Mittwoch, 2. September 2015

Mehr Psychologie als Biologie

Aus der Dunkelkammer des Bösen
von Mark Benecke/Lydia Benecke

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Mich faszinieren nicht nur Thriller, sondern auch die psychologischen und biologischen Details der Tat. Was brachte den Täter dazu, sein Opfer auszuwählen? Wie konnte er anhand von Spuren überführt werden? Solche Fragen beschäftigen mich und ich schaue daher auch gern mal Dokumentationen zu diesen Themen. Klar, dass ich da an Dr. Mark Benecke nicht vorbei komme. Doch kann er auch schriftlich so überzeugen, wie er es vor der Kamera tut?

In seinem Buch "In der Dunkelkammer des Bösen" beschäftigt sich der Herr der Maden nicht vorrangig mit ebendiesen, sondern gibt einen Einblick in seine wohl bekanntesten Fälle. Zudem hat er seine mittlerweile Ex-Frau Lydia Benecke mit ins Boot geholt, die diese Fälle und andere, besonders medienwirksame Verbrechen, aus psychologischer Sicht betrachtet. Diese Mischung ist eine gute Idee, da so jeder auf seine Kosten kommt.

Mark nimmt seine Leser direkt mit nach Moskau, wo er den angeblichen Schädel Hitlers untersuchen durfte. Diese Reise kannte ich schon von der Dokumentation und war daher über die Details, die Benecke ausgegraben hat, nicht überrascht. Dennoch hat er mich von Seite 1 an mit seinem Charme in den Bann gezogen. Der Kriminalbiologe schreibt, wie er spricht: frei von der Leber weg und so, als ob er neben einem sitzt und man sich mit ihm bei Tee oder Kaffee über Tod und Verwesung unterhält. Nicht unbedingt die leckerste, aber dafür umso spannendere Vorstellung.

Im Mittelteil kommt besonders Lydia Benecke zu Wort. Die Kapitel waren zwar nicht separat überschrieben, jedoch erkannte ich am veränderten Erzählstil sofort, dass hier eine andere Person berichtet. Und spätestens beim Thema "In Kopf und Knast bei Getriebenen" war klar, dass hier nur eine Psychologin sprechen kann. Denn der Herr der Maden distanziert sich sehr eindeutig davon, dass er in diesem Bereich irgendwelche Kenntnisse hätte.

Während Dr. Benecke sehr frei spricht, verfällt Lydia in einen ernsthaften und teilweise fast lehrerhaften Ton. Das ist nicht böse gemeint, doch man merkt deutlich, dass sie in erster Linie Wissen vermitteln möchte, während Mark auch noch den Spaß am Erzählen spüren lässt. So waren Lydias Kapitel voll mit Wissen und Informationen, die sie wunderbar anschaulich und gut nachvollziehbar erklärt hat. Jedoch fühlte ich mich nach dem Lesen mehrere ihrer Kapitel leicht staubig, weil alles theoretisch war, auch wenn sie mit ihren Ausführungen immer wieder Bezug auf bekannte Fälle nahm.

Zum Schluß hin ist wieder der Biologe am Ruder und schon nahm meine Lesestimmung wieder Fahrt auf. Man sollte sich vor dem Lesen bewusst machen, dass man ein Sachbuch in Händen hält. Beide Autoren geben einen Einblick in "ihre" Welt und machen sie für Menschen außerhalb der Polizei oder Ermittlungsdiensten irgendwie greifbar. Das haben beide auch wunderbar hinbekommen.

Fazit: ein gutes Sachbuch für alle, die vor allem die psychologischen Hintergründe interessieren. Biologen kommen nicht ganz auf ihre Kosten. Dennoch kann ich es empfehlen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen