23. Februar 2015

Schreibe den Toten um die Lebenden zu verstehen

(Quelle: cbt Verlag )

Eine Leseprobe findet ihr hier

Laurel bekommt in ihrem Englisch-Kurs eine Aufgabe, die bald größer wird, als sie sich je gedacht hat: sie soll einen Brief an eine verstorbene Person schreiben. So weit, so gut. Laurel entscheidet sich für Kurt Cobain, da ihre verstorbene Schwester May ihn und seine Band Nirvana so toll fand. Doch bei einem Brief bleibt es nicht und bald schreibt sich das Mädchen ihren Frust, ihren Schmerz und ihre Hoffnungen von der Seele. Wird ihr das helfen, sich der Wahrheit über Mays Tod zu stellen?

"Love Letters to the Dead" ist das Debüt von Ava Dellaira und hat mich sehr berührt. In Briefform erzählt die Autorin über das Leben eines jungen Mädchens, das ihre große Schwester und somit auch ihr Vorbild verloren hat.

Die Briefe von Laurel sind immer an tote Prominente gerichtet. So schreibt sie nicht nur Kurt Cobain, sondern auch Judy Garland und Heath Ledger. Da sie immer wieder die Toten wechselt, an die sie schreibt, werden manche Begebenheiten wiederholt. Gerade zu Beginn ist mir das sehr aufgefallen und ich bin froh, dass es sich im Laufe des Romans gegeben hat. Denn ansonsten hätte ich mich schnell gelangweilt.

Laurel erzählt den Toten aus ihrem Leben, ihrem Alltag, aber auch von ihrer Gefühlswelt. Die Erzählungen wirken jedoch weder fröhlich noch traurig, sondern einfach stumpf und wie durch einen Schleier wahrgenommen. Dies fand ich persönlich sehr passend, denn Laurel wirkte auf mich wie betäubt nach dem Tod ihrer großen Schwester, auch wenn deren Tod schon einige Monate zurückliegt.

Je mehr das Mädchen erzählt, desto mehr konnte ich verstehen, wie sie so betäubt und gleichgültig werden konnte. Sie hat ihre große Schwester May angehimmelt, ja geradzu vergöttert und muss langsam erkennen, dass auch May ihre Probleme hatte. Dieser Prozess ist für Laurel mehr als schmerzhaft und so wandeln sich auch ihre Briefe. Das fand ich sehr passend.

Die Geschichte selbst spielt sich in einem eher engen Zeitrahmen ab. Es passiert nicht mal wirklich was, denn Ava Dellaira legt ihr Hauptaugenmerk klar auf Laurel und ihre Entwicklung nach dem Tod von May. Das hat mir sehr gut gefallen, denn durch diesen genauen Blick auf das Mädchen konnte ich mit ihm mitfühlen, mitweinen und auch mitwüten.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise passt perfekt zu einem trauernden Mädchen, das seinen Gefühlen in Form von Briefen freien Lauf lässt. Zu Beginn noch eher auf die Außenwirkung bedacht, wird Laurel zum Ende hin immer poetischer und nachdenklicher. Und das spiegelt sich auch im Stil wider. Toll!


Fazit: kein einfaches, aber für mich dennoch wichtiges Jugendbuch. Ich kann es empfehlen.

Kommentare:

  1. Hallo,

    das Buch sieht man ja derzeit auf sehr vielen Blogs. Das Cover und den Titel finde ich sehr schön und auch die Kurzbeschreibung finde ich interessant.

    Insgesamt hat mich aber noch keine Rezension so richtig überzeugen können, das Buch auf meine Wunschliste zu setzen.
    Deine Rezension ist aber sehr gelungen und hilft, sich ein Bild von dem Buch zu machen.

    Grüße,
    Julia

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    1. Hi Julia,

      danke für dein Kommentar. Ich denke, dass das Buch die Leser spalten wird. Ich weiß von einigen, dass sie das Buch langweilig fanden und es abgebrochen haben. Für mich ist es ein Buch, in das man vor Kauf reinlesen sollte.

      LG
      Denise

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