugendliche geschrieben und doch fühlte ich mich angesprochen.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben, dabei folgt man aber zumeist Mila und ihren Erlebnissen. Zu Beginn ist man auch häufiger an der Seite von Fritz, dies legt sich jedoch im Verlaufe des Romans. Durch diese beiden Jugendlichen gibt der Autor einen Einblick in die Gedankenwelt von Abiturienten kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges. Ich habe schon einige Romane gelesen, die sich dem 1. Weltkrieg gewidmet haben, dennoch hat mir Jürgen Seidel nochmal eine ganz andere Welt eröffnet. Und das hat mich begeistert.

Der Autor konzentriert sich vor allem auf die Wochen kurz vor Ausbruch des Krieges. Denn schon in der Zeit davor gab es so viel Hass, Neid, Anfeindungen und ähnliches, was mich persönlich schon überrascht hat. Vor allem die Halbfranzösin Mila muss sich so gegen manche abstruse Anschuldigung wehren und kann doch nichts gegen die Staatsmacht tun, die sich 1914 alles heraus nimmt, was ihrer Ansicht nach dem Kaiserreich gut tut.

Auch die Kriegsfreude unter den jungen Männern kommt bei Seidel nicht zu kurz. Ich habe so manches Mal erschrocken Luft geholt, wie naiv und freudig die Jugendlichen den Krieg erwartet und wie sehr die Erwachsenen sie eingepeitscht haben.

Die Gedankenwelt seiner beiden Hauptfiguren widmet der Autor viel Zeit und auch fast philosophische Ansätze. Fritz hat viel tiefere Probleme, die er hofft an der Front loszuwerden. Mila hingegen wünscht sich einfach nur Ruhe und Frieden für sich und ihre Mutter und versteht die Welt nicht mehr.

Der Stil von Jürgen Seidel ist sehr gut zu lesen. Allerdings schreibt er nicht, wie für viele Jugendbücher typisch, simpel, sondern holt so manches Mal aus und gibt den Gedanken seiner Figuren sehr viel Raum. Dabei wirken manche Äußerung durchaus prophetisch. Mir hat das sehr gut gefallen, denn der Stil passt sehr gut zu diesem traurigen und so wichtigen Thema.


Fazit: ein grandioses Jugendbuch zum 1. Weltkrieg, das mich begeistert hat. Eine klare Leseempfehlung!

Mittwoch, 24. September 2014

Ein Jugendcamp der anderen Art

Stigmata - Nichts bleibt verborgen
von Beatrix Gurian

Eine Leseprobe findet ihr hier

Emma hat ihre Mutter durch einen Unfall verloren. Sie trauert, geht nicht außer Haus und will auch niemanden sehen. Dennoch muss sie ein Päckchen entgegennehmen, sonst nervt die Nachbarin. Und in diesem Päckchen stecken ein Fotoalbum und eine Nachricht: FINDE DIE MÖRDER DEINER MUTTER!! Emma ist wie elektrisiert. Ist ihre Mutter umgebracht worden? Um dem auf den Grund zu gehen, meldet sie sich in einem Jugendcamp an. Doch schon bald bereut sie diese Entscheidung!

"Stigmata – Nichts bleibt verborgen" war mein erstes Jugendbuch von Beatrix Gurian, obwohl die Autorin schon so einige Bücher verfasst hat. "Stigmata" hat mich begeistert und in seinen Bann gezogen, ist aber in meinen Augen eher was für ältere Jugendliche.

Die Geschichte wird von Emma aus der Ich-Perspektive erzählt. Zwischendrin gibt es auch Rückblicke in eine Vergangenheit voller Schmerz, Gewalt und Gläubigkeit. Wie diese Rückblicke mit Emmas Gegenwart zusammenhängen, erfährt man im Laufe des Buches, daher möchte ich nicht zu viel verraten.

Zu Emma konnte ich sehr schnell einen Draht aufbauen, auch wenn ich zu Beginn eher verwirrt als gefesselt war. Denn sie erzählt ihre Geschichte auch nicht chronologisch, sondern springt in den Wochen hin und her. Durch Ankündigungen an jedem Kapitelanfang konnte ich damit aber sehr gut umgehen. Die anderen 3 Jugendlichen, die mit Emma zusammen das Camp besuchen, bleiben eher blass und im Hintergrund. Ich denke aber, dass dies der Perspektive geschuldet ist.

Die Story ist spannend, ja geradezu hypnothisch. Durch die Ich-Perspektive erlebt man jedes Rätsel, jede Aufgabe, jede Nachforschung hautnah mit. Beatrix Gurian schafft es durch ihre Erzählweise eine geisterhafte, gruselige und furchterregende Stimmung aufzubauen. Ich habe mich teilweise wie in einem Horrorfilm gefühlt und mit Emma gezittert, geschrien und auch gerätselt. Je mehr die Geschichte fortschritt, desto rätselhafter wurde alles und ich konnte die Auflösung kaum noch erwarten.

Die Auflösung hat mich dann auch überzeugt und passt in meinen Augen sehr gut zum Gesamtwerk. Das Tolle ist, dass der Roman nicht einfach nach dem großen Finale endet, sondern dass man noch etwas über die Figuren erfährt. Und auch die Hintergründe werden beleuchtet. Das hat mir gefallen.

Allerdings, und das möchte ich auch nicht verschweigen, muss man einige Dinge als gegeben hinnehmen. So scheint Emma, obwohl sie einen Vormund hat und somit noch nicht volljährig ist, weder zur Schule zu gehen noch eine Ausbildung zu machen. Auch das sie alleine wohnt, war für mich verwunderlich. Aber das sind eher Randnotizen, die mich zum Grübeln gebracht haben.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise lockte mich immer tiefer in das Camp und zwischendrin konnte ich keiner der Figuren mehr trauen. Beatrix Gurian schafft es perfekt, Zwietracht und Missgunst zu säen. Und zwar so gut, dass selbst ich jedem misstraut habe.


Fazit: ein Jugendbuch, das mich auch nach dem Beenden nicht loslassen wird. Eine klare Leseempfehlung für jeden, der sich gern gruselt.

Dienstag, 23. September 2014

Tod verjährt nicht!

Das Mädchenopfer
(Anthony-McLean-Reihe Band 1)
von James Oswald

Eine Leseprobe findet ihr hier

Detective Inspector Anthony McLean, von Kollegen und Freunden Tony gerufen, kommt eher zufällig an den Tatort eines blutigen Verbrechens: ein angesehener Bürger der Stadt Edingburgh wurde brutal ermordert und aufgeschlitzt. Da Tony es sich in der Vergangenheit mit seinen Vorgesetzten verscherzt hat, wird er zu dem Fall nicht hinzugezogen. Er bekommt einen im wahrsten Sinne des Wortes angestaubten Mord zugewiesen: auf einer Baustelle wird die grausam zugerichtete Leiche einer Frau gefunden. Um sie herum sind 6 Gefäße mit ihren Organen in Nischen versteckt. Die Untersuchungen ergeben, dass das Opfer vor gut 60 Jahren gestorben ist. Nicht gerade ein brisanter Fall, bis Tony McLean Zusammenhänge erkennt, die besser unerkannt geblieben wären...

"Das Mädchenopfer" ist der erster Thriller von James Oswald und hat mir sehr gut gefallen. Der Autor verlegte sich laut eigener Aussage nach einigen Fantasy-Romanen auf das blutige Genre. Und der Umschwung ist ihm, bis auf kleine Ausnahme, sehr gut gelungen.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben, dabei folgt man allerdings zum Großteil dem Ermittler McLean. Von diesem erfährt man auch so einiges aus seiner Vergangenheit und seinem Privatleben. So hat sich James Oswald zu Beginn eher auf das Privatleben seines Ermittlers konzentriert. Daher beginnt der Thriller, bis auf einen sehr blutigen Paukenschlag, still und fast gemütlich.

Auch im weiteren Verlauf der Story lässt der Autor keine Hektik aufkommen. Man verfolgt die Ermittlungen, die Tony zusammen mit 2 Kollegen durchführt und bekommt dabei einen Einblick in die Arbeit schottischer Polizeidienststellen. Tony McLean ist kein Starermittler, ja nicht mal sonderlich beliebt bei seinen Vorgesetzten und so kommt es, dass er mehr als einen Fall auf dem Tisch hat. Das hat mir gefallen, denn James Oswald behält trotz der Fülle an Informationen immer die Übersicht und gibt diesen Überblick auch sehr gut an seine Leser weiter.

Je mehr der Thriller fortschritt, desto spannender wurde er. Ich bin zum Schluss hin auf dem Sofa unruhig hin- und hergerutscht, weil ich unbedingt wissen wollte, wie alles zusammenhängt. Das Finale hat mich dann überrascht, allerdings bin ich noch immer unschlüssig, ob ich es gut oder doof finden soll. Auf der einen Seite führt es zwar die Fäden zusammen, auf der anderen Seite lässt es mir aber zu viel Raum für Spekulationen. Doch alles in allem ist es passend.

Die Figuren habe ich, bis auf ein paar Ausnahmen, sofort ins Herz geschlossen. Besonders der Gerichtsmediziner mit seiner etwas schrulligen Art hat es mir angetan. Aber auch die handelnden Personen, die ich nicht leiden konnte, konnte ich mit Leidenschaft nicht leiden. Dafür ein Lob an den Autoren.

Der Stil von James Oswald ist gut zu lesen, wenn auch ab und an etwas holprig. Seine Erzählweise ist distanziert, grausame Details fließen einfach ein, als wären sie nicht weiter der Rede wert. Für mich war dies eine neue Erfahrung, die mir aber gefallen hat.


Fazit: ein gutes Debüt im Thrillergenre und ein gelungener Serienauftakt. Ich kann das Buch empfehlen.

Sonntag, 21. September 2014

Leben ist das, was passiert, während du andere Pläne hast

Die Wahrscheinlichkeit des Glücks
von Gisa Klönne

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Frieda Telling, Astrophysikerin und eine Koryphäe auf ihrem Gebiet, ist auf dem Sprung nach Chile. Doch bevor sie abreist, begibt sie sich auf einen Abstecher nach Berlin um ihre Tochter Aline tanzen zu sehen. Die Premiere ist ein voller Erfolg und voller Stolz überreicht Frieda ihrer Tochter ein Geschenk von Großmutter Henny. Dieses Geschenk verändert das Leben von allen. Aline ist so geschockt, dass sie vor ein Auto rennt; Frieda weiß nicht, warum das Geschenk ihre Tochter so aufgeregt hat und Hennys Demenz schreitet sehr stark voran. Kann das Gehemnis gelüftet werden?

"Die Wahrscheinlichkeit des Glücks" ist mein erster Roman von Gisa Klönne gewesen, obwohl die Autorin schon länger in der Branche etabliert ist. Der Klappentext hatte es mir jedoch bei diesem Buch angetan und nach dem Lesen kann ich nur sagen: ich bin begeistert und gerührt.

Die Geschichte wird komplett aus der Erzählerperspektive berichtet, jedoch wechselt das Augenmerk zwischen Frieda, Arno, Henny und Aline. Arno bekommt im Laufe des Buches eine immer größere Rolle zugewiesen, jedoch möchte ich darüber nicht zu viel verraten. Denn warum und wie Frieda und Arno zusammenhängen, macht einen Teil des Zaubers des Romans aus.

Besonders überrascht hat mich die Geschichtsträchtigkeit des Romans. Frieda weiß von Anfang an, dass sowohl ihre Mutter als auch ihr Vater in Sachsenhausen saßen und das nicht vor, sondern nach Kriegsende. Diesem fast vergessenen Kapitel deutscher und auch europäischer Geschichte haucht Gisa Klönne wieder Leben ein, ohne dabei mahnend oder urteilend vorzugehen. Sie erschafft eine Story um Liebe, Flucht und die Erkenntnis, das sehr wenig im Leben planbar ist. Genau diese Mischung hat mich gerührt und mich teilweise staunend lesen lassen.

Die Figuren wirken auf mich wie aus dem Leben gegriffen, auch wenn die Autorin sich nicht scheut, mal ein Klischee einzustreuen. Aber auch diese Einwürfe fügen sich passend in das Bild der handelnen Menschen ein. Zu Frieda konnte ich zunächst nur schwer eine Verbindung aufbauen, da sie analytisch und abgeklärt vorgeht. Erst als sie erkennt, was ihrer Tochter zugestoßen ist und dass sie dagegen nichts ausrichten kann, bekommt sie eine menschliche Seite. Dieser Wandel hat mich gefesselt.

Über das Ende möchte ich nicht allzu viele Worte verlieren, aber es passt wunderbar und ist doch überraschend.

Der Stil von Gisa Klönne ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist mal abgeklärt und mal fast poetisch, aber nie gestelzt oder abgehoben. Das hat mir sehr gut gefallen.


Fazit: ein berührendes Buch, das mich gefesselt hat und mich auch noch nach der letzten Seite nicht loslässt. Eine klare Leseempfehlung!

Samstag, 20. September 2014

Liebe ist das, was bleibt, wenn wir nicht mehr sind

Einfach unvergesslich
von Rowan Coleman

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Claire hat einen Mann, 2 Kinder und Alzheimer. Für sie verschwindet die Welt immer mal wieder im dichten Nebel. Dann weiß sie weder, welcher Schuh an welchen Fuß gehört, noch, wie ihre jüngste Tochter heißt. Aber eines weiß Claire immer: sie hat nicht mehr viel Zeit um bei ihren Lieben zu sein. Und so schreibt sie ein Erinnerungsbuch, damit sie nicht verloren geht, selbst wenn ihr Gehirn bald nicht mehr weiß, dass die Lungen atmen müssen.

"Einfach unvergesslich" war mein erster Roman von Rowan Coleman, obwohl es bereits das 11. Werk der Autorin ist. Und ihr Roman hat mich berührt, begeistert und zum Weinen gebracht.

Die Geschichte wird aus 2 Perspektiven erzählt: mal von Claire selbst und mal von ihrer ältesten Tochter Caitline. Zudem bekommt man immer wieder Kapitel aus dem Erinnerungsbuch zu lesen. Diese Mischung hat mir sehr gut gefallen und hat mich sofort der Familie Armstrong und ihren Sorgen näher gebracht.

Vor einiger Zeit habe ich schon mal ein Buch mit dem Thema Alzheimer gelesen. Das damalige Buch konnte mich weder berühren noch sah ich irgendeinen Sinn in der Geschichte. Dies ist bei "Einfach unvergesslich" komplett anders. Claire behält trotz des schnellen Fortschreitens ihrer Krankheit ihren Humor, ihre Tochter zeigt auf, was es heißt, mit einem Menschen zu leben, der sich immer mehr selbst verliert und das Erinnerungsbuch eröffnet dem Leser die Welt der Vergangenheit.

Besonders Claires herzliche Art und ihr Charme beim Umgang mit ihrer Krankheit hatten es mir von Beginn an angetan. Und so konnte ich lachen über etwas, worüber man eigentlich nicht lachen darf. Jedoch gibt die Autorin keine ihrer Figuren der Lächerlichkeit preis. Jede Handlung und sei sie noch so abstrus, ist erklär- und damit nachvollziehbar. Und so habe ich auch mit Claires Ehemann Greg gelitten, als seine Frau ihn immer weniger erkennt. Jede dieser Szenen, in denen Claire ihre Aussetzer hat, hat mich stark berührt und zum Ende hin auch zum Weinen gebracht. Rowan Coleman zeigt schonungslos, aber keinesfalls lieblos, was die Krankheit Alzheimer anrichtet und was sie bewirkt. Das hat mich getroffen.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist gefühlvoll, intensiv und dabei auch locker-leicht. Sie passt diese Lockerheit aber genau an die Situationen an, so dass keine Szene überzeichnet oder gar lächerlich wirkt. Toll!


Fazit: ein grandioses Buch über Alzheimer, Liebe und den Kampf um jede Erinnerung. Eine klare Leseempfehlung!

Freitag, 19. September 2014

Mein Interview mit Michael Thode


Der Thriller "Das stumme Kind" konnte mich begeistern und so habe ich es mir nicht nehmen lassen, mal dem Autor Michael Thode auf den Zahn zu fühlen. Und Michael hat sich gern meinen Fragen gestellt. Viel Spaß beim Lesen!


F: Meine erste und zugleich auch liebste Frage: welches Buch liest du aktuell?

A: Im Moment lese ich "Still" von Zoran Drvenkar. Ich mag seinen Schreibstil sehr und habe dem Erscheinen von "Still" regelrecht entgegengefiebert.


F: "Das stumme Kind" ist nun dein erster Thriller. Wie ging es dir damit, als du von Kurzgeschichten auf ein vollständiges Buch umgestiegen bist?

A: Der größte Unterschied ist der Zeitaufwand und die Energie, die ich in eine Kurzgeschichte beziehungsweise in ein vollständiges Buch investiere. An einer Kurzgeschichte arbeite ich etwa vier Wochen. An meinem Debüt "Das stumme Kind" habe ich dagegen zwei Jahre lang geschrieben.
Bei der Arbeit an einem vollständigen Buch ist für mich die größte Herausforderung, die Motivation während der gesamten Zeit auf einem hohen Niveau zu halten. Sobald ich das Gefühl habe, dass die Motivaton nachlässt, unterbreche ich die Arbeit und schreibe eine Kurzgeschichte. Dann habe ich vergleichsweise schnell ein Ergebnis in der Hand, und das motiviert mich dann wiederum für das Buchprojekt.


F: In Mittelpunkt deines Buches steht unter anderem das komplette Ermittlerteam und nicht nur 2 oder 3 Hauptpersonen. Wie kam es dazu?

A: Ich interessiere mich sehr für Polizeiarbeit. Für "Das stumme Kind" hatte ich mir von Beginn an als Ziel gesetzt, diese Arbeit so realistisch wie möglich darzustellen. Daher habe ich mit Hauptkommissar Rolf Degenhardt und der Kommissaranwärterin Jana Liebisch nicht nur zwei Hauptakteure in die Handlung eingeführt, sondern auch dem gesamten Team einen realistischen Umfang für die Ermittlungsarbeit gegeben.


F: Hast du selbst Erfahrungen mit autistischen Kindern bzw. Autismus im Allgemeinen?

A: In der Vergangenheit ist mir das Thema Autismus immer wieder begegnet: zum einen durch persönliche Kontakte, zum anderen durch Bücher, die ich gelesen habe. 
Die Recherchearbeit zu dem autistischen Mädchen hat den weitaus größten Umfang eingenommen. Ich habe viel Fachliteratur und persönliche Erfahrungsberichte über diese Thematik gelesen, und ich habe mich mit Angehörigen, Psychologen, Bezugsbetreuern sowie Schulleitern von Förderschulen unterhalten. Auch hier war mein Anspruch, das autistische Mädchen Anna so realitätsnah wie möglich zu beschreiben.


F: Wird es weitere Bände mit den Ermittlern aus der Lüneburger Heide geben?

A: Ja, es wird weitere Bände geben. Derzeit arbeite ich an dem zweiten Fall, den Rolf Degenhardt und Jana Liebisch gemeinsam lösen müssen.


F: Wenn du schreibst, wie und wo tust du das?

A: Beim Schreiben ist es für mich sehr wichtig, vollständig in die Handlung und die Dialoge einzutauchen. Das gelingt mir nur, wenn es um mich herum still ist und ich nicht abgelenkt werde. Daher schreibe ich in meinem Arbeitszimmer: ohne Musik, ohne Telefon und ohne Zugang zum Internet.


F: Woher kommen deine Ideen?

A: Seitdem ich denken kann, habe ich eine ausgeprägte Phantasie. Schon als Kind konnte ich mich herrlich in Tagträumen verlieren. Für meine Umwelt ist das häufig anstrengend - für mich und meine Leidenschaft für das Schreiben ist das dagegen wie ein Geschenk.
Grundsätzlich mache ich keine Notizen: gute Ideen kehren immer wieder zurück und ich entwickle sie weiter. Abwegige Ideen verschwinden schnell wieder aus meinem Kopf, und das ist gut so.


F: Deine Biographie ist sehr abwechslungsreich. Wie kam es, dass du dich bei der Bundeswehr hast ausbilden lassen?

A: Nach dem Abitur 1994 war es Pflicht, Wehr- oder Zivildienst zu leisten. Zunächst war die Entscheidung für die Bundeswehr eine rein praktische, denn der Wehrdienst dauerte damals (im Gegensatz zum fünfzehnmonatigen Zivildienst) nur 12 Monate. Während der Grundausbildung habe ich dann von der Möglichkeit gehört, dass man sich bei der Bundeswehr innerhalb von zwei Jahren zum Reserveoffizier ausbilden lassen kann.
Ich habe mich darüber informiert - und die fachlichen und sportlichen Herausforderungen haben meinen Ehrgeiz geweckt. Damit war die Entscheidung gefallen. 


F: Deine Einsätze führten dich in den Kosovo und nach Afghanistan. Gab es für dich dort prägende Erlebnisse?

A: Ich erinnere mich vor allem an zwei prägende Erfahrungen:

Zum einen werde ich den Zusammenhalt der Soldaten während der Auslandseinsätze nicht vergessen. Etwas Vergleichbares habe ich weder vorher noch nachher erlebt. Ich denke, dass dies mit der besonderen Situation der Soldaten in den Auslandseinsätzen zusammenhängt: die Trennung von Freunden und Familien, das fremde kulturelle Umfeld sowie die angespannte Sicherheitslage in den Krisengebieten.

Zum anderen haben mich die Aufenthalte im Kosovo sowie in Afghanistan mit der enormen Armut der dortigen Bevölkerung konfrontiert. Selbst wenn diese Bilder in den Medien täglich präsent sind - ich konnte es erst "fühlen", als ich es mit eigenen Augen gesehen habe. Das war eine Erfahrung, die mich bis heute beschäftigt.

  
F: Was wolltest du eigentlich als Kind unbedingt werden?

A: Ich wollte als Kind unbedingt Pilot werden. Aufgrund meiner Farbenblindheit musste ich diesen Traum allerdings recht früh aufgeben. Zum Glück, muss man wohl sagen, denn mein Orientierungssinn lässt sehr zu wünschen übrig (Fragt meine Frau bloß nicht danach!). Wahrscheinlich hätte ich den Zielflughafen nie gefunden.


F: Werden dich deine Leser auch mal live irgendwo erleben können?

A: Ich habe großen Spaß an Lesungen und ähnlichen Veranstaltungen. Eine aktuelle Übersicht gibt es auf meinen Internetseiten:  http://www.michael-thode.de/termine.html


Vielen, vielen Dank Michael für deine ausführlichen Antworten. Ich freue mich schon auf dein nächstes Buch.

Eine frische Moorleiche gibt Rätsel auf

Einen Tod musst du sterben
(Hannover-Krimi Band 5)
von Susanne Mischke

Eine Leseprobe findet ihr hier

Im Moor bei Hannover machen Jäger einen entsetzlichen Fund: die Leiche eines Mannes ist entstellt und ausgeweidet. Schnell wird klar, wer der Tote ist: Johannes Falkenberg, ein Hühnerbauer, der sich durch dubiose Geschäfte viele Feinde geschaffen hat. Kommisar Völxen und sein Team übernehmen die Ermittlungen und schon bald stößt man auf eine Gruppe von Verdächtigen: Tierschutzaktivisten. Zu Völxens Unglück ist seine Tochter in dieser Gruppe aktiv. Hat sie was mit dem Mord zu tun oder kennt sie gar den Täter?

"Einen Tod musst du sterben" ist mein erster Krimi von Susanne Mischke, aber bereits Band 5 um die Ermittler aus Hannover. Ich kenne die vorangegangenen Krimis nicht, hatte aber auch keine Schwierigkeiten, mich zurecht zu finden.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben, man folgt allerdings zum größten Teil den Ermittlern. So lernte ich nur Kommissar Bodo Völxen kennen, sondern auch sein Teamkollegen Jule, Oda und Fernando. Das hat mir sehr gut gefallen, denn die Autorin zeigt somit, dass Erfolge nur als Team erreicht werden können. Es gibt keinen Starermittler und zum Glück auch keinen Staranwalt. Das fand ich super!

Susanne Mischke legt in ihrem Krimi sehr viel Wert auf Lokalkolorit. So sprechen ihre Figuren, je nach Herkunft, unterschiedliche Dialekte, die auch schriftlich ausgelebt werden. Daher konnte ich mich sowohl in den schwäbischen Gerichtsmediziner als auch in den sächsischen Mitbewohner eines Verdächtigen hineinversetzen. Und die Dialekte brachten mich auch zum Lachen, denn es mutet schon witzig an, wenn der Gerichtsmediziner das SCH so schön betont.

Das tolle an dem Krimi ist auch, dass sich die Leichen nicht stapeln. Die Autorin legt Wert auf die Ermittlungen und nicht auf Schockmomente. Das hat mir sehr gefallen, denn ich konnte die Ermittlungen sehr gut nachvollziehen und habe gemeinsam mit dem Team versucht den Täter zu ermitteln.

Das Ende hat mich überrascht, war aber in sich schlüssig und nicht übertrieben. Und endlich mal gab es keinen Alleingang von einem Ermittler, bei dem man sich gern mal an die Stirn schlägt vor so viel Naivität. Super!

Der Stil von Susanne Mischke ist nach einer kurzen Eingewöhung sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist unaufgeregt und auf den Punkt. Lange Ausschweifungen gibt es bei ihr nicht. Diese Mischung passt in meinen Augen perfekt zum Team aus Hannover.


Fazit: "Einen Tod musst du sterben" ist ein sehr guter Krimi, der mich unterhalten hat. Eine klare Leseempfehlung.


Ein großes Dankeschön geht an den Piper-Verlag für die Zurverfügungstellung des Buches.

Donnerstag, 18. September 2014

Australien von seiner dunklen Seite

Unbändig
von Courtney Collins

Eine Leseprobe findet ihr hier

Jessie begräbt ihr Neugeborenes und reitet danach zur Farm ihres Mannes zurück. Dort kontrolliert sie, ob ihr Mann Fitz wirklich tot ist und flieht dann mit ihrem Pferd Houdini in die Berge. In der Höhe hofft sie auf die Freiheit, die sie schon ihr gesamtes Leben gesucht hat...

"Unbändig" ist das Debüt von Courtney Collins und hat mich verwundert, aber durchaus zufrieden zurückgelassen. Die Autorin erzählt die Geschichte der Viehdiebin Jessie, die auf der Suche nach ihrer Freiheit ist.

Der Roman wird von einem ganz besonderen Erzähler vorgetragen, nämlich dem ermordeten Kind von Jessie. Zu Beginn fand ich die Vorstellung, dass ein Baby aus seinem Grab heraus das Schicksal seiner Mutter schildert, sehr strange. Doch je länger ich gelesen habe, desto mehr rückte der Fakt in den Hintergrund. Denn die Story war für mich interessanter als der zugegeben etwas gruselige Erzähler.

In der Geschichte wird nicht nur zwischen den beobachteten Personen gesprungen, sondern auch in der Zeit. So erfährt man immer wieder Details aus Jessies Vergangenheit, die zeigen, wie sie zu dem geworden ist, was sie heute ist. Auch die Flucht ist sehr toll und vor allem mit einem Auge auf die Natur beschrieben. Das hat mir gefallen.

Courtney Collins ist keine Freundin großer Worte. Und so konnte ich auch kaum einen Draht zu ihren Figuren finden. Jessie, ihr Mann Fitz, der Viehtreiber Jack Brown und andere Figuren bleiben eher blass und oberflächlich. Ihre Handlungen sind zwar durchaus nachvollziehbar, doch Sympathie oder Antipathie konnte ich nicht empfinden, weil die Informationen dann doch zu spärlich gesät waren.

Und dennoch hatte ich beim Lesen Spaß, denn die Autorin erzählt keine romantische Australien-Story, sondern schildert fast emotionslos das harte Leben von Viehtreibern, Verurteilten und Aborigines. Das empfinde ich als erfrischende Abwechslung.

Der Stil von Courtney Collins ist gut und flüssig zu lesen. Wärme und Herzlichkeit sucht man zwar bei ihr vergeblich, dennoch hat ihre Erzählweise etwas anziehendes.


Fazit: ein gutes Debüt, was allerdings nicht jedermanns Geschmack sein wird. Wer aber mal was anderes lesen möchte, sollte zugreifen.


Ein großes Dankeschön geht an den Droemer-Knaur-Verlag für die Zurverfügungstellung des Buches!

Mittwoch, 17. September 2014

Ein gefühlvolles Buch zu schwierigen Themen

Ein Platz in deinem Herzen
von Amy Hatvany

Eine Leseprobe findet ihr hier

Grace wollte nie Kinder. Allerdings ist ihr Verlobter Victor zweifacher Vater. Nun ja, solang sie die 13-jährige Ava und den 7-jährigen Max nur alle 2 Wochenenden im Monat sieht, ist das für sie okay. Bis zu dem Tag, an dem Victors Ex-Frau Kellie tot aufgefunden wird. Auf einmal muss Grace nicht nur mit der Trauer klar kommen, die von ihrem Verlobten und den Kindern ausgeht, sondern auch noch eine komplette Familie managen. Schafft sie das?

"Ein Platz in deinem Herzen" ist mein erster Roman von Amy Hatvany und ich bin begeistert. Die Autorin nimmt sich den schweren Themen Trauer, Scheidung und Neuanfang an und verbindet diese Themen zu einer herzergreifenden Geschichte.

Der Roman wird von Grace und Ava aus der Ich-Perspektive erzählt. Dabei wechseln sie sich kapitelweise ab. Auch Kellie kommt zu Wort, allerdings aus der Erzählerperspektive, da sie selbst ja nicht mehr erzählen kann. Durch diese Mischung konnte ich sowohl Avas Trauer, als auch Grace' Ängste sehr nah erleben. Zudem lernt man auch Kellie und ihre Vergangenheit kennen und versteht so, warum sie so war, wie sie war.

Die Geschichte selbst bewegt sich innerhalb weniger Tage und Wochen. Die Autorin hat ein großes Augenmerk auf die Tage nach dem Tod von Kellie gelegt. Die Wut, die Trauer, die Leere, die die Kinder spüren, konnte ich sehr gut nachvollziehen. Ava lässt ihren Gefühlen und Gedanken freien Lauf und zeigt, für eine 13-jährige typisch, von himmelhoch jauchzender Freude bis zu tiefer Trauer alles. Und jedes Auf und Ab konnte ich so gut verstehen. Auch ihre fixen Ideen, die sie hat und die entsprechenden Rechtfertigungen passen so gut in das Alter, das ich mich so manches Mal darin wiedergefunden habe.

Grace Gedankengänge sind da schon strukturierter, wenn auch nicht weniger gefühlvoll. Sie kämpft mit ihrer eigenen Vorstellung vom Muttersein, mit ihrem Anspruch an sich selbst und mit der vollkommen neuen Situation. Dass sie in manchen Situationen dann noch cool geblieben ist, konnte ich nur bewundern.

Kellies Geschichte und auch ihre Entwicklung ist zu Herzen gehend, wenn auch leider nicht untypisch. Amy Hatvany hat es geschafft, das Bild einer emotional und körperlich ausgelaugten Frau zu zeichnen, ohne dass sie übertreibt oder überzeichnet. Das hat mich beeindruckt.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Die unterschiedlichen Erzähler machten es mir leichter, mich in die unterschiedlichen Positionen zu versetzen. Zudem ist die Erzählweise von Hatvany so gefühlvoll und einfühlsam, dass mir bei mancher Szene die Tränen in die Augen gestiegen sind. Dabei wurde die Autorin aber zu keinem Augenblick kitschig oder schnulzig. Toll!


Fazit: ein Buch, das zu Herzen geht. Wer etwas mit Gefühlen und einer guten Geschichte sucht, sollte zugreifen.

Dienstag, 16. September 2014

5000 Besucher!



Hallo Ihr Lieben,

5000 Leute haben bis heute mich und meinen Blog besucht. Ich bin richtig sprachlos und sehr sehr stolz, dass ihr mir so die Treue haltet.

Tausend Dank!!

Liebe Grüße
Eure Denise

P.S.: Macht euch auf Freitag abend gefasst, da gibt es das nächste Interview!

Erster Fall für Lorenz Rasper und sein Team

Sterbenszeit
(Lorenz-Rasper-Reihe Band 1)
von Michael Kibler

Eine  Leseprobe findet ihr hier

Ricarda Zöller wird an einen grausamen Tatort gerufen: ein Neugeborenes wird erschossen aufgefunden. So gefühlskalt die Tat ist, so unlösbar scheint er auch. Bis die Kollegen der Spurensicherung feststellen, dass die Tatwaffe bereits bei einem anderen Mord benutzt wurde. Damals wurde ein Banker erschossen. Doch wie hängen die Fälle zusammen, wenn sie überhaupt zusammenhängen? Ricarda wendet sich an Lorenz Rasper vom BKA. Gemeinsam ermitteln sie und entdecken bald, dass der Fall größer ist als gedacht...

"Sterbenszeit" ist der erste Band der Reihe um Lorenz Rasper. Michael Kibler ist durch seine Krimis mit den Ermittlern Horndeich und Hesgart aus Darmstadt bekannt. Mit Rasper vom BKA geht er nun einen neuen Weg und, wie ich finde, einen sehr spannenden dazu.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive berichtet. Dabei folgt man nicht nur Ricarda und Lorenz, sondern auch den Kollegen, die sich ebenso auf Spurensuche begeben. Zwar stehen der Kollege vom BKA und seine Ermittlerin vor Ort im Vordergrund, jedoch nicht so stark, dass man darüber das Team vergessen könnte. Das finde ich sehr gut und realitätsnah gelöst.

Der Krimi selbst ist spannend und fesselnd erzählt. Ich war zu Beginn ebenso ratlos wie die Ermittler, hatte dann aber zügig einen Verdacht zum Motiv, nur der Täter fehlte mir. Und er fehlte mir bis zu dem Punkt, an dem das Team den entscheidenden Hinweis bekam. Dann schloss sich der Kreis und alles, was bis dahin geschehen ist, ergab einen Sinn. Motiv und Täter sind nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern werden logisch aufgebaut und dabei zeigt Michael Kibler auch, wie gute Ermittlungen funktionieren. Denn der Star in "Sterbenszeit" ist nicht die technische Unterstützung (die aber nicht außen vorgelassen wird), sondern einfach der menschliche Verstand und der Spürsinn der Ermittler. Toll!

Neben den Ermittlungen erfährt man auch einiges aus dem Privatleben der Teammitglieder. Dabei wartet der Autor dort ebenso mit mancher Überraschung auf, die mir teilweise den Mund hat offen stehen lassen. Allerdings hält Michael Kibler das Gleichgewicht zwischen Ermittlungen und Privatleben. Das hat mir sehr gut gefallen.

Lorenz Rasper und sein Team sind um einiges abgeklärter als die Kollegen aus Darmstadt. Während es da auch mal humorig zuging, ist das Team des BKA vollkommen auf seine Arbeit konzentriert. Mich persönlich hat das nicht gestört, hoffe aber, dass die Kollegen vom BKA in den nächsten Bänden lockerer werden.

Der Stil von Michael Kibler ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, detailreich, wo es sein muss und oberflächlich, wo es nötig ist. Diese Mischung passt perfekt zu seinem Krimi.

Fazit: ein toller Auftakt zu einer hoffentlich vielbändigen Reihe. Eine klare Leseempfehlung.


Ein großes Dankeschön an den Piper-Verlag für die Zuverfügungstellung des Buches!

Montag, 15. September 2014

Von Ruh' kann keine Rede sein

Abendruh
(Rizzoli-Isles-Reihe Band 10)
von Tess Gerritsen

Eine Leseprobe findet ihr hier

Claire, Will und Teddy ereilt das gleiche Schicksal: nach den Morden an ihren Eltern werden auch die Mitglieder ihrer Pflegefamilien brutal ermordert. Keiner weiß, warum es der oder die Täter auf diese 3 Kinder abgesehen hat/haben. Jane Rizzoli wird mit der Ermittlung in einem Fall betreut und erkennt schnell, dass es nicht so einfach ist, wie es zunächst scheint. Maura Isles hingegen gönnt sich ein paar Tage mit ihrem Pflegesohn Julian an dessem Internat Abendruh. Doch auch dort ist sie vor den Toten nicht gefeit...

"Abendruh" ist bereits der 10. Teil der Rizzoli-Isles-Reihe und konnte mich wieder mal begeistern. Tess Gerritsen schaffte es wieder von der ersten Seite an mich so in den Bann zu ziehen, dass ich das Buch innerhalb weniger Stunden verschlungen habe.

Die Geschichte wird, wie aus den Vorgängern bereits bekannt, aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man zumeist Jane Rizzoli oder Maura Isles. Die Ermittlerin und die Pathologin sind ein Dreamteam, das mir immer noch sympathisch und ans Herz gewachsen ist. Dennoch zeigt sich auch in diesem Band, dass nicht alles Gold ist, was glänzt und dass auch die beiden starken Frauen so ihre Probleme im privaten wie beruflichen Umfeld haben. Diese Schwächen machen die Zwei aber so menschlich und dadurch so realitätsnah.

Tess Gerritsen hat sich mit dem Internat eine tolle Kulisse für ihren Thriller ausgesucht. Gerade bei den Szenen in der Schule habe ich mich durch die kalte und düstere Atmosphäre so manches Mal gegruselt. Und ich bekam einen Einblick in den dortigen Schulalltag, der Abendruh so besonders und gleichzeitig so geheimnisvoll macht. 

Die Autorin findet neben der atemraubenden Geschichte aber noch genug Platz um wieder Einblicke in die Privatleben ihrer beiden Hauptfiguren zu gewähren. Und diese Einblicke haben mich lachen, wütend und traurig werden lassen. Tess Gerritsen findet ein sehr gutes Gleichgewicht zwischen den Ermittlungen und den Privatleben. Toll!

Das Ende hat mich sehr überrascht und war jenseits von allem, was ich mir während des Lesens zusammengereimt habe. Dennoch war das Finale für mich nachvollziehbar und durchaus realistisch.

Der Stil von Tess Gerritsen ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist detailreich, aber lange nicht mehr so blutgetränkt wie zu Beginn der Reihe. Die Autorin schlägt leisere, aber nicht minder spannende Töne an.

Fazit: Wer Rizzoli & Isles liebt, sollte unbedingt zugreifen. Für Thriller-Fans mehr als geeignet.


Ein großes Dankeschön geht an Blanvalet für die Zurverfügungstellung des Buches!

Sonntag, 14. September 2014

Feuerprobe nicht bestanden!

Everflame - Feuerprobe
(Everflame - Reihe Band 1)
von Josephine Angelini

Lily ist 17, hat einen Haufen Allergien und ist unsterblich in ihren besten Freund Tristan verliebt. Als dieser sich endlich zu ihr bekennt, könnte sie glücklicher nicht sein. Doch auf einer Party kommt es zur Katastrophe und Lily möchte am liebsten verschwinden. Womit sie nicht gerechnet hat, ist, dass ihr Wunsch ihr erfüllt wird und sie in einer Welt aufwacht, in der alles anders ist. Und das stärkste Stück: sie gibt es zweimal. Und ihre Doppelgängerin ist die mächtigste Hexe in Salem...

"Everflame – Feuerprobe" war mein erstes Buch von Josephine Angelini. Die Autorin ist durch ihre Göttlich-Trilogie bekannt geworden. Dennoch konnte sie mich mit ihrem neusten Buch nicht überzeugen.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive berichtet, jedoch bleibt man zum Großteil bei Lily und ihren Erlebnissen. So erlebt man hautnah mit, wie sich die Katastrophe auf der Party anbahnt und wie Lily in der neuen, magischen Welt versucht zurecht zu kommen. Und in dieser magischen Welt gibt es auch von ihrem besten Freund Tristan eine Version, was für Lily alles nur noch komplizierter macht.

Die Story selbst ist sehr gut erzählt, das muss ich zugeben. Dennoch konnte sie mich nicht fesseln.

Zum Einen lag das daran, dass Josephine Angelini schon zu Beginn mit Klischees um sich wirft: das Mädchen ist in ihren gutaussehenden, besten Freund verliebt, der bekennt sich dann zu ihr und macht dann einen großen und auch noch mehr als klischeehaften Fehler. Das Mädchen ist in ihrer Welt sehr verletzlich, schwach und kann sich vor Peinlichkeiten kaum retten, in der neuen magischen Welt ist sie, da sie die Doppelgängerin ist, eine der mächtigsten Hexen, die es gibt und vollbringt Dinge, die andere Begabte in dieser Welt gar nicht vollbringen können. Durch diese Klischees konnte mich die Geschichte gar nicht überraschen.

Auch, dass das Buch zum Großteil aus Verstecken, Flucht und Geheimhaltung besteht, war für mich nun keine Neuerfindung des Rades. Ja, es gibt viele Jugendbücher mit dieser Grundidee, doch Angelini hat für mich keinen guten Weg gefunden, um mir diese bekannte Idee schmackhaft zu machen.

Dass sich dann auch noch eine Dreiecksgeschichte anbahnt, war nur noch das Tüpfelchen auf dem i. Die Autorin wirft alle bekannten Klischees und Grundideen zusammen, rührt einmal kräftig um und heraus kommt eine Geschichte, bei der ich das Gefühl hatte, sie schon ein paar Mal gelesen zu haben.

Zudem blieben die Figuren für mich eher blass. Jeder hatte eine ihm zugewiesene Rolle und füllt diese auch bis zum letzten aus. Dabei böten die Umstände so viele Veränderungsmöglichkeiten.

Der Stil von Josephine Angelini lässt sich allerdings sehr gut und flüssig lesen. Ihre Erzählweise hat durchaus was anziehendes an sich und ich könnte mir vorstellen, dass ein anderes Buch von ihr mich durchaus überzeugen könnte.


Fazit: nein, Everflame hat die Feuerprobe bei mir nicht bestanden. Von mir gibt es keine Empfehlung.

Samstag, 13. September 2014

Der 2. Weltkrieg aus Sicht eines Kindes

Im Winter schläft man auch bei den Wölfen
von Andrea Molesini

Eine Leseprobe findet ihr hier

Italien während des 2. Weltkrieges: die beiden 10-jährigen Jungs Pietro und Dario werden von ein paar Nonnen in einem Kloster versteckt. Doch der Wahnsinn der Verfolgung macht auch vor den Kirchentüren nicht halt. Und so müssen die beiden Jungen zusammen mit ein paar Nonnen und einem Priester fliehen. Während der Flucht gibt es nur eine zentrale Frage: wem kann man noch trauen?

"Im Winter schläft man auch bei Wölfen" war mein erster Roman des Autors Andrea Molesini und er hat mir gefallen. Molesini lässt seinen Leser die Schrecken des Krieges durch die Augen eines 10-Jährigen sehen.

Denn die Geschichte wird von Pietro höchstselbst erzählt. Und obwohl Pietro weiß, das Krieg ist, sind seine Erzählungen und seine Gedanken so sprunghaft und neugierig, wie sie es nur bei einem 10-jährigen sein können. Der Kleine hat eine sehr gute Beobachtungsgabe und weiß ganz genau, wer wann was vor ihm verheimlichen will. Und das ärgert ihn, denn er ist laut eigener Ausssage ja nicht blöde und weiß, wenn die Erwachsenen flüstern, dass sie dann was zu verbergen haben.

Sein bester Freund Dario hingegen ist kein Mann großer Worte. Er spricht in dem gesamten Buch höchstens 10 Sätze, doch Pietro versteht sich mit ihm prächtig und auch stumm. Zudem weiß Pietro, was er an seinem besten Freund hat und beschützt ihn mit einer Hingabe, wie es sie nur bei Kinderfreundschaften gibt.

Die Beschreibungen des 10-jährigen Jungen, die vor Fantasie und Wortschöpfungen nur so strotzen, haben mich berührt. Den Krieg einmal aus der Perspektive eines Kindes zu sehen, war für mich etwas neues und ganz anderes. Für Pietro ist die Flucht eher ein Abenteuer und so verliert das hässliche Gesicht der Gewalt ein wenig seine Kraft, auch wenn der Kleine ab und an zugeben muss, dass er Angst hat.

Der Stil von Andrea Molesini ist gut und flüssig zu lesen. Er trifft die Wortwahl und auch die Gedanken eines Kindes in meinen Augen sehr gut und übertreibt es dabei auch nicht.


Fazit: wer mal einen anderen Blick auf den 2. Weltkrieg werfen möchte, sollte zugreifen.


Ein großes Dankeschön geht an den Piper-Verlag für die Bereitstellung des Buches!

Freitag, 12. September 2014

Eindringlich und erschütternd

Atemnot
von Ilsa J. Bick

Eine Leseprobe findet ihr hier

Jenna hat 3 Monate auf der geschlossenen Abteilung einer Psychatrie verbracht und musste nun mit ihrer alkoholkranken Mutter und ihrem mehr als kontrollsüchtigen Vater in eine neue Stadt ziehen. Während ihre Eltern ihr Leben weiterleben, findet Jenna nur Ruhe, wenn sie ihrem Bruder Matt, der aktuell im Irak stationiert ist, schreiben kann. Auch die neue Schule ist nichts für sie. Bis sie ihrem Chemielehrer Mr. Anderson begegnet...

"Atemnot" ist mein erstes Buch von Ilsa J. Bick. Die Autorin ist bekannt durch ihre Ashes-Reihe, die sie ebenfalls für Jugendliche verfasst hat. "Atemnot" hat mich in seinen Bann gezogen und nicht mehr rausgelassen.

Die Geschichte wird von Jenna selbst erzählt. Und sie ist schonungslos offen und ehrlich. Ob es nun um ihre Eltern (ihren Vater nennt sie nur Psycho-Dad) oder um ihren Drang zum Ritzen geht. Jenna erzählt alles inklusive Hintergründe. Dabei wirkt sie keineswegs schwach oder hilflos, im Gegenteil: sie legt eine große Stärke an den Tag und gesteht sich so manche Schwäche ein. Beim Thema Ritzen merkte ich sehr schnell, mit welcher Leidenschaft sie dabei ist. Und nicht nur dort ist Jenna leidenschaftlich. Ihre Stimmungen wechseln sehr schnell und so manches Mal musste ich tief durchatmen, weil ich Jennas Wutanfall sehr sehr gut nachempfinden konnte. Jenna wirkt einfach echt, authentisch und kein bisschen gekünstelt.

Die Geschichte selbst ist ebenso spannend und reizvoll. Zwar konnte ich mir aus dem Klappentext schon eine ungefähre Richtung erschließen, jedoch hat mich Ilsa J. Bick an vielen Stellen überrascht. Und diese Überraschungen waren keineswegs abwegig, sie passten sehr genau und waren so gut mit der Story verbunden, dass ich mich im Nachhinein selbst gefragt habe, warum ich nicht darauf gekommen bin.

Ilsa J. Bick behandelt in ihrem Buch keine oberflächlichen oder alltäglichen Teenager-Probleme. Aber sie erfindet auch keine neue Realität, sondern zeigt einfach nur in Form von Jenna, mit welchem Problemen neben Pickel, Liebe und Schule sich Jugendliche rumschlagen. Und das mehr als eindrucksvoll. Denn ich habe mit der Hauptfigur gelacht, geliebt und geweint.

Über den Schluss möchte ich gar nicht viel sagen, nur so viel: er passt in meinen Augen sehr gut und hat mir gleichzeitig die Socken ausgezogen!

Der Stil von Ilsa J. Bick ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise passt hervorragend zu einer 16-Jährigen, die in ihrem Leben schon mehr durchgemacht hat, als sie eigentlich sollte.


Fazit: "Atemnot" ist ein toller und nicht alltäglicher Jugendroman. Unbedingt lesen!

Donnerstag, 11. September 2014

Auch Lämmer müssen manchmal Löwen sein

Gated - Die letzten 12 Tage
von Amy Christine Parker

Eine Leseprobe findet ihr hier

Layla lebt mit ihren Eltern in einer kleinen Gemeinschaft namens Mandrodage Meadows. Sie genießen ihr friedliches und abgeschiedenes Leben, folgen den Anweisungen ihres Anführers Pioneer und bereiten sich auf den nahenden Weltuntergang vor. Layla stellt ihre Lebensumstände nicht in Frage, bis sie Cody kennenlernt. Er stellt ihr Fragen, die sie zum Denken bringen. Ist das Leben in Mandrodage Meadows wirklich so toll?

"Gated – Die letzten 12 Tage" ist das Debüt von Amy Christine Parker und es hat mich begeistert. Ihr Roman erzählt das Schicksal der fast volljährigen Layla in einer abgeschlossenen, fast fanatischen Gemeinschaft.

Die Geschichte wird von Layla aus der Ich-Perspektive berichtet. Dabei erfährt man schon auf den ersten Seiten, dass sie sich nicht mit allen Anweisungen von Pioneer wohlfühlt, sie sich aber ihren Eltern zu Liebe versucht anzupassen. Gedanken, die ihr böse erscheinen, verdrängt sie. Und doch merkte ich sehr schnell, dass Layla nicht so zufrieden ist, wie sie nach außen hin den Eindruck machen möchte. Ihre Gefühle, ihre innere Zerrissenheit und ihre Bedenken konnte ich durch die Ich-Perspektive und der sehr eindringlichen Erzählweise sehr gut nachvollziehen. Ich habe beim Lesen mit Layla getobt, geweint und gegrübelt. Auffallend war für mich, dass die fröhlichen Momente sehr rar gesät waren.

Die Geschichte selbst hat mich ebenso beeindruckt. Amy C. Parker gibt einen sehr detailierten und für mich authentischen Einblick in das Leben einer Glaubensgemeinschaft, die nur einem Führer und dessen Visionen folgt. Sie zeigt ebenso deutlich, wie sich jahrelange Gehirnwäsche auf das Denken von Jugendlichen auswirkt, seien sie nun nicht so überzeugt wie Layla oder so besessen wie ihr bester Freund Will.

Ich hatte teilweise das Gefühl in einer Dokumentation zu stecken und viele Dinge, die im Inneren solch einer Gemeinschaft vorgehen, live mitzuerleben. Dennoch hatte ich nicht das Gefühl, dass die Autorin den Zeigefinger erhebt oder die Menschen, die Pioneer folgen, verurteilt. Sie überlässt es ihren Lesern, selbst eine Position einzunehmen. Das hat mir sehr gut gefallen.

Auch das Ende hat für mich gepasst und war stimmig. Der Roman ist in sich abgeschlossen und alle Handlungsstränge werden zusammengeführt und aufgeklärt. Die Zitate, die zu Beginn eines jeden Kapitels stehen, gaben mir zu denken und zeigten auch, wie gefährlich manchmal nur wenige Worte sein können.

Der Stil von Amy C. Parker ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise passt zu einer fast volljährigen Jugendlichen, die nicht viel von der Welt kennt.


Fazit: ein tolles und ergreifendes Debüt, das sich ernst und zugleich lesenswert mit dem Thema Abschottung befasst. Eine klare Leseempfehlung.

Mittwoch, 10. September 2014

Der Sport und das Gedankengut

Deutscher Meister
von Stephanie Bart

Eine Leseprobe findet ihr hier

Berlin, 1933: der Sinto Johann Trollmann boxt im Profibereich und ist bereit für den Titel. Schon seit über 2 Jahren will er endlich um die Meisterschaft boxen, doch immer wurde ihm der Zugang verwehrt. Nun hat der Führer Deutschlands Boxen zu DER Sportart des Reiches ausgerufen. Und was der Führer will, das geschieht auch. Der Vorsitzendes des Verbandes zieht die Säuberung kategorisch durch. Nur Trollmann bleibt. Doch kann er auch weiterhin boxen?

"Deutscher Meister" ist das Debüt von Stephanie Bart und für mich ein Stück gehobene Literatur, die zeigt, wie es im 3. Reich zuging. Begeisterung über das Werk verspüre ich nicht, aber ich bin beeindruckt.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben, wobei man zum Großteil Trollmann und seinen Kämpfen beiwohnt. Die Kämpfe und auch die Vorbereitungen darauf werden von der Autorin sehr akribisch und genau beschrieben. So konnte ich jede einzelne Bewegung der Boxer, ja sogar jeden Schlag genau nachvollziehen und mir bildlich vorstellen.

Die Politik, die 1933 geherrscht hat, ist eher ein Hintergrundrauschen, als das sie vorrangig in dem Roman diskutiert wird. Natürlich kommt Stephanie Bart nicht umhin, die Säuberung im Verband und die Ablehnung Trollmanns zu erklären, jedoch tut sie das oberflächlich, ja fast abwertend. Sie zeigt nicht mit der Holzhammermethode, was damals seinen Lauf nahm, sondern weist leise darauf hin.

Denn im Vordergrund stehen der Boxer und sein Kampf. Und genau dort, während Runde um Runde vergeht, erkennt man, wie die Politik ihren Lauf nimmt. Stephanie Bart bedient nicht die schlimmsten Bilder von Verfolgung, Denunzierung und ähnlichem, sondern zeigt allein durch die Kämpfe, welches Gedankengut zu der Zeit herrschte. Das hat mich beeindruckt, da die Autorin ihren Lesern nicht die Erkenntnis aufzwingt, sondern ihnen genug Zeit gibt, um selbst darauf zu kommen.

Die Geschichte indes verläuft eher gemächlich, zwischendrin fast langweilig. Der große Kampf, auf den Trollmann hinarbeitet, wird in epischer Breite erzählt. Jede Runde umfasst mehrere Seiten, jeder Schlag wird detailliert beschrieben. Am Ende war mir diese Art der Erzählung zu lang, sie verlor ihren Zauber und auch die Zwischentöne wiederholten sich. Hier hätte eine leichte Straffung dem Werk gut getan.

Der Stil von Stephanie Bart unterscheidet sich stark von dem, was ich sonst gewöhnt bin. Dennoch war es für mich keine Qual, das Buch zu lesen. Die Autorin wird an manchen Stellen poetisch ausladend, während sie bei anderen Augenblicken distanziert und kühl bleibt. Diese Mischung passt sehr gut zu der Thematik.


Fazit: "Deutscher Meister" ist beileibe kein einfacher Roman, aber zeigt dennoch, was in der damaligen Zeit abgelaufen ist. Wer gern mal ein Buch nicht nur zur Unterhaltung liest, sollte zugreifen.

Montag, 8. September 2014

Tote Vögel, tote Männer, spannende Ermittlungen

Schwarze Asche
(Kalo-Reihe Band 2)
von Liselotte Roll

Eine Leseprobe findet ihr hier

Magnus Kalo wird zu einem Tatort gerufen: eine männliche Leiche wird an einem See gefunden. Die Leichenteile sind über den ganzen Strand verstreut und der Täter hat die Mordwaffe am Tatort zurückgelassen. Schnell steht der Täter fest: Anders Levander. An der Tatwaffe sind seine Fingerabdrücke. Im Krankenhaus wird er von Magnus' Frau Linn befragt, doch Levander türmt. Damit macht er sich nur noch verdächtiger. Der Fall scheint abgeschlossen, bis die Leiche von Anders Levander auftaucht...

"Schwarze Asche" ist der 2. Band der Kalo-Reihe von Liselotte Roll und konnte mich überzeugen. Obwohl der Thriller eine Fortsetzung ist, benötigt man beim Lesen keine Vorkenntnisse aus dem ersten Band. Die Zusammenhänge im Team und auch das Ehepaar Kalo werden nochmals vorgestellt.

Die Story wird spannend und aus der Erzählerperspektive berichtet. Die Kapitel sind angenehm kurz, manchmal sogar nur eine Seite lang und in jedem Kapitel folgt man einer anderen Figur. So ermittelt man nicht nur mit Magnus Kalo, sondern begleitet auch Linn bei ihren Therapiesitzungen als Psychotherapeutin und auch dem Täter. 
Und diese schnellen Wechsel haben es mir angetan. Denn obwohl es manchmal rasant zuging, konnte ich dem Thriller sehr gut folgen. Die Autorin beweist jederzeit die Übersicht, auch wenn ich teilweise so verwirrt war wie die Ermittler. Aber ich habe mich zu keiner Zeit verloren oder abgehangen gefühlt.

Die Figuren bleiben in den meisten Fällen nordisch unterkühlt. Das hat mich aber nicht gestört, denn das passte einfach sehr gut zum gesamten Buch. Ich muss zugeben, dass ich bisher um skandinavische Autoren immer einen Bogen gemacht habe, da für mich keine Spannung aufkam. Liselotte Roll ist hier die überraschende Ausnahme. Ihr Thriller hat mich von Seite 1 an in seinen Bann gezogen und mich bis zum Schluß nicht mehr losgelassen.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. In vielen Dingen bleibt sie an der Oberfläche, beflügelt dadurch allerdings die Vorstellungskraft ihrer Leser. Denn obwohl Liselotte Roll nicht viele Details erzählt, lässt sie doch genau an den richtigen Stellen etwas aus. Mich hat das fasziniert.


Fazit: ein toller Band aus der Kalo-Reihe. Wer Thriller mag, sollte zugreifen.

Reden wir über Kunst...

Hallo Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch mal eine Seite von einer lieben Freundin vorstellen.

Ich habe Andrea dieses Jahr kennengelernt und bei uns beiden war es sofort Sympathie auf den ersten Blick. Und wie das so ist, wenn man jemanden kennen lernt, schwätzt man, bis der Arzt kommt. Und dabei kam heraus: Andrea ist nicht nur super sympathisch, sie kann auch noch malen.

Quelle: http://acrylbildergalerie.de.tl/


Ich habe von ihr auch ein selbstgemaltes Bild bekommen. Ein kleiner kuschliger Teddybär. Echt toll und Andrea malt jedes Bild selbst.

Wer jetzt neugierig geworden ist und sich mal ein paar Werke anschauen möchte, darf gern hier klicken. Andrea freut sich über jeden Besucher!!

Liebe Grüße
Eure Denise

Sonntag, 7. September 2014

Und dann kam Rosie...

Das Rosie-Projekt
von Graeme Simsion

Eine Leseprobe findet ihr hier

Dons Leben folgt Regeln und das ist auch gut so. Egal, ob es sich ums Essen, Trainieren, Arbeiten oder Schlafen handelt, für Don hat alles einen festen Plan und einen festen Termin. Soziale Interaktionen erachtet er als wenig hilfreich, nichtsdestotrotz wünscht er sich eine Ehefrau. Was wäre da naheliegender als ein Fragebogen, mit dem er schon vor dem ersten Date jede unpassende Kandidatin herausfiltern kann? Don legt sofort los und sein Fragebogen scheint eine sehr gute Methode zu sein. Doch dann kam Rosie...

"Das Rosie-Projekt" ist der Erstling von Graeme Simsion und er hat mich begeistert. Zugegeben, ich war zuerst skeptisch, ob mich eine romantische Geschichte aus den Socken hauen kann, doch der Humor des Autors und seine doch leicht verrückten Figuren konnten mich überzeugen.

Die Geschichte wird von Don höchstselbst erzählt. Und somit weiß man schon ab Seite 1, dass das Leben für Don nicht ganz so "normal" abläuft wie für uns. Don ist ein logisch denkender, zielgerichteter und nun ja, sozial völlig unbegabter Mann. Wer Dr. Dr. Sheldon Cooper aus "The Big Bang Theory" kennt, weiß, was ich meine. Und genau dieser Mann sucht eine Frau und zwar nach ganz nüchternen und wissenschaftlichen Vorgaben. Schon allein dieser Umstand hat mich vor Lachen brüllen lassen.

Seine Interaktionen mit Rosie haben ihr übriges zu meiner Begeisterung hinzugetan. Allerdings, und das rechne ich Graeme Simsion sehr hoch an, macht sich der Autor in keiner Sekunde über das Verhalten von Don lustig. Don selbst erkennt selbst reflektierend, dass er nicht so wie andere Menschen handelt. Doch das ist für ihn okay. So enthält der Roman trotz all seines Humors und Witzes eine ernste und zugleich sehr wichtige Lektion. Das fand ich toll.

Der Stil von Simsion ist sehr gut und locker zu lesen. Die Erzählweise seiner Hauptfigur passt perfekt zu seinem Verhalten. Ich hatte Don schon nach den ersten Sätzen ins Herz geschlossen.


Fazit: ein grandioses, bewegendes und zugleich herzliches Debüt. Mehr davon!!

Samstag, 6. September 2014

Der bisher schwächste Band der Reihe

Wolf Shadow: Dunkles Vergessen
(Wolf-Shadow-Reihe Band 10)
von Eileen Wilks

Eine Leseprobe findet ihr hier

Lilys und Rules Hochzeit ist in weniger als 3 Wochen und die Planungen laufen auf Hochtouren. In einem Restaurant kommt nun die Familie zusammen um den Geburtstag von Lilys Mutter zu feiern. Doch diese bricht mit einem Schrei auf der Damentoilette zusammen. Sie kann sich an nichts erinnern... an fast nichts. Denn Julia Yu glaubt, sie sei 12 Jahre alt. Aber warum? Lily spürt schwach die Anwesenheit einer Magie, die sie bisher noch nicht gefühlt hat. Können sie und ihr Verlobter dem Geheimnis auf die Spur kommen?

"Dunkles Vergessen" ist schon der 10. Band der Wolf-Shadow-Reihe von Eileen Wilks. Und obwohl ich die Geschichten um Lily und Rule sehr mag, ist dieser Band doch der schwächste der bisherigen Reihe.

Die Story wird, wie gewohnt, aus der Erzählerperspektive berichtet. Dabei folgt man vor allem Lily und ihren Ermittlungen. In San Diego verlieren immer mehr Menschen ihre Erinnerungen und keiner weiß, welche Magie oder welcher Zauber dazu geführt hat. Auch Lily und Rule sind planlos. Und, so hatte ich zumindest das Gefühl, auch ein wenig die Autorin. Die erste Hälfte des Buches beschäftigt sich vor allem mit der Suche nach weiteren Opfern. Nachforschungen zu dem Warum? bleiben weitestgehend auf der Strecke. Die Hinweise, die vom schwarzen Drachen Sam kommen, sind so kryptisch, dass nicht nur Lily verwirrt gewesen ist, sondern auch ich beim Lesen ein großes Fragezeichen über dem Kopf hatte.

In der Danksagung erwähnt Eileen Wilks vor allem ihren Lektor, der sich durch ihr Werk gearbeitet hat und versucht hat, ihm einen Sinn zu geben. Vielleicht lag es genau an dessen Arbeit, dass ich mich zeitweise verloren fühlte. Ich wusste weder, wem Lily und Rule auf der Spur waren, noch, warum sie überhaupt ermittelten. Es war einfach nur das pure Chaos.

Ab der Mitte keimte bei mir wieder die Hoffnung, dass die Geschichte an Fahrt aufnimmt. Das tat sie auch für eine geraume Weile, bis sie wieder in ein Loch fiel. Zumindest das Ende hat mich versöhnlich gestimmt und ich bin bereit, Eileen Wilks mit dem nächsten Teil, denn der wird sicher kommen, eine Chance zu geben.

Der Stil der Autorin ist sehr gut zu lesen. Zwischendrin blitzte der von mir so geliebte Humor auf und auch die Stellen, an denen Rule und Lily mal für sich waren, haben mir gefallen. Doch insgesamt kamen die Zwei als Paar in diesem Band zu kurz.


Fazit: Band 10 ist eher schwach und ich hoffe, dass der Folgeband wieder besser wird.