18. Mai 2015

Der verstörend normale Alltag während des Krieges

Aus Feuer und Asche - Das Katzenmädchen
von Hannelore Deinert


Deutschland während des 2. Weltkrieges: Karins Mann Fritz ist an der Front, sie und ihre beste Freundin Hilde versuchen, soweit es geht, ihren Alltag zu bewältigen. An einem Abend gehen die beiden Frauen aus und Karin wird gegenüber einem Soldaten auf Heimaturlaub schwach. Kurze Zeit später muss sie feststellen, dass ihr Seitensprung nicht ohne Folgen geblieben ist. Wie soll sie das ihrem geliebten Mann klar machen? Und wie kann sie ihren Fehler vor sich selbst rechtfertigen?

"Aus Feuer und Asche – Das Katzenmädchen" war mein erstes Buch von Hannelore Deinert und hat mich über weite Strecken beeindruckt. Die Autorin nimmt sich dem Schicksal der Daheimgebliebenen in der Zeit nach 1939 an und zeigt, dass auch das Leben hinter der Front nicht immer einfach war.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben und man begleitet den Roman über mal Karin, die sich mit ihrem Sohn Andi mehr schlecht als recht durchs Leben kämpft und später auch mal ihre Tochter Fanny, ein Produkt einer einmaligen Nacht aus Leidenschaft. Dabei passiert im Leben der jungen Frau nun nichts spektakuläres, aber der Alltag im Kriegsdeutschland ist auch ohne nervenaufreibende Begebenheiten spannend und erschütternd zugleich.

Denn Hannelore Deinert berichtet vom Alltag der Daheimgebliebenen mit einer verstörenden Ruhe und ohne Gier nach Skandalen. Und gerade das macht für mich diesen Roman berührend. Denn erst durch das alltägliche wird dem Leser bewusst, wie selbst banale Angelegenheiten wie eine abgelehnte Einladung lebensbedrohlich werden konnten. Und so schlägt man sich gemeinsam mit Karin durchs Leben, bangt um ihren Ehemann und Soldaten, versucht sich mit der Familie zu versöhnen und hofft immer nur das Beste.

Überrascht hat mich, dass die Autorin kaum auf die politischen Geschehnisse zu dieser Zeit eingegangen ist. Oft hatte ich vergessen, in welcher Zeit die Geschichte spielt, denn es gibt kaum Verweise innerhalb des Romans. Hier bin ich mir unschlüssig, ob ich das gut oder ausbaufähig finde. Denn auf der einen Seite war es ganz angenehm, nicht mit bekannten und schon 100 Mal gelesenen Fakten überschüttet zu werden, auf der anderen Seite wirken die Figuren so ganz ohne politische Berührung weltfremd. Klar gab es auch im 3. Reich viele Leute, die sich nicht um die Politik gekümmert haben, aber ich glaube, Berührungspunkte gab es immer wieder. Daher hätte ich es nicht übel gefunden, wenn es etwas mehr Politik gegeben hätte.

Ein weitere Kritikpunkt, den ich habe: die Geschichte um Karin und ihre kleine Familie hätte locker doppelt so lang sein können. Hannelore Deinert erschafft genügend Situationen, aus denen sie weitere Handlungsstränge hätte machen können. Zudem hat sie mich bei einigen Stellen so neugierig gemacht, dass ich vor dem Buch saß und dachte: erzähl bitte weiter! Hier hätte die Autorin wirklich mehr aus ihrem Roman machen können. Denn nach dem Beenden sitze ich nun etwas enttäuscht da, weil die Story überraschend und zu zackig endete.

Der Stil von Hannelore Deinert ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist unaufgeregt, oft bildreich, ab und an aber auch unausgereift. Die Mischung konnte mich zwar überzeugen, doch wünsche ich mir beim nächsten Buch eine durchgängige tolle Sprache.


Fazit: eine berührende, aber leider zu kurze Geschichte aus dem Deutschland nach 1939. Dennoch kann ich das Buch empfehlen.

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