9. Mai 2015

Wie weit gehst du für den Schutz deines Geheimnisses?

Mordsommer
von Rudi Jagusch

Eine Leseprobe findet ihr hier

Nina ist eine erfolgreiche Staatsanwältin und steht kurz vor ihrer Beförderung. Ihren Erfolg hat sie sich hart erarbeitet und sie möchte ihn auf keinen Fall mehr verlieren. Doch da flattert ihr ein Brief ins Haus, der sie an ihre Jugendzeit und ihre alte Clique erinnert. Und mit der Clique verbindet sie nicht nur gute Erinnerungen, sondern auch Taten, die sie am liebsten vergessen möchte. Allerdings kannte niemand ihre Geheimnisse...bis jetzt: denn der Briefeschreiber lädt Nina in ein verlassenes Dorf ein. Und die Anwältin folgt der Einladung, denn was wäre schlimmer, als wenn ihre dunklen Geheimnisse ans Tageslicht kommen?

"Mordsommer" ist nach "Amen" der zweite Thriller von Rudi Jagusch und hat mir sehr gut gefalen. Der Autor verwebt in seinem Werk die Neugierde der Menschen nach Erkenntnis und Geheimnisse aus der Jugendzeit geschickt miteinander und lässt das Ganze durch eine Portion Grusel richtig spanennd werden.

Die Geschichte wird aus der Erzählerperspektive wiedergegeben. Dabei folgt man in der Gegenwart der Staatsanwältin Nina und reist gemeinsam mit ihr in ein verlassenes Dorf in der Nähe von Köln um herauszufinden, wer ihr Geheimnis kennt. Daneben gibt es noch die Rückblicke in die Zeit, als die junge Frau zu ihrer späteren Clique gestoßen ist. Dabei erfährt man Stück für Stück, was die Jugendlichen angestellt haben. Und schnell wird klar, dass dies über die normalen Jugendsünden hinausgeht.

Gerade diese Rückblicke haben mich so manches Mal schlucken lassen, obwohl ich eine hartgesottene Thrillerleserin bin. Rudi Jagusch zelebriert förmlich die dunklen Seiten der Jugendlichen und führt seine Leser Kapitel für Kapitel in deren Geheimnisse ein. Welche das sind? Das werde ich nicht verraten. Nur sollte man sich vorher bewusst sein, dass es keine Klingelstreiche sind, die Nina und Co. spielen.

In der Gegenwart wollte ich, genau wie die Anwältin auch, wissen, wer hinter den Briefen steckt. Denn nicht nur Nina erhält so ein Schreiben, sondern jedes Mitglied aus der ehemaligen Gemeinschaft. Zwar dachte ich zu Beginn: Naja, so ein Brief....was soll schon passieren? Aber nachdem mir klar wurde, dass das Geheimnis zu groß ist, verstand ich, warum alle der Einladung gefolgt sind.

Gerade die Beweggründe und auch die Denkweise der Einzelnen hat der Autor in meinen Augen sehr gut vermittelt. Ich konnte nachvollziehen, warum keiner will, dass das Geheimnis ans Licht gezerrt wird und warum die alte Clique sich überhaupt der Herausforderung mit dem einsamen Dorf stellt. Und was ich auch noch sehr gut fand: die Figuren waren mal nicht klischeebehaftet, sondern hatten alle eine Seite an sich, die mir so noch nicht in einem Thriller auf Seiten der Opfer begegnet ist. Eine grandiose Idee!

Rudi Jagusch versteht es zudem, mir eine Gänsehaut zu verpassen. Die Rückblicke haben mich ein ums andere Mal frösteln lassen, ich habe mich so manches Mal innerlich abgewandt und wollte doch wissen, ob die Clique noch schlimmer werden kann. Es war wie bei einem Unfall: ich musste weiterhin hinschauen!

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist geprägt von einem hohen Grundtempo, dem Blick fürs Wesentliche und einer schnörkellosen Sprache. Rudi Jagusch erzählt sehr bildhaft, überlässt die Details aber der Fantasie des Lesers. Toll!


Fazit: ein toller Thriller, der mich gefesselt hat. Ich kann ihn sehr empfehlen!

1 Kommentar: