31. Mai 2015

Erster Bloggeburtstag...ich kann es nicht fassen!

(Quelle: Paigeeworld)

Hallo Ihr Lieben,

heute ist es soweit und ich kann es immer noch kaum fassen:

Mein Blog wird 1 Jahr alt *tröt* *Konfetti werf*

Vor genau einem Jahr ging mein erster Beitrag online und ich hätte nie gedacht, dass ich nach einem Jahr nicht nur viele tolle Bloggerinnen und Blogger, sondern auch Autoren kennenlernen durfte. In den letzten 12 Monaten habe ich gelesen, interviewt und meine Meinung kundgetan. Und das Tolle: Ihr seid immer noch da!

Daher ist es an der Zeit, DANKE zu sagen: 
Danke an meine Leserinnen und Lesern, die Ihr mich von Stunde 1 an begleitet habt und hoffentlich weiterhin werdet.
Danke an alle Autorinnen und Autoren, die sich meinen neugierigen Fragen gestellt haben.
Danke an alle Verlage, die mich mit Büchern und Aktionen unterstützen.

Und DANKE an alle unsichtbaren Helfer und Freunden, die mich in dieser manchmal echt turbulenten Zeit begleitet und unterstützt haben. Ohne Euch alle wäre es sehr viel stiller und trauriger.

Tja, zwar bekomme ich sehr gerne Geschenke, aber zu meinem Bloggeburtstag verschenke ich was:

Ich verschenke ein Exemplar von "Neben der Spur ist auch ein schöner Weg" von Dorothea Böhme. 

Was müsst Ihr tun?
Kommentiert einfach diesen Beitrag bis zum 5. Juni, 23.59 Uhr. Was Ihr mir schreibt, ist dabei nicht mal wichtig. Ich bin gespannt!

Ich freue mich auf zahlreiche Kommentare und feiere derweil noch ein wenig weiter!
Eure Denise


30. Mai 2015

Ewige Jugend hat ihren Preis

Adolescentia Aeterna - Die Entdeckung der Ewigen Jugend
(Adolescentia - Aeterna- Trilogie Band 1)
von Betty Kay

Eine Leseprobe findet ihr hier

Eva studiert Soziologie und möchte ihre Dissertation über eine Sekte verfassen. Jedoch ist ihrem Professor bisher kein Vorschlag gut genug. Da stößt sie nach einem Hinweis einer Bibliothekarin auf eine unbekannte kleine Gruppierung, die sich "Ewige Jugend" nennt und glaubt, durch gewisse Praktiken ein langes, junges Leben zu erlangen. Die Studentin ist sofort Feuer und Flamme, bis sie sich mit dem Besitzer des Werkes auseinandersetzen muss, das sie unbedingt für ihre Arbeit benötigt. Denn Julian ist so unfassbar arrogant, hochmütig....und sexy!

"Adolescentia Aeterna – Die Entdeckung der Ewgigen Jugend" ist der Auftakt zu einer Trilogie von Betty Kay und mein erster Roman der Autorin. Sie verbindet Mystery und Erotik gekonnt und hat mich damit in weiten Teilen überzeugen können.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man großteilig Eva und ihren Nachforschungen, was wirklich hinter der Adolescentia Aeterna steckt. Doch auch Julian, der Älteste und somit Anführer der Ewigen Jugend, wird kapitelweise in den Mittelpunkt gerückt. Diese Mischung hat mir gut gefallen, denn ich habe beide Figuren auf Anhieb sympathisch gefunden und bei Julian hat sich bei mir nicht direkt dieses "Was ein Arschloch" – Denken eingestellt, wie es oft der Fall bei solcher Art von Romanhelden war. Toll!

Besonders gelungen fand ich Evas Wandlung, die sie im Roman durchmacht. Wohin es sie führt, möchte ich nicht verraten, allerdings sei so viel gesagt: die Veränderung war für mich nachvollziehbar, fühlbar und sehr gut durchdacht. Betty Kay gibt ihrer weiblichen Hauptfigur eine Rolle, die ich so noch nicht gelesen habe. Und das hat mich positiv überrascht, denn zu oft gibt es Wiederholungen, was die Verteilung der Macht zwischen Mann und Frau angeht. Die Autorin spielt gekonnt damit und zeigt einen Weg, wie es auch sein kann. Und diesen prickelnden Weg bin ich gern mit Eva gegangen.

Die erotischen Szenen wurden gekonnt in die gesamte Handlung eingewoben. Ab und an habe ich zwar gedacht, dass Betty Kay etwas dick aufträgt, was die Gespielinnen angeht, aber insgesamt hat sie doch eine gute Mischung gefunden. Besonders schön fand ich die Szenen zwischen Julian und Eva. Hier sprang der Funke direkt aus dem Buch. Toll!

Doch es gibt auch einen Wermutstropfen: die Clique von Eva. Selten habe ich andere Frauen so gern mal schlagen wollen. Ich kann zwar sehr gut verstehen, dass sich beste Freundinnen Sorgen machen, wenn sich eine von ihnen verändert, doch was Mimi, Evas beste Freundin, abzieht, war für mich lachhaft. Ich selbst hätte sie zum Mond geschossen. Hier wäre weniger mehr und glaubwürdiger gewesen.

Das Ende hat mich überzeugt und ich freue mich schon auf Band 2. Denn es gibt noch genügend Rätsel, die es zu lösen gilt.

Der Stil von Betty Kay ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist fesselnd, direkt und es schleichen sich sogar ein paar typisch österreichische Begriffe ein. Ich persönlich mag sowas sehr.


Fazit: eine tolle Mischung aus prickelnder Erotik und geheimnisvollen Männern. Ich kann es empfehlen.

28. Mai 2015

Hat mich kalt gelassen

Eisige Schwestern
von S. K. Tremayne

Eine Leseprobe findet ihr hier

Die Familie Moorcraft hat eine schwere Zeit hinter sich: vor 13 Monaten stürzte eines ihrer Zwillingsmädchen, nämlich Lydia, durch einen Unfall in den Tod. Seitdem geriet das Leben von Sarah, Angus und der kleinen Kirstie vollkommen aus den Fugen. Jobs gingen verloren, Freunde wendeten sich ab und nun steht auch noch der Umzug auf eine einsame, schottische Insel an. Für Sarah und Angus soll es der Neubeginn sein, doch dann spricht Kirstie einen Satz aus, der ihr aller Leben verändern soll: "Ich bin Lydia!"

"Eisige Schwestern" war mein erster Psychothriller von S. K. Tremayne und ich hatte mich vor allem durch das interessante Thema und die vielen guten Rezensionen zum Lesen verleiten lassen. Leider kann die Story nicht halten, was ich mir versprochen hatte.

Die Geschichte wird vornehmlich von der Mutter Sarah erzählt. Sie berichtet über ihren Alltag, der seit dem Tod von Lydia dunkler und einsamer geworden ist. Ihr Mann Angus gibt sich immer öfter dem Alkohol hin und ihre Tochter Kirstie hat sich stark verändert, seitdem sie ihre Schwester verloren hat. Als die Kleine dann auch noch behauptet, die totgeglaubte Lydia zu sein, stürzt Sarahs Welt komplett zusammen.

Ein paar Kapitel bieten auch einen Einblick auf die Denkweise von Angus. Dieser Mann ist pragmatischer und weniger aufgeregt als seine Frau, aber auch er hat seine dunklen Seiten. Diese deuten sich immer mal wieder an, kommen aber nicht so raus, wie ich es mir gehofft hatte.

Generell konnte mich das Schicksal der Familie Moorcraft wenig anrühren, was verwunderlich ist, wo der Thriller auf den ersten Blick alles bietete, was Spannung ausmacht: ein Geheimnis, eine abgelegene Insel und 2 Figuren kurz vor dem Druchdrehen. Jedoch konnte mich der Autor nicht einfangen.

Zum Einen bietet die Story an sich wenig neues. Tremayne verwendet in meinen Augen zu viele bekannte Versatzstücke, die man irgendwie irgendwo schon alle mal gelesen hat. Zum Anderen bleiben seine Figuren für mich, passend zum Titel, eisig und wenig greifbar. Das kann daran liegen, dass weder Sarah noch Angus genügend Zeit haben, sich selbst zu zeigen. Ihre Emotionen sind nicht greifbar, schwingen zu wenig mit und so habe ich über viele ihrer Handlungen den Kopf geschüttelt, weil ich ihre Motivation nicht verstand.

Auch Kirstie, die ja eine tragende Rolle in dem Roman spielt, blieb mir fern. Ihr merkwürdiges Verhalten hat durchaus nachvollziehbare Gründe, die allerdings auch zügig und ohne Umschweife aufgedeckt werden. Überrascht haben sie mich nicht, denn diese Gründe habe ich alle in irgendeiner Form schon mal gelesen. Natürlich kann Tremayne das Rad nicht neu erfinden, aber da er mich schon nicht durch seine Erzählweise fesseln konnte, hätten die Beweggründe besser sein müssen. Waren sie nicht. Schade!

Der Stil des Autors ist gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist unterkühlt, ab und an sprunghaft, aber verfolgbar. Fesseln konnte er mich dennoch nicht.


Fazit: die eisigen Schwestern hinterließen bei mir nur ein unterkühltes Lächeln. Ich kann das Buch nicht empfehlen.

24. Mai 2015

Eine Vision, in der Männer zu Trägern und Frauen zu Geberinnen werden

(Quelle: www.cupido-books.com)
Satisfaction on demand
von M.C. Steinweg

Eine Leseprobe findet ihr hier

Die Welt in der Zukunft: Frauen sind an der Macht, die Männer sind keine Männer mehr, sondern nur noch XY-Träger. Sie müssen den Frauen dienen, ob nun als Wächter, Arbeiter, Denker oder Satisfactoren. Einer dieser Satisfactoren ist Janus. Er ist jung, gut gebaut und darin ausgebildet, einer Frau die höchstmögliche Lust zu verschaffen. Zudem ist er fruchtbar und wird für die Reproduktion eingesetzt. Janus kennt sein Schicksal und hat es bisher gleichmütig hingenommen. Bis Fleur in sein Leben tritt...

"Satisfaction on demand" war mein erster erotischer Roman von M.C. Steinweg und ich fand ihn ingesamt durchwachsen. Ihre Vision der Zukunft hat durchaus interessante Aspekte, die erotischen Szenen prickelten leider nicht so, wie ich es von anderen Romanen kenne und schätze.

Die Geschichte wird von dem jungen Janus selbst erzählt. Er führt seine Leser in seine Welt ein. Eine Welt, in der Männer zum Dienen verdammt sind und Frauen alle Geschicke lenken. Ehen, Partner oder Liebe gibt es nicht, die Fortpflanzung ist streng geregelt und die XY-Träger sind dazu nur Mittel zum Zweck. In dieser Welt lebt der junge Mann, kennt nichts anderes und ist stolz, sich fortpflanzen zu dürfen. Er stellt seine Position auch nicht in Frage, bis er die junge Fleur kennenlernt. Sie verändert seine Welt....für immer.

Janus ist durchaus sympathisch und ich habe ihn in mein Herz geschlossen. Dennoch hätte ich mir hier mehr Tiefe für ihn und Fleur gewünscht. Denn obwohl die beiden die Hauptfiguren sind, erfährt man nur wenig über sie. Auch die Welt, in der sie leben, hätte ich mir gern noch besser vorgestellt. Zwar beschreibt M.C. Steinweg so manches Detail, jedoch gierte ich beim Lesen nach mehr. Die Hintergründe, warum es so weit gekommen ist, bleiben schwammig. Auch das alltägliche Leben ist stark in den Hintergrund gerückt. Es handelt sich um einen erotischen Roman, dennoch hätte ich hier einfach mehr über das Leben drumherum erfahren.

Denn die erotischen Szenen wirkten auf mich oftmals zu stark gewollt und zu wenig prickelnd. Man folgt Janus in seinem Beruf, was natürlich viele intime Szenen nach sich zieht. Und diese werden auch ausführlich geschildert. Ausführlich heißt hier aber keinswegs prickelnd. Denn ich merkte jeder Szene zwischen Janus und seinen Geberinnen an, dass es für den Satisfactor nur ein Job war. Erst seine erste Begegnung mit Fleur ließ es auch bei mir prickeln. Das war für mich zu wenig.

Die Wortwahl bei erotischen Geschichten ist immer schwierig und der Grat zwischen prickelnd und zu viel ist sehr schmal. M.C. Steinweg hat an sich einen guten Weg gefunden, um die Szenen detailreich, aber nicht heftig zu beschreiben. Allerdings gab es zwei Wendungen, die mich aufgrund ihrer häufigen Wiederholungen zum Grinsen brachten: Essenz für das Sperma und Quelle der Essenz für die Hoden. Kreativ sind sie, das durchaus, aber mehr Abwechslung hätte ich toll gefunden.

Der Stil der Autorin ist gut und locker zu lesen. Ihre Erzählweise ist ruhig, nicht übertrieben und ab und an sogar emotional. Sie konnte mich zwar einfangen, doch nicht immer halten. Leider!

Fazit: ein schöner Roman, dem mehr Tiefe, Zeit und echte Erotik gut getan hätte. Daher kann ich ihn nur eingeschränkt weiterempfehlen.

23. Mai 2015

[Hörbuch] Wenn der Sprecher alles rausreisst...

Die Chemie des Todes
(David-Hunter-Reihe Band 1)
von Simon Beckett

Eine Hörprobe findet ihr hier

David Hunter hat sich nach dem Tod seiner Frau und seiner Tochter dazu entschieden, den Rechtsmediziner an den Nagel zu hängen und in einem verschlafenen Nest als Hausarzt anzufangen. Das geht auch ein paar Jahre gut, bis eines Tages eine übel zugerichtete Frauenleiche auftaucht, der auch noch Schwanenflügel an den Schultern befestigt wurden. Wer ist der Täter? Und wird David sich dazu entscheiden, der Polizei zu helfen, obwohl er mit Leichen nichts mehr zu tun haben wollte?

Mit "Die Chemie des Todes" wurde Simon Becketts Reihe um den Rechtsmediziner David Hunter berühmt. Das Buch hatte ich damals abgebrochen, weil mir die Story zu austauschbar und langweilig war. Denn der Autor verwendet für meinen Geschmack zu viele bekannte Versatzstücke, um etwas wirklich neues zu schaffen. Für eine längere Autofahrt habe ich dem Hörbuch eine Chance gegeben. Und was soll ich sagen? Es war nicht übel.

Die Story ist ja wie im Buch. Und auch nach dem Hören bin ich immer noch froh, dass ich keine weitere Lesezeit an das schriftliche Werk verschwendet hatte. Allerdings hat das Hörbuch einen Vorteil, den kein gedrucktes Buch hat: einen mehr als hervorragenden Sprecher.

Johannes Steck ist mir bisher weder als Sprecher noch als Schauspieler wirklich präsent gewesen. Das war wirklich ein Fehler, denn der gute Mann liest mit einer Leidenschaft, dass es mich fast vom Autositz geholt hat. Obwohl mir die Story bekannt war, ich vieles erahnt habe und auch vom Ende nicht überrascht war, konnte mich Steck bei der Stange halten.

Der Sprecher hat nicht nur David Hunter, sondern allen Figuren, die im Thriller vorkamen, Leben eingehaucht. Dabei wirkte er nie monoton oder gelangweilt, sondern hat mit seiner Stimme dem Text je nach Stelle den nötigen Pathos, die nötige Leidenschaft oder Wut verliehen. Ich konnte mich daher komplett in der Geschichte verlieren und war auch nicht bös, dass ich mehrmals im Stau stand bei Hören. So konnte ich nämlich weiterhin Steck lauschen.

Das Ende hatte ich beim Buch damals quergelesen und mich bestätigt gefühlt. Das Hörbuch habe ich komplett gehört, dadurch nochmal eine Wendung erfahren, die mir zwar nicht bekannt, aber dennoch vertraut war. Also auch hier nichts neues.


Fazit: das Hörbuch ist super gelesen und inszeniert und gibt somit dem Thriller die nötige Spannung. Toll!

20. Mai 2015

Der Tod kennt keine Grenzen

Gift - Der Tod kommt lautlos
von Ivo Pala

Eine Leseprobe findet ihr hier

Deutschland erholt sich grad von dem Anschlag auf das Trinkwasser, da droht die nächste Katastrophe: der Chef der Terrorbekämpfung Böllinger wird in einer Videonachricht brutal gefoltert und auf grausame Art und Weise getötet. Die Täter: vermutlich Handlanger der russischen Regierung. Doch der russische Präsident gibt sich ahnungslos. Patricia Hardt und ihr Team setzen alles daran, die Täter und Mörder ihres Chefs zu fassen und ahnen nicht, dass sie damit etwas anstoßen, dass den 3. Weltkrieg bedeuten könnte...

"Gift – Der Tod kommt lautlos" ist der zweite Thriller aus der Feder von Ivo Pala und der Nachfolger von H2O. Und wie der Vorgänger, konnte mich auch dieses Buch fesseln und hat mich bis zum Schluss nicht mehr losgelassen.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man unterschiedlichen Personen, unter anderem der Analytikerin Patricia Hardt, die bereits aus H2O bekannt ist, Major Löw oder dem Bundeskanzler Wagner. Und jede Perspektive hat etwas für sich, denn egal, ob ich mit Löw im Untergrund war, mit Hardt den Einsatz koordiniert habe oder mit dem Bundeskanzler Konferenzen beiwohnte, zum Luftholen kam ich kaum. Denn dafür ist der gesamte Thriller zu spannend und rasant erzählt.

Mit der Gefahr von biologischen Anschlägen greift der Autor eine Angst auf, die seit den Terroranschlägen von 2001 unterschwellig immer präsent ist. Und so perfide die Idee ist, Krankheiten gegen Zivilisten einzusetzen, so real beschreibt Ivo Pala das Szenario, was daraus entstehen kann. Und das hat mir beim Lesen so manches Mal kalte Schauer über den Rücken gejagt. Hinzu kommt, dass der Autor auch mit dem alten, und aktuell leider viel zu neuen Feindbild von Russland spielt. Er schürt den Konflikt Ost gegen West so hervorragend, dass ich auch hier öfter den Kontakt zu realen Welt verloren habe und tief eingetaucht bin in das Schreckensszenario.

Was mir sehr gut gefallen hat, war, dass Ivo Pala bei allem Terror und angstmachenden Szenen nicht den Bezug zur Realität verloren hat. Obwohl er den Leser hollywoodlike durch die Geschichte jagt, hatte ich zu keinem Zeitpunkt den Gedanken, dass er maßlos übertreiben würde. Für mich war der Aufbau von GIFT logisch, konsequent und nachvollziehbar. Und genau das hat mir so eine Angst beim Lesen gemacht. Toll!

Die Figuren, die der Autor einführt, sind toll beschrieben und bleiben den gesamten Thriller über authentisch. Gerade Major Löw ist mir durch seine manchmal etwas ruppige Art ans Herz gewachsen und ich hoffe, dass ich ihn bald mal wieder auf einer Mission begleiten darf. Aber auch die anderen Soldaten, Ermittler und Analytiker waren mir so nah, dass ich am Ende Tränen vergossen habe. Und das passiert mir bei einem Thriller höchstselten.

Der Stil von Ivo Pala ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist rasant, detailreich und auch sehr bildgebend. So gab es die ein oder andere Szene, bei der ich dann mein Knabberzeug beiseite gestellt habe, weil sie einfach nichts für den Magen war. Wer also zu GIFT greift, sollte sich bewusst sein, dass er schonungslos allen Details ausgesetzt wird.


Fazit: ein weiterer genialer Thriller von Ivo Pala. Ich kann ihn nur empfehlen.

18. Mai 2015

Der verstörend normale Alltag während des Krieges

Aus Feuer und Asche - Das Katzenmädchen
von Hannelore Deinert


Deutschland während des 2. Weltkrieges: Karins Mann Fritz ist an der Front, sie und ihre beste Freundin Hilde versuchen, soweit es geht, ihren Alltag zu bewältigen. An einem Abend gehen die beiden Frauen aus und Karin wird gegenüber einem Soldaten auf Heimaturlaub schwach. Kurze Zeit später muss sie feststellen, dass ihr Seitensprung nicht ohne Folgen geblieben ist. Wie soll sie das ihrem geliebten Mann klar machen? Und wie kann sie ihren Fehler vor sich selbst rechtfertigen?

"Aus Feuer und Asche – Das Katzenmädchen" war mein erstes Buch von Hannelore Deinert und hat mich über weite Strecken beeindruckt. Die Autorin nimmt sich dem Schicksal der Daheimgebliebenen in der Zeit nach 1939 an und zeigt, dass auch das Leben hinter der Front nicht immer einfach war.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben und man begleitet den Roman über mal Karin, die sich mit ihrem Sohn Andi mehr schlecht als recht durchs Leben kämpft und später auch mal ihre Tochter Fanny, ein Produkt einer einmaligen Nacht aus Leidenschaft. Dabei passiert im Leben der jungen Frau nun nichts spektakuläres, aber der Alltag im Kriegsdeutschland ist auch ohne nervenaufreibende Begebenheiten spannend und erschütternd zugleich.

Denn Hannelore Deinert berichtet vom Alltag der Daheimgebliebenen mit einer verstörenden Ruhe und ohne Gier nach Skandalen. Und gerade das macht für mich diesen Roman berührend. Denn erst durch das alltägliche wird dem Leser bewusst, wie selbst banale Angelegenheiten wie eine abgelehnte Einladung lebensbedrohlich werden konnten. Und so schlägt man sich gemeinsam mit Karin durchs Leben, bangt um ihren Ehemann und Soldaten, versucht sich mit der Familie zu versöhnen und hofft immer nur das Beste.

Überrascht hat mich, dass die Autorin kaum auf die politischen Geschehnisse zu dieser Zeit eingegangen ist. Oft hatte ich vergessen, in welcher Zeit die Geschichte spielt, denn es gibt kaum Verweise innerhalb des Romans. Hier bin ich mir unschlüssig, ob ich das gut oder ausbaufähig finde. Denn auf der einen Seite war es ganz angenehm, nicht mit bekannten und schon 100 Mal gelesenen Fakten überschüttet zu werden, auf der anderen Seite wirken die Figuren so ganz ohne politische Berührung weltfremd. Klar gab es auch im 3. Reich viele Leute, die sich nicht um die Politik gekümmert haben, aber ich glaube, Berührungspunkte gab es immer wieder. Daher hätte ich es nicht übel gefunden, wenn es etwas mehr Politik gegeben hätte.

Ein weitere Kritikpunkt, den ich habe: die Geschichte um Karin und ihre kleine Familie hätte locker doppelt so lang sein können. Hannelore Deinert erschafft genügend Situationen, aus denen sie weitere Handlungsstränge hätte machen können. Zudem hat sie mich bei einigen Stellen so neugierig gemacht, dass ich vor dem Buch saß und dachte: erzähl bitte weiter! Hier hätte die Autorin wirklich mehr aus ihrem Roman machen können. Denn nach dem Beenden sitze ich nun etwas enttäuscht da, weil die Story überraschend und zu zackig endete.

Der Stil von Hannelore Deinert ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist unaufgeregt, oft bildreich, ab und an aber auch unausgereift. Die Mischung konnte mich zwar überzeugen, doch wünsche ich mir beim nächsten Buch eine durchgängige tolle Sprache.


Fazit: eine berührende, aber leider zu kurze Geschichte aus dem Deutschland nach 1939. Dennoch kann ich das Buch empfehlen.

15. Mai 2015

Ein toter Sohn, ein ominöser Brief und diese Ungewissheit

(Quelle: www.luebbe.de)
Die stille Kammer
von Jenny Blackhurst

Eine Leseprobe findet ihr hier

Susan Webster wird nach 4 Jahren aus dem Vollzug entlassen. Ihre Tat: sie hat ihren 3 Monate alten Sohn Dylan getötet und dann versucht sich selbst umzubringen. Obwohl sie sich nicht an den Hergang erinnern kann, bereut sie zutiefst und versucht sich unter dem Namen Emma Cartwright ein neues Leben aufzubauen. Doch dieser Versuch wird jäh zerstört, als sie einen anonymen Brief bekommt. Einen Brief, der an ihren alten Namen adressiert ist und das Bild eines 4-jährigen Jungen enthält. Und dieser Junge soll Dylan sein. Susan kann es nicht fassen und setzt alles daran, herauszufinden, welches Spiel mit ihr gespielt wird!

"Die stille Kammer" ist das Debüt von Jenny Blackhurst und lässt mich zwiegespalten zurück. Auf der einen Seite ist die Idee, eine verurteilte Verbrecherin in den Mittelpunkt zu stellen, gelungen und hochinteressant, auf der anderen Seite verbaut sich die Autorin aber durch eine abstruse Liebesgeschichte Potenzial.

Die Geschichte wird aus von der verurteilten Straftäterin Susan Webster selbst erzählt. Und obwohl ich sie allein für ihr Verbrechen nicht hätte mögen dürfen, empfand ich sehr viel Mitgefühl für diese gebeutelte Frau. Sein eigenes Kind zu töten, sich nicht erinnern zu können und daher auf die Umwelt verlassen zu müssen, muss unvorstellbar grausam sein. Und daher konnte ich ihre Zweifel, die sie bekam, als sie diesem ominösen Brief erhielt, sofort nachvollziehen. Hier hat Jenny Blackhurst sehr viel Fingerspitzengefühl bewiesen.

Neben Susan gibt es auch immer wieder kapitelweise Rückblendungen, deren Sinn sich erst im Laufe des Thrillers erschließen. Dort lernt man eine Clique von Teenagern kennen, die man bis zum College und darüber hinaus begleiten darf. Diese Rückblicke werden aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Zu Beginn wusste ich damit überhaupt nichts anzufangen und habe sie zwar mit Neugierde, aber auch vielen Fragezeichen im Gesicht gelesen. Erst bei circa der Hälfte des Buches wird langsam klar, wie die Vergangenheit und Gegenwart zusammenhängen. In meinen Augen war dies etwas spät und ich hätte es besser gefunden, wenn ich schon früher gewusst hätte, DAS es einen Zusammenhang gibt.

Die Story selbst ist gerade zu Beginn sehr spannend, lässt dann im Mittelteil merklich nach, wird teilweise auch nicht mehr logisch nachvollziehbar und erst zum Ende hin nimmt das Ganze wieder Fahrt auf. Dieses Auf und Ab hat mich gestört, denn eine für den Roman sehr wichtige Wendung war für mich nicht schlüssig und nachvollziehbar erklärt. So habe ich zwar weiterhin mit Interesse gelesen und war auch gedanklich dabei, doch meine Begeisterung hatte sich abgekühlt. Auch so mancher Gedankengang von Susan gegenüber dem Journalisten Nick war mir zu schräg, zu weit weg von der Realität.

Und hier komme ich schon zu meinem größten Kritikpunkt: die mehr als krude und zu sehr gewollte Lovestory zwischen Susan und Nick. Dass es zwischen den beiden knistert, störte mich nicht. Allerdings war die Entwicklung der beiden zueinander mehr als kurios: mal schmilzt Susan fast dahin, wenn Nick sie nur anschaut. Dann ignoriert sie ihn komplett, als er ihr Avancen macht. Und zum Ende hin wird das Ganze dann noch so kitschig und unpassend, dass ich laut losgelacht habe. Die Autorin hat sich hier so viel Potenzial zerstört und sich um ein für mich mehr als passendes Finale gebracht. Schade!

Der Stil von Jenny Blackhurst ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise passt zu der labilen Susan, die nicht mehr ein noch aus weiß und immer wieder an sich selbst zweifelt.

Fazit: ein spannende Grundidee, die leider durch einen unpassenden Erzählstrang kaputt gemacht wurde. Durchaus lesenswert, aber nicht begeisternd.



14. Mai 2015

Der Schneegänger ging gar nicht

Der Schneegänger
(Sanela-Beara-Fall Band 2)
von Elisabeth Herrmann

Eine Leseprobe findet ihr hier

Berlin in einem der kältesten Winter überhaupt: im Grunewald wird das Skelett eines Jungen gefunden. Kommissar Gehring wird an den Fundort gerufen und muss sich bald eingestehen, dass diese Leiche zu einem Fall gehört, den er seit 4 Jahre nicht lösen konnte. Der Schmerz darüber sitzt tief und der Ermittler nimmt die Akte wieder auf. Dabei wird ihm schnell klar, dass er die Unterstützung von Sanela Beara benötigt. Und das passt ihm gar nicht. Aber wie sonst soll er den Fall lösen?

"Der Schneegänger" ist der zweite Fall von Sanela Beara und konnte mich, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, nicht überzeugen. Ich habe den Krimi zu Beginn mit viel Elan gelesen, doch je weiter die Story voranschritt, umso öfter musste ich gähnen und konnte nicht fassen, dass dieses Buch wirklich von der sonst brillianten Elisabeth Herrmann sein soll.

Dabei beginnt die Geschichte durchaus spannend. Aus der Erzählerperspektive verfolgt man über mehrere Kapitel den Ermittlungen von Gehring und dem langsamen Begreifen, dass es sich bei dem Skelett um einen 4 Jahre alten Vermisstenfall handelt. Und da kommt die Studentin und Ex-Streifenpolizistin Sanela ins Spiel. Mehr aus Bequemlichkeit, denn aus wirklicher Überzeugung zieht der Kommissar die Studentin zu dem Fall hinzu. Und wünscht sich bald, es nicht getan zu haben.

Und hier gehe ich mit dem Ermittler konform. Schon in Teil 1 war Sanela Beara für ihre ungewöhnlichen Alleingänge berüchtigt. Dort lief das Ganze aber noch in einem Rahmen ab, den ich für vertretbar hielt. Bei dem nun vorliegenden Fall geht sie mir zu weit. Sie ignoriert Anweisungen, überschreitet Grenzen weit mehr als ihr gut tut und selbst als auch aus objektiver Sicht klar wird, dass sie zu weit gegangen ist, bleibt sie arrogant, überheblich und rechtfertigt ihre Taten vor sich selbst mit dem weichen Argument, dass sie Gerechtigkeit will. Das würde funktionieren, wenn der Krimi in einer fiktionalen Welt voller Superhelden und Bösewichten spielen würde. Doch Elisabeth Herrmann steht für bodenständige und realitätsnahe Romane. Umso mehr bin ich verwundert, dass sie hier ihrer Figur so viel durchgehen lässt.

Für mich wurde es schon unglaubwürdig, als sich Sanela, zwar typverändert, aber dennoch unverkennbar, ins Haus der verdächtigen Familie als Hausmädchen einschleust. Und das, obwohl sie nur Tage vorher dort als Polizistin aufgetreten ist. Natürlich speichert ein Mensch nicht jedes Gesicht ab, dass er im Laufe seines Lebens sieht, aber die Situation hier war für die Familie so außergewöhnlich, dass etwas hätte hängenbleiben müssen.

Zudem nahm der Roman immer mehr an Spannung ab, je weiter er voranschritt. Statt soliden Ermittlungen wurde ich in einen Strudel aus Familiengeheimnissen und Co. gezogen. Das wäre durchaus interessant, wenn ich eben ein Drama lesen möchte. Aber bei einem Krimi erwarte ich mehr. Zumal das Geheimnis eher schleppend enthüllt wird, zwischen den Enthüllungen nichts weiter passiert, als dass Sanela sich durch eine ihrer Ideen in Gefahr bringt und der Leser auf eher schwache falsche Fährten geführt wird.

Ich habe dennoch weitergelesen, denn ich wollte wissen, wie es endet und ob der Krimi zu einem doch guten Ende kommt. Das kommt er nicht wirklich. Das Ende ist zwar nachvollziehbar und passend für die Figuren, jedoch kommt hier weder der große Knall noch endet der Schneegänger in irgendeiner Weise überraschend. Da bin ich von der Autorin anderes gewohnt. Schade!

Der Stil von Elisabeth Herrmann ist gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist unaufgeregt, mit dem Blick fürs Wesentliche und sie versteht es durchaus, ihren Figuren Leben einzuhauchen. Ihre Schreibweise war mit ein Grund, warum ich bis zum Schluss gelesen habe.


Fazit: der Schneegänger ging für mich gar nicht. Schade!

12. Mai 2015

Kindle-Light-Dinner von Amazon Publishing

Oder: wir sind dann mal im Dark-Room


Kurz bevor es für mich zur LLC nach Berlin ging, flatterte digital eine Einladung zum Kindle-Light-Dinner in mein Postfach. Wer mich ein wenig kennt, weiß, dass ich daheim als Amazon-Außenlager fungiere und mir somit dieses Event nicht entgehen lassen konnte. Auch wenn ich dafür meine Reiseplanung einmal über den Haufen geworfen habe. Aber hey, wenn Amazon ruft, springe ich mit Vergnügen.

11. Mai 2015

Wenn der Tanz zum Schiebeblues wird

Skalpelltanz
von Jenny Milewski

Eine Leseprobe findet ihr hier

Jonas Lerman ist Autor, Horrorautor um genau zu sein. Seine Hauptfigur Carl Cederfeldt ist ein präziser und schonungsloser Mörder. Und das lieben die Leser an Lermans Büchern. Nur der Autor selbst kommt nicht mehr so damit klar, wie er sollte. Er steckt in einer Schreibblockade, weiß weder aus noch ein und dann passiert etwas, was ihn schockiert: eine Leiche wird gefunden. Und zwar genau so zugerichtet, wie es seine Romanfigur täte. Aber seine Figur ist doch nicht real....oder?

"Skalpelltanz" ist das Debüt von Jenny Milewski und hat mich zum Ende hin mehr Nerven als alles andere gekostet. Die Autorin fängt durchaus interessant und spannend an. Doch dann driftet der Thriller ab. Zu weit ab in meinen Augen.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive berichtet. Dabei begleitet man aber nur den Autoren Jonas Lerman. Man darf ihm über die Schulter schauen, wenn er versucht seine Blockade zu lösen, man geht mit ihm zu Lesungen und verhandelt mit dem Verlag. Das fand ich hochinteressant. Denn die Schilderungen waren durchaus spannend und durch das Einstreuen von Auszügen aus Lermans Büchern bekam die Story noch einen zusätzlichen Anreiz. Doch das war es auch schon....

Im Klappentext werden vollmundig Morde angekündigt. Bis knapp zur Hälfte des Buches war davon nichts zu lesen oder zu spüren. Jonas ergeht sich in seiner Blockade, kämpft mit seiner Fantasie und fasst einen für ihn folgenschweren Entschluss. Was zu Beginn wirklich mal etwas anderes war, zog sich, weil nichts passierte, wie Kaugummi. Will ich wissen, wie ein Autor mit einer Blockade umgeht? Sehr gern sogar. Will ich das über die Hälfte des Buches? Auf keinen Fall, vor allem dann nicht, wenn es sich um einen Thriller handelt.

Selbst 100 Seiten vor Schluss war die Spannung so niedrig, dass ich sie bequem unter einer Tür hätte durchschieben können. Jonas eigene Lebensgeschichte wird in den Mittelpunkt gerückt, dabei ergeht sich Jenny Milewski aber nur in Andeutungen, Spekulationen und lässt sowohl den Leser als auch ihre Hauptfigur zu lang im Dunkeln tappen. Für mich bot die Story keinen Anreiz mehr weiterzulesen.

Der Stil der Autorin ist recht gut zu lesen. Ihre Erzählweise war zu Beginn noch mitreißend, nahm dann aber auch im Laufe des Buches ab und wurde dann nur noch langweilig.


Fazit: ein Tanz auf meinen Nerven. Ich kann das Buch nicht empfehlen.

10. Mai 2015

Wenn du schon in Uppsala wohnst...

Die Liebe ist ein Trampeltier
von Ina Straubing

Eine Leseprobe findet ihr hier

Elin will zum Training und steht vor verschlossener Tür. Klar, ihr Trainer ist im Urlaub, wie konnte sie das vergessen? Beschwingt fährt sie nach Hause und freut sich auf einen gemütlichen Abend mit ihrem Freund Tomas. Womit Elin nicht gerechnet hat, ist die blonde Schönheit, der sich Tomas gerade im gemeinsamen Bett hingibt. Für die Grafikdesignerin bricht eine Welt zusammen. Hastig packt sie ein paar Sachen und verschwindet. Nur um sich nochmal für ein Gespräch mit ihrem Freund zu treffen. Und dieser schlägt ihr eine Übereinkunft vor, die Elin zugleich sprachlos und neugierig macht...

"Die Liebe ist ein Trampeltier" ist das Debüt von Ina Straubing und hat mir gut gefallen. Die Autorin schnappt sich das altbekannte Thema "Fremdgehen und seine Folgen" und verwebt liebgewonnene Strukturen mit neuen Ideen. Diese Mischung hat es mir angetan.

Die Geschichte wird von Elin persönlich erzählt. Die junge Frau ist keineswegs eine typische Heldin. Zwar ist sie attraktiv, jedoch im Inneren unsicher und sie glaubt, dass die Welt nicht zwingend positiv auf sie zu sprechen ist. Elin sprüht nicht vor Selbstbewusstsein, sondern legt ein gesundes Maß Skepsis an den Tag. Mit anderen Worten: sie gleicht einer normalen Frau mehr als viele ihrer Romanheldenkolleginnen. Das hat mich für die junge Frau direkt eingenommen.

Natürlich kommt auch das Trampeltier nicht ohne gewohnte Muster aus: neben der Hauptfigur gibt es 2 Freundinnen, die eine mit einem mehr als ausschweifenden Sexleben, die andere das personifizierte Schöne und Unschuldige auf 2 Beinen. Ich habe bei der Vorstellung schon lächeln müssen und doch passen die beiden so gut zu Elin, dass es mir nichts ausgemacht hat.

Auch der männliche Held, der der Hauptfigur den Kopf verdreht, ist irgendwie bekannt und dennoch hat er so viel Charme in sich, dass ich mit Elin gemeinsam geseufzt habe, als ich ihn kennenlernte. Gut, der Name erinnert ein wenig an einen gewissen Mr. Grey, aber immerhin spielt der Roman auch in Schweden, so dass ich es der Autorin nur halb übel nehme.

Die Story ist nun nicht zwingend neu, aber auch nicht zu bekannt. Hier wahrt Ina Straubing die Balance zwischen Mustern, die funktionieren und neuen Ideen, die sich perfekt in das Geschehen hineinpassen. Es gab so manche Stelle, bei der ich überrascht die Luft eingesogen und wiederum andere, an denen ich wissend genickt habe. Die Mischung ist in meinen Augen jedoch gut gelungen und somit hebt sich das Werk von anderen Romanen ab.

Die Figuren, allen voran Elin und Tomas, bieten genug Potenzial für einen weiteren Roman und ich wäre durchaus nicht abgeneigt, mich nochmal nach Uppsala zu begeben um alle wiederzusehen.

Der Stil von Ina Straubing ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise besticht durch Humor, einer Prise Sarkasmus und Ehrlichkeit. Ihre Hauptfigur Elin ist in meinen Augen sehr gut getroffen und zeigt, dass nicht alle weiblichen Figuren in einem Frauenroman perfekt und selbstbewusst sind.


Fazit: ein schöner Roman zum Abschalten. Wer humorvolle Bücher mag, wird das Trampeltier lieben.

9. Mai 2015

Wie weit gehst du für den Schutz deines Geheimnisses?

Mordsommer
von Rudi Jagusch

Eine Leseprobe findet ihr hier

Nina ist eine erfolgreiche Staatsanwältin und steht kurz vor ihrer Beförderung. Ihren Erfolg hat sie sich hart erarbeitet und sie möchte ihn auf keinen Fall mehr verlieren. Doch da flattert ihr ein Brief ins Haus, der sie an ihre Jugendzeit und ihre alte Clique erinnert. Und mit der Clique verbindet sie nicht nur gute Erinnerungen, sondern auch Taten, die sie am liebsten vergessen möchte. Allerdings kannte niemand ihre Geheimnisse...bis jetzt: denn der Briefeschreiber lädt Nina in ein verlassenes Dorf ein. Und die Anwältin folgt der Einladung, denn was wäre schlimmer, als wenn ihre dunklen Geheimnisse ans Tageslicht kommen?

"Mordsommer" ist nach "Amen" der zweite Thriller von Rudi Jagusch und hat mir sehr gut gefalen. Der Autor verwebt in seinem Werk die Neugierde der Menschen nach Erkenntnis und Geheimnisse aus der Jugendzeit geschickt miteinander und lässt das Ganze durch eine Portion Grusel richtig spanennd werden.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man in der Gegenwart der Staatsanwältin Nina und reist gemeinsam mit ihr in ein verlassenes Dorf in der Nähe von Köln um herauszufinden, wer ihr Geheimnis kennt. Daneben gibt es noch die Rückblicke in die Zeit, als die junge Frau zu ihrer späteren Clique gestoßen ist. Dabei erfährt man Stück für Stück, was die Jugendlichen angestellt haben. Und schnell wird klar, dass dies über die normalen Jugendsünden hinausgeht.

Gerade diese Rückblicke haben mich so manches Mal schlucken lassen, obwohl ich eine hartgesottene Thrillerleserin bin. Rudi Jagusch zelebriert förmlich die dunklen Seiten der Jugendlichen und führt seine Leser Kapitel für Kapitel in deren Geheimnisse ein. Welche das sind? Das werde ich nicht verraten. Nur sollte man sich vorher bewusst sein, dass es keine Klingelstreiche sind, die Nina und Co. spielen.

In der Gegenwart wollte ich, genau wie die Anwältin auch, wissen, wer hinter den Briefen steckt. Denn nicht nur Nina erhält so ein Schreiben, sondern jedes Mitglied aus der ehemaligen Gemeinschaft. Zwar dachte ich zu Beginn: Naja, so ein Brief....was soll schon passieren? Aber nachdem mir klar wurde, dass das Geheimnis zu groß ist, verstand ich, warum alle der Einladung gefolgt sind.

Gerade die Beweggründe und auch die Denkweise der Einzelnen hat der Autor in meinen Augen sehr gut vermittelt. Ich konnte nachvollziehen, warum keiner will, dass das Geheimnis ans Licht gezerrt wird und warum die alte Clique sich überhaupt der Herausforderung mit dem einsamen Dorf stellt. Und was ich auch noch sehr gut fand: die Figuren waren mal nicht klischeebehaftet, sondern hatten alle eine Seite an sich, die mir so noch nicht in einem Thriller auf Seiten der Opfer begegnet ist. Eine grandiose Idee!

Rudi Jagusch versteht es zudem, mir eine Gänsehaut zu verpassen. Die Rückblicke haben mich ein ums andere Mal frösteln lassen, ich habe mich so manches Mal innerlich abgewandt und wollte doch wissen, ob die Clique noch schlimmer werden kann. Es war wie bei einem Unfall: ich musste weiterhin hinschauen!

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist geprägt von einem hohen Grundtempo, dem Blick fürs Wesentliche und einer schnörkellosen Sprache. Rudi Jagusch erzählt sehr bildhaft, überlässt die Details aber der Fantasie des Lesers. Toll!


Fazit: ein toller Thriller, der mich gefesselt hat. Ich kann ihn sehr empfehlen!

8. Mai 2015

LoveLetterConvention 2015 Tag 2 - Bist du nicht die...?


Tag 2 der LoveLetterConvention 2015 stand ganz im Zeichen von "Wo bin ich? Wer bin ich? Wo muss ich hin?" Ich wünsche Euch viel Spaß mit dem zweiten Bericht!


7. Mai 2015

LoveletterConvention 2015 Tag 1 - Es ist wie nach Hause kommen


Lang erwartet, heiß ersehnt und so schnell wieder vorbei: die LoveLetterConvention 2015 . Es war traumhaft schön und ich weiß gar nicht, wo ich mit meinen Erzählungen anfangen soll. Ich versuche es mal und starte heute mit dem Samstag. Viel Spaß!

4. Mai 2015

Den Löwen gesucht, nur Nichtssagendes gefunden

Der Löwensucher
von Kenneth Bonert

Eine Leseprobe findet ihr hier

Südafrika, kurz vor Beginn des 2. Weltkrieges: der jüdische Junge Isaac wächst in einem eher armen Viertel zusammen mit farbigen Kindern auf. Je älter er wird, desto größer werden die Ansprüche seiner Mutter an ihn und desto mehr muss er sich auch von seinen alten Freunden distanzieren. Denn die Welt befindet sich in Aufruhr und da hat Isaac es als Jude schon nicht leicht. Daher versucht er auf vielen, manchmal illegalen Wegen, sein Glück zu machen. Kann er es schaffen?

"Der Löwensucher" ist das Debüt von Kenneht Bonert und international gerühmt und ausgezeichnet. Mich konnte der Roman um den jüdischen Jungen Isaac nur zu Beginn mitreißen. Ab der Hälfte habe ich dann vollkommen den Faden und Mut verloren.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben und folgt zu Beginn Isaacs Mutter, bevor sie sich vollkommen auf den Jungen selbst konzentriert. Und Isaac hat wahrlich kein leichtes Leben. Er wächst in einer Welt auf, in der die Diskriminierung von Schwarzen Gang und Gebe und auch die Unterdrückung der Juden normal ist. Seine Mutter stellt an ihn sehr hohe Ansprüche und möchte, dass er Erfolg in seinem Leben hat. Wo er dabei bleibt, ist ihr fast egal.

Zu Beginn konnten mich diese Konflikte um die jüdische Familie auch mitziehen. Ich wollte wissen, was der Mutter zugestoßen ist, warum der Vater so zurückhaltend und sein Sohn so ein Mamakind ist. Und vor allem war ich neugierig auf die Schwester, die zwar Karriere macht wie keine zweite, aber kaum Erwähnung fand. Doch so sehr mich der Anfang mitgerissen hat, so sehr ist die Begeisterung dann auch abgeflacht. Ab circa einem Viertel wurde der Roman nichtssagend, alltäglich, flach und die Probleme, die dort gewälzt wurden, waren für mich so weit weg und verwirrend geschrieben, dass ich ab und an nicht mal mehr wusste, was Kenneth Bonert nun von mir möchte.

Zudem habe ich gemerkt, dass ich in die Geschichte nach einer Pause von nur wenigen Stunden nicht mehr beziehungsweise nur schwer hinein fand. Ich wusste nicht mehr, wie die Gefühlslage von Isaac, seinem Vater und anderen Figuren war noch konnte durch das Lesen der ersten Sätze meine Erinnerung geweckt werden. Das ist bei mir ein Todesurteil für ein Buch. Und so habe ich den Roman bei der Hälfte entnervt und traurig zur Seite gelegt. Denn die Story klang super, aber was nützt eine gute Geschichte, wenn der Autor sich in seiner Sprache verliert?

Der Stil von Kenneth Bonert ist gut zu lesen, auch wenn man sich in seine Sprache hineinfinden muss. Dennoch ließ er zu Beginn Bilder vor meinen Augen erscheinen. Doch je weiter sein Roman fortschritt, desto abgehobener wurde er. Für mich passte es einfach nicht mehr!


Fazit: es hätte was werden können mit dem Löwen und mir. Doch leider entpuppte er sich als Kätzchen. Schade!


1. Mai 2015

Buchfasten II - der April wusste nicht, was er will

Hallo Ihr Lieben,

der April ist vorbei, der Sommer naht und auch der zweite Fastenmonat neigt sich dem Ende. Wobei Fasten ja schon zu viel gesagt ist, aber seht selbst:


Wie Ihr sehen könnt, funktioniert mein Fasten wunderbar....nämlich gar nicht. Ich habe kein einziges Buch gekauft, aber dennoch ziehen immer mehr Bücher ein, als ich lesen kann. Meine Vermutung: die Papier- und Buchindustrie hat sich gegen mich verschworen, jawohl! So muss es sein. Oder meine Bücher vermehren sich heimlich *skeptisch zum SUB schau*

Was bleibt als Fazit? Der Mai wird nicht besser werden, denn die LoveLetterConvention steht an und da ohne Bücher wegzugehen käme einem Sakrileg gleich! Vielleicht sollte ich das Schlafen aufgeben? Das wären dann gute 8 Stunden mehr Lesezeit....

grübelnde Grüße
Eure Denise