14. September 2015

Ein Sommer ohne Hitze, dafür mit Leichen

Rachesommer
(Kommissar - Pulaski - Reihe Band 1)
von Andreas Gruber

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Walter Pulaski arbeitet beim Leipziger Kriminaldauerdienst und bekommt eher die Fälle für die Akten als wirklich spannendes auf den Tisch. So scheint auch der Selbstmord einer Jugendlichen in einer psychatrischen Anstalt schnell gelöst zu sein. Bis Kommissar Pulaski Ungereimtheiten auffallen...
In Wien ist die Anwältin Evelyn Meyers sehr erfolgreich, wenn auch für ihren Beruf zu sozial. In der Kanzlei, in der sie arbeitet, werden die großen Firmen Wiens betreut. Und diese gilt es zu verteidigen. Bei einem Klienten fällt ihr etwas auf und sie hakt nach. Doch damit rennt sie gegen Mauern. Warum nur?

"Rachesommer" ist mein zweiter Thriller von Andreas Gruber und der erste aus der Reihe mit Walter Pulaski. Der Autor konnte mich wieder mit seiner Geschichte überzeugen und begeistern. Ein heftiges Kopfschütteln geht aber an den Verfasser des Klappentextes: innerhalb weniger Zeilen verrät er so viel von der Geschichte, dass ich das Buch fast gar nicht mehr lesen brauchte. Ein absolutes No-Go!

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man sowohl der Anwältin Meyers in Wien als auch dem Kommissar Pulaski in Leipzig. Beide Fälle haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun und ich habe im Laufe des Buches mit beiden eifrig ermittelt. Erst nach und nach wird klar, wohin die Fäden führen und was hinter den Todesfällen steckt. Diese Verwicklungen haben mir sehr gut gefallen, denn für mich war nicht von vornherein klar, wohin es gehen soll (mal den Klappentext außen vor gelassen, ich könnte mich schon wieder aufregen!).

Die Figur des Pulaski ist erfrischend bärbeißig und anders als andere Kommissare. Das einzige Laster des gut 50-jährigen Ermittlers ist das Rauchen. Endlich mal kein Säufer oder Kokser. Zudem hat der Polizist eine Tochter, um die er sich rührend, wenn auch zu wenig kümmert. Ja, auch Pulaski hat eine schwere Vergangenheit, die aber bei Leibe nicht so aus der Luft gegriffen ist, wie es in diesem Genre fast schon als Alltag anmutet. Seine direkte und manchmal fast schon aggressive Art hat mir den Ermittler sympathisch gemacht. Walter Pulaski ermittelt für die Opfer und nicht für die Akten. Grandios!

Der Thriller ist von Beginn an fesselnd und spannend. Durch die kurzen Kapitel und die rasante Erzählweise konnte ich das Buch nur notgedrungen aus der Hand legen. Selbst nach längeren Lesepausen war ich sofort wieder in der Story und im Geschehen drin und musste nicht lang überlegen, wie wo was geschehen ist. Toll!

Das Ende ist dem Autoren sehr gut und stimmig gelungen. Er setzt nicht auf einen Knalleffekt, sondern führt die losen Fäden mit Bedacht und Ruhe zusammen. Alles ist logisch miteinander verwoben und erklärbar. Sehr gut!

Der Stil von Andreas Gruber ist flüssig und leicht zu lesen. Seine Erzählweise ist fesselnd, rasant und er legt keinen Wert auf unnötige Details. Ohne Schnörkel führt er einen zu den Leichen, die er aber nicht nach Splattermanier hinmetzelt, sondern sich fast schon "normal" tötet. Für mich eine willkommende und sehr wohltuende Abwechslung.

Fazit: Ich werde Pulaski auch in den Racheherbst folgen! Und ich kann den Sommer nur empfehlen!

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