8. August 2015

Ein ganz normaler Tag in den dunklen Kreisen von Berlin


Drecksspiel
von Martin Krist

Eine Leseprobe findet ihr hier

Hannah ist aufgeregt. Ihr Mann Philip überrascht sie und ihre kleine Tochter Millie mit einem Ausflug,so wie früher. Nur wird nichts wie früher ein...
Privatermittler David Gross führt seit ungezählten Stunden eine Oberservierung durch. Als er die Chance erkennt, stürmt er in die Wohnung des Verdächtigen. Und wird damit fast selbst zum Opfer...
Toni wollte sich nur amüsieren. Und wird von der Prostituierten Leyla mit unerwarteten Vaterfreuden überrumpelt. Verdammt, wie kommt er da nur wieder raus?

"Drecksspiel" war mein erster Thriller von Martin Krist und er hat mir super gefallen. Obwohl sich das Buch eigentlich um David Gross dreht, gibt es so viele Handlungsstränge, dass man als Leser nicht nur aufmerksam, sondern auch konzentriert bei der Sache sein muss. Toll!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei springt der Erzähler fast schon absatzweise zwischen den verschiedenen Figuren und ihren Schicksalen hin und her. Zu Beginn hatte ich Bedenken, dass ich dem gesamten Geschehen überhaupt folgen kann. Aber Martin Krist überfordert seine Leser nicht. Denn die einzelnen Stränge kommen erst nach und nach zum Tragen, so dass sich quasi wie von selbst jede neue Handlung in die anderen einwebt. Und trotz der Masse an Figuren, immerhin greift der Autor auf ein Personenregister als Hilfestellung zurück, hatte ich keinerlei Probleme, jede Person zuzuordnen. Das gelingt nur wenigen Autoren.

Besonders gefallen hat mir die Figur des David Gross. Der Privatermittler ist wortkarg, gibt wenig von sich preis und handelt nach einem eigenen Codex. Und obwohl ich sehr wenig von diesem Mann im Laufe des Thrillers erfahren habe, wuchs er mir ans Herz. Das Tolle ist, dass der Autor hier nicht mit den bekannten Klischees wie zerbrochene Ehe, Alkoholsucht oder ähnlichem aufwartet, sondern genau zeigt, warum Gross so geworden ist, wie er ist. Naja, nicht genau, aber die Andeutungen genügen, damit man sich ein Bild machen kann.

Auch die anderen Figuren, die Martin Krist in seinen Thriller eingewoben hat, bekommen genug Raum, dass man sich ein Bild von ihnen machen kann. Das fand ich erstaunlich, denn viel Zeit haben sie pro Kapitel nicht. Dennoch habe ich bei keiner Figur Tiefe oder Charakter vermisst. Genial!

Die Story selbst ist rasant und spannend erzählt. Man sollte beim Lesen mental die Laufschuhe anhaben, denn gemütlich kennt der Autor nicht. Ich bin mit den Figuren gehetzt, gerast, gerannt und habe teilweise erst am Kapitelende wieder Luft geholt. Da ist es gut, dass die einzelnen Kapitel nicht epische Länge haben, sonst wäre ich beim Lesen erstickt.

Martin Krist hat keinerlei Mitleid mit seinen Figuren. Und leider auch nicht mit seinen Lesern. Denn der Schluß ist nicht nur sehr gut gewählt, sondern hinterlässt auch noch eine Tür, durch die der Autor aber nicht geht. Und so sitze ich hier, abgehetzt und will einfach nur wissen, wie es mit David Gross weitergeht.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, rasant und man sollte keinerlei Berührungsängste mit schmutzigen Wörtern haben. Aber er setzt diese Worte nur ein, wenn sie passen und lässt seine Figuren erfrischend offen fluchen.


Fazit: Drecksspiel ist eine Hetzjagd für Figuren und Leser. Genial!

Kommentare:

  1. Hi,
    von dem Autoren habe ich bereits ein anderes Buch gelesen und war begeistert. :D
    Das hier muss ich nach deiner Rezi wohl auch noch lesen!

    Liebe Grüße
    Jessi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi Jessi,

      welches hast du denn gelesen? Ich freue mich schon auf Engelsgleich :)
      LG
      Denise

      Löschen