24. Februar 2015

Eine Reise in die Freiheit?

Egal wohin
von Franziska Moll


Johanna zählt die Tage bis zu ihrem 18. Geburtstag. Endlich frei sein, endlich alle Entscheidungen alleine treffen, ohne sich zu rechtfertigen. Jo, so nennt sich Johanna, will mit ihrem Kumpel Koch nach Kreta gehen um dort ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Doch kurz vor der Abreise verschwindet Koch spurlos. Jo kann es nicht fassen. Sie waren doch so gut befreundet. Wie kann es da sein, dass der Spüler Amar da schon mehr über Koch weiß, als Jo je gewusst hat?

"Egal wohin" war mein erstes Jugendbuch von Franziska Moll und es hat mir sehr gut gefallen. Hatte ich aufgrund des Klappentextes ein witziges Roadmovie erwartet, hat mich die Autorin mit einer Hauptfigur überrascht, die sich selbst und ihre Umwelt kaum noch wichtig nimmt.

Die Geschichte wird von Jo selbst erzählt. Die Jugendliche wird von ihren Eltern zur Psychotherapie gezwungen, hat die Schule abgebrochen und jobbt in einem Restaurant. Und obwohl sie aus einem gut situierten Haushalt kommt, will Johanna einfach nur noch weg. Weg aus ihrem Leben, aus ihrer Vergangenheit und weg von ihrem toten Bruder. Sie will mit ihrem Kumpel Koch nach Kreta fliehen. Obwohl sie den viel älteren Mann kaum zu kennen scheint, hängt sie sehr an ihm und hat seine Meinung übernommen. Als Koch spurlos verschwindet, weiß Jo zunächst nicht, was sie tun soll.

Johanna ist für mich keine Sympathieträgerin. Sie ist frech, zeigt sich an ihrer Umwelt uninteressiert und trifft bei Kollegen und ihren Eltern zielsicher die Punkte, die weh tun. Jede Hilfe wird von ihr rundheraus abgelehnt und so manches Mal wollte ich das Mädel einfach nur schütteln und ihr klarmachen, dass nicht nur sie unter dem Tod ihres Bruders leidet.

Jo zeigt sich teenagertypisch egozentrisch und hat vor allem sich selbst im Kopf. Gefühle lässt sie kaum zu und zeigt sich gegenüber jedem als Ekelpaket. Warum sie das tut? Nun, das kann man nur spekulieren, denn Jo erklärt sich nicht. Was mir persönlich sehr gut gefallen hat, denn so wirkt die Figur authentisch und lebensnah.

Der Roman selbst ist nicht spannend oder gar freudebringend. Im Gegenteil: "Egal wohin" zieht einen runter, denn man muss beim Lesen erkennen, dass auch Jugendliche nicht vor Lebensenergie sprühen, Eltern meist mit sich selbst beschäftigt sind und man sich kaum auf andere verlassen kann. Dennoch habe ich ihn gern gelesen, denn mir hat das Zusammenspiel von Jo, Koch und Amar sehr gut gefallen und auch die Gedanken, die Johanna wiedergibt, regen zum Nachdenken an.

Der Stil von Franziska Moll ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist geprägt von kurzen Sätzen, wenig Emotionen und einigem Gedankenchaos. Das hat in meinen Augen sehr gut zur Hauptfigur und ihrem Leben gepasst.

Fazit: ein Jugendbuch, das mich auf eine andere Art berührt hat. Wer nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen lesen mag, sollte zugreifen.



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