Montag, 9. Februar 2015

Wenn Täter und Opfer verschwimmen...

(Quelle: www.blanvalet.de)

Eine Leseprobe findet ihr hier

Die Anwältin Rose Benninghoff wird mit durchgeschnittener Kehle in ihrer Wohnung aufgefunden. Es gibt keine Einbruchsspuren, sie muss ihren Mörder gekannt haben. Bei der Durchsuchung der Räumlichkeiten stoßen die Beamten Waechter und Hannes Brandl auf den 14-jährigen Oliver Baptiste. Der Junge ist verstört, verletzt und an seinen Händen klebt Blut. Ist es das Blut der Toten? Warum hielt sich Oliver im Keller der Toten auf? Und wo war sein Vater?

"Kellerkind" ist das Krimidebüt von Nicole Neubauer und hat mich positiv überrascht. Gerade durch ihre für einen Krimi ungewöhnliche Sprache konnte mich die Autorin in ihren Bann ziehen.

Der Roman wird aus der Erzählerperspektive geschildert. Dabei folgt man zum Einen den Ermittlern, zum Anderen bekommt man aber auch einen Blick in die Welt von Oliver Baptiste. Und diese Einblicke sind verstörend, berührend und zeigen einen 14-Jährigen, der mit der Welt nicht klar kommen kann, weil er es nie gelernt hat. Diese Abschnitte gingen mir nahe, obwohl Oliver an sich nun kein untypischer Jugendlicher ist. Er ist trotzig, ändert seine Meinung alle 5 Minuten und hat doch so etwas zerbrechliches an sich, dass man ihn einfach nur beschützen möchte.

Ich fand es toll, dass die beiden Komissare Waechter und Brandl keine Abziehbilder bekannter Ermittlertypen sind. Zwar haben auch die beiden, wie fast jeder Ermittler, so ihre privaten Probleme, doch sind diese nicht 08/15, sondern gehen sehr tief. Mit welchen Dämonen die beiden zu kämpfen haben, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, denn sie spielen im Krimi selbst eine entscheidende Rolle. Nur so viel sei gesagt: die privaten Schwierigkeiten machen die beiden noch menschlicher.

Der Krimi selbst ist spannend, aber nicht nervenaufreibend rasend. Nicole Neubauer lässt sich Zeit mit den Ermittlungen und zeigt damit, wie quälend langsam manchmal alles vorangehen kann, auch wenn die Polizei es sich anders wünscht. Und obwohl die Arbeit ab und an 3 Schritte vor und 2 zurückgeht, habe ich mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt. Dafür war ich zu tief in der Story drin.

Das Ende war für mich passend, rund und sehr gut hergeleitet. Es gab keine klischeehaften Heldentaten, die Ermittlungen wurden konsequent zu Ende geführt und zum Schluss zeigte sich wieder mal, dass wir alle nur Menschen sind.

Der Stil von Nicole Neubauer ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist für einen Krimi außergewöhnlich, denn die Autorin erzählt sehr bildhaft, ab und an sogar poetisch und gibt dem Schrecken des Verbrechens so ein neues Gesicht. Sie ergeht sich nicht in blutigen Details oder perfiden Verhörspielen, sondern schildert auf ruhige Art und Weise, wie ihre Ermittler immer tiefer in den Fall gezogen werden. Das hat mir sehr gut gefallen.


Fazit: wer mal eine andere Art von Krimi lesen möchte, ist hier goldrichtig. Ich kann ihn nur empfehlen.

1 Kommentar:

  1. Liebe Denise, das ist wirklich ein klasse Krimi, hat mir auch sehr gut gefallen! Liebe Grüße, Julia

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