Sonntag, 29. März 2015

Die Hitze macht jeden fertig

Dog Days of Summer
von Cecily von Hundt


New York leidet unter einer drückenden Hitzewelle. Die Journalistin Delphy und ihre Kollegen warten nur darauf, bis der erste Bewohner abdreht. Und sie müssen gar nicht lang warten. Denn schon bald taucht die erste grausam zugerichtete Leiche auf. Die Polizei, in der auch Delphys Bruder Ben seinen Dienst versieht, hat schnell einen Verdächtigen: Charles Wuster, gerade aus dem Gefängnis entlassen, in dem er wegen Mordes an dem Vater der Geschwister saß. Doch kann es tatsächlich so einfach sein?

"Dog Days of Summer" war mein erster Thriller von Cecily von Hundt und hat mir gut gefallen. Trotz seiner Kürze beinhaltet er Spannung, Ermittlungen und eine Menge Blut. Allerdings: für mich hätte das Ganze noch ausführlicher sein können.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei begleitet man sowohl die Arbeit der Polizei, als auch Delphys Vorgehen in der Redaktion. Lediglich der Täter kommt kapitelweise selbst zu Wort und darf von seinem Drang zu töten berichten. Diese Mischung hat mir gut gefallen, denn ich finde es immer wieder erfrischend, wenn man einen Einblick in das Gemüt des Täters bekommt.

Die Figuren, die Cecily von Hundt erschaffen hat, sind gut dargestellt. In meinen Augen hätten aber vor allem Delphy und Ben noch mehr Tiefe vertragen. Die Geschwister haben in ihrer Kindheit mit ansehen müssen, wie ihr Vater getötet wurde und kämpfen mit diesem Trauma bis heute. Dies deutet die Autorin aber nur in ein paar Nebensätzen oder kleinen Abschnitten an. Dadurch wurde mir zwar bewusst, dass Ben und Delphy ihr Trauma noch nicht verarbeitet haben, aber Mitgefühl oder Verständnis konnte ich deshalb nicht aufbringen. Dafür waren mir die Beschreibungen zu oberflächlich.

Generell hätte es der Story, die gut konstruiert ist, gut getan, wenn von Hundt ausführlicher und detailreicher geworden wäre. So mancher Mord wird in wenigen Zeilen abgehandelt, die Ermittlungen werden nur bruchstückhaft gezeigt und auch die Arbeit der Zeitung, die durch Delphy eine große Rolle spielt, wird nur oberflächlich betrachtet. Von mir aus hätte der Thriller gern doppelt so lang sein können. Ich denke, dann hätte die Autorin noch mehr Spannung, Nervenkitzel und Fingernägel kauen erzeugen können.

Der Stil von Cecily von Hundt ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist geradlinig, schnörkellos und auf den Punkt. Ab und an blitzt auch ihr Talent für blutige Szenen auf. Davon hätte ich mir mehr gewünscht.


Fazit: ein solider Thriller, dem mehr Zeit gut getan hätte. Nichtsdestotrotz kann ich ihn empfehlen.

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