24. August 2015

Wenn ein Fall zu glatt läuft...

Die Schuld der Engel
von L.C. Frey

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Karl Sauer hat nur noch wenige Wochen bis zu seiner Pensionierung. Und darauf freut sich der Polizist sehr. Bis ihm sein Chef die Ermittlungen in einem aufsehenerregenden Mordfall überträgt. Schnelle Ergebnisse sind gefragt. Und die kann Karl gemeinsam mit seiner Kasseler Kollegin Selina Gülek vorlegen. Doch irgendwas passt für den Ermittler nicht ganz. Die Lösung ist ihm zu glatt. Oder sieht er Gespenster, wo keine sind?

"Die Schuld der Engel" ist der erste reine Thriller von L.C. Frey und hat mich begeistert. Zwar ist dieser Roman zumindest in seiner ersten Hälfte mehr Krimi als Thriller, dafür zeigt der Autor, dass er auch ohne übersinnliche Elemente sehr gut auskommt.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man zum Einen den Ermittlungen von Karl Sauer, zum Anderen darf man vor der eigentlichen Zusammenarbeit die Polizistin Selina Gülek kennenlernen. Die taffe türkischstämmige Frau versprüht nicht nur Witz und Humor, sondern beweist schon früh Köpfchen und Kombinationsgabe. Toll! Auch der Täter kommt ab und an zu Wort und versucht seine Tat zu erklären. Diese Mischung, zu der sich später noch eine wichtige Sichtweise hinzugesellt, hat mir sehr gut gefallen.

Die Figuren, allen voran Sauer und Selina, sind sehr gut ausgearbeitet und haben eine wohltuende Tiefe. Und selbst, wenn sie nur eine kleinere Rolle spielen, wie zum Beispiel der IT-ler Alfons, konnte ich mir dennoch sehr gut vorstellen, wie sich die Zusammenarbeit gestaltet. L.C. Frey hat sich in seinem Werk genug Zeit genommen um jeder Person Raum zu geben sich zu entfalten. Das war erfrischend, denn gerade bei Thrillern hetzt man doch gern mal durch verschiedene Vita, um am Ende dennoch kaum eine der Figuren wirklich zu kennen. Hier jedoch hatte ich das Gefühl, ich könnte mich mit den Ermittlern an einen Tisch setzen und wüsste sofort, wie sie reagieren.

Auffällig war die Normalität, die sich durch den Thriller zog. Und das meine ich ganz und gar positiv. Während ich bei so manchen Werken fast mit Übermenschen zu tun habe, hatte ich hier durchgängig den Eindruck, dass der Ermittleralltag sehr realitätsnah und wahrheitsgetreu dargestellt wird. Karl Sauer, Selina Gülek und alle anderen Kollegen sind keine Superhelden, haben keine fast übersinnlichen Eingebungen oder fallen per Zufall über Beweise. Es herrscht eine Bodenständigkeit, die sehr gut zum Thriller gepasst hat.

Die Story selbst hat mich von Seite 1 gefesselt. Zwar hetzte mich der Autor nicht durch Leipzig, doch konnte ich das Buch kaum zur Seite legen. Die Handlung hat mich einfach in ihren Bann gezogen und kaum losgelassen. Und dabei gibt es eher wenig Blut und Gewalt, dafür aber viele Gedankengänge, Kniffe und auch Bluffs. Eine für mich sehr gute Mixtur.

Der Stil von L.C. Frey ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist herrlich humorig, direkt und bewirkte, dass ich gerade die Hauptfigur Karl Sauer schnell ins Herz schloss. Obwohl der weder DVD noch Smartphones wirklich kennt.

Fazit: erst ein Krimi, dann ein Thriller, schlussendlich aber ein echter L.C. Frey. Ich kann das Buch empfehlen!

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