31. März 2015

Der Jäger wird zum Gejagten

Schwarze Liste
von Brad Thor

Eine Leseprobe findet ihr hier

Scott Harvath jagt Terroristen. Und dies tut er gnadenlos und ohne viel Federlesens. Während eines Auftrages in Paris wird er in einem vermeintlich sicheren Haus von einer Killertruppe angegriffen. Er kann sie ausschalten, muss aber bald feststellen, dass er gejagt wird. Wer ist an ihm dran? Was will man von ihm? Sein Freund Nicholas, genannt der Troll und eine Gottheit unter den Hackern, kann Licht ins Dunkel bringen. Doch Scott gefällt gar nicht, was er da erkennen muss...

"Schwarze Liste" ist mein erster Thriller von Brad Thor gewesen und hat mich von Seite 1 an begeistert. Der Autor verbindet die hochaktuellen Themen Überwachung und Terroristenjagd und hat mir dabei mehr als einen Schauer über den Rücken gejagt.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man nicht nur Scott Harvarth, sondern auch dem Hacker Nicholas, dem Chef des ATS Middelworth und einigen mehr. Obwohl das Personenkarussell nicht gerade klein ist, kam ich nach einer kurzen Eingewöhnung sehr gut zurecht. Brad Thor stellt seine Charaktere gebührend vor und zeigt durch Rückblenden oder kurz eingeschobene Erinnerungen, was sie alles drauf haben. Das hat mir sehr gut gefallen.

Der Autor lässt seinen Lesern von Seite 1 an keinen Moment um nach Luft zu schnappen. So war ich mit Scott auf der Flucht, habe Leichen beseitigt, getötet und mir Fakten zum Thema totale Überwachung angehört, die ich so nie hören wollte.

Ob alles, was Brad Thor in seinem Thriller erzählt, der Wahrheit entspricht, kann ich nicht beurteilen. Er spinnt seine Fäden aber so gekonnt, dass ich nicht eine Minute daran gezweifelt habe, dass er seine Figuren die Wahrheit berichten lässt. Und das ist es, was mir Angst gemacht hat. Denn wissen wir wirklich, wie weit die Überwachung schon geht?

Neben den Fakten rund ums Hacken und Überwachen legt der Autor ein besonderes Augenmerk auf Action. Typisch amerikanisch wird geschossen, gestochen und ja, auch gefoltert. Allerdings hält sich Thor hier mit blutigen Details vornehm zurück. Das Maß an Gewalt und der Gebrauch von Schusswaffen passt in meinen Augen sehr gut zum Roman und ist nicht übertrieben. Hätte man so manchen Konflikt anders lösen können? Bestimmt! Hätte es aber auch so viel Spaß gemacht, dies zu lesen? Mit Sicherheit nicht.

Brad Thor hat mit "Schwarze Liste" einen amerikanischen Actionstreifen im Buchformat abgeliefert. Ich war von Beginn an gefesselt und wollte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Auch der Schluss passt in meinen Augen sehr gut zum Gesamtwerk. Und das Tolle: es trieft nicht vor Pathos! Herrlich!

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Thors Erzählweise ist rasant, fesselnd und er streut da Details ein, wo es sinnvoll ist. Mit seiner Mischung aus Fakten zum Cyberspace und adrenalin- und testosterongeschwängerter Action hat er mich in seinen Bann gezogen.


Fazit: Action, Blut und die Jagd nach der Wahrheit. Mit diesem Mix konnte mich der Thriller überzeugen. Ich kann ihn empfehlen!


Ein großes Dankeschön an den Blanvalet-Verlag für die Zurverfügungstellung des Buches.

29. März 2015

Die Hitze macht jeden fertig

Dog Days of Summer
von Cecily von Hundt


New York leidet unter einer drückenden Hitzewelle. Die Journalistin Delphy und ihre Kollegen warten nur darauf, bis der erste Bewohner abdreht. Und sie müssen gar nicht lang warten. Denn schon bald taucht die erste grausam zugerichtete Leiche auf. Die Polizei, in der auch Delphys Bruder Ben seinen Dienst versieht, hat schnell einen Verdächtigen: Charles Wuster, gerade aus dem Gefängnis entlassen, in dem er wegen Mordes an dem Vater der Geschwister saß. Doch kann es tatsächlich so einfach sein?

"Dog Days of Summer" war mein erster Thriller von Cecily von Hundt und hat mir gut gefallen. Trotz seiner Kürze beinhaltet er Spannung, Ermittlungen und eine Menge Blut. Allerdings: für mich hätte das Ganze noch ausführlicher sein können.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei begleitet man sowohl die Arbeit der Polizei, als auch Delphys Vorgehen in der Redaktion. Lediglich der Täter kommt kapitelweise selbst zu Wort und darf von seinem Drang zu töten berichten. Diese Mischung hat mir gut gefallen, denn ich finde es immer wieder erfrischend, wenn man einen Einblick in das Gemüt des Täters bekommt.

Die Figuren, die Cecily von Hundt erschaffen hat, sind gut dargestellt. In meinen Augen hätten aber vor allem Delphy und Ben noch mehr Tiefe vertragen. Die Geschwister haben in ihrer Kindheit mit ansehen müssen, wie ihr Vater getötet wurde und kämpfen mit diesem Trauma bis heute. Dies deutet die Autorin aber nur in ein paar Nebensätzen oder kleinen Abschnitten an. Dadurch wurde mir zwar bewusst, dass Ben und Delphy ihr Trauma noch nicht verarbeitet haben, aber Mitgefühl oder Verständnis konnte ich deshalb nicht aufbringen. Dafür waren mir die Beschreibungen zu oberflächlich.

Generell hätte es der Story, die gut konstruiert ist, gut getan, wenn von Hundt ausführlicher und detailreicher geworden wäre. So mancher Mord wird in wenigen Zeilen abgehandelt, die Ermittlungen werden nur bruchstückhaft gezeigt und auch die Arbeit der Zeitung, die durch Delphy eine große Rolle spielt, wird nur oberflächlich betrachtet. Von mir aus hätte der Thriller gern doppelt so lang sein können. Ich denke, dann hätte die Autorin noch mehr Spannung, Nervenkitzel und Fingernägel kauen erzeugen können.

Der Stil von Cecily von Hundt ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist geradlinig, schnörkellos und auf den Punkt. Ab und an blitzt auch ihr Talent für blutige Szenen auf. Davon hätte ich mir mehr gewünscht.


Fazit: ein solider Thriller, dem mehr Zeit gut getan hätte. Nichtsdestotrotz kann ich ihn empfehlen.

28. März 2015

Eine Liebe gegen alle Regeln

Ismaels Orangen
von Claire Hajaj

Eine Leseprobe findet ihr hier

Salim wächst in Jaffa auf. Seine Kindheit ist geprägt von ersten Anschlägen und schon bald muss seine Familie vor den herannahenden Truppen Israels fliehen. Sie kommen bei der ältesten Tochter ihres Vaters unter und müssen mit ansehen, wie ihr Hab und Gut verloren geht.
Judith wächst als Tochter einer jüdischen Familie in England auf und kämpft täglich darum, nicht als Mädchen jüdischen Glaubens, sondern einfach als eigenständige Person wahrgenommen zu werden. Und obwohl England sich rühmt, weltoffen zu sein, sieht sich das junge Mädchen täglich neuen Vorurteilen ausgesetzt.
Wird das Schicksal diesen beiden Kindern, die Leid, Missgunst und Gewalt erlebt haben, gnädig sein?

"Ismaels Orangen" ist das Debüt von Claire Hajaj und hat mir recht gut gefallen. Die Autorin, die selbst eine jüdische Mutter und einen palästinensischen Vater hat, versucht in ihrem Roman das zu erklären, was kaum zu erklären ist: der Konflikt zwischen Arabern und Juden und der Versuch zweier Menschen, sich einfach nur zu lieben.

Die Geschichte wird aus Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man mal Judith und mal Salim. Beide Erzählstränge beginnen in der frühsten Kindheit der Figuren und als Leser darf man sie bis ins Erwachsenenalter hinein begleiten. Das hat mir sehr gut gefallen, da ich so beide Seiten, die arabische wie die jüdische, kennenlernen durfte. Und es hat mir geholfen, für beide so etwas wie Verständnis aufzubringen.

Ich finde es toll, dass sich die Autorin bei ihren Erzählungen in Palästina (später Israel) für die Sicht der Araber "entschieden" hat. Denn so lernte ich die Geburt Israels aus einer anderen Perspektive kennen. Claire Hajaj nimmt dabei aber keineswegs die Meinung der einen oder anderen Seite an, sondern berichtet einfühlsam von dem Schicksal zweier Familien. Das hat mir sehr gut gefallen, denn ich hatte zu Beginn die Befürchtung, dass in diesem Roman mächtig die Moralkeule geschwungen wird. Doch das war nicht der Fall.

Konnte mich das Buch bis über die Hälfte begeistern und einnehmen, so ließ meine Begeisterung zum Ende hin merklich nach. Das lag vor allem daran, dass es in der Beziehung von Judith und Salim immer wieder größere Zeitsprünge gab. Ihre Liebe zueinander konnte kaum richtig für mich erblühen, da war sie auch schon so weit fortgeschritten, dass ich mir verwundert die Augen rieb.

Doch nicht nur ihre Liebe blieb mir dadurch fremd. Auch das gesamte Familienleben und die folgenschweren Entscheidungen Salims konnte ich ab einem gewissen Punkt nicht mehr nachvollziehen. Hier hat sich Claire Hajaj in meinen Augen einfach nicht genug Zeit genommen um gemeinsam mit dem Leser die Beweggründe von Salim, seinem Bruder Rafan und anderen Figuren zu beleuchten.

Die Zerrissenheit, die ich noch in der ersten Hälfte bei Salim sehr deutlich spüren konnte, war zum Ende hin nicht mehr fühlbar. Salim wurde für mich zu einer flachen Figur, die leider auch so manches Vorurteil bestätigt, was die westliche Welt gegenüber Arabern hat. In meinen Augen hätte die Autorin hier die Chance nutzen sollen, Salim entweder mehr Zeit oder zumindest mehr Gedankengänge zu geben, damit auch für Außenstehende klar wird, warum er seine Entscheidungen so fällt, wie er es getan hat.

Zusammenfassend kann ich daher nur sagen: Schade! Ich hatte mich auf das Buch sehr gefreut und war auch wirklich zu Beginn begeistert, berührt und wehmütig. Doch in der zweiten Hälfte, gerade da, wo die Gründe wichtig werden, verlässt Claire Hajaj die Inspiration oder der Mut.

Der Stil der Autorin ist sehr gut zu lesen. Ihre Erzählweise ist poetisch, einfühlsam und voller Gefühl. Dadurch konnte ich mit den Figuren mitfühlen und mich in sie bis zum besagten Punkt hineindenken.


Fazit: "Ismaels Orangen" hätte eines meiner Lesehighlights werden können. Leider vergibt die Autorin hier jedoch zu viel. Schade!

26. März 2015

Grandioser Beginn, dann geht die Luft aus

Das Mädchen, das rückwärts ging
von Kate Hamer

Eine Leseprobe findet ihr hier

Beth ist alleinerziehend, ihre Tochter Carmel ist ihrem Alter weit voraus. Die Kleine ist verträumt, nachdenklich und erkennt manche Wahrheit noch vor ihrer Mutter. An einem nebligen Tag besuchen die beiden einen kleinen Markt. Und dort passiert das, was keiner Mutter passieren sollte: Carmel verschwindet. Sie wird entführt von einem Mann, der sich als ihr Großvater ausgibt. Beth dreht fast durch vor Angst, als sie ihre Tochter nicht mehr findet. Eine nervenaufreibende Zeit beginnt, sowohl für Mutter als auch für die kleine Carmel...

"Das Mädchen, das rückwärts ging" ist das Debüt von Kate Hamer. Die Autorin wurde für den Beginn ihres Romans schon ausgezeichnet und auch mir hat der Roman bis auf das Ende gut gefallen. Kate Hamer versteht es, die Ängste der Mutter und die Gedanken der Tochter in so einer Situation sehr gut einzufangen.

Die Geschichte wird abwechselnd von Beth und von Carmel erzählt. Während man bei der Mutter die Verzweiflung spüren kann, bestechen Carmels Erzählungen durch ihre kindliche Verwirrung und die Versuche sich die Situation zu erklären.

Beide Handlungsstränge waren für mich interessant zu lesen, wobei mir die Kapitel der Tochter besser gefallen haben. Beth war apathisch, fast bewegungsunfähig, was ich zwar durchaus nachvollziehbar finde, für mich aber als Leserin nicht unbedingt interessant war. Carmel hingegen erzählt aus ihrem neuen Leben und ihren Versuchen sich in ihrer neuen Familie einzufinden. Das war für mich aus lesetechnischer Sicht spannender.

Kate Hamer konnte auch ihren Erzählstil sehr gut ihren Figuren anpassen. Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, einer 8- bzw. 9-Jährigen zu zuhören, die von ihrem Schicksal berichtet. Beth verlor für mich im Laufe des Romans an Farbe, so dass ich mit ihr nicht mehr mitfühlen konnte. Das war schade.

Die Story an sich ist nicht fesselnd im herkömmlichen Sinn. Ja, das Schicksal von Beth und Carmel ist bewegend und doch dreht sich die Autorin ab einem bestimmten Punkt im Kreis. Das ist realitätsnah, denn was soll eine Mutter auch tun, als immer weiter nach ihrem Kind zu suchen? Und was soll ein entführtes Mädchen tun, als sich mit der Situation irgendwann abzufinden? Hier wäre eine behutsame Kürzung in meinen Augen sinnvoll gewesen.

Das Ende hat mich dann enttäuscht. Ich hatte das Gefühl, Kate Hamer wusste nach dem doch sehr bewegenden Beginn nicht, wie sie ihren Roman beenden soll. Und so überlässt sie Kommissar Zufall die Bühne und handelt den Rest sehr zügig ab. Zu schnell für meinen Geschmack. Hier hätte ich mir genau so viel Fingerspitzengefühl gewünscht wie zu Beginn.


Fazit: ein guter und auch sinnvoller Roman, dem zum Ende hin die Luft ausgeht. Wer sich daran nicht stört, sollte zugreifen.

24. März 2015

Das Schicksal wiederholt sich

grabestreu
von Colette McBeth

Eine Leseprobe findet ihr hier

In einem Park in London wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Sie wurde erwürgt und der Täter hinterlässt eine Kette mit einem goldenen Vogelkäfig. So eine Tat gab es schon mal. Nur mit einem entscheidenen Unterschied: das damalige Opfer Melody hat überlebt. Und ihr Angreifer ist erst seit kurzem wieder auf freien Fuß. Beginnt der Albtraum erneut?

"grabestreu" ist der zweite Thriller von Colette McBeth und hat mir insgesamt gut gefallen. Während die Autorin in "zorneskalt" noch auf so manches Klischee zurückgegriffen hat, ist ihr neustes Werk angenehm zu lesen und fast frei von eben solchen Stereotypen.

Die Geschichte wird von 3 Personen erzählt: Melody, Eve und DI Rutter. Während Mel und die Detective lebendig sind, erzählt Eve aus dem Jenseits. Das mag zu Beginn gewöhnungsbedürftig sein, aber im Verlauf des Buches habe ich mich daran nicht mehr gestört. Denn Eve ist kein Geist im eigentlichen Sinn, sondern erzählt vieles aus ihrem Leben, ihren Nachforschungen und wie sie Melody helfen wollte. Dass sie tot ist, blitzt nur ab und an auf. Das hat mir sehr gut gefallen.

Das Opfer Mel erscheint zu Beginn neurotisch, verschreckt und in sich gekehrt. Sie hat Zwangsstörungen entwickelt um ihrem Leben Herr zu werden. Durch ihre distanzierte Art konnte ich nur schwer einen Draht zu ihr finden. Doch je weiter ich gelesen habe, desto mehr konnte ich mich für sie erwärmen, sie verstehen und habe zum Ende hin richtig mit ihr mitgefiebert. Nach der Lektüre kann ich sagen, dass es so genau richtig war. Denn durch die Distanz konnte ich ihre Entwicklung sehr viel besser nachvollziehen, als wenn ich sie von Beginn an ins Herz geschlossen hätte.

Die Ermittlungen durch DI Rutter bleiben eher im Hintergrund, was mich aber aufgrund der guten Geschichte nicht weiter gestört hat. Denn Colette McBeth stellt nicht die polizeilichen Ermittlungen in den Vordergrund, sondern das Schicksal von Eve und Melody. Für mich war das passend und stimmig.

Die Story selbst ist eher ruhig, aber dennoch spannend. Die Autorin hetzt ihre Leser nicht durch den Thriller, sondern lässt sich Zeit, um die einzelnen Fäden zu spinnen und geschickt zusammenzuführen. Man sollte also etwas Geduld mitbringen, denn McBeth verschießt ihr Pulver nicht zu Beginn, sondern kontinuierlich.

Das Ende hat mich überrascht, denn ich habe mich von der Autorin aufs Glatteis führen lassen. Dies tat sie so geschickt, dass ich es nicht bemerkt hatte, bis es zu spät war. Grandios!

Der Stil von Colette McBeth ist, nach einer kleinen Eingewöhnung, sehr gut zu lesen. Ihre Erzählweise ist ruhig, von Perspektivenwechseln geprägt und für mich typisch britisch.


Fazit: eine deutliche Steigerung zum Debüt. Ich kann den Thriller empfehlen.


Ein großes Dankeschön an den Blanvalet - Verlag für die Zurverfügungstellung des Buches.

21. März 2015

So intensiv, dass es fast wehtut

Looking for Hope
von Colleen Hoover

Eine Leseprobe findet ihr hier

Dean Holder, einfach nur Holder genannt, kehrt nach einem Jahr bei seinem Vater wieder in seine Heimatstadt zurück. Die Gerüchte, warum er weg war, haben die buntesten Blüten getrieben. Das interessiert den jungen Mann jedoch nicht. Er will einfach nur in Ruhe einen Abschluss machen. Bis er Sky im Supermarkt begegnet. Und auf einmal steht seine Welt Kopf...

"Looking for Hope" ist die Geschichte von Sky und Holder. Durften wir in "Hope forever" die Romanze aus der Sicht von Sky erleben, so fiebern wir dieses Mal mit Holder mit. Colleen Hoover schafft es mit diesem 2. Band eine Story, die ja bekannt ist, so einzigartig neu zu erzählen, dass ich kaum atmen konnte.

Holder erzählt seine Sicht der Dinge. Und seine Geschichte fängt schon vor dem Kennenlernen mit Sky an, denn er berichtet vom Selbstmord seiner Schwester, von der schweren Prügelei und der daraus resultierenden Entstehung der Gerüchte. Konnte ich Dean in Band 1 noch für einen Bad Boy halten, wurde mir hier von Seite 1 an klar, dass er zerbrechlicher ist, als ich je gedacht hatte.

Seine Geschichte ist so intensiv, so einzigartig, so grandios erzählt, dass ich nicht nur das Buch ab un an zumachen musste, um das Gelesene zu verarbeiten. Nein, bereits nach den ersten Kapiteln flossen bei mir die Tränen. Ich habe mit Holder gelitten, geschrien, geheult, gebrüllt. Aber ich habe mit ihm auch gelacht, mich in Sky verliebt und gebangt, ob ihre Beziehung hält. Und das, obwohl ich ja bereits wusste, wohin Colleen Hoover mich führen wird.

"Looking for Hope" ist nicht nur einfach die schnöde Nacherzählung des ersten Bandes. Es war für mich was ganz neues. Ich habe Sky durch die Augen ihrer Liebe kennengelernt. Und mir wurden so einige Fragen, die ich nach "Hope forever" noch hatte, beantwortet. Dean ist ein unglaublicher junger Mann, doch die Autorin zeigt sehr deutlich, wie er zu dem Mann geworden ist, der er heute ist. Und sie zeigt auch, dass Männer ebenso gefühlvoll, zerbrechlich und ängstlich sein können wie Frauen. Mochte ich Holder nach dem ersten Band, habe ich mich jetzt in ihn verliebt.

Mir fehlen selten die Worte, wenn ich ein Buch beendet habe. Doch hier geht es mir so. Ich kann meine Empfindungen nicht greifen, denn mein Herz raste, je weiter ich voran kam, es flossen Tränen und ich habe vor Freude gejauchzt. Der Roman war für mich so intensiv, so tiefgängig, so herzergreifend wie wenige vor ihm. Und ich bin normalerweise nicht der Typ Leser, der sich von Romantik und Gefühlen so packen lässt. Aber Colleen Hoover schafft es als einige der ganz wenigen, mich an den richtigen Stellen zu kitzeln, so dass ich vollkommen in ihren Geschichten aufgehe.

Das letzte Kapitel habe ich dann nur noch verschwommen wahrgenommen, so arg trieb es mir die Tränen in die Augen. Und die letzten Sätze haben mich dann vollends umgehauen. Ich konnte nicht mehr an mich halten. Wer also zu dem Roman greift, sollte sich mindestens Taschentücher, am besten aber noch jemanden zum Reden und Austauschen bereit halten.

Der Stil von Colleen Hoover ist sehr gut und flüssig zu lesen. Sie lässt Dean so überzeugend erzählen, dass mir keine Minute in den Sinn kam, dass dieses Werk von einer Frau geschrieben wurde. Die Autorin hat einen sehr guten Blick für große Gefühle, das richtige Maß und den passenden Takt. Wahnsinn!


Fazit: wer Sky gemocht hat, wird Holder lieben. Ich kann nur eins sagen: LESEN!

18. März 2015

In der Finsternis lauert das Monster

In der Finsternis
von Sandrone Dazieri

Eine Leseprobe findet ihr hier

In den Bergen Italiens wird ein Kind entführt. Die Mutter wird brutal ermordet, der Vater festgenommen und verhört. Und obwohl er kein Geständnis ablegt, ist sich die Staatsanwaltschaft sicher: man hat den Täter gefasst. Doch ein Ermittler ist nicht dieser Ansicht und wendet sich an die beurlaubte Colomba Caselli. Diese soll unauffällig Nachforschungen anstellen und sich dabei an jemanden wenden, der sich mit Kindesentführungen auskennt: Dante Torre. Dante wurde in seiner Kindheit entführt und für 11 Jahre in einem Silo gefangen gehalten. Mühsam hat er sich ins Leben zurückgekämpft und kann nun besser als jeder andere die Körpersprache von Mitmenschen lesen. Zusammen sichten Colomba und Dante Spuren und müssen erkennen, dass der Fall nicht nur eine Entführung ist, sondern viel mehr beinhaltet...

"In der Finsternis" war mein erster Thriller von Sandrone Dazieri und ich konnte mich kaum davon losreißen. Der Autor beginnt mit einer, wie es scheint, normalen Kindesentführung, nur um dann Stück für Stück Fakten zu enthüllen, die mir den Atem verschlagen haben.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man zum Großteil Colomba und Dante. Ab und an bekommt man auch einen Einblick in die Handlungen des Täters. Diese Mischung hat mir sehr gut gefallen.

Dante und Colomba sind zwei Figuren, die zerbrochener kaum sein könnten. Colomba wurde im Dienst schwer verletzt und befindet sich eigentlich noch in der Beurlaubung, als sie der Auftrag erreicht, dass sie heimlich ermitteln soll. Und ihr Spürsinn erlaubt es ihr nicht zu kneifen.
Dante wurde 11 Jahre gefangen gehalten, gefoltert, misshandelt und konnte nur mit Müh und Not fliehen. Seitdem leidet er an Klaustrophobie, nimmt täglich einen mehr als großen Medikamentencocktail ein und ist versessen auf sehr guten Kaffee. Er hat sich in das Leben zurückgekämpft und versucht nun, so viel wie möglich nachzuholen.

Und obwohl beide Personen doch kaputt sind, habe ich sie ins Herz geschlossen. Besonders Dante ist mir geradewegs ins Herz gesprungen. Ich war erschrocken über sein Schicksal, aber genauso bewundere ich ihn, wie er damit umgeht und wie er sein Leben meistert. Ich hatte mit ihm zu keinem Zeitpunkt Mitleid, sondern habe mit ihm gelacht, den Wahn ausgehalten und gezittert. Grandios, wie Sandrone Dazieri seine Figuren aufgebaut hat.

Auch die Story an sich hat mich von Beginn an gefesselt. Der Autor erzählt nicht zwingend geradlinig, aber doch so geradeaus, dass ich mich kaum lösen konnte. Ab und an macht er Nebenschauplätze auf, bei denen ich zuerst ratlos war, nur um dann festzustellen, dass Dazieri alles aus einem bestimmten Grund erzählt. Der Thriller ist nicht blutig, sondern begeisterte mich durch die psychologischen Elemente und durch die Ermittlungen, die immer mehr ungeheuerliche Fakten ans Licht brachten. Seite für Seite war ich immer geschockter, was er noch aus dem Hut zaubert. Und ich saß bis zum Schluss mit offenem Mund da. Denn obwohl es viele Wendungen gibt, wirkt die gesamte Geschichte plausibel und in sich schlüssig.

Der Stil von Sandrone Dazieri ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist für mich, die gern amerikanische Thriller liest, anders, weil er einfach nicht Fakt für Fakt aufzählt, sondern auch gern mal abbiegt. Das hat mir sehr gut gefallen, denn ich konnte mich so einfach in die Geschichte fallen lassen.


Fazit: bitte mehr davon! Der Thriller hat mich mehr als überzeugt. Ich kann ihn nur empfehlen.

17. März 2015

100 Dinge, an denen man erkennt, dass man zu viel liest

Hallo Ihr Lieben,

ich habe diese Liste bei Schlunzen Bücher entdeckt und kann schlecht an sowas provokativem wie "zu viel lesen" vorbei. Mal ehrlich, gibt es bei Büchern überhaupt ein zu viel?

Damit deutlich wird, welche Punkte zutreffen, habe ich diese grün markiert. Kommentare zu den Punkten stehen in Klammern.

Was ist mit Euch? Was trifft auf Euch zu?

16. März 2015

Gott ist barmherzig, sagen sie. Das ist eine Lüge, sagt er!

(Quelle: Blanvalet )
Gotteslüge
(Faris-Iskander-Reihe Band 2)
von Kathrin Lange

Eine Leseprobe findet ihr hier

Faris Iskander, Ermittler bei der Sondereinheit für religiös motivierte Verbrechen in Berlin, hat sich kaum von seinem Einsatz gegen den Kruzifix-Mörder erholt, als er wieder zu einem Tatort gerufen wird. Und diesmal ist er persönlich involviert: seine Ex-Verlobte Laura wird tot in einem Hotelzimmer aufgefunden. Ermordet! Noch bevor Faris diesen Fakt verdauen kann, wird er zum nächsten Einsatz gerufen: ein Geiselnehmer hat sich an der Gedächtniskirche verschanzt und droht, eine Bombe in die Luft zu jagen. Er will nur mit einem sprechen: mit Faris Iskander. Doch der ist eigentlich für solche Einsätze noch nicht wieder fit....eigentlich!

"Gotteslüge" ist der 2. Fall für Faris Iskander aus der Feder von Kathrin Lange. Schon das Debüt konnte mich begeistern und auch mit diesem Buch habe ich wieder spannende Stunden auf dem Sofa verbracht.

Der Thriller wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man zumeist Faris oder einem seiner Kollegen. Zudem lässt die Autorin auch den Täter zu Wort kommen, was ich persönlich sehr ansprechend finde. Denn ich interessiere mich bei solchen Stories immer auch für die Seite des vermeintlich Bösen.

Besonders gut finde ich die Darstellung von Faris' innerer Zerrissenheit gelungen. Der Ermittler wird nicht als Superheld dargestellt, der schadlos von einem Einsatz zum nächsten hechtet. Im Gegenteil: Iskander geht zur Therapie und hat, obwohl er diensttauglich ist, noch große Probleme seinen Job zu 100% auszuführen. Er erlebt Flashbacks, starke Schuldgefühle und zeigt somit dem Leser, dass er auch nur ein Mensch ist. Das finde ich toll, denn dadurch hebt sich der Berliner Ermittler stark von seinen amerikanischen Kollegen ab, die meist als Übermenschen dargestellt werden.

Die Geschichte an sich wird in einem hohen Tempo und sehr spannend erzählt. Kathrin Lange greift unter anderem das Thema Radikalisierung auf, was ich sehr gut finde. Sie zeigt, ohne die moralische Keule zu heben, wie schnell man in solche Kreise geraten kann und wie leicht die eigenen Überzeugungen extrem werden können. Auch die Entwicklung der Story und die Zusammenführung der losen Enden sind gelungen und bilden eine harmonisches Ganzes.

Ich habe mit Faris und seinen Kollegen ständig mitgefiebert, habe sogar fast aufgeschrien, als ich die Forderungen des Täters gelesen habe und wollte ihm am liebsten an die Kehle springen. Kathrin Lange versteht es sehr gut, obwohl ihre Ermittler nicht zur emotionalen Sorte gehören, ihre Leser gefangen zu nehmen und sie mitleiden zu lassen.

Das Ende ist in sich geschlossen, bietet aber genügend Potenzial für mindestens einen weiteren Band rund um den sympathischen Ermittler.

Der Stil von Kathrin Lange ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist rasant, spart aber dennoch weder an Details noch an Beschreibungen. Durch diesen fesselnden Erzählstil konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen und hatte es innerhalb weniger Stunden durchgelesen.

Fazit: auch der zweite Fall von Faris Iskander konnte mich überzeugen. Wer Ermittlungen in Berlin mag, sollte zugreifen.

15. März 2015

Die größte Schwäche: pure Langeweile

Die Sieben Schwestern
von Lucinda Riley

Eine Leseprobe findet ihr hier

Maia lebt in einer ganz besonderen Familie. Sie und ihre sechs Schwestern sind von einem wohlhabenden Mann adoptiert worden. Jede von ihnen kommt aus einem anderen Teil der Welt und jede ist so einzigartig wie das Sternenbild, nachdem Maia und ihre Schwestern jeweils benannt worden sind. Als ihr geliebter Vater stirbt, hinterlässt er jeder Frau einen Hinweis auf ihre wahre Herkunft. Maia macht sich auf die Spuren ihrer Vergangenheit und entdeckt dabei eine Geschichte, die sie nicht mehr loslässt...

"Die sieben Schwestern" ist der Auftakt zu einer neuen Reihe von Lucinda Riley. Zudem war es mein erster Roman der Autorin. Und es wird auch mein letzter gewesen sein. Denn ich konnte die Belanglosigkeit und die Gewöhnlichkeit der Geschichte nicht bis zum Ende ertragen.

Ich mag Familiensagas und finde es großartig, wenn dort von verflossenen, vergangenen und neu gefundenen Lieben erzählt wird. Auch die Entdeckungen von Geheimnissen macht mir sehr großen Spaß. Es ist also nicht das Thema an sich, was mir bei den sieben Schwestern nicht gefallen hat.

Doch zunächst das Positive: die Geschichte wird auf 2 Zeitebenen erzählt. Zum Einen berichtet Maia persönlich aus ihrem Leben, ihrem Umgang mit dem Tod ihres Vaters und ihren Nachforschungen in Brasilien. Zum Anderen wird aus der Erzählerperspektive das Leben von Izabela, der Urgroßmutter von Maia, begleitet. Dort folgt dem 18-jährigen Mädchen nicht nur in Brasilien, sondern sogar bis nach Paris und entdeckt mit ihr gemeinsam das Leben in Europa. Diese Idee der 2 Ebenen gefällt mir sehr gut und so könnte mir die Autorin auch die beiden Frauen näher bringen.

Könnte...denn da komme ich zum entscheidenen Punkt. Lucinda Riley schafft es gar nicht, dass ich etwas für ihre Figuren empfinde. Weder Maia noch Izabela, kurz Bel genannt, konnten bei mir Sympathie oder Antipathie auslösen. Das ist mir bisher sehr selten passiert, dass ich gar nichts für die handelnen Personen empfinden konnte.

Schon der Beginn, als ich Maia und ihre Geschwister kennengelernt habe, wirkte auf mich gestelzt und fern jeder Realität. Von der viel beschworenen Geschwisterliebe habe ich nichts gespürt, alle Sieben sind sehr förmlich miteinander umgegangen. Als Maia dann nach Brasilien reist, hatte ich kurzzeitig die Hoffnung, dass ich mich für sie erwärmen könnte. Denn ich mag solche Nachforschungen sehr. Aber Pustekuchen, auch hier war ich nur gelangweilter Zaungast.

Schlimmer wurde es nur noch bei dem ersten Abschnitt, bei dem ich Bel begleitet habe. Alles an ihrer Geschichte, ihrem Hintergrund und ihrem Schicksal wirkte gewöhnlich, einfältig und schon tausend Mal erzählt. Lucinda Riley kann hier weder mit Kreativität noch mit neuen Ideen punkten.

So kam es auch, dass ich mir den Rest des Romans nach knapp 250 Seiten denken konnte. Und was soll ich sagen? Ein paar Abschnitte, willkürlich aus der zweiten Hälfte herausgepickt, bestätigten meine Gedanken. Ich war richtig erleichtert, als ich das Buch zugeklappt habe.

Auch der Stil der Autorin trug dazu bei, dass ich mich nicht in die Geschichte hineinversetzen konnte. Zwar lässt er sich relativ gut lesen, aber ihre Erzählungen beinhalten weder Herz, noch Gefühl oder Anteilnahme. Lucinda Riley hätte mir genau so gut von dem Aufbau eines neuen Regals oder der Pubertät der Maikäfer erzählen können. Es wäre ebenso spannend gewesen wie ihre Geschichte um Izabela und Maia.


Fazit: gefreut hatte ich mich auf eine spannende Familiensaga, bekommen habe ich einen Wälzer ohne Herz. Schade!

13. März 2015

Mein Interview mit Kristina Günak

Hallo Ihr Lieben,

die LoveletterConvention rückt immer näher und neugierig, wie ich bin, habe ich eine tolle Autorin mit Fragen gelöchert. Kristina Günak durfte ich bereits auf der LLC 2014 kennenlernen und sie ist eine der Gründe, warum ich überhaupt mit Bloggen angefangen habe. Aber pst, das weiß sie gar nicht.
(Die Rechte liegen bei der Autorin Kristina Günak)

Tapfer, wie Kristina nun mal ist, hat sie sich meinen neugierigen Fragen gestellt. Viel Spaß!

F: Zuerst meine Lieblingsfrage: welches Buch liest du aktuell?
A: Den dritten Band von Diana Gabaldon. Passend zur aktuell angelaufenen Fernsehserie.

F: Bevor du angefangen hast zu schreiben, hast du Häuser verkauft und bist nun als Coach unterwegs. Fließen deine Erfahrungen und Erlebnisse in deine Bücher ein?
A: Bei meiner Erdhexen-Serie haben mich aus meinem nicht unerheblichen Erfahrungsschatz als Immobilienkauffrau bedient. Sie ist Immobilienmaklerin, wenn sie nicht gerade Zauber webt. Coach oder Mediatorin war bisher noch keine meiner Figuren. Wäre doch mal eine Idee, oder?
Dennoch ist der berufliche Hintergrund sehr hilfreich bei der Figurenentwicklung. Ein Roman ohne Konflikte wäre ziemlich langweilig. Deshalb analysiere ich schonungslos die Ängste meiner Figuren, ihre Erfahrungen und ihre Motivation. Das ist auch ein bisschen wie Coaching, nur für meine Figur. Ich möchte ja, dass sie sich am Ende des Buches weiterentwickelt haben.

F: Du schreibst Bücher mit Herz und Witz. Wie kam es dazu? Du hättest doch auch zum Beispiel Thriller schreiben können, oder?
A: Thriller? Mit abgeschnittenen Körperteilen? Ne. Ich schreibe das, was ich auch selber gerne lese. Ich liebe Liebesromane.

F:Lesungen sind ja immer ein tolles Erlebnis. Was war für dich das witzigste oder gruseligste, was dir da mal passiert ist?
A: Ich war auf Lesereise im Süden von Deutschland unterwegs und hatte an drei aufeinander folgenden Abende Lesung. Ich war in der Woche davor total erkältet und meine Stimme war quasi flüchtig. Ich hatte totalen Horror davor, dass meine Stimme sich wieder vollends verabschiedet und deswegen einem Hustenbonbon in der Wangentasche gelesen. War eine neue Erfahrung, hat aber geklappt (und niemand in der ersten Reihe hat ihn ins Auge bekommen.)

F: Wenn du Bücher schreibst, wo und wie schreibst du (am Schreibtisch, draußen, per Diktiergerät, etc.)?
A: Schreibtisch. 7:10 Uhr. Kaffee. Hirn, Finger, Manuskript. Völlig unspektakulär. Wenn es nicht vorangeht, fliehe ich auch mal in ein Cafe. Da sitze ich dann allerdings meistens zu verzweifelt herum und gucke Leute an.

F: Die LLC 2015 steht vor der Tür. Was macht für dich das Flair dieser Convention aus?
A: Es ist keine Messesituation, das macht es so wunderbar. Die Stimmung ist großartig und es ist eine Veranstaltung, auf die ich mich das ganze Jahr freue. Man trifft viele buchverrückte Leserinnen und findet immer noch zwischendurch Zeit für einen gemeinsamen Kaffee.

F: Du bist mit deinen Lesern auch per Facebook regelmäßig in Kontakt. Sei ehrlich: wie viel Zeit verwendest du für Social Media?
A: Viel. Sehr viel. Ich mag Menschen und der Beruf der Schriftstellerin ist ja doch nun naturgemäß recht einsam. Deswegen nutze ich diese Möglichkeit. Das ist für mich ein bisschen wie die Kaffeeküche im Büro. Außerdem haben meine Facebook Kontakte oft recht spannende Infos. Letztens hatte ich eine landwirtschaftliche Recherchefrage, die hervorragend beantwortet wurde. Aber wenn ich in einer akuten Schreibphase bin, melde ich mich auch mal für ein paar Tage ab.

F: Gibt es jemanden, den du bewunderst?
A: Meinen Hund. Der lebt ausschließlich im Hier und Jetzt. Es gibt kein Morgen und kein Gestern. Das ist mehr als bewundernswert.

(Die Rechte liegen bei der Autorin Kristina Günak)
F: Und als letztes: was möchtest du deinen Leserinnen und Lesern noch sagen?
A: Mädels: Der Frühling kommt! Wir sehen uns auf der LoveLetterConvention in Berlin und lesen uns bei Facebook!


Danke Kristina für deine offenen Antworten. Ich freue mich schon auf unser Wiedersehen bei der LLC 2015.

12. März 2015

Die wahrhaft menschliche Qualität besteht nicht aus Intelligenz, sondern aus Phantasie

Ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll.
Heute hat die Welt einen der fantasievollsten Autoren verloren. Terry Pratchett ist verstorben.

Als ich die Nachricht am frühen Abend gelesen habe, ist etwas in mir zerbrochen. Bisher ging mir der Tod eines Autoren nie wirklich nahe. Auch, weil an den meisten nicht mein Herz hing. Bei Terry Pratchett ist das anders.

Dieser Mann hat mich, als ich 17 Jahre alt war, wieder zum Lesen gebracht. Mit "Gevatter Tod" hat er mir die Tür zu einer scheibenartigen, aber keinesfalls flachen Welt geöffnet. Habe ich davor kaum und selten gelesen, war ich nach meinem Trip mit TOD und Mort dermaßen angefixt, dass ich unbedingt mehr lesen wollte. Viel mehr. Und so sieht auch meine Sammlung aus:





Und nun sitze ich hier, fassungslos und traurig, und würde so gern große Worte schreiben auf den Mann, der mich lehrte, Sympathie für TOD zu empfinden; der mir zeigte, dass Zauberer auch nur Menschen sind und der bewies, dass der Spruch "Mögest du in interessanten Zeiten leben!" selten etwas Positives bedeutet.

Auch wenn ich sonst nie um Worte verlegen bin, heute bin ich einfach sprachlos. Daher kann ich nur eins sagen:

Goodbye Terry! Ich werde dich vermissen und hoffe, dass TOD dich wenigstens auf Binky reiten ließ, als er dich geholt hat.

Spaßig, locker und leicht

Der Mann im Heuhaufen
von Birgit Hasselbusch

Eine Leseprobe findet ihr hier

Charlotte, von allen Charly gerufen, lebt ein eher eintöniges Leben in Hamburg. Ihr Freund ist seit 5 Jahren derselbe, berechenbar wie eine Grundschulmatheaufgabe und eigentlich ein ganz Lieber. Wenn er nicht gerade die gemeinsame Zukunft samt Kindern und Haus plant...und zwar ohne, dass Charly auch nur einmal gefragt wird. Nach einer erneuten Aktion von Kai reicht es ihr und sie fährt spontan nach Berlin. Und auf der Rückfahrt im Zug passiert ihr etwas, was sie aus der Bahn wirft: sie trifft ihren Traummann. Und verliert ihn gleich wieder, ohne seinen Namen oder seine Nummer zu kennen. Aber Hamburg ist ja nicht so groß, oder?

"Der Mann im Heuhaufen" ist mein erster Roman von Birgit Hasselbusch. Die Autorin ist im normalen Leben beim Radio und erschafft mit Charly eine Figur, die sich eher durchs Leben schleicht als es wirklich anpackt. Insgesamt hat mir das Buch jedoch gut gefallen.

Die Geschichte wird von Charlotte selbst erzählt. Und schon in den ersten Sätzen gibt sie zu, dass sie eher der gemütliche Typ ist und dass sie das Leben eher an sich vorbei ziehen lässt, als wirklich aktiv daran teilzunehmen. Nach diesen Sätzen habe ich zwar geschmunzelt, aber auch "Ach herrje, ob das was mit uns beiden wird?" gedacht. Denn ein Buch über antriebslose Frauen wollte ich eigentlich nicht lesen. Gut, dass der Roman dann noch Schwung aufnahm.

Denn Charly entdeckt ihren Eifer in den Moment, in dem sie ihren Traummann trifft. Und sie lässt nichts unversucht um ihn wiederzufinden. Dabei bekommt sie von verschiedenen Seiten Unterstützung, die sogar ab und an nur noch halblegal ist. Und bei so mancher Aktion musste ich dann wirklich lachen, denn die gute Frau beweist echt Einfallsreichtum.

Dennoch konnte sie mich nicht durchgehend begeistern. Dafür war mir Charlotte in vielen Situationen zu phlegmatisch. Sie hat 5x nachgedacht, 3x gegrübelt und dann doch nichts geändert, obwohl schon beim ersten Gedanken klar war, dass sie sich nicht wohl fühlt. Auch ihre Gefühlsausbrüche passten zwar zu ihr, waren aber oftmals überzogen. Ich wollte sie so manches Mal einfach nur schütteln, schlagen und ihr sagen: "Mädel, Reden hat noch jedem geholfen!" Denn obwohl Charly sich wunderbar aufregen kann, hat sie oft nicht den Mut die betreffenden Leute direkt anzusprechen. Daraus entwickelt sich Chaos, welches doch vermeidbar gewesen wäre.

Das Ende war zwar überzogen, aber wunderschön. So darf ein Frauenroman gerne enden. Ich habe mich für Charlotte und ihre Freunde zum Schluss sehr gefreut und mit einem Lächeln das Buch zugeklappt.

Der Stil von Birgit Hasselbusch ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist locker, leicht und plätschert sanft dahin. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass ich den Roman innerhalb weniger Stunden komplett gelesen hatte.


Fazit: ein locker-leichtes Buch, was sich perfekt für einen sonnigen Nachmittag eignet. Wer einfach mal abschalten möchte, ist hier genau richtig.

11. März 2015

Lerne die Wahrheit, DEINE Wahrheit

Die Täuferin
(Der Bund der Freiheit Band 1)
von Jeremiah Pearson

Eine Leseprobe findet ihr hier

Deutschland im 16. Jahrhundert: das Heilige Römische Reich Deutscher Nation kämpft um seine Handelstraßen und so müssen Ritter Dietrich und sein Gefolge, unter ihm der Seargent Lud, in den Krieg gegen die Osmanen ziehen. Dabei müssten die heimischen Felder bestellt werden und Bauern haben auf dem Schlachtfeld eigentlich nichts verloren...
Zur gleichen Zeit beschließt eine Gruppe von Täufern, unter ihnen Berthold und Kristina, sich nach Mainz aufzumachen. Dort wurden ihre Glaubensbrüder verhaftet, gefoltert und dem Feuer übergeben. Nun will die Gruppe um Berthold das Werk fortsetzen. Kristina kommen auf dem Weg nach Mainz Zweifel, ob das Missionieren der richtige Weg ist. Doch für Gedankenspiele bleibt keine Zeit, denn schon bald befinden sich die Täufer mitten im Schlachtgewimmel...

"Die Täuferin" ist der Erstling von Jeremiah Pearson im Bereich Historische Romane. Der Autor hat bereits mehrere Drehbücher geschrieben, die zu erfolgreichen Filmen wurden. Mit seine Reihe um den Bund der Freiheit erfüllt er sich nun selbst einen Herzenswunsch. Und der Auftakt kann sich durchaus sehen lassen.

Zu Beginn war ich leicht erschlagen von dem Personenregister. Dieses umfasst nämlich mehrere Seiten und Orte. Ich dachte schon, dass ich nie mit der Handlung klar kommen werde, wenn mich schon das Register so erschreckt. Zum Glück kam es anders.

Die Geschichte wird komplett aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man kapitelweise verschiedenen Figuren, so zum Beispiel der Täuferin Kristina oder dem Krieger Lud. Die Kapitel sind mit den Namen der Charaktere überschrieben, was ich persönlich sehr hilfreich fand. So wusste ich gleich, mit wem ich nun reise, kämpfe oder bete.

Der Roman wird fortlaufend erzählt, allerdings werden manche Begebenheiten von zwei Figuren erzählt. So bekommt man nochmal einen anderen Blick auf wichtige Szenen. Ich fand das eine tolle Idee von Jeremiah Pearson. Denn so konnte ich zum Beispiel die Schlacht nicht nur aus der Sicht eines Kämpfers erleben, sondern auch aus der Perspektive einer unbeteiligten, aber mitfühlenden Person.

Der Autor erschafft in seinem historischen Roman für mich realitätsnahe Figuren. So ist keine Figur frei von Fehlern oder Makeln. Jeder Charakter hat sein Päckchen zu tragen und keine der handelnden Personen wird als nur strahlender Held oder abgrundtiefe Bösewicht dargestellt. Das hat mir sehr gut gefallen, da ich anfangs die Befürchtung hatte, dass Pearson auch nur einen seichten Roman mit mittelalterlichen Hintergrund erschaffen haben könnte.

Die Story an sich ist spannend und sehr anschaulich erzählt. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt und auch die Details, die der Autor eingebaut hat, fand ich interessant und kurzweilig. Pearson wird bei seinen Beschreibungen allerdings nicht blutrünstig oder ausufernd, sondern bleibt bei Andeutungen. So kann sich der Leser selbst ein Bild machen. Das fand ich toll.

Das Ende hat mich Weinen lassen und lässt genug Platz und Anknüpfungspunkte für die Fortsetzung.

Der Stil von Jeremiah Pearson ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist zu Beginn zwar von vielen Wiederholungen geprägt, das gibt sich aber zum Glück im Laufe der Geschichte.


Fazit: ein toller Auftakt zu einer sicherlich spannenden Reihe um Täufer, Verfolgungen und Glaube. Wer historisches mag, sollte unbedingt zugreifen!

7. März 2015

Spannender Krimi, ruhiger Erzähler

Ostfriesenwut
(Ann-Kathrin-Klaasen-Krimi Band 8)
von Klaus-Peter Wolf

Eine Hörprobe findet ihr hier

In Ostfriesland wird die Leiche einer jungen Frau aus einem Gewässer gezogen. Ann Kathrin Klaasen, Ermittlerin und verheiratet mit ihrem Kollegen Frank Weller, übernimmt den Fall. Erste Station ist der Freund der Toten. In dessen Wohnung finden sie aber nur die Putzfrau vor. Es gibt keinerlei Hinweise auf den Bewohner. Auch die Nachforschungen laufen ins Leere. Wie kann das sein? Ann Kathrin Klaasen begibt sich auf Spurensuche und verstrickt sich dabei in Machenschaften, denen sie kaum gewachsen ist...

Obwohl "Ostfriesenwut" bereits der 8. Fall für die Ermittlerin Ann Kathrin Klaasen ist, ist dieser Krimi mein erster von Klaus-Peter Wolf. Und zudem habe ich das Buch nicht gelesen, sondern mir direkt vom Autoren selbst per Hörbuch vorlesen lassen.

Der Krimi selbst ist spannend und straff erzählt. Obwohl ich die vorherigen Fälle nicht kenne, kam ich recht schnell mit dem angestammten Figuren – Ensemble klar. Lediglich die Namen machten mir bis weit zur Hälfte des Hörbuches Probleme. Denn Klaus-Peter Wolf wählt für seine Charaktere, egal ob sie schon mehrere Fälle zusammenarbeiten oder nur für diesen Fall wichtig sind, ähnlich klingende Namen. Was mir beim Lesen kaum Schwierigkeiten bereitet hätte, stellte sich beim Hören als echte Hürde heraus.

Der Fall in "Ostfriesenwut" ist sehr komplex, was mir gut gefallen hat. Stück für Stück werden neue Puzzleteile aufgedeckt und gerade, wenn man denkt, jetzt hat man den entscheidenen Hinweis gefunden, passiert wieder was neues. So mag ich Krimis.

Dennoch konnte ich das Buch nicht so genießen, wie ich es von Hörbüchern gewohnt bin. Woran lag das?
Zum Einen hat der Autor eine sehr ruhige, angenehme, aber für einen Krimi zu gelassene Stimme. Würde Klaus-Peter Wolf mir Märchen vorlesen, wäre ich begeistert. Für seinen eigenen Krimi hätte ich mir einen Sprecher mit mehr Kraft und Spannung in der Stimme gewünscht. Für mich ging durch das Ruhige sehr viel an Spannung, die in der Geschichte vorhanden ist, verloren. Schade!

Zum Anderen hatte ich gerade bei CD 1 das Gefühl, dass die Streichungen von gewissenen Passagen (das Hörbuch ist eine geschnittene Lesung) Löcher in die Story gerissen haben. Die Sprünge im Krimi waren deutlich hörbar und ich konnte ab und an gar nicht mehr folgen. Das fand ich sehr schade.

Und es gibt noch einen Fakt, den ich erwähnenswert finde: am Ende der CD gibt es keinen Hinweis, dass man den Tonträger wechseln muss. Das finde ich gerade für Autofahrten, wo ich meist Bücher höre, ungünstig, denn ich wechsle die CDs selbst und finde solche Ansagen mehr als praktisch.


Fazit: das Hörbuch konnte mich nicht restlos überzeugen. Dennoch werde ich mir die Bücher von Klaus-Peter Wolf merken und bei Gelegenheit lesen.

Ihr seid neugierig geworden und wollt das Hörbuch haben? Dann schaut mal hier vorbei!


Ein großes Dankeschön für das Hörbuch geht an

6. März 2015

Du darfst dem Grauen nicht in die Augen schauen

Bird Box - Schließe deine Augen
von Josh Malerman

Eine Leseprobe findet ihr hier

Malorie kann ihr Leben nur noch mit verbundenen Augen führen. Der Grund dafür sind Wesen, bei deren Anblick die Menschen verrückt werden. Verrückt und blutrünstig. Daher kennen die Überlebenden nur eine Möglichkeit: sie müssen sich ab sofort ohne Sehkraft durch den Alltag schlagen. Doch Malorie ist nicht allein. Sie hat noch zwei 4-jährige Kinder bei sich, denen sie schon von Geburt an beibringen musste, dass offene Augen den Tod bedeuten können. Und diesen Kindern möchte sie eine andere Zukunft bieten. Deshalb macht sich die kleine Familie auf eine risikoreiche Fahrt ins Ungewisse...

"Bird Box – Schließe deine Augen" ist das Debüt von Josh Malerman und hat mich beeindruckt. Der Autor erschafft eine alltägliche Welt, in der die Angst vor dem Tod die Menschen das opfern lässt, was wir eigentlich so sehr benötigen: unsere Fähigkeit zu sehen.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Allerdings folgt man die ganze Zeit nur Malorie und ihren Erlebnissen. So erfährt man hautnah, wie sie den Alltag mit den Kindern bewältigt, wie sie sich auf die Reise begeben und auch, wie es so weit kommen konnte. Denn kapitelweise wird man auch in die Vergangenheit von Malorie geführt und erfährt, wie sie überhaupt so lang überleben konnte.

Dabei ist die Grundstimmung den gesamten Roman über gedrückt, leidenschaftslos und auch beängstigend. Obwohl alle Figuren eher blass bleiben und man nicht viel über ihre Vergangenheit, ihre Beweggründe und Gedanken erfährt, konnte ich dennoch sowas wie Mitgefühl für alle aufbringen. Während des Lesens habe ich mir öfter vorgestellt, wie es für mich wäre, mein künftiges Leben nur noch mit verbundenen Augen leben zu können, niemanden mehr zu vertrauen und ständig mit der Angst zu leben, dass ich angegriffen werde. Und dabei habe ich festgestellt, dass ich zu vertrauensselig wäre. Dies ist mir besonders in einer Szene während Malories Reise aufgefallen. Während Malorie große Skepsis walten lässt, hätte ich längst die Augen geöffnet und wäre damit vermutlich schon tot gewesen.

Ein Fakt hat mich besonders beeindruckt: obwohl alle Figuren Todesängste ausstehen, nicht wissen, wie es weitergeht und sich überhaupt zurecht finden müssen, herrscht im gesamten Buch keine Hysterie. Es scheint, als hätten sich alle mehr oder minder mit der Situation abgefunden und versuchen nun, das Beste daraus zu machen. Was nicht heißt, dass sie von Pioniergeist oder ähnlichem beseelt sind. Sie versuchen einfach nur zu überleben. Und diese Wille kommt sehr gut raus.

Das Ende hat mich dann leicht enttäuscht. Erklärungen liefert Josh Malerman keine, ja nicht einmal den Ansatz einer Idee überlasst er seinen Lesern. Das passt zwar zum gesamten Werk, ich persönlich hätte mir aber mehr Informationen gewünscht.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist distanziert, gefühlskalt und schon hart an der Grenze zur Gleichgültigkeit. Die Gefühle seiner Figuren spricht er kaum an, er erschafft eine beklemmende Umgebung allein dadurch, dass er mit seinem kalten Stil die Hoffnungslosigkeit der Welt transportiert. Für mich hat das sehr gut gepasst, ich kann mir aber genau so gut vorstellen, dass dies einigen Lesern zu wenig sein kann.

Fazit: ein guter Horror-Roman, der mich beeindruckt hat. Wer mit Distanz und Kälte bei Erzählungen klar kommt, sollte zugreifen.

5. März 2015

Sein Kampfeswille überlebte alles

True Crime 
von Sam Millar

Eine Leseprobe findet ihr hier

Sam Millar war an einem der größten Raubüberfälle der USA beteiligt. Dafür wurde er verurteilt und saß seine Strafe ab. Nachdem er in seine Heimat Nordirland zurückdurfte, schrieb er in erster Linie Krimis. Mit seiner Autobiographie "True Crime" gewährt uns der Ire nun Einblick in sein Leben und wie er es trotz mehrjähriger Haftstrafen und Folterungen schaffte, er selbst zu bleiben.

Bevor ich "True Crime" in den Händen hielt und gelesen habe, hatte ich von Sam Millar noch nichts gehört. Er war mir ebenso unbekannt, wie mir auch die Geschichte der katholischen Iren in Belfast nicht wirklich geläufig ist. Ich kenne zwar einige Bilder, habe mich aber nie näher damit befasst. Nach der Lektüre des Buches ist mein Interesse an den blutigen Kämpfen gestiegen und ich werde mich damit nun intensiver beschäftigen.

Doch der Autor will keineswegs zu einem Geschichtslehrer werden oder den Zeigefinger erheben. In seiner Biographie erzählt Millar von seinem Leben. Aufgewachsen in Belfast als Katholik unter Protestanten war sein Leben von Beginn an nicht einfach. Schon früh musste er ohne Mutter aufwachsen und lernen, dass er mit seinem Glauben, den er selbst nicht viel abgewinnen kann, ein Mensch zweiter Klasse ist.

Aus fadenscheinigen Gründen wird er das erste Mal im Alter von 17 verhaftet und damit beginnt seine mehr als unwürdige Knastlaufbahn. Ohne Anklage wird er gefangen gehalten, gefoltert und gedemütigt. Der Grund: er wird verdächtigt, der Organisation IRA anzugehören. Der Gag an der Sache: er schließt sich dieser Gruppe erst im Laufe seines Knastlebens an, getreu dem Motto "Ist der Ruf erst ruiniert..."

Später wandert Millar in die USA aus, kann aber auch dort nicht die Finger von illegalen Geschäften lassen. Der Raubüberfall, bei dem er und seine Komplizen 8 Millionen Dollar erbeuten, ist der Höhepunkt seiner "Karriere". Bis heute fehlt vom Großteil des Geldes jede Spur.

Sam Millar hat mich mit seiner Biographie durchaus beeindruckt. Ich wusste nicht, wie menschenunwürdig die britische Regierung noch in den 70ern und 80ern des 20. Jahrhunderts mit unliebsamen politischen Gefangenen umgegangen ist. Dass der Ire dabei seinen Verstand und seinen Mut behielt, ist bewundernswert. Auch wenn man es mit einem schweren Jungen zu tun hat.

Dies habe ich beim Lesen oftmals aus dem Blick verloren. Ich hatte Mitgefühl mit Sam, war wütend, wenn er unfair behandelt wurde und drückte ihm sogar die Daumen bei dem Überfall. Erst nach der Lektüre ist mir wieder bewusst geworden, dass ich hier einem verurteilten Verbrecher mental die Hand gehalten habe. Dieser Fakt hat mich erschrocken, aber auch umso mehr für Millar eingenommen.

Der Stil des Autor ist gut zu lesen. Seine Erzählweise ist geprägt von Ehrlichkeit (soweit ich dies beurteilen kann), Offenheit und einem Hang zum Sarkasmus. Selbst seine schlimmsten Folterungen beschreibt der Ire mit einem Zwinkern und dem Humor des Verzweifelten. Wer allerdings auf Emotionen und Tränen hofft, wird enttäuscht werden. Sam Millar erzählt sehr abgeklärt von seinem Schicksal.

Fazit: eine Autobiographie, die sich zu lesen lohnt. Ich kann sie empfehlen.


2. März 2015

Verkündung der offiziellen Blogger für die LLC 2015

Ihr Lieben,

ich renne seit dem Wochenende vor Freude im Kreis und endlich darf ich es auch offiziell sagen:

ICH BIN DABEI!

Dank Eurer Unterstützung und den vielen Stimmen, die mein Blog und ich bekommen haben, darf ich im Mai 2015 als offizielle Bloggerin zur Loveletter-Convention nach Berlin. Ich freue mich so arg! Nicht nur, dass ich endlich wieder mal ein Wochenende in meiner alten Heimat verbringe, NEIN, ich darf auch hochoffiziell superneugierig sein. 

Wer wissen möchte, welche Blogs mit mir gemeinsam gewonnen haben, kann gern mal hier nachschauen.

Jetzt gehe ich mich noch eine Runde freuen und verspreche Euch bis zur LLC tolle Beiträge rund um das Event!

Freudige, ausgeflippte Grüße
Eure Denise

1. März 2015

Bücherfasten oder Wie ich mich selbst kasteie

Hallo Ihr Lieben,

Ihr erinnert Euch noch an das Foto meines SUB? Falls nicht, hier nochmal die Aufnahme:

Tja, so hoch ist der SUB nicht mehr. Er ist noch höher *stöhn* Wie es dazu kam? Keine Ahnung, wirklich nicht. Ich vermute ja, dass die Bücher sich nachts, wenn alles schläft, einfach vermehren. Anders kann ich mir das nicht erklären!

Aber nun sind die Bücher da, ich gebe sie auch nicht mehr her (falls jemand das überhaupt in Erwägung gezogen hat, vorzuschlagen!) und ich will sie alle lesen. Daher tue ich das, was richtig weh tut: Ich bücherfaste!

Ja, ich werde es tun. Bis zum 30.06.2015 werde ich keine Bücher kaufen...

Nein, ich bin nicht bekloppt. Ja, ich weiß, was ich tue. Ja, es tut mir auch weh. Aber irgendwie tut es mir auch um die Bücher leid, die auf dem SUB liegen und mich immer beleidigt/traurig anschauen, wenn ich an ihnen vorbei gehe.

ABER: kein Spiel ohne Ausnahmen! Meine vorbestellten Bücher dürfen bei mir einziehen. Und sollte mir die Glücksfee hold sein, dürfen es auch gewonnene Bücher sein. Ebenso werde ich weiterhin Rezi-Exemplare lesen. Ich denke, das ist fair. Was meint Ihr?

Es gibt eine Sache, über die ich mir noch keine Gedanken gemacht habe: die Strafe, falls ich schwach werde. Wie sieht es aus, habt Ihr spontan eine Idee? Ich würde mich über Kommentare riesig freuen.

Liebe (und leicht leidene) Grüße
Eure Denise