Sonntag, 30. November 2014

Debüt über die Machenschaften bei Übernahmen

Lauras Unschuld
von Hugo C


LS Technologies, ein Autozulieferer, soll von dem Konzern RSS, einem Stahllieferanten, übernommen werden. So weit, so ungewöhnlich. Allerdings ist Laura Sand, die mit der Analyse der Attraktivität des Angebotes betraut ist, mit dem Vorstandsvorsitzenden von RSS John Swansea liiert. Von dieser Beziehung weiß niemand...bisher, denn die Übernahme verläuft nicht so, wie sich John Swansea das vorgestellt hat. Und auf beiden Seiten wird mit harten Bandagen gekämpft, um die eigenen Interessen durchzusetzen.

"Lauras Unschuld" ist das Debüt von Hugo C und hat mir insgesamt gefallen. Der Autor schreibt unter einem Pseudonym, da er nach eigener Aussage selbst in dem Segment tätig ist, in dem sein Roman spielt. Und das er sich in der Materie auskennt, merkt man direkt beim Lesen.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man allen möglichen Personen, so dass man immer über das Vorgehen von Swansea, dem Chef von LS Dr. Stuck, Laura und vielen anderen im Bilde ist. Zwar ist dies toll, da man ab und an einen Wissensvorsprung genießen konnte, dennoch war es mir zu viel. Denn durch die ständigen und zahlreichen Wechsel konnte ich keine Figur so wirklich kennenlernen. Mir hätte es mehr gefallen, wenn ich nur 2 oder 3 Figuren begleitet hätte, dafür diese aber intensiver. So geht mit den Sprüngen auch mal der rote Faden verloren.

Die Story selbst ist hochinteressant, wenn man sich für Firmenübernahmen und die schwarzen Schafe der Branche begeistern kann. Hugo C fährt mit den beiden Kontrahenten jedes legale und illegale Geschütz auf. Das fand ich toll und es wirkte auf mich auch nicht übertrieben. Die Privatssphäre seiner handelnden Figuren bleibt sehr stark im Hintergrund und wird nur dann beleuchtet, wenn sie für die Intrigen wichtig ist. Dieses Vorgehen hatte durchaus etwas für sich. Dennochh hätte ich es toll gefunden, wenn gerade das Privatleben von Laura, die zumindest in der ersten Hälfte des Buches wie die Hauptfigur wirkt, näher beleuchtet worden wäre. Das hätte in meinen Augen die Glaubwürdigkeit von vielen Handlungen erhöht. So wirkten manche Vorgehensweisen unüberlegt, naiv oder risikofreudig, weil ich die Gedankengänge der jeweiligen Figur nicht verfolgen konnte.

Der Stil von Hugo C ist gut zu lesen. Allerdings sollte man sich vor der Lektüre schon mal mit dem Finanzwesen beziehungsweise mit Unternehmensübernahmen beschäftigt haben. Denn sonst kann es passieren, dass man mit den Fachbegriffen, die der Autor benutzt, überfordert ist.

Hugos Erzählweise ist nüchtern, direkt und ohne große Schnörkel. Für mich passte das perfekt zur Geschichte.


Fazit: ein durchaus lesenswertes Debüt, das nur noch der Feinschliff in Rhetorik und so manche Erklärung fehlt. Dennoch kann ich es interessierten Lesern empfehlen.

Samstag, 29. November 2014

Tyrannen und ihre verrückten Ideen

Der Kampf des Jahrhunderts
von Jan Oldenburg

Eine Leseprobe findet ihr hier

Horax der Dritte ist der Herrscher über das Schattenelfreich. Wie es sich für einen Tyrannen gehört, regiert er mit harter und launischer Hand, gibt sich Orgien hin und spricht zwischen Mittag- und Abendessen das ein oder andere ungerechte Urteil. Doch dann wagt es ein Kobold die Stimme zu erheben: Dorgol, der Schmied beleidigt den Tyrannen. Und dieser kommt auf die verwegende Idee, den Frevler herauszufordern. Doch wie gut kann eine Idee sein, wenn sie von einem nicht ganz dichten Herrscher erdacht wurde?

"Der Kampf des Jahrhunderts" ist mein erster Roman von Jan Oldenburg. Für den Autor ist es bereits das dritte Werk. Die Lektüre war durchaus unterhaltsam, auch wenn ich mir an einigen Stellen mehr Tiefe gewünscht hätte.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man zum Einen dem Herrscher Horax, zum Anderen dem Schmied Dorgol. Der Kampf des Jahrhunderts, der auch namensgebend für das Werk war, findet schon recht früh statt und ist der Auftakt zu einer Reihe von tiefgreifenden Veränderungen, die für Horax mit seiner Flucht aus dem Königreich enden. Und seit diesem Zeitpunkt begleitet man fast ausschließlich den abgesetzten Herrscher.

Und genau das fand ich schade. Jan Oldenburg erschafft eine durchaus amüsante und in vielen Dingen unserer Gesellschaft gleichenden Welt und ich hätte so gern erfahren, wie sich Dorgol in seiner neuen Rolle schlägt. Das wurde mir leider verwehrt.

Und so folgte ich Horax, dem ein Unglück nach dem anderen passiert. Meist konnte ich darüber kichern, schallend lachen konnte ich allerdings nicht. Was vielleicht auch daran gelegen hat, dass die Witzigkeit Oldenburgs mich zu sehr an den Meister des Faches, Terry Pratchett, erinnert hat. Nur leider kommt der Autor so gar nicht an den Godfather of Humor Fantasy ran.

Die Geschichte selbst ist durchaus unterhaltsam und kurzweilig. Ich hatte beim Lesen Spaß, aber etwas besonderes ist der Roman um Horax und Dorgol nicht. Dazu fehlte ihm einfach die Tiefe, die es auch bei humorvollen Büchern geben kann. Und Jan Oldenburg kann das, denn er zeigt so manches Mal im Verlaufe des Erzählens, dass er zu beißender Satire und scharfzüngigen Sarkasmus fähig ist.

Der Stil des Autor ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist humorvoll, meist mit einem Augenzwinkern zu sehen und recht zügig. Das hat mir gefallen.

Fazit: ein humorvolles Buch für einige heitere Stunden. Ich kann es, trotz der genannten Schwächen, empfehlen.



Freitag, 28. November 2014

8000 Besucher!



Hallo Ihr Lieben,

da schaue ich nichtsahnend auf meinen Blog und entdecke das! Tausend Dank für 8000 Besuche. Ihr seid der Hammer!!
Für den Dezember habe ich schon etwas für Euch geplant. Was es ist? Lasst Euch überraschen!!

Liebe Grüße
Eure Denise

Donnerstag, 27. November 2014

Zu Herzen gehend und einfach wunderschön

Drei Tage Manhattan - Begleitung gesucht
von Tasmina Perry

Eine Leseprobe findet ihr hier

Amy, eine New Yorkerin in London, ist professionelle Tänzerin, kellnert aber aktuell, um sich über Wasser zu halten. Mit ihrem Freund Daniel, der aus der Upper-Class kommt, ist sie glücklich, bis er mit ihr auf einer Feier Schluss macht. Amy hat nur noch einen Wunsch: weg aus London. Da kommt ihr die Anzeige von Georgina Hamilton gerade gelegen. Die ältere Dame sucht eine Begleitung nach New York über Weihnachten. Perfekt! Doch warum will eine Frau, die so viel in ihrem Leben erreicht hat, Weihnachten nicht lieber mit ihrer Familie begehen? Stück für Stück erfährt Amy mehr aus Georginas Leben und erkennt, dass Liebe in allen Zeiten gleich ist.

"Drei Tage Manhattan – Begleitung gesucht" war mein erster Roman von Tasmina Perry und er hat mir sehr gut gefallen. Was zunächst nach einem spaßigen Frauenroman klingt, entwickelt sich zu einer wunderschönen und zauberhaften Geschichte über Liebe, Vertrauen und dem Glauben an sich selbst.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive und in 2 Zeitebenen wiedergegeben. Zum Einen reist man mit Amy und Georgina nach New York und verbringt mit ihnen dort zauberhafte Tage, zum Anderen begleitet man 1958 die junge Georgina auf ihrem Weg zur Debütantin. Diese Mischung aus Erinnerungen und aktuellen Geschehnissen hat mir sehr gut gefallen, da ich so miterleben konnte, wie die ältere Georgina zu der Dame geworden ist, die sie heute noch verkörpert.

Toll fand ich auch, dass die Autorin sich mit beiden Zeitschienen ausreichend Zeit und Raum genommen hat. So wechselt nicht in jedem Kapitel die Zeit, sondern nur dann, wenn es wirklich passend ist, also Georgina Amy zum Beispiel beim Abendessen ihre ersten Gehversuche in der Upper-Class beschreibt.

Die Geschichte selbst entwickelt sich, je weiter der Roman voranschreitet, zu einem herzergreifenden und nachdenklich machenden Werk. Ja, an manchen Stellen hat Tasmina Perry etwas dick aufgetragen, aber im Gesamten passt alles wunderbar zusammen. Besonders zum Ende hin sind bei mir Tränen geflossen!

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist offen, herzlich und emotional. Allerdings wird sie dabei nicht kitschig oder übertrieben romantisch. Bei allem Hang zur Theatralik bleibt Tasmina Perry doch realitätsnah. Das hat mir gefallen.


Fazit: ein wunderschönes Buch für die kalten Tage vor dem Kamin. Ich kann es bedenkenlos empfehlen.

Mittwoch, 26. November 2014

Wie überlebt man im Mittelalter der Zukunft?

28 Jahre danach
von Skara Daniell

Eine Leseprobe findet ihr hier

Deutschland in der Zukunft: ein Großteil der Menschheit existiert nicht mehr. Eine Krankheit hat die Möglichkeit der Fortpflanzung stark eingeschränkt. Die Überlebenden sprechen nur noch von der Seuche. Franziska lebt mit ihrem Bruder Leo 28 Jahre danach in einem Haus, weit entfernt von jeglicher Zivilisation. So hat es ihnen ihr Vater beigebracht. Auf einem Erkundungsrundgang entdecken die beiden 2 Wanderer. Während Leo so gern Kontakt schließen möchte, ist Franziska skeptisch. Dennoch folgen sie den beiden und kommen schließlich sogar ins Gespräch. Die beiden Kundschafter bieten dem Geschwisterpaar an, ihnen zu ihrer Gemeinschaft zu folgen. Leo ist Feuer und Flamme, Franziska eher zurückhaltend. Traue niemanden, hat ihr Vater immer gesagt. Wird er Recht behalten?

"28 Jahre danach" ist das Debüt der Indie-Autorin Skara Daniell. Ihren Roman hat sie im Selfpublishing veröffentlicht. Gerade Selfpublishern gegenüber bin ich erstmal skeptisch, da auch vieles erscheint, was lieber in der Schublade geblieben wäre, doch Skara Daniell hat mit ihrer dystopischen Zukunftsvision eine wahre Perle erschaffen.

Die Geschichte wird von der Hauptfigur Franziska erzählt. Sie kennt die Welt nur so, wie sie 28 Jahre nach der Seuche ist. Elektrizität, fließendes Wasser und ähnlichen Luxus kennt sie nur aus den Erzählungen ihrer verstorbenen Eltern. Sie und ihr jüngerer Bruder kämpfen sich zu zweit durchs Leben. Bis sie eben auf 2 Kundschafter treffen. Und damit ändert sich alles.

Diese Veränderungen merkt man auch den Erzählungen Franziskas an. Während ihr Bruder so gar kein Problem hat sich anzupassen, fällt es ihr mehr als schwer. Selbstzweifel plagen sie jedoch nicht, im Gegenteil, sie gibt den Veränderungen die Schuld. Was auf mich normalerweise einfach nur störrisch gewirkt hätte, passt hier perfekt ins Bild. Die junge Frau kennt nur das Leben mit ihrem Bruder, da machen sie Veränderungen einfach skeptisch. Und das bringt sie als Erzählerin auch sehr gut rüber. Ich habe mit ihr gegrübelt, geforscht und war mit ihr gemeinsam misstrauisch.

Emotionen scheint die Hauptfigur kaum zu besitzen. Das mutet zu Beginn seltsam an, wird aber im Laufe des Buches immer normaler. Wer nie Kontakt zu anderen Menschen hatte, kann auch kaum sowas wie Empathie oder ähnliches aufbringen geschweige denn fühlen. Dabei wirkt Franziska keineswegs kaltherzig, sondern fast hilflos. Und das macht sie für mich umso menschlicher.

Auch die Story selbst ist spannend. Wie überlebt man in einer Welt, in der es so gut wie nichts mehr gibt? Wie überlebt man, wenn das ganze Land quasi ins Mittelalter zurückversetzt wurde? Und was macht man, wenn man erfährt, dass Jagd gemacht wird; Jagd auf bestimmte Frauen? Genau diese Fragen stellten sich mir während des Lesens und Skara Daniell hat auf diese und weitere Gedankengänge teilweise beängstigende, aber durchaus realistische Antworten gefunden.

Das Ende bietet genug Potenzial für eine Fortsetzung und da ich Franziska, Leo und Tom ins Herz geschlossen habe, hoffe ich, dass die Autorin sich bald an den 2. Teil macht.

Der Stil von Skara Daniell ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist nüchtern, beobachtend und sehr ruhig. Sie passt sehr gut zu ihrer unaufgeregten und starken Hauptfigur.


Fazit: ein für mich sehr gelungenes Debüt, von dem ich gern eine Fortsetzung lesen möchte. Wer Zukunftsvisionen mag, sollte zugreifen.

Dienstag, 25. November 2014

Um Welten besser als der erste Teil

Onyx - Schattenschimmer
(Obsidian - Reihe Band 2)
von Jennifer L. Armentrout

Seit der Heilung sind Katy und Daemon miteinander verbunden. Doch müssen sie deshalb auch gleich ein Paar sein? Daemon ist der Meinung "Ja", Katy vollkommen dagegen. Sie wehrt sich gegen ihn und auch gegen ihre Gefühle, die sie für ihn hat. Dann kommt ein neuer Typ an die Schule: Blake. Und er zeigt Interesse an Katy. Das passt Daemon gar nicht und er versucht, Blake schlecht zu machen. Warum nur?

"Onyx – Schattenschimmer" ist der 2. Band der Obsidian-Reihe von Jennifer L. Armentrout und um Welten besser als sein Vorgänger. Während ich Band 1 einfach nur klischeehaft fand, konnte mich Band 2 komplett begeistern.

Die Geschichte wird von Katy selbst erzählt. Wie schon im ersten Teil bekommt man dadurch einen sehr tiefen Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt. Und die ist seit der Heilung komplett durcheinander. Denn Katy glaubt nicht wirklich daran, dass Daemon ein Interesse an ihr als Person hat, sondern sie einfach nur wegen der Verbindung will. Und das kann und will sie nicht akzeptieren. Und als dann auch noch Blake auftaucht und echtes Interesse an ihr zeigt, ist das Chaos perfekt.

Was sich nun wie eine typische Dreiecksgeschichte anhört, entpuppt sich schnell als spannungsgeladene und gar nicht liebestrunkene Story. Denn Katy hat sich innerlich schon entschieden, auch wenn sie das nicht kund tut. Und das war für mich sehr erfrischend, denn Katy ist nicht der Typ, der lang lamentiert, welchen Traumtypen sie nun nehmen soll. Toll!

Auch der Roman selbst war spannend, fesselnd und legte nach einem gemächlichen Beginn ein rasantes Tempo an den Tag. Die Romantik trat dabei so manches Mal in den Hintergrund, was mir gefallen hat. Denn so konnte sich die eigentliche Geschichte sehr gut entfalten und wurde nicht durch unpassende Schmachtereien gestört. Die Romantik wurde aber nicht vergessen. Sie wurde an passenden und für mich herzerweichenden Stellen eingebaut, so dass ich manches Mal vor lauter Rührung schlucken musste. Hier hat sich die Autorin sehr zum ersten Teil gesteigert.

Das Ende macht sehr neugierig auf den Abschlußband. Und ich bin gespannt, wie Jennifer L. Armentrout alle offenen Fäden zu einem Gesamtwerk zusammenführt.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise passt zu einer 18-jährigen Bloggerin, die entdeckt, dass sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen muss.


Fazit: während ich am Vorgänger noch viel zu kritisieren hatte, gefällt mir Band 2 einfach! Eine klare Leseempfehlung meinerseits!

Montag, 24. November 2014

Was würden Sie tun, wenn Ihrer Tochter unermessliche Schmerzen zugefügt wurden?

Die Jury
von John Grisham

Eine Leseprobe findet ihr hier

Die 10-jährige Tonya Hailey wird von 2 Männern brutal vergewaltigt. Ihr Vater Carl Lee sinnt auf Rache und erschießt die beiden Täter, als diese aus dem Gericht geführt werden sollen. Jake Brigance, ein recht junger Anwalt, übernimmt die Verteidigung von Carl Lee. Doch wird er eine Chance haben? Denn schließlich ist Carl Lee schwarz, der Richter, die Jury und der Staatsanwalt aber weiß...

Unglaublich, aber wahr: "Die Jury" war mein erster Roman von John Grisham. Schon länger kenne ich die Verfilmung des Buches und habe nun auch die Vorlage gelesen. Begeisterung hat das Werk nicht bei mir ausgelöst, aber es ist ein solider, gut geschriebener Gerichtsthriller.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man sowohl dem Anwalt Jake, als auch Carl Lee oder auch den Anhängern des Ku-Klux-Klans. Diese Mischung empfand ich als sehr gelungen, da man so den Fall von allen Seiten betrachten konnte.

Die Verhandlung über Carl Lee nimmt nur einen sehr geringen Platz im Roman ein. John Grisham verwendet viel Zeit darauf zu zeigen, wie es überhaupt zu dem Verbrechen kam. Das fand ich sehr gut. Allerdings verwendet er auch enorm viel Zeit darauf zu zeigen, wie korrupt, schlecht und verdorben das Justizsystem im Süden der USA ist. Da werden Jurymitglieder bestochen, Akten ohne Einverständnis gesichtet und gesoffen bis zum Umfallen. Auch wenn Grisham aus der Branche kommt und das Buch nun auch schon gut 20 Jahre alt ist, fand ich so manche Beschreibung arg übertrieben. Teilweise waren Jake und seine Anwaltskollegen gar nicht mehr nüchtern und traten teilweise sogar vor Gericht leicht angetrunken auf. Zwar sagt man, dass Übertreibung anschaulich mache, doch das war zu viel des Guten.

Die Zusammenhänge, die zu verschiedenen Verbrechen und Vorfällen geführt haben, fand ich sehr gut herbeigeführt und beschrieben. Hier merkt man sehr deutlich, dass der Autor sich in dem Gebiet meisterhaft auskennt.

Das Ende war für mich, da ich den Film kenne, nicht mehr überraschend, allerdings führt im Roman eine andere Vorgehensweise zum Urteil als im Film. Und ich muss zugeben, dass mir der Romanausgang um einiges realistischer erscheint.

Der Stil von John Grisham ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist unaufgeregt, sachlich und leicht distanziert. Daher fiel es mir auch schwer, mich mit den Figuren zu identifizieren.


Fazit: auch nach 20 Jahren ist der Roman lesenswert, aber für mich kein Meisterwerk.

Samstag, 22. November 2014

Was würdest du tun, wenn du nur noch begrenzt Zeit hast?

Zwischen Winter und Himmel
von Elin Bengtsson



Andreas ist 15 und krank, sterbenskrank. Er wird den Sommer nicht mehr erleben. Wie geht man damit um, wenn man als Jugendlicher weiß, dass das eigene Leben enden wird? Andreas hat für sich einen Weg gefunden. Doch mit diesem Weg ist sein älterer Bruder Martin gar nicht einverstanden. Martin kann nicht verstehen, wie man seine restliche Zeit so verbringen kann. Er verbringt seine Zeit mit seiner Gitarre, seiner sehr aufs Äußeren bedachten Freundin und damit, der Welt um ihn zu zeigen, dass sie es nicht mit ihm aufnehmen kann. Ist das der bessere Weg?

"Zwischen Winter und Himmel" ist das Debüt der Schwedin Elin Bengtsson und lässt mich nachdenklich zurück. Bücher mit todkranken Jugendlichen gibt es einige, doch bisher habe ich noch keines gelesen, in dem es mal nicht um Mut, Durchhalten und Stark sein geht, sondern ums Aufgeben, um Gleichgültigkeit und das Gefühl, dass man nichts hinterlässt. Das stimmte mich traurig, ist aber auf der anderen Seite für mich eine der realistischsten Betrachtungen dieses Themas.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben, springt aber immer wieder zwischen den Figuren hin und her. So begleitet man mal Martin, mal Sara und auch Andreas. Diese Wechsel passieren so manches Mal mitten im Kapitel, so dass ich sehr konzentriert bleiben musste, um der Geschichte folgen zu können. In meinen Augen ist das von der Autorin sehr geschickt gemacht, denn so verlangt sie vom Leser seine volle Aufmerksamkeit und zwingt ihn damit, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Toll!

Obwohl der Roman nicht sonderlich lang ist, bringt Elin Bengtsson alle Bedenken ihrer Figuren unter und auch sehr gut rüber. Die Gedankengänge von Martin sind tiefgründig und fast philosophisch, während Andreas' Gedanken fast oberflächlich erscheinen, obwohl doch er derjenige ist, der bald stirbt. Saras Überlegungen drehen sich zumeist um sie selbst und zeigt auf für mich erschreckende Weise, wie wenig der nahende Tod andere Menschen berühren kann.

Einen Wermutstropfen hat die Geschichte allerdings:
manche Wendung hat bei mir Kopfschütteln ausgelöst und ich hatte das Gefühl, dass die Autorin hier zu viel wollte. Es ist nicht zwingend so, dass es nicht gepasst hätte, ich habe mich beim Lesen nur gefragt: "Musste das jetzt auch noch sein?"

Das Buch lässt mich auch nach seinem Ende mit so mancher Frage zurück, die ich mir nur selbst beantworten kann. Denn Bengtsson belässt es häufig bei Andeutungen, Details findet man kaum. So muss sich der Leser seine eigenen Gedanken machen und kommt unweigerlich zu der Frage, die das ganze Werk beherrscht: was würdest du tun?

Der Stil der Autorin ist gut zu lesen. Ihre Erzählweise ist für mich typisch skandinavisch: unterkühlt, distanziert und wenig Hang zu Emotionen. Bei diesem doch eigentlich sehr gefühlsreichen Thema ist dieser emotionslose Stil mal etwas neues und lässt dem Leser Raum, seine eigenen Emotionen zu zulassen.


Fazit: ein wichtiges, wenn auch nicht leichtes Jugendbuch. Dennoch kann ich es empfehlen.


Ein großes Dankeschön an lovelybooks und den Oetinger - Verlag für die Zurverfügungstellung des Buches.

Donnerstag, 20. November 2014

Wenn Träume deiner Macht unterstehen...

Quelle: Bundesamt für magische Wesen


Nora kann Träume beeinflussen. Und zwar nicht nur ihre eigenen, sondern auch die von anderen Menschen. Seit dem Tod ihrer Eltern und ihrer besten Freundin flüchtet sie sich Nacht für Nacht in eine wunderbare Traumwelt. Dort begegnet sie auch ihrer großen Liebe David und ihren späteren Freunden Lucy, Aleks und Stephen. Doch Nora hat noch einen viel größeren Wunsch: sie möchte, dass David sie unbändig liebt. Und dafür beschwört sie sogar einen Gott, nicht ahnend, dass dieser Gott ganz andere Pläne als ein bisschen Liebeszauberei im Sinn hat...

"Blutmond im Mitternachtsblau" ist das Debüt von Blake Kato. Kato ist ein Indie-Autor, der ohne Verlag und Lektorat arbeitet. Sein Roman ist für Jugendliche geschrieben und zeigt, dass der Autor durchaus Talent hat. Allerdings kommen der guten Grundidee so manches Mal der rote Faden und der fehlende Feinschliff in die Quere.

Die Geschichte selbst birgt sehr großes Potenzial. Ein Mädchen, das Träume beeinflussen kann und durch einen eher kleinen Wunsch einen ehemaligen Gott beschwört, der die Welt beherrschen will, hat mich sehr neugierig gemacht.

Zu Beginn war ich etwas verwirrt, da die Story aus 3 Strängen bestehen zu scheint. Doch nach einer kurzen Eingewöhnung kam ich sehr gut damit klar. Manche Entwicklung, wie zum Beispiel die Begegnung von Aleks und dem Engel, gehen so schnell, dass man schon genau hinschauen muss. Generell ist die Bereitschaft zur Akzeptanz von übernatürlichen Dingen bei den Figuren sehr schnell gegeben. Hier hätte ich mir mehr Bedenken und Zweifel gewünscht.

Die Gruppe um Nora birgt ebenso Potenzial wie die gesamte Geschichte. Vor allem Lucy mit ihrem vorlauten Mundwerk hat es mir angetan. Leider lässt sich Blake Kato wenig Zeit um dem Leser seine Figuren richtig vorzustellen. Dadurch waren für mich manche Handlungen oder Gedankengänge nicht nachvollziehbar. Schade eigentlich, denn die Jugendlichen hätten bestimmt eine Menge zu sagen gehabt.

Der Roman selbst schreitet zügig voran, manchmal hatte ich jedoch das Gefühl, dass der Autor selbst nicht mehr wusste, wo er anknüpfen wollte. Gerade beim roten Faden merkt man leider deutlich, dass hier eine professionelle Korrektur oder ein Lektorat fehlt.

Genau so verhält es sich mit dem Schreibstil von Blake Kato. Ich habe deutlich gemerkt, dass er erzählen kann und dass seine Erzählungen auch spannend und fesselnd sein können. Doch ab und an fehlten mir die Zusammenhänge, waren Worte zu viel oder der Satzbau passte so gar nicht in den Lesefluss. Auch hier hätte eine Korrekturlesung echt was bringen können.

So bleibt mir zum Ende zu sagen: Blake Kato hat Talent zum Erzählen, verbirgt es aber aktuell unter konfusen Erzählsträngen, komischem Satzbau oder fehlenden Zusammenhängen. Mit einem professionellen Korrekturleser lässt sich aber das meiste durchaus ausmerzen.

Mittwoch, 19. November 2014

Schmutzige Geheimnisse kommen immer heraus

Atemnot
(DCI-Lou-Smith-Reihe Band 1)
von Elizabeth Haynes

Eine Leseprobe findet ihr hier

Im kleinen Dorf Morden wird die übel zugerichtete Leiche einer jungen Frau gefunden. Nur Stunden später findet die Polizei eine weitere Leiche in einem Steinbruch. Der erste Fall ist eindeutig Mord, der zweite sieht nach Suizid auf. DCI Louisa Smith, meist Lou gerufen, muss nun ihr erstes Sonderermittlungsteam zusammenstellen, um den beiden Fällen auf den Grund zu gehen. Schon bald stehen die Identitäten der beiden Leichen fest: es handelt sich um Polly und Barbara. Die eine war eine junge Frau, die nicht nur das Leben, sondern auch fremde Betten geliebt hat. Die andere war eine reife Lady, die sich mit Alkohol und Tabletten ihre Welt zurecht gebogen hat. Können die beiden Fälle zusammenhängen und wenn ja, wie?

"Atemnot" war mein erster Thriller von Elizabeth Haynes und hat mich, je weiter die Story fortschritt, einfach nur enttäuscht. Ich mag Thriller, in denen es auch mal sinnliche Szenen gibt oder in denen das Verbrechen in bestimmten Szenen stattfindet, doch das, was die Autorin hier wollte, war einfach zu viel.

Dabei begann der Thriller sehr vielversprechend: eine junge, attraktive Frau, die sich holte, was sie wollte und ein Dorf, bei dem die eine Hälfte diese Frau nackt kannte und die andere sich das Maul über sie zerriss. Und auch der Beginn der Ermittlungen war solide, gewissenhaft und sehr glaubwürdig. Ich war richtig begeistert, da ich dachte, dass ich hier mal wieder sehr gute und tiefgründige Ermittlerarbeit erleben könnte.

Doch dann wendete sich das Blatt: nicht nur, dass es die männlichen Nebenfiguren bei Elizabeth Haynes mit der Treue nicht so genau nahmen (was ja durchaus zur Story passt), NEIN, auch einer der Inspectors musste natürlich auf Freiersfüßen trotz Frau und Kinder wandeln und alles anspringen, was Busen und Po hatte. Was zunächst noch eher amüsant war, wurde im Verlaufe des Buches einfach nur nervig, weil ich das Gefühl bekam, der Inspector denkt nur noch mit einem Körperteil und das war nicht der Kopf.

Darüber hätte ich hinwegsehen können, wenn die Ermittlungen wenigstens weiterhin so spannend gewesen wären. Jedoch war auch das nicht der Fall. Ab einem Punkt kurz vor der Hälfte des Buches war der Fall quasi gelöst und es ging Lou Smith nur noch darum, das Motiv herauszufinden. In jeder anderen Dienststelle wäre die Akte geschlossen worden, doch hier wurde die Ermittlungsarbeit nicht eingestellt, sondern wenig glaubwürdig ausgeweitet. Dass die Autorin dann auch noch Menschenschmuggel und Schiebertätigkeiten miteingebaut hat, setzte dem Ganzen die Krone auf. Für mich wurde die Geschichte nicht glaubwürdiger und in meinen Augen wollte Elizabeth Haynes einfach zu viel.

Das Ende konnte mich dann auch nicht mehr überraschen. Im Gegenteil, hier wurde auch nochmal so manches Klischee aufgefahren, was mich nur noch mit den Augen rollen ließ.

Der Stil von Haynes ist gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise konnte mich zu Beginn wirklich fesseln und hätte es auch weiterhin gekonnt, wenn da nicht dieser Umschwung gewesen wäre.


Fazit: starker Beginn und dann einfach nur noch Käse. Ich kann das Buch nicht empfehlen.

Dienstag, 18. November 2014

Wenn dir das Schicksal noch eine Chance gibt...

Eine himmlische Begegnung
von Guillaume Musso

Eine Leseprobe findet ihr hier

Juliette Beaumont steht kurz vor ihrer Abreise aus New York. Sie hat es im Big Apple nicht geschafft Fuß zu fassen und will nun wieder in ihre Heimat Frankreich zurückkehren. Ein letzter Besuch auf dem Time Square verändert jedoch ihr Leben: sie begegnet Sam, einem verwitweten Kinderarzt, und erlebt mit ihm einen traumhaften Abend und ebenso traumhafte Nächte. Am Flughafen verabschieden sich die beiden, obwohl sie fühlen, dass sie füreinander bestimmt sind. Juliette steigt in den Flieger und Sam erfährt Stunden später, dass der Flieger abgestürzt ist! Doch das Schicksal gewährt den beiden einen Aufschub...

"Eine himmlische Begegnung" war mein erster Roman von Guillaume Musso und er hat mich begeistert. Ich hatte zunächst eine einfache Geschichte fürs Herz erwartet und habe etwas ganz zauberhaftes bekommen.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben, jedoch hat man beim Lesen das Gefühl, als schwebe man über den Dingen, wie ein unsichtbarer Beobachter, der die Zukunft schon kennt, aber nur Andeutungen von sich gibt. Diese Art der Erzählung hat mir sehr gut gefallen, denn ich fühlte mich wie ein guter Geist, der Juliette und Sam begleitet hat.

Der Roman selbst beginnt stürmisch, herzlich und herrlich kitschig. Dennoch wandert Guillaume Musso perfekt auf dem Grat zwischen romantischer Erzählung und übertriebener Schnulze. Ich habe direkt mit Sam und Juliette mitgefühlt, mitgefiebert und mich gefreut, als es zwischen den beiden gefunkt hat.

Im Verlaufe der Geschichte wird aus dem Liebesroman eine Begebenheit, die zeigt, wie stark die Liebe auf den ersten Blick sein kann und was Menschen bereit sind zu tun, um ihrer großen Liebe nahe zu sein. Dabei bedient sich der Autor sogar himmlischen Boten, die nichts engelhaftes an sich haben, aber einfach perfekt zur Story passen.

Bis zum Ende hält der Zauber von Musso an und mit dem Finale hat er mich nochmals verzaubert und berührt.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise hat etwas leicht neckisches an sich, aber er wird nie schmalzig oder übertrieben schnulzig. Das hat mir sehr gut gefallen.


Fazit: "Eine himmlische Begegnung" eignet sich perfekt für verschneite Wintertage. Wer mal wieder etwas fürs Herz lesen möchte, ist hier genau richtig.


Ein großes Dankeschön an den Piper-Verlag für die Zurverfügungstellung des Buches.

Montag, 17. November 2014

Ordnung ist unsere Pflicht, Ordnung steht über allem

Secrets - Ich fühle
(Secrets - Reihe Band 1)
von Heather Anastasiu

Eine Leseprobe findet ihr hier

In der Zukunft leben die Menschen unter der Erde. Ihre Gefühle werden mittels eines Chips unterdrückt, denn Emotionen haben dafür gesorgt, dass die Erde unbewohnbar wird. Zoel kennt die Geschichte, weiß, dass Gefühle gefährlich sind und genießt es doch, wenn sie immer wieder aus dem System herausgleitet und fühlen kann. Allerdings hat sie auch Angst, denn wenn entdeckt wird, dass sie Gefühle hat, wird sie neu programmiert oder sogar deaktiviert. Ihre Anstrengungen scheinen aber zu scheitern, als sie eines Tages zu einer Untersuchung gerufen wird. In letzter Minute wird sie von Adrien gerettet. Sie flieht mit ihm. Doch kann das wirklich der beste Weg sein?

"Secrets – Ich fühle" ist das Debüt von Heather Anastasiu und gleichzeitig auch der Auftakt zur Secrets – Trilogie. Der dystopische Jugendroman konnte mich, nach leichten Startschwierigkeiten, vollends überzeugen.

Die Geschichte wird von Zoel selbst erzählt. Und man erfährt direkt zu Beginn, dass sie anders ist als die anderen. Sie kann nämlich aus dem System hinausgleiten, ist somit unverbunden und kann fühlen. Etwas, was in der Gemeinschaft komplett untersagt ist und auch verfolgt wird. Zu Beginn versucht die 17-jährige auch immer wieder, in das System hineinzukommen und einfach nur normal zu sein. Doch im Laufe des Romans entdeckt Zoel, welche Bereicherung Emotionen sein können. Dieser Veränderungsprozess war für mich sehr spannend, aufwühlend und teilweise auch witzig. Denn was für uns völlig normal ist, muss von Zoel mühsam gelernt werden. Und dabei passiert so mancher Fauxpas, der mich grinsen ließ.

Die Story selbst beginnt erstmal wie jede Dystopie: die Hauptfigur hat etwas besonderes an sich und dadurch ist ihr Leben gefährdet. Ich hatte mich schon halbwegs damit arrangiert, dass "Secrets" auch nicht anders ist, als Heather Anastasiu ihrem Roman eine Richtung gibt, die mich fasziniert und gefesselt hat. Durch diese Veränderung war ich wie gebannt und wollte einfach nur wissen, wie es mit Zoel, Adrien und Max weitergeht. Ein mehr als gelungener Kniff der Autorin!

Das Ende ist rund, lässt aber genug Raum für den 2. und 3. Band. Ich bin schon sehr gespannt, wie Anastasiu die Geschichte von Zoel weitererzählen wird.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist zu Beginn eher distanziert, was auch nicht verwunderlich ist, da ihre Hauptfigur ja keine Gefühle hat. Im Laufe des Buches werden ihre Erzählungen aber emotionaler, selbstsicherer und bewusster. Man macht beim Lesen den Prozess der Veränderung mit Zoel gemeinsam durch. Toll!


Fazit: ein gelungenes Debüt, welches mich gespannt auf die nächsten Teile warten lässt. Eine klare Empfehlung an alle Dystopie-Fans!


Ein großes Dankeschön an den Blanvalet - Verlag für die Bereitstellung des Buches.

Samstag, 15. November 2014

Eine Reise ins Ungewisse

Weisse Nächte, weites Land
(Wolga-Siedler-Reihe Band 1)
von Martina Sahler

Eine Leseprobe findet ihr hier

Deutschland 1776: die Weber-Schwestern Christina, Eleonora und Klara stehen von einem Tag auf den anderen vor dem Nichts, als ihre geliebte Mutter verstirbt. Was sollen sie tun, wo Klara doch noch ein Kind ist und Elonora sich mit ihrer Tochter Sophia durchs Leben kämpfen muss? Christina hat die scheinbar rettende Idee: warum folgen sie nicht dem Ruf der Zarin Katharina der Großen, die nicht müde wird, Deutsche nach Russland zu locken? Die Schwestern schließen sich einem Treck nach Russland, nichts ahnend, was ihnen das Land an der Wolga bescheren wird.

"Weisse Nächte, weites Land" ist der erste Band der Wolga-Siedler-Saga von Martina Sahler. Ich hatte vor einigen Wochen schon Band 2 gelesen und war sehr neugierig, wie die Weber-Schwestern nach Russland kamen. Und dieser Roman hat mich nicht enttäuscht.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive berichtet, man folgt allerdings immer mal wieder anderen Figuren. So lernt man zum Beispiel die spitzzüngige und sehr auf ihren Vorteil bedachte Christina kennen, aber auch den Bauernsohn Matthias oder die Apothekerstochter Anja. Das hat mir sehr gut gefallen, da ich so alle wichtigen Mitglieder aus Waidbach kennenlernen konnte.

Der Roman erzählt zudem von der Reise der deutschen Aussiedler nach Russland, von dem sie sich Reichtum und Wohlstand erhoffen. Die Realität schaut jedoch anders aus und die Autorin scheut ich nicht davor, so manches dramatisches Ereignis in ihr Buch einzubinden. Dabei wird sie aber nie sensationslüstern oder blutig, sondern bleibt schlicht und einfach nah an der Realität. Auch übertreibt sie es nicht mit den Schicksalsschlägen für die Auswanderer, so dass hier ein schöner, zu Herzen gehender, aber keinesfalls schwülstiger Roman entstanden ist.

Der Stil von Martina Sahler ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist leicht, aber nicht zu locker und sie vermag mit dem Blick auf kleine Details dem Leser das Russland des 18. Jahrhunderts näher zu bringen. Toll!


Fazit: ein schöner Auftakt zu einer wunderbaren Reihe. Ich kann das Buch sehr empfehlen.

Freitag, 14. November 2014

Mörderisches in der Region: Winterlese 2015 in Hinterzarten



Hallo Ihr Lieben,

Lesungen waren und sind für mich immer etwas Besonderes. Leider lebe ich in einer Region, nämlich im Hochschwarzwald, in die sich nicht allzu oft Autoren verirren.

Doch einmal im Jahr geben sich namhafte Autorinnen und Autoren in Hinterzarten die Klinke in die Hand, denn es wird zur Winterlese geladen. In gemütlicher und meist schneebedeckter Atmosphäre wird den Gästen eine Woche lang ein tolles Programm geboten. Und 2015 lautet das Motto "Unter Mördern"!

Vom 12. bis 16. Januar 2015 begrüßen verschiedene Hotels in gemütlicher und fast familiärere Atmosphäre unter anderem Petra Hammesfahr und Marc Elsberg. Tickets für jede einzelne Lesung könnt ihr hier buchen.

Veranstaltet wird die Winterlese von der kleinen, aber feinen Buchhandlung Baeuchle .

Ich werde mir dieses Event nicht entgehen lassen und Euch in den nächsten Wochen die Autoren mal etwas genauer vorstellen.

Was haltet ihr von der Idee der Winterlese? Mögt ihr Lesungen an ungewöhnlichen oder andersartigen Orten?

Liebe Grüße
Eure Denise

Donnerstag, 13. November 2014

Gefühlsachterbahn mit bekannten Elementen

Bound to you - Providence
(Bound-to-you Reihe Band 1)
von Jamie McGuire

Eine Leseprobe findet ihr hier

Nina hat ihren Vater, den sie vergöttert hat, verloren. Ihre Welt ist durchsetzt von Trauer und einem Gefühl der Leere. Nach der Beerdigung will sie einfach nur nach Hause und verpasst durch einen Blackout den letzten Bus zum Campus. Weinend sitzt sie an der Bushaltestelle, da setzt sich ein fremder, junger Mann zu ihr. Er stellt sich als Jared vor und bietet ihr an, sich mit ihr ein Taxi zu teilen. Sie nimmt an. Und ab diesem Moment begegnen sich die beiden immer wieder. Nina bekommt Jared nicht mehr aus ihrem Kopf, aber sie ahnt, dass etwas an ihm anders ist. Nur was?

"Bound to you – Providence" ist mein erster Roman von Jamie McGuire. Die Autorin hat bereits eine Buchreihe veröffentlicht. "Bound to you – Providence" ist nun der erste Teil ihrer neuen, übersinnlichen Trilogie und konnte mich weitesgehend überzeugen.

Die Geschichte wird von Nina selbst erzählt. Sie gewährt somit dem Leser einen Einblick in ihr Gefühlsleben, ihren Alltag und ihre Gedanken. Als Jared in ihr Leben tritt, kann sie kaum an jemand anderen denken. Ihre Verliebtheit und ihre tiefe Sehnsucht sind direkt auf mich übergesprungen. Ich konnte sehr gut mit Nina mitfühlen und habe mit ihr gelacht, geweint und geschmachtet.

Die Story selbst beinhaltet viele bekannte Elemente. Selbst der Aufbau läuft nach dem erfolgreichen Schema "Er liebt sie, sie liebt ihn und hat dennoch Zweifel" ab. Daher sollte man von "Bound to you" auch keine allzu großen, revolutionären Ideen erwarten. Während am Anfang noch Spannung herrscht, welches Geheimnis Jared umgibt, hält der Mittelteil so manche Länge bereit. Es wird vor allem geschmachtet, die große Liebe versprochen und aneinander gedacht. Was zu Beginn noch toll war, war mir dann an einigen Stellen fast zu viel, auch deshalb, weil die Geschichte selbst nicht vorangetrieben wurde.

Der übersinnliche Anteil hält sich in Grenzen und tritt nur in manchen Szenen zutage. Das hat mir gut gefallen. Denn so wirkt das Fantastische glaubwürdiger. Die Figuren, allen voran Nina und Jared, sind mir direkt ans Herz gewachsen. Jared lernt man nur durch Ninas Augen kennen und es ist klar, dass er dadurch meist rosarot und in den Himmel gelobt erscheint. Dennoch war es für mich toll zu lesen, wie einfach und wundervoll Liebe sein kann.

Zum Schluss hin hätte ich das Buch beinahe an die Wand geworfen. Nina hat eine Entscheidung getroffen, die zwar vorhersehbar, aber sehr unnötig war. Unnötig auch deshalb, weil sie den Verlauf der Story kaum beeinflusst hat. Aber die Autorin hat erreicht, was sie wollte: ich habe mitgelitten.

Der Stil von Jamie McGuire ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise passt zu Nina und wirkt weder abgehoben noch gewollt jugendlich.


Fazit: der Auftakt zur Bound-to-you-Trilogie ist solide, aber nicht neu. Wer mal wieder schmachten möchte, sollte zugreifen.

Dienstag, 11. November 2014

Die Polizei schützt die Unschuldigen...oder?

Ich bin unschuldig
von Sabine Durrant

Eine Leseprobe findet ihr hier

Gaby, TV-Moderatorin mit Leib und Seele, findet beim Joggen die Leiche einer jungen Frau. Noch im Schock ruft sie die Polizei und gibt zu Protokoll, wie sie auf die Tote gestoßen ist. Eigentlich sollte damit alles für sie erledigt sein. Ist es aber nicht. Denn schon kurze Zeit später bekommt Gaby Besuch von der Polizei und wird eingehend befragt. Schon bald wird klar: die Ermittler haben sie in Verdacht. Aber warum?

"Ich bin unschuldig" ist mein erstes Buch von Sabine Durrant und es hat mir gut gefallen. In ihrem Thriller zeigt die Autorin, wie es gehen kann, wenn man als Zeugin auf einmal unter Verdacht gerät und somit unter die Räder der Justiz kommt.

Die Geschichte wird von Gaby selbst erzählt. So ist man quasi live dabei, als sie die Leiche findet. Ihre Gedanken bekommt man als Leser ungefiltert und auch teilweise unsortiert serviert. Das erschwerte zwar das Lesen, aber ich konnte somit auch Gabys Beunruhigung, ihren Schock und ihre Fassungslosigkeit, als der Verdacht auf sie fällt, sehr gut nachvollziehen.

Zu Beginn wirkte die Hauptfigur auf mich sehr zerstreut und fahrig, doch sobald sie beschließt, der Polizei neue Beweise zu liefern, um den wahren Täter zu finden, geht ein Ruck durch ihr Verhalten. Sie wird lebendiger, ihre Gedanken sind geradliniger und sie wirkte insgesamt gefestigter auf mich. Dieser Wandel und seine Nachvollziehbarkeit haben mir sehr gut gefallen.

Natürlich habe ich mir auch meine eigenen Gedanken zum Täter gemacht und zwischendrin sogar die Polizei verflucht, warum sie sich so auf Gaby versteifen, wo doch die Beweise auch in eine andere Richtung weisen können.

Das Ende konnte mich dann begeistern und gibt dem gesamten Thriller einen mehr als runden Abschluss.

Der Stil von Sabine Durrant ist gut zu lesen. Zu Beginn musste ich mich zwar erst an die typisch britisch-unterkühlte Erzählweise gewöhnen, doch Seite um Seite nahm mich das Buch mehr gefangen.


Fazit: wer mal einen Thriller der anderen Art lesen möchte, sollte zugreifen.


Ein großes Dankeschön an den Piper-Verlag für die Bereitstellung des Buches.

7000 Besucher!!

Hallo Ihr Lieben,

ich bin echt überwältigt!! Im Oktober habt ihr kaum etwas von mir gehört und dennoch habt ihr mir die Treue gehalten und mit euren Besuchen die nächste Tausender-Marke geknackt! Ich bin so glücklich gerade!

Natürlich gebe ich mir auch weiterhin Mühe, damit ihr mit meinem Blog Spaß habt!!

Liebe Grüße
Eure Denise

Montag, 10. November 2014

Sind das Schmetterlinge im Bauch oder eine beginnende Darmgrippe?

Hope forever
(Hope-Reihe Band 1)
von Colleen Hoover

Eine Leseprobe findet ihr hier

Sky ist 17, bisher zu Hause unterrichtet worden und fühlt Jungs gegenüber...nichts. Weder Schmetterlinge im Bauch, noch ein Kribbeln. Egal, mit wem sie knutscht, egal, welcher Junge sie berührt. Sky hat sich damit abgefunden, auch wenn nur ihre beste Freundin Six davon weiß. Das ist auch gut so. Bis....ja bis Sky eines Tages im Supermarkt Dean Holder begegnet. Bei seinem Anblick werden ihre Knie weich, ihre Hände werden feucht und sie kann nur daran denken, wie toll es wäre, wenn er sie küssen würde. Was ist nur los mit ihr? Und will Holder überhaupt was von ihr? Oder sollte sie lieber die Finger vom stadtbekannten Schläger lassen??

Ich habe dem Erscheinen von "Hope forever" von Colleen Hoover sehr entgegengefiebert. Denn ihre beiden ersten Bücher um Layken und Will hatten mich sehr verzaubert. Und die Geschichte um Sky und Holder tat es ebenso.

Die Geschichte wird von Sky höchstpersönlich erzählt. Dabei erfährt man sehr schnell und auch relativ emotionslos, dass sie adoptiert worden ist und ihre Mutter ihr jeglichen Zugang zu den modernen Medien verbietet. Sky hat sich damit abgefunden. Schließlich hat sie ihre beste Freundin Six, mit der sie alles teilen kann. Doch als Sky dann Holder kennenlernt, ist für sie die Welt vergessen. Und die beiden passen so wunderbar zusammen. Zu erleben, wie Sky sich das erste Mal mit fast 18 Jahren dem Gefühl des Verliebtsein stellen muss, hat mich so manches Mal laut loslachen lassen. Sie ist einfach herrlich tapsig und in manchen Situationen so schonungslos ehrlich, dass ich einfach nur mit ihr lachen konnte.

Doch genau so habe ich mit Sky geweint. Und gerade zum Ende hin habe ich geheult wie ein Schloßhund. Denn die Liebesgeschichte zwischen ihr und Holder nimmt nur einen Teil des gesamten Romans ein. Der andere Teil beschäftigt sich...das möchte nicht verraten. Denn gerade das gemeinsame Entdecken mit Sky macht den Reiz der Story aus. Aber so viel kann ich sagen: die Taschentücher sollten auf jeden Fall bereitliegen.

Colleen Hoover schafft es somit auch mit "Hope forever" mich zum Lachen, Weinen, Wüten und Träumen zu bringen. Während des Lesens habe ich Skys Gefühle so stark gespürt, dass ich so manches Mal tief durchatmen musste. Wie auch immer das die Autorin hinbekommt, sie soll es auf jeden Fall beibehalten!!

Das Ende war für mich so weit rund, dennoch freue ich mich riesig, dass bald der zweite Teil mit dem Titel "Looking for Hope" erscheint, der dann aus der Sicht von Holder erzählt wird.


Fazit: wer etwas fürs Herz möchte und dennoch einen gewissen Ernst sucht, ist mit "Hope forever" an der richtigen Stelle. Eine klare Leseempfehlung von mir!

Sonntag, 9. November 2014

Das Meer schlägt zurück!

Aquarius
von Thomas Finn

Eine Leseprobe findet ihr hier

Mehrere Menschen ertrinken. Eigentlich nichts ungewöhnliches, allerdings sterben diese Menschen ohne überhaupt in der Nähe von Wasser gewesen zu sein. Wie ist das möglich?
Berufstaucher Jens Ahrens erkundet mit seinem Kollegen Werner ein altes Schiffswrack. Dabei stoßen sie auf eine alte Seemine, die auch noch explodiert. Jens wird an Land gespült, kann sich kaum erinnern, was passiert ist und wird dann auch noch vom Fleck weg entführt. Zwar kann er seinen Entführern entkommen, doch warum haben sie ihn geholt? Er und die Polizistin Meike Ehlers fangen an zu recherchieren. Und stoßen dabei auf etwas, was größer ist als sie je dachten...

"Aquarius" ist mein erster Thriller von Thomas Finn und hat mir sehr gut gefallen. Der Autor verwebt spannende mit leicht fantastischen Elementen. Dabei wirkt das Werk aber keinesfalls überzogen oder überzeichnet.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man der Hauptfigur Jens Ahrens. Der Taucher kommt vom Regen in die Traufe und muss sich einem Fall stellen, der ihn nicht nur in immer wieder neue Gefahren hineinmanövriert, sondern auch an den Überzeugungen Ahrens' rüttelt. Gemeinsam mit Jens entdeckte ich ein uraltes Geheimnis, was mich, ebenso wie ihn, ungläubig staunen ließ. Ich möchte gar nicht verraten, auf was wir gestoßen sind. Allerdings kann ich sagen, dass Thomas Finn das Geheimnis sehr gut in seinen Thriller integriert hat.

So fiel es mir auch sehr leicht, dem ganzen Geschehen Glauben zu schenken. Denn trotz ein paar weniger Fantasy-Elementen wirkt der Thriller sehr realitätsnah. Gut, manche Actionszene ist schon fast hollywoodreif, aber dennoch übertreibt der Autor nicht arg. Die Ermittlungen von Jens und Meike stehen klar im Mittelpunkt und so rückt das Fantastische fast in den Hintergrund. Aber eben nur fast, denn immer wieder stoßen die beiden darauf und müssen erkennen, dass man nicht alles erklären kann, was zwischen Himmel und Erde passiert.

Der Roman hat mich von Beginn an gefesselt. Zwischendrin war ich zwar ob der vielen ähnlich klingenden, nordischen Namen verwirrt, aber je länger ich gelesen habe, desto mehr konnte ich in der Geschichte versinken. Zum Ende hin habe ich es vor Spannung fast nicht mehr ausgehalten und das Finale ist dem Autoren mehr als gelungen.

Der Stil von Thomas Finn ist sehr angenehm und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist nah, direkt und schonungslos. Seine Exkursionen in die Ortsgeschichte seiner Handlungsorte hat mir sehr gut gefallen. Und auch Jens und Meike sind mir direkt ans Herz gewachsen. Die beiden sind bodenständig, kämpferisch und hart im Nehmen. Toll!


Fazit: "Aquarius" hat mich, als Thriller- und Fantasy-Leserin, begeistert. Und ich kann es jedem Thriller-Leser empfehlen, der sich gern mal an ein wenig Fantasy versuchen möchte.

Samstag, 8. November 2014

Ein Sommer voller Gefühle

True - Weil dir mein Herz gehört
(True - Reihe Band 2)
von Erin McCarthy

Eine Leseprobe findet ihr hier

Jessica will in den Semesterferien nicht nach Hause. Ihre Eltern sind streng gläubig und ihr Weltbild passt so gar nicht zu dem, was Jessica will. Da kommt es ihr gerade recht, dass Rorys Freund Tyler ihr anbietet, wenigstens eine Woche bei ihm und seinen Brüdern zu wohnen. Doof nur, dass Tylers ältester Bruder Riley da eigentlich auch noch ein Wort mitzureden hat. Widerwillig gibt er jedoch seine Zustimmung. Kann das gut gehen? Schließlich sind sich Jessica und Riley spinnefeind...eigentlich.

"True – Weil dir mein Herz gehört" ist der 2. Band der True – Reihe von Erin McCarthy und hat mir sehr gut gefallen. Der Roman hat mich verzaubert und konnte mich in der Geschichte um Riley und Jessica verlieren.

Die Geschichte wird von Jessica selbst erzählt. Sie und Riley lernte man schon in Band 1 kennen, in dem es um Rory und Tyler ging. Im ersten Teil war mir Jessica fast unsympathisch, da sie auf mich wie ein leichtes Mädchen wirkte. Doch nun konnte ich sie kennenlernen und merkte schnell, dass mein erster Eindruck nicht korrekt war. Jessica kämpft nicht nur mit sich und ihren Gefühlen, sondern auch mit dem Weltbild, welches ihre Eltern versucht haben ihr aufzudrücken. Und diesen Kampf stellt Erin McCarthy sehr gut da. Ich konnte richtig mit Jessica mitfühlen.

Die Story selbst hat mich von Beginn an gefangen genommen. Riley und Jessica sind kein normales Pärchen und führen sich, zur eigenen und zur Belustigung anderer, auf wie pubertierende Teenager. So habe ich manches Mal laut losgelacht, wenn die beiden sich gekappelt haben. Aber genau so gab es Stellen, an denen ich geweint habe, weil ich so gerührt oder sauer war. Ich habe mit den Figuren die komplette Achterbahn der Gefühle durchgemacht.

Der Stil von Erin McCarthy ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise passt zu der fast 21-jährigen Jessica und ist weder übertrieben zickig noch gestelzt. Das hat mir sehr gut gefallen.


Fazit: auch der 2. Band der True-Reihe konnte mich überzeugen. Ich kann das Buch ohne schlechtes Gewissen empfehlen.

Freitag, 7. November 2014

Warum ich die LLC lieber mag als andere Buchmessen...

Hallo Ihr Lieben,

ja, der Titel wirkt schon leicht erschreckend. Wie kann man denn bitte eine Messe lieber haben als eine andere, wo sich doch alle mit DEM Thema schlechthin befassen: BÜCHER! Tja, ich verrate es Euch:

Fast jeder von uns kennt bestimmt die Bilder von der Frankfurter Buchmesse, gerade an Besuchertagen (sprich, genau dann, wenn der normalsterbliche Leser sich zum Messegelände aufmacht). Hier mal ein Bild davon:
(Quelle: www.aidberlin.de)
Die Frankfurter Buchmesse gehört zu den größten weltweit. Natürlich ist das für die Verlage aus Deutschland und auch für die internationalen Kollegen eine tolle Plattform, sich auszutauschen und/oder kennenzulernen.

Für mich persönlich ist die Buchmesse allerdings schon zu groß. Ich war 2012 das erste und wahrscheinlich auch letzte Mal an einem Samstag dort. In bestimmten Hallen konnte man sich kaum noch bewegen, für so manches Autogramm habe ich beziehungsweise meine Begleitung 4 Stunden angestanden und es blieb keine Zeit, sich mal mit den Autorinnen und Autoren oder auch den Verlagsmitarbeitern zu unterhalten. Echt schade! Der Trubel in all den Hallen war für mich einfach zu groß, aber ich bin froh, dass ich die Erfahrung gemacht habe.

Die LoveLetterConvention hingegen ist klein, aber fein. Ja, sie existiert noch nicht so lang wie der große Bruder in Frankfurt. Und ja, sie bedient nur ein kleines Feld des Büchersegments, nämlich die Romane rund um Liebe, Lust und Leidenschaft. Aber dennoch schaffte es die LLC 2014, was die Frankfurter Buchmesse nicht geschafft hatte: ich habe sie direkt ins Herz geschlossen.

Zum Einen ist die Besucherzahl bei der LLC begrenzt, was diejenigen freut, die Karten haben, aber ärgerlich ist für alle, die gerne hinmöchten, aber kein Glück hatten. Ich persönlich finde die Entscheidung der Veranstalter, ab einer gewissen Anzahl an Besuchern einen Schlußstrich zu ziehen, mehr als genial. Denn dadurch bleibt einfach Raum, um sich mal mit den Autorinnen und Autoren auszutauschen, auch mal einen Plausch mit den Mitarbeitern der Verlage zu halten oder auch einfach mal andere Blogger oder Fans kennenzulernen. Bei der LLC hetzt man nicht von Halle zu Halle, weil der Veranstaltungsort schön übersichtlich ist. Auch hatte ich das Gefühl, dass die anwesenden Autorinnen und Autoren lang nicht so gestresst waren wie bei den großen Messen. Es herrschte einfach eine gute Stimmung und ein gewisser Grad an Entspannung.

Ich freue mich riesig auf die LoveLetterConvention 2015 und bin gespannt, was mich diesmal erwartet.


Wie sind Eure Erfahrungen mit Buchmessen? Und was bevorzugt ihr?

Donnerstag, 6. November 2014

Die dunklen Mächte geben nicht auf

Dark Heroine - Autumn Rose
(Dark-Heroine-Reihe Band 2)
von Abigail Gibbs

Eine Leseprobe findet ihr hier

Autumn Rose ist die Wächterin einer Schule in England. Ihr Dasein als Sage inklusive ihrer Narben machen sie, trotz oder gerade wegen ihrer Kräfte, zu einer Außenseiterin. Sie hat sich mit dieser Rolle abgefunden, bis Prinz Fallon nach England kommt um mit ihr gemeinsam die Schule zu beschützen. Doch warum? Autumn erfährt den Grund nicht und was für sie noch viel schlimmer ist: Fallon und der Hof wissen, warum ihre Großmutter getötet wurde und geben das Geheimnis nicht preis. Jedoch: Autumn wäre nicht Autumn, wenn sie nicht um das Wissen kämpfen würde...

"Dark Heroine – Autumn Rose" ist der 2. Band der Dark-Heroine-Reihe von Abigail Gibbs. Leider konnte mich der zweite Teil nicht so begeistern, wie es das Debüt konnte. Das lag vor allem daran, dass ich lange Zeit gar nicht wusste, wohin Abigail Gibbs mit mir wollte.

Die Geschichte wird aus 2 Perspektiven erzählt: aus der von Autumn und aus der von Fallon. Dabei bestreitet Autumn allerdings den Löwenanteil. Die junge Sage hatte schon einen kurzen Auftritt im ersten Band, als es um Violet und den Vampir Kaspar ging. Jetzt lernt man sie endlich besser kennen und erlebt hautnah mit, wie es ist, wenn man anders als die anderen ist. Autumn wird zudem von Depressionen heimgesucht, seit sie ihre Großmutter verloren hat. Und dieser Schmerz und auch die düsteren Gedanken kommen sehr gut herüber.

Allerdings, und das ist mein Hauptkritikpunkt, wird lange nicht ersichtlich, dass die Geschichte von Autumn Rose mitnichten nach den Ereignissen aus Band 1 stattfindet, sondern ungefähr zur gleichen Zeit wie der erste Teil. Bis kurz vor Schluss erlebt man also gewisse Ereignisse doppelt und die Hauptstory wird kaum vorangetrieben. Das war für mich verwirrend und ich hatte zwischendrin an meinem Gedächtnis gezweifelt, bis ich endlich auf den Trichter kam, wo genau in der Zeit wir uns befinden. Hier wären genauere Hinweise beziehungsweise ein aussagekräftigerer Klappentext sehr hilfreich gewesen.

Die Hauptgeschichte wird erst auf den letzten 100 Seiten fortgeschrieben und da dann teilweise im Zeitraffer. Hier hätte ich mir wiederum mehr Gelassenheit gewünscht, denn ich fühlte mich teilweise durch die Ereignisse getrieben.

Der Schluss lässt auf einen 3. Band schließen und ich hoffe, dass dieser sich an die Ereignisse anschließt und nicht zum dritten Mal eine teilweise bekannte Geschichte erzählt.

Der Stil von Abigail Gibbs ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise passt sehr gut zu ihren jugendlichen Protagonisten.


Fazit: der 2. Band hat mich erst zum Schluß einigermaßen zufrieden gestellt. Daher kann ich ihn nur eingeschränkt empfehlen.


Ein großes Dankeschön an den Piper-Verlag für die Zurverfügungstellung des Buches!

Mittwoch, 5. November 2014

Ermittlungen ohne Tony und Carol, geht das überhaupt?

Eiszeit
(Jordan-Hill-Reihe Band 8)
von Val McDermid

Eine Leseprobe findet ihr hier

Carol Jordan hat nach den traumatischen Erlebnissen ihren Job hingeworfen und sich komplett aus der Welt der Polizei und Ermittlungen zurückgezogen. Selbst Tony Hill, ihr ehemals bester Freund und nun Persona non grata für sie, weiß nicht, wo sie sich aufhält. Auch hat er mit Schuldgefühlen und Scham zu kämpfen, gibt er sich doch, so wie Carol es tut, die Schuld an den Ereignissen. Und während die beiden mit sich selbst kämpfen, werden in Bradfield Frauen entführt und ermordet. Frauen, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Carol Jordan haben. Zufall?

"Eiszeit" ist bereits der 8. Teil der Jordan-Hill-Reihe von Val McDermid und hat mir gut gefallen. Obwohl es das Cover und der Klappentext suggerieren, ermitteln die Polizistin und der Profiler mitnichten im aktuellsten Fall. Das tut ein anderes Team. Carol und Tony sind eher Randfiguren, aber präsent.

Die Geschichte wird, wie gewohnt, aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Während man in den vorangegangenen Romanen immer an der Seite von Carol Jordan und/oder Tony Hill war, kommt in diesem Teil noch Paula McIntyre hinzu. Paula kennt man als Teil von Carols Team. Jetzt muss sich Paula in einem neuen Team beweisen. Und genau das inklusive der Ermittlungen zu den Frauenmorden nimmt den Großteil des Krimis ein.

Was nicht an sich schlecht ist. Denn die Ermittlungen sind spannend und Paula beweist auf ihre Art, was sie bei Carol und Tony gelernt hat. Zudem bekommt man als Leser auch einen Einblick in ein "normales" Polizeiteam und erfährt somit, mit welchen Problemen sich die Kollegen dort herumschlagen müssen. Das fand ich toll.

Carol Jordan und Tony Hill bleiben eher im Hintergrund, es gibt jedoch immer wieder Kapitel, in denen man erfährt, wie es ihnen geht und was sie umtreibt. So verliert man nicht die Bindung zu den beiden. Wer sich allerdings auf eine neue Ermittlung des Duos gefreut hat, dürfte wohl enttäuscht sein.
Ich musste mich auch erst während des Lesens daran gewöhnen, dass ich diesmal nichts beziehungsweise nur wenig von Tonys brillianten Einfällen und Carols Maßnahmen lesen werde. Als ich diese Erwartung über Bord geworfen hatte, konnte mich der Thriller gefangen nehmen und hat mich dann auch bis zum Ende nicht mehr losgelassen.

Das Finale an sich ist logisch herbeigeführt und wirkte doch ein wenig überhastet. Der Täter wurde klassisch ermittelt, seine Festnahme war dann für meinen Geschmack leicht übertrieben. Dennoch passt der Schluß zum gesamten Buch.

Der Stil von Val McDermid ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist geradeaus, detailreich und sie hat ein Talent dafür, sich in ihre Täter hineinzuversetzen. Das gefällt mir.


Fazit: der 8. Band konnte mich zwar überzeugen, jedoch hoffe ich, dass im nächsten Teil Tony Hill und Carol Jordan wieder im Mittelpunkt stehen. Dennoch kann ich den Teil empfehlen.

Dienstag, 4. November 2014

Nicht locker-leicht, sondern eher traurig

Willkommen Zuhause!
von Katja Altenhoven

Eine Leseprobe findet ihr hier

Renée trauert um ihren Mann Martin, der bei einem Autounfall tödlich verunglückt ist. In der viel zu großen Wohnung in Kreuzberg kommt sich Renée verloren und einsam vor. Da reift in ihr eine Idee: warum nicht mit den guten Freunden zusammenziehen? Mit Michael, ihrem besten Freund und Hausarzt; mit Anne und Pavel, sie Bundestagsabgeordnete, er Leiter eines Pflegeheims; mit Judith und Frank, beide am Existenszminimum lebend. Sofort unterbreitet sie ihre Idee ihren Freunden. Die Begeisterung ist da, dennoch einigt man sich auf ein Probewohnen in der Uckermark. Doch kann das gut gehen, wenn Menschen jenseits der 30 eine WG gründen?

"Willkommen Zuhause!" war mein erster Roman von Katja Altenhoven und er lässt mich zwiegespalten zurück. Von der Beschreibung her hatte ich einen locker-leichten, amüsanten Roman erwartet. Aber die Autorin hat sich für eine gediegene, fast schon melanchonische Variante entschieden.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man nicht nur einer Person, sondern darf am Leben aller 6 WG-Bewohner und Freunde teilhaben. Das hat mir gut gefallen, da ich somit jeden ein wenig kennenlernen und einschätzen konnte. Auch gewährt Katja Altenhoven, bevor die WG gegründet wird, kapitelweise einen Einblick in die bisherigen Leben der Freunde. Auch das hat mir gefallen, denn so konnte ich den Freundeskreis kennenlernen, als sie noch nicht zusammengelebt haben.

Als es dann ans Zusammenziehen geht, verliert der Roman für mich an Schwung und auch an Tiefe. Zwar versucht die Autorin, jede Person mal in den Mittelpunkt zu stellen, doch genau das wird ihr zum Verhängnis. Denn wie will man bei 6 Personen jedem gebührend Platz einräumen, ohne dass der Roman übermäßig lang wird? Nun umfasst "Willkommen Zuhause" gerade mal 340 Seiten und hätte somit noch länger werden können. Und das hätte ich mir auch gewünscht. Denn die Geschichte endet für mich an einer sehr offenen Stelle und ich habe doch noch so einige offene Fragen, die nicht geklärt werden.

Die Figuren, die die Autorin erschaffen hat, wirken menschlich, blieben für mich aber während des Lesens auf Distanz. Ich konnte zu keiner eine wirkliche Beziehung aufbauen, was eventuell auch an der unterschwelligen Melancholie liegen könnte, die diesem Roman innewohnt. Jeder der Freunde trägt sein eigenes Päckchen, was sehr realitätsnah ist, aber der Inhalt der Päckchen wurde nur kurz und nicht tiefgehend gezeigt. Schade!

Der Stil von Katja Altenhoven ist gut zu lesen. Ihr Stil ist nicht geradlinig, sondern schweift immer mal wieder aus, was aber sehr gut zum Roman gepasst hat.


Fazit: kein lockerer Roman, sondern eine traurig angehauchte Geschichte. Ich kann das Werk nur eingeschränkt weiterempfehlen.

Montag, 3. November 2014

Blutige Feiertage

Rattenfänger
(Mark-Heckenburg-Reihe Band 2)
von Paul Finch

Eine Leseprobe findet ihr hier

Mark "Heck" Heckenburg hat gerade auf eher unkonventionelle Art einen Fall gelöst, als seine Abteilung für Serienverbrechen an einen neuen Fall gesetzt wird: ein Mörder geht um, der seine Opfer an bestimmten Feiertagen bestialisch zur Schau stellt. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, muss sich das Sonderdezernat doch beweisen. Und tatsächlich hat das Team bald eine handfeste Spur: die DNA, die bei einem Opfer gefunden wurde, ist polizeibekannt. Doch der vermeintliche Täter weckt bei Heck Zweifel...

"Rattenfänger" ist der 2. Band der Mark-Heckenburg-Reihe von Paul Finch. Der erste Teil konnte mich nur teilweise überzeugen, mit seinem zweiten Thriller hat mich der Autor aber nun begeistert.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man dem Ermittlerteam und zum Großteil dabei Heck bei seinen Nachforschungen. Nachdem Heck im ersten Teil vieles auf eigene Faust gemacht hat, zeigt er im zweiten Buch nun, dass er auch als Teamplayer brillieren kann. Das hat mir sehr gut gefallen.

Der Thriller beginnt sehr spannend und hat mich von Seite 1 an gefesselt. Leider wird im inneren Klappentext schon sehr viel über den Verlauf verraten. Wer sich also die Spannung erhalten möchte, überspringt diesen einfach. Paul Finch konzentriert sich sehr stark auf die Arbeit des Sonderdezernats und zeigt, wie schweißtreibend und langwierig die Jagd nach Verbrechern sein kann, insbesondere dann, wenn die Taten in verschiedenen Teilen Großbritanniens stattfinden. Das Tolle ist aber, dass sich der Autor nicht viel mit der Politik und dem Strippenziehen hinter den Kulissen beschäftigt, sondern seine Ermittler in den Mittelpunkt stellt. Das hat mir sehr gut gefallen.

Zudem konnte ich mich im 2. Band auch mehr mit Heck anfreunden. Er blüht in der Teamarbeit richtig auf und zeigt sein ermittlerisches Geschick und seine Spürnase. Dabei wirkt er aber nicht übertrieben schlau oder gerissen, sondern er hat einfach nur das richtige Gespür für das Verbrechen. Und Paul Finch stellt auch ganz klar raus, dass die Ermittlungen eine reine Teamarbeit sind. Das kam mir sehr entgegen, da der Autor keinen strahlenden Helden erschafft, wie es gerade bei amerikanischen Autoren sehr beliebt ist.

Die Lösung der Fälle war für mich überraschend, aber rund. Der Autor führt seine Gedanken konsequent zu Ende und überfällt den Leser nicht mit einem unmöglichen Täter. Das hat mir gefallen.

Der Stil von Paul Finch ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, wenig emotionsgeladen, aber dennoch nicht distanziert oder kalt. Mit seinem Blick für Details und seiner eigenen Art darauf hinzuweisen, hat mich Finch in seinen Bann gezogen.


Fazit: der 2. Teil ist eine enorme Steigerung zum Debüt. Ich kann diesen Thriller nur empfehlen.


Ein großes Dankeschön an den Piper-Verlag für die Zurverfügungstellung des Buches.

Sonntag, 2. November 2014

"Es war einmal..." war gestern

Der Ozean am Ende der Straße
von Neil Gaiman

Eine Leseprobe findet ihr hier

Ein Mann erinnert sich an seine Kindheit: in dem Dorf, in dem er lebte, lebten auch 3 Frauen: die Hempstocks. Mit deren 11-jähriger Tochter Lettie freundete sich der Junge sehr schnell an. Lettie zeigte ihm ihren Ozean, ein Teich am Ende der Straße. Der Junge versuchte dem Mädchen klar zu machen, dass ein Teich nur ein Teich sei. Noch nie in seinem Leben hatte er sich so geirrt...

"Der Ozean am Ende der Straße" war mein erster Roman von Neil Gaiman und nach der Lektüre frage ich mich: warum habe ich nicht schon mehr Bücher von ihm gelesen?

Die Geschichte wird von dem Jungen, dessen Namen im gesamten Roman nicht genannt wird, selbst erzählt. Er schildert seine Erlebnisse mit der 4 Jahre älteren Lettie, einem Mädchen mit ganz besonderen Fähigkeiten. Und so, wie der Kleine verzaubert wird, so hat Lettie auch mich verzaubert.

Dem Roman wohnt eine besondere Anziehungskraft inne. Er wirkt märchenhaft und doch realistisch, der Autor spielt mit den Ängsten und Wünschen seiner Leser und lässt so manchen Kindheitstraum lebendig werden. Dabei zeigt er, dass man nie zu alt für Märchen werden kann.

Die Hauptfigur akzeptiert ohne Wenn und Aber die Besonderheiten der Familie Hempstock, glaubt ihnen, wie nur ein Kind es kann und ist sofort überzeugt, als Lettie ihn zu einem Abenteuer mitnimmt. So überzeugend und so glaubwürdig können nur Kinder sein. Und damit hat sich Neil Gaiman auch die besten Figuren ausgesucht.

Der Roman handelt weder von Elend, noch von Leid oder der großen Liebe. Er handelt einfach von dem größten Abenteuer eines Jungen und die Auswirkungen bis ins hohe Alter. Und das ist eine Geschichte, die ich gern gelesen habe.

Der Stil von Neil Gaiman ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise nimmt einen gefangen, verzaubert einen und lässt erst wieder los, wenn man selbst an all das glaubt, was in diesem Roman geschieht. Er erzählt seine Geschichte mit dem richtigen Maß an Ernsthaftigkeit, so dass ich keine Sekunde auch nur daran gezweifelt habe, was dem Jungen passiert. Einfach märchenhaft!


Fazit: "Der Ozean am Ende der Straße" hat mich verzaubert. Eine klare Leseempfehlung an alle, die auch gern mal wieder den Zauber der Kindheit spüren möchten.

Samstag, 1. November 2014

Auf See gelten keine Gesetze

Passagier 23
von Sebastian Fitzek

Eine Leseprobe findet ihr hier

Martin Schwartz ist ein Wrack und damit als Ermittler nur noch eingeschränkt einsetzbar. Doch bei sogenannten Himmelfahrtskommandos ist er gern genommen, ist ihm doch sein eigenes Leben nach dem Tod seiner Frau und seines Sohnes nicht mehr viel wert. Eines Tages erreicht ihn der Anruf einer verschrobenen älteren Dame, die ihn zu dem Ort bestellt, zu dem er nie wieder zurückkehren wollte: dem Kreuzfahrtriesen "Sultan of the Seas". Auf diesem Schiff sind sein Sohn und seine Frau ums Leben gekommen. Und doch geht Martin an Bord, denn die alte Dame hat etwas für ihn, was er sich nicht entgehen lassen kann: den Teddy seines Sohnes...und zwar in den Händen eines Mädchens, das bis vor kurzem als tot galt!

"Passagier 23" ist der neuste Thriller von Sebastian Fitzek. Ich habe bisher alle seine Werke gelesen und sein neuster Wurf gehört definitiv zu den stärkeren seines Schaffens. Der Autor nimmt sich eines der beliebtesten Reisemittel der Welt vor und entführt seine Leser in Situationen, die mir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken jagten.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man zum Großteil dem Ermittler Martin Schwartz, der eigentlich mit seinem Leben abgeschlossen hat und nur aus einer kleinen Hoffnung heraus das Kreuzfahrtschiff besteigt. Was er dort erlebt, sieht und ermittelt, ist starker und teilweise auch sehr harter Tobak. Sebastian Fitzek schafft es, selbst in Nebensätzen, denen man ja selten Aufmerksamkeit schenkt, solche Brutalitäten einzubauen, dass ich, als doch hartgesottene Thriller-Leserin, so manches Mal überrascht laut meine Meinung kundgetan habe. So ist es auch nicht verwunderlich, dass mich das Buch eine Nacht lang wachgehalten hat. Zwar habe ich jetzt ganz kleine Augen, aber mein Drang zu wissen, wie es weitergeht, ist gestillt.

Der Thriller beginnt schon sehr stark und dennoch schafft es der Autor, sich im Laufe des Buches noch zu steigern. Fitzektypisch gibt es so manche Wendung, die ich nicht vorhergesehen habe, die sich aber im Nachgang als logisch und nachvollziehbar herausstellt. Und Sebastian Fitzek greift in diesem Thriller ein Thema auf, was leider viel zu wenig Beachtung in der Öffentlichkeit findet. Welches das ist, möchte ich nicht verraten. Aber schwache Gemüter seien gewarnt: der Autor geht schonungslos offen an die Sache ran.

Der Ermittler Schwartz ist mir trotz seiner nicht grad lebensbejahenden Einstellung direkt ans Herz gewachsen. Auch die anderen Figuren, die an Bord sind, konnte ich so manche Sympathie oder auch Antipathie entgegenbringen. Fitzek erschafft einen tollen und für mich passend zum Thriller stimmigen Figurenkanon.

Ein Hinweis an alle, die gern die letzte Seite zuerst lesen: nach der Danksagung geht das Buch noch weiter! Wer sich also nicht komplett die Stimmung vermiesen möchte, sollte ausnahmsweise seinem Drang nicht nachgeben und das Werk chronologisch lesen.

Der Stil von Sebastian Fitzek ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist mehr als fesselnd und lässt dem Leser kaum eine Möglichkeit Luft zu holen. Dennoch hetzt man nicht durch das Buch. Toll!


Fazit: wer Fitzek mag, wird "Passagier 23" lieben! Von mir eine klare Leseempfehlung!