12. Januar 2015

Eine tolle Geschichte zu flach erzählt

(Quelle: www.blanvalet.de )

Eine Leseprobe findet ihr hier

Diane hat durch einen Unfall ihren Mann und ihre Tochter verloren. Seitdem verlässt sie ihre Wohnung nicht mehr, raucht wie ein Schlot und verteufelt alles, was mit der Außenwelt zu tun hat. Lediglich ihr bester Freund Félix findet Zugang zu ihr. Und als er sie unter Druck setzt, fasst Diane einen Plan: sie wandert nach Irland aus. Einfach so und eigentlich ohne Plan stürzt sie sich in ein neues Leben. Kann das gut sein?

"Glückliche Menschen küssen auch im Regen" war mein erster Roman von Agnès Martin – Lugand und er lässt mich zwiegespalten zurück. Der Beginn und das Ende konnten mich durchaus überzeugen, der Mittelteil hingegen hat mich wütend gemacht und enttäuscht.

Die Geschichte wird von Diane selbst erzählt. Dabei merkt man schnell, dass sie noch voll und ganz in ihrer Trauer steckt, ihr Leben hasst und diesen Selbsthass auch noch auf andere projiziert. Das bekommt auch ihr bester Freund zu spüren, dem das aber nicht viel auszumachen scheint.

Während ich es durchaus nachvollziehen konnte, dass Diane Félix anschnauzt, war es mir sehr suspekt, dass sie auch wildfremde Menschen, wie zum Beispiel ihren neuen Nachbar Edward, anschnauzt, ankeift oder Erklärungen für etwas verlangt, was sie gar nichts angeht. Daher konnte mir Diane auch nicht sympathisch werden. Sie reagiert in vielen Situationen über, wird hysterisch und zeigt sich dann wieder von einer schwachen Seite. Teilweise könnte man das mit der Trauer um ihren Mann und ihre Tochter erklären, doch selbst dann ist ihr Verhalten arg übertrieben. Das fand ich schade.

Der Roman beginnt sehr traurig, denn man lernt Diane in tiefster Trauer kennen. Diesen Einstieg fand ich ungewöhnlich, aber dennoch interessant. Auch das Ende hat mich leicht überrascht und konnte mich überzeugen.

Der Mittelteil hat mir hingegen die Freude am Lesen fast verdorben. Hier häuft die Autorin Klischees ohne Ende an, stückelt Begebenheiten aneinander und lässt die Figuren so ausgeluscht agieren, dass ich fast die Unterhaltungen vorhersagen konnte. Zudem entwickelt sich die Beziehung zwischen Diane und Edward genau so, wie man es erwartet. Da ist weder Spannung noch Kribbeln dabei. Echt schade!

Der Stil von Martin – Lugand ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist eher einfach gehalten und wartet nicht mit geistreichen Dialogen auf. Dennoch lässt sich der Roman gut an einem Nachmittag durchlesen.


Fazit: die Geschichte hat so viel Potenzial geboten und die Autorin lässt diese Chance verstreichen. Wer was leichtes für zwischendurch sucht, könnte hier richtig liegen.

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