12. August 2015

Wenn ein Schachspiel dein Leben bestimmt


Bulletschach
(Johannes Thiebeck Band 1)
von Ben Bauhaus

Eine Leseprobe findet ihr hier

Johannes Thiebeck, ehemaliger Hauptkommissar beim Berliner LKA und nach der Suspendierung leidenschaftlicher Schachboxer, wird von 2 seiner ehemaligen Kollegen verhört. Thiebeck wurde sein Auto vor ein paar Tagen gestohlen und jetzt ist es wieder aufgetaucht. Mit einer Leiche im Inneren. Klar, dass der ehemalige Polizist sofort verdächtig ist. Doch er hat mit der Leiche nichts zu tun, schlimmer noch, er kannte den Toten persönlich. Die Ermittlungen werden eingeleitet, da passiert ein zweiter Mord: ein ehemaliger Kollege aus Thiebecks Zeit beim MEK wurde getötet. Und ausgerechnet mit diesem Kollegen spielte Johannes Schach. Doch jetzt hat der Täter die Rolle übernommen. Was will er?

"Bulletschach" ist der erste Thriller von Ben Bauhaus und hat mich begeistert. Der Berliner Autor entführt seine Leser in die Welt des Schachboxens und zeigt dabei auf, dass man zwar einen Ermittler aus der Polizei, aber nie die Polizei aus einem Ermittler bekommt.

Die Geschichte wird von der Hauptfigur Johannes Thiebeck, auch Johnny T. oder das Tier genannt, selbst erzählt. Der ehemalige Polizist markiert nicht nur den harten Kerl, er ist tatsächlich einer. Und als solcher hat er mich direkt überzeugt. Zu oft habe ich mit Ermittlern "gearbietet", die sich dem Alkohol, Zigaretten oder solch einem Sport wie Laufen verschrieben haben. Johnny ist da erfrischend anders. Er liebt das Schachboxen, ein Mix aus Boxen und Schach spielen, ist dadurch fit wie ein Turnschuh, nicht abgehalftert und auch noch intelligent. Seine rauhe Art ist kein Machogehabe, sondern Teil seiner Persönlichkeit, den er nicht einfach abstreift, sondern lebt und liebt. Das macht ihn für mich so glaubwürdig und menschlich. Toll!

Passend zum Rauhbein Thiebeck gibt es auch noch den Unsympath Mirko Densch. Der Polizist hat Johnnys Stelle eingenommen und kann es nicht lassen, diesen Fakt dem ehemaligen Ermittler unter die Nase zu reiben. Als Leser bekommt man gar keine Chance, Densch irgendwie sympathisch zu finden, denn Thiebecks Groll geht tief und so kann er es auch nicht lassen, jede Aussage Denschs mit einem sarkastischen Kommentar zu belegen. Ist mir Densch dennoch sympathisch geworden? Natürlich nicht. Aber ich muss sagen, dass ich die Scharmützel zwischen den Beiden schon gern habe.

Die Story ist spannend und zugleich fesselnd geschrieben. Ben Bauhaus übertreibt es weder mit Opfern noch mit unsagbar unglaublichen Zufällen. Seine Ermittler sind glaubwürdig, menschlich und keine Superhelden. Daher fand ich auch den Einblick in die Arbeit, die das gesamte Team leistet, sehr ansprechend, realitätsnah und habe mich direkt integriert gefühlt.

Das Finale fand ich sehr gut und erfrischend bodenständig. Endlich mal kein Polizist, der sich überschätzt, dessen Handy sich im entscheidenden Moment verabschiedet oder der, nach einer heftigen Prügelei, wie der junge Morgen wieder im Büro sitzt. Der Autor hat hier wirklich die Realität walten lassen und damit ein passendes, wie auch überzeugendes Ende geschaffen.

Der Stil von Ben Bauhaus ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist schnörkellos, passend für einen gestandenen, fast rüden Mann und dennoch so detailreich, dass ich mich in der Geschichte verlieren konnte.


Fazit: ab ans Brett, spielt um euer Leben! Eine klare Leseempfehlung!


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