28. September 2015

Im Herbst fallen nicht nur die Blätter

Racheherbst
(Pulaski - Meyers - Reihe Band 2)
von Andreas Gruber

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Walter Pulaski vom Kriminaldauerdienst Leipzig wird zu einem Leichenfund gerufen. Eine tote Frau wurde in eine Schiffsschraube gezogen. Schon bald wird klar, die junge Frau war eine Prostituierte. Somit ist ihr Tod nicht gerade Priorität 1 bei den Ermittlern. Doch die Mutter der Toten kann Walter überzeugen, dass hinter dem Tod mehr steckt.
In Wien hat Evelyn Meyers endlich ihre eigene Kanzlei und lebt mit dem Privatdetektiv Patrick zusammen. Ihr neuer Klient Dr. Konstantin ist allerdings ein rotes Tuch für ihren Lebensgefährten. Das macht den Fall für Evelyn nur spannender, doch sie ahnt nicht, was sie sich mit diesem Klienten ins Haus holt...

"Racheherbst" ist der zweite Teil der Pulaski-Meyers-Reihe von Andreas Gruber und hat mir sehr gut gefallen. Allerdings muss ich auch hier gleich eine Warnung aussprechen: bitte vorher NICHT den Klappentext lesen. Denn dieser verrät wieder mal so viel! Das Lesen lohnt sich dennoch.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler wiedergegeben. Dabei folgt man kapitelweise Pulaski bei seinen Ermittlungen in Leipzig, Evelyn bei ihren Recherchen in Wien und sogar ab und an dem Täter, der ein besonderes Faible pflegt. Diese Mischung hat mich sofort wieder in ihren Bann gezogen. Toll!

Ich habe Pulaski ja schon im ersten Teil "Rachesommer" ins Herz geschlossen. Auch in diesem Thriller zeigt er sich wieder schroff, aber auch menschlich und für die gute Sache kämpfend. Seine Überzeugungen sind sehr gut nachvollziehbar und er ist so herrlich normal. Kein Superheld im Anzug, sondern einfach ein Ermittler, der seinen Job lebt. Für mich einfach erfrischend.

Auch Evelyn Meyers mochte ich in diesem Teil mehr als im Vorgänger. Endlich scheint die Anwältin in ihrem Traumjob angekommen zu sein. Ihre Recherchen haben Hand und Fuß, wirken solide aufgebaut und es gibt keine spontanen Einfälle, die wie vom Himmel gefallen erscheinen.

Die Story selbst konnte mich von Seite 1 an überzeugen. Andreas Gruber geht mit den Mordopfern nicht gerade zimperlich um. Für mich als hartgesottene Thrillerleserin war es aber genau richtig. Der Autor führt die Fäden, die seine Ermittler aufdecken, konsequent zusammen und baut dabei die Geschichte von Beginn an logisch auf. Toll!

Gern hätte ich noch mehr über das Motiv des Täters erfahren. Es wird zwar beleuchtet, aber mir persönlich waren es zu wenig Details. Dennoch bin ich keineswegs enttäuscht. Das Buch hat mich bis tief in die Nacht wachgehalten, ich habe nun kaum noch Fingernägel und bin baff, wie gut Andreas Gruber selbst kleine Details recherchiert. Meinen Respekt!

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist rasant, schnörkellos und an genau den richtigen Stellen detailreich. So wünsche ich mir Thriller!

Fazit: auch die Rache im Herbst ist mörderisch gut. Eine klare Leseempfehlung!

23. September 2015

Der Funke sprang nicht über

Songs of Revolution
von Emma Trevayne

Eine Leseprobe findet Ihr hier

USA, nach dem Krieg: eigene Musik ist verboten. Die Regierung bestimmt, was, wann wie gehört wird. Denn die Musik ist mittlerweile eine Droge geworden, Opium fürs Volk. Der junge Anthem ist in dieser Maschinerie gefangen. Und doch kämpft er heimlich gegen das System, denn er und seine Freunde haben eine eigene Band gegründet. Einmal die Woche spielen sie gemeinsam und genießen unverfälschte Musik. Doch wie lang können sie unentdeckt bleiben?

"Songs of Revolution" war mein erstes Jugendbuch von Emma Trevayne und wird wohl auch mein letztes sein. Die Grundidee zum Roman empfand ich als grandios, doch die Autorin konnte in meinen Augen so gut wie nichts aus dem Thema machen.

Die Geschichte wird von Anthem höchstselbst erzählt. Der Jugendliche muss sich nicht nur um seine beiden jüngeren Geschwister, die Zwillinge Alpha und Omega, kümmern, sondern auch um seinen kranken Vater. Hinzu kommt, dass Anthem für den Familienunterhalt arbeiten gehen muss. Dabei lässt er sich Lebensenergie über ein System, das mich sehr an die Verbindungssessel in Matrix erinnert hat, abgesaugt und der Stadt zugeführt. Dieses Leben übersteht er nur, indem er, wie alle anderen, Musik streamt und sich damit betäubt.

Anthem ist dabei beileibe kein Sympathieträger. Seine Trägheit, sein Unwille gegenüber dem System und seine Abhängigkeit übertragen sich sehr schnell auf den Leser. Dies ist für die ersten Kapitel wirklich von Vorteil, da ich so schnell merkte, wie trostlos das Leben für ihn und seine Freunde ist. Allerdings zieht sich dieses doch bedrückende Gefühl durch den gesamten Roman. Es gab keine Hochs oder Tiefs, keine Spannung, nichts, voran ich mich gemeinsam mit Anthem hätte reiben können. Daher war die Geschichte für mich nach kurzer Zeit nur noch eine Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten. Und dies langweilte mich.

Hinzu kommt, dass auch die Story selbst nicht wirklich voranschreitet. In der ersten Hälfte durchlebt man mit der Hauptfigur den Alltag. Immer und immer und immer wieder. Um klar zu machen, dass Anthems Alltag nicht aufregend, sondern eher dröge ist, hätten es auch weniger Wiederholungen getan. Und so kam es, dass ich selbst bei seinen rebellischen Ausbrüchen, wie zum Beispiel das Spielen in der Band, unbeeindruckt und desinteressiert war. Die Autorin konnte mich einfach nicht einfangen.

Der Stil von Emma Trevayne ist gut zu lesen. Durch die doch eher eintönige Erzählweise wurde es mir jedoch schnell langweilig und die Autorin konnte mich nicht mitreißen. Schade!

Fazit: die Grundidee war hervorragend, die Umsetzung jedoch ein Katzenjammer. Schade!

17. September 2015

Roberts persönlichste Mission

Die stille Bestie
(Robert-Hunter-Reihe Band 6)
von Chris Carter

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Endlich Urlaub! Auf nach Hawaii, denkt sich Robert Hunter und ist in Gedanken schon beim Koffer packen, als ihn seine Chefin ins Büro beordert. Mies gelaunt und alles andere als kooperativ betritt der Ermittler das Büro und sieht sich dem Chef des FBI gegenüber. Dieser erklärt ihm, dass ein festgenommener Mörder nach ihm, Robert Hunter, verlangt hat. Das interessiert Robert herzlich wenig, bis er erfährt, wer der Gefangene ist....

"Die stille Bestie" ist bereits der 6. Fall für Robert Hunter und Chris Carter hat sich in meinen Augen mit diesem Band selbst übertroffen. Obwohl Robert diesmal allein ermittelt und der Aufbau ein anderer ist, hat mich der Thriller bis tief in die Nacht wachgehalten. Grandios!

Die Geschichte wird, wie auch in den vorangegangenen Büchern, von einem auktorialen Erzähler berichtet. Man erfährt dabei nicht nur, wie Robert Hunter die Ermittlungen angeht, sondern bekommt zudem noch einen Einblick in die Denkweise des Täters. Und hier kommt das Besondere an diesem Thriller: der Täter ist von Anfang an klar und sogar in Haft. Dennoch hat der Autor einen hochspannenden und fesselnden Roman geschrieben.

Denn der Fall gehört zu Roberts persönlichsten. Der Täter rückt nur mit Informationen raus, wenn er im Gegenzug Fragen stellen darf. Und die betreffen vor allem die Vergangenheit des Detectives. Wer die Vorgänger kennt, weiß, dass die Hauptfigur nicht zu Emotionen oder Ausbrüchen neigt, sondern fast unterkühlt und rational wirkt. In diesem Thriller ist es ähnlich und doch so anders. Chris Carter zeigt an Robert eine komplett neue Seite, die mich staunen ließ.

Und so kam es, dass ich das erste Mal bei einem knallharten und zum Ende hin blutigen Thriller geheult habe wie ein Schlosshund. Ich habe mit Hunter gelitten, geheult, geflucht, ja ich war sogar so weit, den Täter eigenhändig töten zu wollen. Und dies alles vermochte der Autor in mir auszulösen. Wenn ich nach stundenlangem Lesen mit verheulten Augen, kaum noch verhandenen Fingernägeln und zusammengekniffenen Kiefer ein Buch zuschlage, kann es nur über alle Maßen genial gewesen sein.

Dieses Werk ist mehr von Psychologie geprägt als seine Vorgänger. Mir hat das sehr gut gefallen, da ich sehr daran interessiert bin, wie ein Täter tickt und warum er das tut, was er tut. Und obwohl es viel Fachwissen in diesem Buch zu lesen gab, habe ich mich keine Sekunde gelangweilt, denn Chris Carter erzählt alles mit dem nötigen Blick für Details ohne lang um den heißen Brei zu reden.

Die Story ist von Beginn an spannend, fesselnd und entwickelt eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. Obwohl ich mich am Anfang fragte, was da kommen soll, da der Täter bekannt ist, hat Chris Carter mich überrascht und mich auf eine Reise mitgenommen, nach der ich nun eine Pause benötige. Ich verneige mich vor diesem Menschen, denn er schafft es, allein durch Worte so viel auszulösen.

Der Stil von Chris Carter ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist auf den Punkt, schnörkellos und direkt. Blutige Details werden eingesetzt, wann immer sie nötig sind. Genial!

Fazit: sein bestes Buch, sein Meilenstein! Lesen!!

15. September 2015

Das hier ist kein normales Jugendbuch

Das hier ist kein Tagebuch
von Erna Sassen


Eine Leseprobe und die Möglichkeit zum Kauf findet Ihr hier

Boudewijn, genannt Bou, hat keine Mutter mehr. Sie hat sich umgebracht. Und seine Trauer bricht sich erst Jahre später Bahn. So heftig, dass sein Vater ihn zwingt, Tagebuch zu schreiben und sich bestimmte Musik anzuhören. Als letzten Ausweg, bevor es in die Geschlossene geht. Bou ist davon wenig begeistert, aber in die Geschlossene will er auch nicht...

"Das ist kein Tagebuch" ist die erste Übersetzung des mittlerweile 5 Jahre alten Werkes der Niederländerin Erna Sassen. Die Autorin befasst sich in diesem von außen düster anmutenden Buch mit Depressionen und Trauer bei Jugendlichen und hat diese in meinen Augen sehr gut getroffen.

Die Geschichte wird von Bou erzählt. Man darf als Leser in sein Tagebuch hineinschlüpfen und sich Tag für Tag mit seinen Gedanken auseinandersetzen. Zu Beginn merkt man sehr stark seinen Unwillen, irgendetwas niederzuschreiben. Doch bald erkennt man auch, dass Bou oft die Kraft fehlt, irgendwas zu tun. Für jemanden, der Depressionen nur vom Hörensagen kennt, mag das schwierig nachzuvollziehen sein. Für mich hat Bou das Innerste eines Depressiven mehr als gut getroffen. Er zeigt in seinen einzelnen Einträgen recht deutlich, wie es ist, wenn man zu nichts Kraft hat, wenn selbst das Essen einen anstrengt und man sich nachts ins Zimmer seiner kleinen Schwester schleichen muss, um keine Angst zu haben.

Ich habe mich mit Bou sofort verbunden gefühlt. Der Jugendliche zeigt nicht nur eine nachdenkliche, sondern ab und an auch sehr wütende Seite an sich. Gerade wenn es um seine tote Mutter geht, über die er nur selten spricht, wechseln sich Wut und Trauer ab, wobei die Wut klar vorherrscht.

Der Lichtblick in seinem Leben ist Bous jüngere Schwester Fussel. Fussel ist herzensgut, lebensfroh und in manchen Belangen schon sehr erwachsen. Sie gibt ihrem Bruder den Halt, den er benötigt. Und das zeigt Bou sehr deutlich, wenn er über sie schreibt. Diese Lichtblicke ließen beim Lesen die Hoffnung aufkommen, dass der Jugendliche es allein aus dem Tal der Tränen hinausschafft und sein Leben wieder in die Hand nehmen kann.

Das Ende ist abrupt. Der Junge öffnet sich gerade wieder für die Außenwelt, da hört das Tagebuch auf. Zwar mit einer positiven Andeutung, doch die Autorin lässt ihre Leser nicht an der endgültigen Wandlung ihres Schützlings teilhaben. Das fand ich schade, auf der anderen Seite aber auch tröstlich, denn so kann ich mir allein ausmalen, wie Bou sein Leben quasi neu anfängt.

Der Stil von Erna Sassen ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise passt zu einem depressiven Jugendlichen und sie hat die Stimmungsschwankungen sehr gut eingefangen.

Fazit: um Jugendlichen einen Einblick in die Gedankenwelt depressiver Menschen zu geben, eignet sich das schwarze Büchlein perfekt. Ich kann es voll und ganz empfehlen.

Ein großes Dankeschön geht an den 
für das Buch!

14. September 2015

Ein Sommer ohne Hitze, dafür mit Leichen

Rachesommer
(Kommissar - Pulaski - Reihe Band 1)
von Andreas Gruber

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Walter Pulaski arbeitet beim Leipziger Kriminaldauerdienst und bekommt eher die Fälle für die Akten als wirklich spannendes auf den Tisch. So scheint auch der Selbstmord einer Jugendlichen in einer psychatrischen Anstalt schnell gelöst zu sein. Bis Kommissar Pulaski Ungereimtheiten auffallen...
In Wien ist die Anwältin Evelyn Meyers sehr erfolgreich, wenn auch für ihren Beruf zu sozial. In der Kanzlei, in der sie arbeitet, werden die großen Firmen Wiens betreut. Und diese gilt es zu verteidigen. Bei einem Klienten fällt ihr etwas auf und sie hakt nach. Doch damit rennt sie gegen Mauern. Warum nur?

"Rachesommer" ist mein zweiter Thriller von Andreas Gruber und der erste aus der Reihe mit Walter Pulaski. Der Autor konnte mich wieder mit seiner Geschichte überzeugen und begeistern. Ein heftiges Kopfschütteln geht aber an den Verfasser des Klappentextes: innerhalb weniger Zeilen verrät er so viel von der Geschichte, dass ich das Buch fast gar nicht mehr lesen brauchte. Ein absolutes No-Go!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man sowohl der Anwältin Meyers in Wien als auch dem Kommissar Pulaski in Leipzig. Beide Fälle haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun und ich habe im Laufe des Buches mit beiden eifrig ermittelt. Erst nach und nach wird klar, wohin die Fäden führen und was hinter den Todesfällen steckt. Diese Verwicklungen haben mir sehr gut gefallen, denn für mich war nicht von vornherein klar, wohin es gehen soll (mal den Klappentext außen vor gelassen, ich könnte mich schon wieder aufregen!).

Die Figur des Pulaski ist erfrischend bärbeißig und anders als andere Kommissare. Das einzige Laster des gut 50-jährigen Ermittlers ist das Rauchen. Endlich mal kein Säufer oder Kokser. Zudem hat der Polizist eine Tochter, um die er sich rührend, wenn auch zu wenig kümmert. Ja, auch Pulaski hat eine schwere Vergangenheit, die aber bei Leibe nicht so aus der Luft gegriffen ist, wie es in diesem Genre fast schon als Alltag anmutet. Seine direkte und manchmal fast schon aggressive Art hat mir den Ermittler sympathisch gemacht. Walter Pulaski ermittelt für die Opfer und nicht für die Akten. Grandios!

Der Thriller ist von Beginn an fesselnd und spannend. Durch die kurzen Kapitel und die rasante Erzählweise konnte ich das Buch nur notgedrungen aus der Hand legen. Selbst nach längeren Lesepausen war ich sofort wieder in der Story und im Geschehen drin und musste nicht lang überlegen, wie wo was geschehen ist. Toll!

Das Ende ist dem Autoren sehr gut und stimmig gelungen. Er setzt nicht auf einen Knalleffekt, sondern führt die losen Fäden mit Bedacht und Ruhe zusammen. Alles ist logisch miteinander verwoben und erklärbar. Sehr gut!

Der Stil von Andreas Gruber ist flüssig und leicht zu lesen. Seine Erzählweise ist fesselnd, rasant und er legt keinen Wert auf unnötige Details. Ohne Schnörkel führt er einen zu den Leichen, die er aber nicht nach Splattermanier hinmetzelt, sondern sich fast schon "normal" tötet. Für mich eine willkommende und sehr wohltuende Abwechslung.

Fazit: Ich werde Pulaski auch in den Racheherbst folgen! Und ich kann den Sommer nur empfehlen!

10. September 2015

Das Leben der Reichen langwierig geschildert

Schöne Seelen
von Philipp Tingler

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Oskar und Lauren bewegen sich in der High Society der Schweiz. Dort zählt der Schein mehr als das Sein, da werden Schönheitsoperationen geteilt wie bei anderen Menschen die Fotoalben. Oskar fühlt sich in dieser Welt nicht zwingend wohl, hat sich aber arrangiert. Bis sein bester Freund Viktor mit einer ungewöhnlichen Bitte an ihn herantritt. Oskar solle doch Viktors Therapiestunden übernehmen, die ihm wiederum von seiner Ehefrau Mildred auferlegt worden sind. Nach kurzem Zögern willigt Oskar ein. Kann das gut gehen?

"Schöne Seelen" war mein erster Roman von Philipp Tingler und konnte mich leider nicht überzeugen. Obwohl der Klappentext vielversprechend und humorig klang, ergeht sich der Autor doch so sehr in Gesellschaftskritik und -ironie, dass das eigentliche Thema viel zu kurz gerät.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler wiedergegeben, der allwissend von oben auf das Geschehen schaut. Dabei wirft er einen genauen und zumeist sarkastischen Blick auf die Treffen der oberen 10.000 der Schweizer Society. Zu einem späteren Zeitpunkt begleitet man dann Oskar zu seinen Therapiestunden und zu den Treffen mit Viktor, damit dieser genau weiß, was er seiner Frau daheim erzählen muss.

Obwohl das durchaus witzig und spannend klingt, konnte mich Philipp Tingler mit seiner Kritik an den Schönen und Reichen nicht fesseln. Zu Beginn war das Ganze noch witzig und auch zum Lachen, aber nach der 10. Wiederholung ist keine Ironie mehr zum Lächeln, egal wie gut sie gesetzt ist. Denn in meinen Augen dreht sich der Autor nur im Kreis. Er setzt zwar sehr spitzfindig das Skalpell seiner Kritik an, schneidet dann aber immer wieder in die selbe Stelle, anstatt die Wunde weiter zu öffnen. So habe ich ab einem bestimmten Zeitpunkt gesamte Passagen nur noch überflogen, weil sie mir zu langwierig und auch langweilig waren.

Neuer Schwung kam auf, als Oskar sich in Therapie begeben hat. Doch auch dieser Schwung verliert sich, denn wieder schaut der Autor nach links und rechts, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. So irrt er ein wenig wie Rotkäppchen durch die Welt der Therapie und Psychologie, zerrt seinen Leser in ungeahnte und auch eher unpassende Tiefen, anstatt seinen Sarkasmus vollends wirken zu lassen. Schade!

Und so lässt mich das Werk unbefriedigt, unberührt und leicht genervt zurück. Kritik und gerade, wenn sie scharfzüngig vorgetragen ist, mag ich sehr gern. Doch wenn jemand immer und immer wieder ein totes Pferd reitet, dann vergeht auch mir die Lust am Lesen.

Der Stil von Philipp Tingler ist sehr eigen. Er webt viele englische Begriffe und Sätze mit ein, verliert sich gern mal in Schachtelsätzen und zeigt auf der anderen Seite ein Gespräch so, wie es tatsächlich stattfinden würde ohne sie schriftstellerisch zu beschönigen. Ich hatte es mit dieser Mischung schwer.

Fazit: es hätte ein toller Roman werden können, doch dafür war einfach zu wenig da, was mich halten konnte. Daher kann ich es nicht empfehlen.

9. September 2015

Der Staub Texas ist blutig

Regengötter
(Hackberry - Holland - Reihe Band 1)
von James Lee Burke

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Sheriff Hackberry Holland könnte schon im Ruhestand sein. Aber sein Job macht ihm einfach zu viel Spaß und lenkt ihn von seinen düsteren Erinnerungen ab. Eines Tages geht er einem anonymen Hinweis nach. Hinter einer Kirche findet der Sheriff ein Grab mit den Leichen von 9 Frauen. Schnell wird klar, dass hinter diesen Morden mehr steckt als nur das Töten an sich. Und Hackberry legt sich mit einem Gegner an, der kein Gewissen hat...

"Regengötter" ist der Auftakt zur Hackberry – Holland – Reihe von James Lee Burke und so ganz anders als mein üblicher Lesestoff. Der Autor beschwört mit seinen Erzählungen ein staubiges, wildes Texas herauf und erzählt fast nebenbei von brutalen Morden. Diese Mischung hat mich fasziniert.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man sowohl den Ermittlungen von Sheriff Holland, als auch der Zoll- und Einwanderungsbehörde. Zudem bekommt man auch einen Einblick in die Welt des organisierten Verbrechens und begleitet ein junges, eher verarmtes Pärchen auf ihrer Suche nach Glück. All diese Stränge gehören zusammen und doch viel es mir zu Beginn schwer, jeden einzelnen zu folgen. Denn der Autor lässt sich viel Zeit mit seinen Figuren und Ausführungen. Diese epische Länge hat mich an Stephen King erinnert, dessen Romane auch erst spät, aber dann richtig an Fahrt aufnehmen.

Als ich dann mit den Namen, Figuren und Orten klar kam, las sich der Roman fast wie von alleine. Ich bin tief in die Welt von Texas eingetaucht, habe Staub geschluckt und wollte mir zwischendrin immer wieder an den nicht vorhandenen Cowboyhut fassen. Das Schöne dabei ist, dass James Lee Burke keine Klischees bedient. Für mich wirkten die Beschreibungen realitätsnah und authentisch.

Von den Morden und dem organisierten Verbrechen berichtet der Autor vergleichsweise emotionslos. Es gibt keinerlei blutige Szenen und es wird viel der Fantasie des Lesers überlassen, was der Mörder mit seinen Opfern anstellt. Der Thriller ist für mich eher ein Krimi, wenn auch einer mit einem andersartigen Erzählstil. Und dieser macht das Buch zu etwas besonderem.

Denn James Lee Burke erzählt so, wie sich ein Ritt auf einem Pferd gen Sonnenuntergang anfühlt: gemächlich, sicher und doch spannend. Obwohl ich nicht durch Texas gejagt wurde, konnte ich gerade ab der 2. Hälfte des Buches kaum aufhören zu lesen. Der Autor hat einen unwiderstehlichen Sog. Ich glaube, dieser Sog wird durch seine Erzählweise und der Geschiche an sich ausgelöst. Denn wäre nur eines von beiden vorhanden, hätte ich das Buch weggelegt.

Das Ende lässt einige Fragen offen und das Finale ist auch kein Showdown. Hier blibt sich Burke seiner Linie treu. Er zündet kein Feuerwerk ab, sondern lässt das Feuer, das er entfacht hat, langsam verglühen. Ein für mich passender Schluss.

Fazit: ein feiner, wenn auch andersartiger Auftakt. Ich freue mich auf den zweiten Band!

2. September 2015

Mehr Psychologie als Biologie

Aus der Dunkelkammer des Bösen
von Mark Benecke/Lydia Benecke

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Mich faszinieren nicht nur Thriller, sondern auch die psychologischen und biologischen Details der Tat. Was brachte den Täter dazu, sein Opfer auszuwählen? Wie konnte er anhand von Spuren überführt werden? Solche Fragen beschäftigen mich und ich schaue daher auch gern mal Dokumentationen zu diesen Themen. Klar, dass ich da an Dr. Mark Benecke nicht vorbei komme. Doch kann er auch schriftlich so überzeugen, wie er es vor der Kamera tut?

In seinem Buch "In der Dunkelkammer des Bösen" beschäftigt sich der Herr der Maden nicht vorrangig mit ebendiesen, sondern gibt einen Einblick in seine wohl bekanntesten Fälle. Zudem hat er seine mittlerweile Ex-Frau Lydia Benecke mit ins Boot geholt, die diese Fälle und andere, besonders medienwirksame Verbrechen, aus psychologischer Sicht betrachtet. Diese Mischung ist eine gute Idee, da so jeder auf seine Kosten kommt.

Mark nimmt seine Leser direkt mit nach Moskau, wo er den angeblichen Schädel Hitlers untersuchen durfte. Diese Reise kannte ich schon von der Dokumentation und war daher über die Details, die Benecke ausgegraben hat, nicht überrascht. Dennoch hat er mich von Seite 1 an mit seinem Charme in den Bann gezogen. Der Kriminalbiologe schreibt, wie er spricht: frei von der Leber weg und so, als ob er neben einem sitzt und man sich mit ihm bei Tee oder Kaffee über Tod und Verwesung unterhält. Nicht unbedingt die leckerste, aber dafür umso spannendere Vorstellung.

Im Mittelteil kommt besonders Lydia Benecke zu Wort. Die Kapitel waren zwar nicht separat überschrieben, jedoch erkannte ich am veränderten Erzählstil sofort, dass hier eine andere Person berichtet. Und spätestens beim Thema "In Kopf und Knast bei Getriebenen" war klar, dass hier nur eine Psychologin sprechen kann. Denn der Herr der Maden distanziert sich sehr eindeutig davon, dass er in diesem Bereich irgendwelche Kenntnisse hätte.

Während Dr. Benecke sehr frei spricht, verfällt Lydia in einen ernsthaften und teilweise fast lehrerhaften Ton. Das ist nicht böse gemeint, doch man merkt deutlich, dass sie in erster Linie Wissen vermitteln möchte, während Mark auch noch den Spaß am Erzählen spüren lässt. So waren Lydias Kapitel voll mit Wissen und Informationen, die sie wunderbar anschaulich und gut nachvollziehbar erklärt hat. Jedoch fühlte ich mich nach dem Lesen mehrere ihrer Kapitel leicht staubig, weil alles theoretisch war, auch wenn sie mit ihren Ausführungen immer wieder Bezug auf bekannte Fälle nahm.

Zum Schluß hin ist wieder der Biologe am Ruder und schon nahm meine Lesestimmung wieder Fahrt auf. Man sollte sich vor dem Lesen bewusst machen, dass man ein Sachbuch in Händen hält. Beide Autoren geben einen Einblick in "ihre" Welt und machen sie für Menschen außerhalb der Polizei oder Ermittlungsdiensten irgendwie greifbar. Das haben beide auch wunderbar hinbekommen.

Fazit: ein gutes Sachbuch für alle, die vor allem die psychologischen Hintergründe interessieren. Biologen kommen nicht ganz auf ihre Kosten. Dennoch kann ich es empfehlen.

1. September 2015

Fazit zur TaskChallenge 2014/15


Hallo Ihr Lieben,

letztes Jahr habe ich mich meiner ersten Challenge angeschlossen. Nicole und Kathleen haben jeden Monat 3 Aufgaben gestellt, die es lesenderweise zu lösen galt. Ob es nun ein Buch sein sollte, das in Asien spielt, auf dem man mindestens eine Zahl sieht oder das schon älter als 10 Jahre ist, die beiden haben echt Fantasie bewiesen. Und dafür sage ich schon mal DANKE!

Und obwohl mich gerade zu Beginn des Jahres eine Leseflaute geplagt hat, bin ich relativ gut durch die Aufgaben gekommen. Jeden Monat konnte ich mindestens eine Rezension einreichen. Das macht schon stolz. Jedoch konnte ich ab Dezember keinen Monat (mit Ausnahme des Aprils 2015) vollständig erfüllen. So im Rückblick mutet das komisch an, denn ich habe so manches Buch gelesen. Nur hat es nicht gepasst.

Doch nun die nackten Zahlen:
ich konnte 28 von 36 gestellten Aufgaben lösen *freu*

Also bitte, diese Quote kann sich doch sehen lassen. Und weil ich 3 Aufgaben im Monat machbar finde, bin ich auch bei der neuen Challenge wieder dabei. Ich bin gespannt, was sich die beiden wieder haben einfallen lassen.

Die neuen Aufgaben werdet Ihr dann, wie gewohnt, unter dem Reiter Task-Challenge Monat für Monat finden.

Auf ein Neues!

Liebe Grüße
Eure Denise