31. Oktober 2015

Wo war die spitze Zunge?

Scheiß auf die anderen
von Rebecca Niazi - Shahabi

Eine Leseprobe findet Ihr hier

"Verwirkliche dich selbst", "Folge deinem Herzen" oder "Tue, was dir gut tut". Überall sind diese Motivations- und Sinnsprüche zu lesen. Doch wie geht das, dieses Selbstverwirklichen? Und ist das überhaupt sinnvoll? Diesen und weiteren Fragen geht Rebecca Niazi-Shahabi auf den Grund.

In ihrem Buch "Scheiß auf die anderen" setzt sich die Autorin nämlich mit dem Drang nach Freiheit, der Überforderung durch zu viele Möglichkeiten und dem immerwährenden Drang sich zu vergleichen auseinander. Ich kenne von Rebecca Niazi-Shahabi bereits "Ich bleib so scheiße, wie ich bin" und habe mich bei der damaligen Lektüre köstlich amüsiert. Hier war das anders.

Das Buch oder besser Büchlein umfasst nicht ganz 200 Seiten. Das ist okay und auch in Ordnung. Nur leider lässt die Autorin ihre spitze Zunge erst auf den letzten knapp 50 Seiten von der Leine. Auf den anderen Seiten davor lamentiert sie über die Selbstfindung, zeigt Beispiele von Menschen, die es geschafft haben, ihren Traum zu verwirklichen und versinkt fast in Selbstmitleid, weil sie es bisher nicht gekonnt hat.

Hinzu kommt, dass sie für mich altbekannte Weisheiten wiederholt: nur Menschen mit einem guten Polster können auch mal scheitern, wir wissen vor lauter Freiheitsdruck nicht, was wir zuerst tun sollen und finden immer wieder Ausreden. Das ist neu und lässt sich nicht nur auf das Leben an sich anwenden. Denn das kennt man auch von Diäten, Sport, Partnersuche und ähnlichem.

Daher war für mich über die Hälfte des Buches nichtssagend, zu allgemein und mit zu vielen Wiederholungen gespickt. Ich war sogar kurz davor das Werk abzubrechen. Denn ich muss niemanden dabei zulesen, wie er sich selbst verflucht, weil er es nicht schafft, ausm Po zukommen.

Doch die letzten Seiten haben mich dann ein wenig mit Rebecca Niazi-Shahabi versöhnt. Denn sie zeigt mit Humor, Sarkasmus und einem sehr guten Blick fürs Detail, dass es gar nicht notwendig ist, sich auf Biegen und Brechen selbst zu verwirklichen. Denn das kann so nicht immer funktionieren und wer daran noch uneingeschränkt glaubt, muss sich auf eine große Enttäuschung einstellen. Warum nicht gleich so, liebe Autorin? Denn die letzten Seiten allein werden erst dem Titel des Buches gerecht.

Fazit: ja, kann man lesen. Muss man aber nicht. Nur die letzten 50 Seiten machen das Werk gut.

30. Oktober 2015

Lesung Sebastian Fitzek - Ein Event mit Bucheindrücken


Hallo Ihr Lieben,

am 28.10.2015 stellte Sebastian Fitzek sein neustes Werk im Berliner Ensemble vor. Damit ich dabei sein konnte, habe ich meine komplette Reiseplanung über den Haufen geworfen. Dafür durfte ich den Meister des Thrills sogar interviewen *-* Doch bevor ich Euch in den nächsten Tagen zeige, was Sebastian mir hinter den Kulissen verraten hat, kommt hier erstmal mein Bericht zur Lesung. 
Viel Spaß!

29. Oktober 2015

Es war einmal ganz anders

Schneewittchen und die Kunst des Tötens
von Luci van Org

Den Link zur Bestellung findet Ihr hier

Es war einmal ein unschuldiges, im Inneren verdorbenes, junges Mädchen, ein in sie verliebter, hochgradig nervöser Junge, 7 zu groß gewachsene Zwerge und ein Mörder, der schon seinen Vater auf dem Gewissen hat. Nina Witte, eben jenes junge Mädchen, wird von ihrer Mutter unterdrückt und flieht in die WG von 7 Nerds. Dort trifft sie auf Ivo, der schon lang in sie verliebt ist. Und für diese Liebe würde er alles tun. Selbst BDSM lernen...

"Schneewittchen und die Kunst des Tötens" ist mein erster Roman von Luci van Org und hat mich oft schmunzeln lassen. Die Autorin, die vielen noch als Lucy Lectric aus den 90ern bekannt sein dürfte ("Ich bin so froh, dass ich nen Mädchen bin"), adaptiert sehr frei das Märchen der unschuldigen Schönheit Schneewittchen und deren Flucht vor der herrschsüchtigen Stiefmutter. Heraus kam ein Buch voller Witz, ein wenig Erotik und auch der Tod durfte nicht fehlen.

Die Geschichte wird teilweise von einem auktorialen Erzähler, teilweise vom verliebten Ivo höchstselbst erzählt. Während man mit dem Erzähler Nina, ihrer gestörten Mutter oder auch dem Mörder folgt, erfährt man Ivo so manchen, fast schon dusslig zu nennenden Plan, um Ninas Herz zu erobern. Denn die junge Frau ist keineswegs so gut und rein, wie ihr schneewittchenhaftes Aussehen glauben machen will. Auf Drogen erzählt sie Ivo, dass sie gerne in die Rolle der devoten Sub schlüpft. Und Ivo hat nichts besseres zu tun, als vor ihr zu prahlen, wie viel Erfahrungen er als Dom hat. Dass dies nicht der Wahrheit entspricht, lässt so manche witzige Szene entstehen.

Überhaupt ist der gesamte Roman mit viel Ironie, Wortwitz und Situationskomik gespickt. Ich hatte mich nach der Lektüre des Klappentextes auf einen verruchten Erotik-Roman eingestellt. Doch Luci van Org schafft es, die prickelnde Erotik mit einem Augenzwinkern zu versehen, ohne das Ganze ins Lächerliche zu ziehen. Das war richtig wohltuend beim Lesen.

Auch die Morde, die in dem Buch vorkommen, sind zwar akkurat, aber keineswegs bierernst beschrieben. Durch die ganz eigene, humorige Art der Autorin konnte ich mir selbst bei den Taten des Mörders so manches Grinsen nicht verkneifen. Und obwohl das Büchlein nur knapp 140 Seiten hat, konnte ich für ein paar Stunden tief in die Welt von Nina und Ivo eintauchen.

Die Figuren sind toll beschrieben und haben trotz der Kürze des Romans eine gewisse Tiefe bekommen. Gern hätte ich mehr Details erfahren, noch mehr mit Ivo und Nina erlebt und vor allem gern die 7 Nerds in ihren Zwergengewanden mehr begleitet. Denn die kamen für meinen Geschmack zu kurz. Leider!

Der Stil von Luci van Org ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist humorvoll, locker und hat den richtigen Biss. Ich habe mich beim Lesen gekugelt vor Lachen!

Fazit: ein tolles, witziges Büchlein, das Lust auf mehr macht. Eine klare Empfehlung.

Danke an U-Line-Verlag
und
für das Buch!

27. Oktober 2015

Joshua weiß alles!

Das Joshua-Profil
von Sebastian Fitzek

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Max Rhode, minder erfolgreicher Thrillerautor und Vater einer jungen Pflegetochter, bekommt einen seltsamen Anruf. Eine heisere Stimme befiehlt ihn in ein Krankenhaus in Berlin. Max kann seiner Neugierde nicht widerstehen und folgt der Anweisung. Hätte er das mal lieber gelassen, denn im Krankenhaus warten keine Antworten, sondern nur Prophezeiungen auf ihn. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, greift auch noch jemand seine Pflegetochter Jola an. Diese kommt mit dem Schrecken davon, doch Max sieht sich vielen Vorwürfen ausgesetzt. Wer hat es auf ihn abgesehen? Warum taucht sein Bruder Cosmo, der seit Jahren wegen seiner ungesunden Liebe zu Kindern weggesperrt ist, plötzlich wieder auf? Und wer, verdammt nochmal, ist Joshua?

"Das Joshua-Profil" ist der neuste Thriller aus der Feder von Sebastian Fitzek und hat mich wieder mal begeistert. Entgegen seinen Vorgängern, konnte mich dieses Werk sogar zum Weinen bringen, was mir bei solcher Art von Romanen äußert selten passiert.

Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven und Personen erzählt. Zu Beginn kommt allein der Schriftsteller Max Rhode zu Wort. Nach und nach werden dann von einem auktorialen Erzähler auch die Erlebnisse von Jola, Frida, einer eher unbescholtenen Paketzustellerin und weiteren Personen berichtet. Trotz Perspektiven- und Figurenwechsel fand ich mich sehr schnell zurecht und hing an den Worten des Autors.

Beim Lesen kam mir immer wieder der Verdacht, dass Sebastian Fitzek mehr mit Max Rhode gemeinsam hat, als es zunächst den Anschein erweckt. Der recht erfolglose Thrillerautor im Buch beschreibt sein Leben und Arbeiten sehr detailgenau, aber nicht unspannend. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie schwer es für Max sein muss, neben einer erfolgreichen Frau sich selbst zu behaupten und dann auch noch für seine Familie da zu sein, wenn man eigentlich im Kopf gerade Opfer Nummer 425 um die Ecke bringt. Ich glaube, hier spricht Sebastian Fitzek vielen Kollegen der Branche aus der Seele.

Die Story an sich ist spannend, fesselnd und nicht gut für die Fingernägel. Ich bin mit Max durch Berlin gehetzt, habe mich jagen und schlagen lassen und gerade, als ich dachte, ich könnte mal Luft holen, kam der Autor von hinten und briet mir noch eins über. Wow! Während des Lesens schob ich selbst den dringend notwendigen Gang ins Bad bis zum fast Unvermeidlichen hinaus, denn ich konnte einfach nicht aufhören. Dass ich dann auch noch Sympathie für Cosmo entwickelte, ja gar mit ihm weinte, schreibe ich ganz allein dem Können Fitzeks zu und verneige mich tief!

Ich hatte bei der Lektüre das Gefühl, dass "Das Joshua-Profil" Sebastians persönlichster Thriller ist. Mit Blick fürs Detail, mit einer ungeheuren Kraft und Sogwirkung und mit dem nötigen Gefühl für Grenzen zeigt der Autor, was es heißt, wenn man das Wohl seines Kindes über das eigene stellt. Ich bin immer noch fasziniert und geflasht, wie stark dieser Thriller geworden ist.

Der Stil von Sebastian Fitzek ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist temporeich, fesselnd und wer denkt, er könne das Buch kapitelweise genießen, wird spätestens nach 3 Abschnitten eines besseren belehrt werden.

Fazit: Fitzek at his best. Ich kann das Buch nur empfehlen!  

23. Oktober 2015

Blogtour "Im Auge des Mörders" - Was machen Hacker?


Hallo Ihr Lieben,

heute macht die Blogtour zu "Im Auge des Mörders" von Marcus Hünnebeck bei mir Halt. Das Thema Hacken spielt in dem Thriller eine nicht kleine Rolle, daher möchte ich Euch heute einen kleinen Einblick in dieses weite Feld geben. Viel Spaß!

Was ist Hacken?
Nein, damit ist nicht das Hacken im Garten gemeint um die Erde aufzulocken. Als Hacken (ausgesprochen: Häken) bezeichnet man das unbefugte Eindringen in ein Computersystem. In Zeiten von Facebook, Online-Banking und Co. hat jeder schon mal eine Nachricht gesehen, gelesen oder gar erhalten, in der vor solchen Angriffen gewarnt wird.

Wie funktioniert Hacken?
Nun ja, Hacker sind Cracks, was Computertechnik und Software angeht. So verschaffen sie sich über Sicherheitslücken Zugang zu einem oder mehreren Systemen und nutzen diese für ihre Zwecke. Dies könnte zum Einen, wie im Thriller von Marcus Hünnebeck, das Verbergen der eigenen Identität sein. Zum Anderen können Hacker fremde PC zu sogenannten Zombies machen um mit ihnen ganze Websites lahmzulegen oder Spam-Mails zu versenden. Dabei kann es passieren, dass man als Nutzer gar nicht merkt, dass der eigene Computer ein Zombie ist. Gruselig oder?

Kann man sich schützen?
Ja kann man. Zum Einen sollte man immer den aktuellsten Virenscanner auf dem PC oder Laptop haben. Zum Anderen sollte man vorsichtig bei Mails oder Videos sein, deren Absender man nicht kennt. Jeder von uns kennt die stümperhaften Phishing-Mails, in denen man aufgefordert wird, doch bitte 10 TAN einzutragen. Doch auch diese Betrüger werden immer besser und die Mails sind mitterweile mehr als gut gefälscht. Also Augen auf, welche Mails oder Videos ihr anklickt.

Black-Hat-Hacker vs. White-Hat-Hacker
Doch es gibt nicht nur böse Hacker, die nur Geld oder Schaden anrichten wollen. Diese Art von Hackern, die zu ihrem eigenen Vorteil arbeiten bzw. Zerstörung betreiben, nennt man Black-Hat-Hacker. Auch Daten- oder Bilderklau ist bei diesen Leuten sehr beliebt. So stehlen sie zum Beispiel Bilder von den Smartphones Prominenter und veröffentlichen diese.

Aber es gibt auch die "Guten". Das sind die White-Hat-Hacker. Diese Computercracks hacken um zum Beispiel Firmen Sicherheitslücken aufzuzeigen. Meist aus der Idee geboren "Schaffe ich es, in das System xy einzudringen?" schließen sich ein paar Hacker zusammen und knacken mehr oder minder einfach die Walls (Sicherheitssysteme) von Banken, Softwarefirmen oder Websites. Mit diesen Erkenntnissen gehen sie dann auf die betroffenen Firmen zu und zeigen so auf, wo Nachbesserungen vorgenommen werden müssen.
Auch die Polizei beschäftigt mittlerweile solche Hacker. Denn im Computerzeitalter wissen auch Verbrecher, wie sie ihre PC schützen müssen. Und wenn derjenige dann nicht mit den Passwörtern rausrücken möchte, geht man halt andere Wege.


Ich hoffe, ich konnte Euch einen kleinen Einblick in die Welt der Hacker geben! Zu gewinnen gibt es bei mir auch etwas.

Ich verlose 1 Exemplar von "Im Auge des Mörders" von Marcus Hünnebeck. Was müsst Ihr dafür tun?
Hinterlasst mir bis zum 28.10.2015 23.59 Uhr ein Kommentar und erzählt mir, wo Ihr Euch gern mal einschleichen würdet, wenn Ihr es könntet!

Ich freue mich auf Eure Antworten.

Liebe Grüße
Eure Denise

19. Oktober 2015

Interview mit Jessica Winter


Hallo Ihr Lieben,

ich hatte das Glück eine der 5 Finalisten für den storyteller-Award von Amazon interviewen zu dürfen. Jessica Winter, Autorin von Bis du wieder atmen kannst stand mir am 3. Messetag Rede und Antwort. Viel Spaß!

18. Oktober 2015

blog'n'talk - Kurzinterview mit Patrycja Spychalski


Hallo Ihr Lieben,

wie versprochen kommt hier mein Kurzinterview mit Patrycja Spychalski. Die Autorin hat unter anderem das Buch "Auf eine wie dich habe ich lange gewartet" geschrieben, welches mir durch sein tolles Cover gut in Erinnerung ist. Auch wenn ich es noch nicht gelesen habe *schäm*


F: Wer darf zuerst dein Manuskript lesen?

A: Meine Lektorin! Ich mache das bewusst, weil ich nicht möchte, dass mir jemand reinredet. Jeder hat 'ne Meinung und würde dann sagen: "Och nö, mach mal was anderes" und dadurch lässt man sich dann verwirren. Deswegen: ich schreibe es, gebe es meiner Lektorin und der vertraue ich uneingeschränkt. Ich habe es schon immer so gemacht. Ich schreibe es fertig und dann darf es jemand lesen. Vorher nicht.


F: Bist du zum ersten Mal auf der Buchmesse?

A: Nein, ich war vor 3 Jahren schon mal hier. Auch beim Bloggertreffen und ich empfinde es heute als sehr viel strukturierter.


F: Dir gefällt also das heutige Bloggertreffen besser? Wie war es denn vor 3 Jahren?

A: Es war viel voller und die Blogger wussten  nicht richtig, wie sie mit den Autoren ins Gespräch kommen sollen. Die Fragen dieses Jahr sind ein Breaker und machen es einfacher. 


Danke Patrycja für deine Zeit und deine offenen Antworten! Ich habe mich sehr gefreut dich kennenlernen zu dürfen!


17. Oktober 2015

Buchmesse Frankfurt Tag 3 - Mein Hirn ist nicht betriebsbereit!

Hallo Ihr Lieben,

Messetag 3 war mein letzter. Und obwohl gerade am Samstag noch so viele tolle Leute da sind, sage ich: Gott sei Dank! Es ist der absolute Overkill, auch wenn es sehr cool war. Mein Bericht zum dritten Tag könnte aufgrund von akutem Pudding im Hirn leicht anders ausfallen. Viel Spaß!

16. Oktober 2015

Buchmesse Frankfurt Tag 2 - Ach guck an, eine Autorin!


Hallo Ihr Lieben,

Tag 2 ging rasend schnell vorbei und genau so rasend schnell kommt hier der Bericht! Viel Spaß!

15. Oktober 2015

Buchmesse Frankfurt Tag 1 - Wo muss ich hin?

Hallo Ihr Lieben,

Tag 1 der Buchmesse ist schon vorbei und hier kommt auch schon mein Bericht (freies WLAN auf dem Zimmer ist was feines!):

14. Oktober 2015

Auf nach Frankfurt!

Guten Morgen Ihr Lieben,

während Ihr diese Zeilen lest, bin ich schon mit dem ICE auf dem Weg nach Frankfurt. Die Buchmesse erwartet mich...naja oder besser gesagt: ich mache die Buchmesse unsicher.

2012 war ich das erste Mal auf der weltgrößten Messe für Bücher und das auch noch an einem Samstag. Mein Fazit war damals: muss man erlebt haben, aber nie wieder! Die Massen an Menschen waren mir einfach zu viel.

Doch dieses Jahr darf ich als Fachbesucherin hin und das will ich mir nicht entgehen lassen. Zugegeben: ich reise etwas planlos an. In meinem Terminkalender stehen ganze 2 Termine, die ich unbedingt einhalten will. Die restliche Zeit werde ich wohl mit Stöbern, Staunen und Schlendern verbringen.

Besonders freue ich  mich auf die Treffen mit Bloggerkollegen. Wann sonst hat man uns Buchverrückte mal auf einem Haufen?

Ich bin mehr als gespannt, was mich erwartet. Drückt mir die Daumen, dass ich heil, gesund und ohne Zerrungen vom vielen Büchertragen wieder komme ;)

Liebe Grüße
Eure Denise

13. Oktober 2015

In jedem Handy steckt ein Stück Kongo

Todesdeal
von Veit Etzold

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Martin Fischer ist Journalist und hat großes vor: er will mit seinen Artikeln berühmt werden. Aktuell jedoch ist er von seinem Chef zum Paparazzo degradiert worden, was ihm gar nicht schmeckt. Als sich Martin die Gelegenheit bietet, nach Afrika zu reisen um dort für einen Artikel zu recherchieren, fackelt er nicht lang und sagt zu. Ungeachtet dessen, dass er in ein sehr unruhiges und gefährliches Gebiet, nämlich in den Kongo und nach Ruanda reisen muss. Kann das gut gehen?

"Todesdeal" ist der erste Politthriller von Veit Etzold und hat mir gut gefallen. Ich kenne den Autoren bisher durch seine Clara-Vidalis-Thriller und war sehr neugierig, wie er seine Expertise im Bereich Politik ausspielen kann.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur dem Journalisten Martin, sondern taucht auch mit seiner Ex-Freundin Janine tief in die Berliner Politik ein, kann eine Rebellenarmee im Kongo beobachten und reist sogar bis nach China. Der Autor bringt die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Situation sehr gut und prägnant rüber, so dass ich zu keinem Zeitpunkt, trotz der Menge an handelnden Personen, verwirrt war. Toll!

Der Reigen der Figuren ist groß. Umso erstaunlicher fand ich es, dass Veit Etzold es schafft, mir jede Person nahe zu bringen. Zwar werden nicht alle bis ins kleinste Detail charakterisiert, was auch unnötig gewesen wäre, jedoch konnte ich mich in die Schlüsselfiguren wie Martin Fischer oder der Chinesin Lucia Ming sehr gut hineinversetzen und ihre Handlungen nachvollziehen.

Der Roman hat fast schon Sachbuchcharakter und ist dennoch weder langweilig noch einschläfernd. Der Autor versteht es, selbst eher trockene Fakten wie den Abbau von Coltan oder die Zusammenhänge von Handlungsrouten spannend und bildreich aufzubereiten. Wer die recht blutigen Thriller mit Clara Vidalis kennt, wird erstaunt sein, wie wenig brutal dieser politische Roman ist. Zwar gibt es auch hier Tote, aber diese werden fast schon sachlich abgehandelt. Zum Buch passt es, für mich war es zu Beginn eine Umstellung.

Trotz der tollen Erzählung gibt es einen Wermutstropfen: Veit Etzold lässt eine Liebesgeschichte mit einfließen. Diese konnte mich aber nicht überzeugen und fühlte sich für mich fehl am Platz an. Hier hätte ich eine andere Lösung besser gefunden. Dem Lesespaß tat dies jedoch keinen Abbruch.

Der Stil des Autoren ist gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist gewohnt spannend und rasant, jedoch auch dem ernsten Thema angemessen ohne bedrückend zu wirken.

Fazit: der Ausflug in die Politik ist gelungen. Ich würde gern mehr davon lesen. Eine klare Empfehlung!

12. Oktober 2015

Mission to Mars [Hörbuch]


Der Marsianer
von Andy Weir
[Hörbuch]

Eine Lese/Hörprobe findet Ihr hier

Der Mars wird von den Menschen erobert. Und der Biologe Mark Watney ist dabei. Doch leider wird er bei einem Sandsturm verletzt und bewusstlos. Als er wieder erwacht, ist seine Crew weg im sicheren Glauben, er sei tot. So muss Mark sich nun allein auf dem Mars durchschlagen, die Vorräte in der Versorgungsstation rationieren und all sein Können dafür einsetzen, dass er nach Hause zur Erde kann...

"Der Marsianer" ist mir schon aus Buch begegnet, bevor klar war, dass es verfilmt wird. Leider hatte ich bisher nicht die Zeit, mir den Roman von Andy Weir zu Gemüte zu führen. Daher kam mir das Hörbuch gerade recht.

Die Geschichte wird vom Astronauten Mark Watney selbst erzählt. Und obwohl sein Schicksal mehr als mies ist, hat der Mann weder seinen Humor noch seinen Sarkasmus verloren. Fast schon zynisch und mit einem guten Auge für die Realität beschreibt Mark Watney sein Vorgehen in dem festen Glauben, dass man zumindest sein Logbuch finden wird.
Beim Voranschreiten der Story bekommt man auch einen Einblick in die Arbeit der Bodenstation. Denn diese geht aktuell davon aus, dass Watney tot ist. Bis er sich meldet...

Zu Beginn hatte ich Bedenken, ob mich das Schicksale eines einzelnen Mannes in seinen Bann ziehen kann. Doch schon nach wenigen Minuten war ich voll und ganz in den Roman eingetaucht und habe mich sogar erschrocken, als ich angesprochen wurde beim Hören.

Für mich persönlich steht und fällt ein Hörbuch mit dem Sprecher. Der Roman kann noch so gut sein, wenn der Erzähler so wirkt, als ob er das Telefonbuch von Hongkong vorliest, schalte ich ab. Mit Richard Barenberg hat der Verlag eine sehr gute Wahl getroffen. Die Stimme passt für mich sehr gut zur Story und zur Figur Mark Watney.

Ruhig, gelassen und mit dem richtigen Witz in der Stimme schafft es der Sprecher mich in seinen Bann zu ziehen. Zudem schafft er es, klar und deutlich zwischen den Erzählungen von Mark Watney und dem Geschehen auf der Erde zu unterscheiden. Dies können nicht viele.

Die gut 10 Stunden vergehen wie im Fluge und ich konnte mich gar nicht satthören. So muss ein Hörbuch in meinen Augen...äh Ohren sein.

Fazit: reist mit Mark zum Mars und erlebt, wie ein einzelner Mann euch bewegen kann. Klare Hörempfehlung!

4. Oktober 2015

Wer hetzte den Autor?

Im Auge des Mörders
(Der Leibwächter Band 1)
von Marcus Hünnebeck

Eine Leseprobe findet Ihr hier

In Köln geht ein Mann um, den die Polizei nur noch den Wiederkehrer nennt. Er vergewaltigt Frauen und kündigt an, später zu ihnen zurückzukehren. Egal, wie stark die Opfer bewacht werden, der Täter findet immer eine Möglichkeit und tötet die Frauen. Die Journalistin und Bloggerin Eva Haller kritisiert die Polizeiarbeit scharf. Und gerät damit ins Fadenkreuz des Wiederkehrers...

"Im Auge des Mörders" war mein erster Thriller von Marcus Hünnebeck und ich bin nach dem Lesen nicht gänzlich zufrieden. Die Grundidee bietet viel Potenzial, doch wirkte der Autor auf mich gehetzt und unter Zeitdruck, so dass vieles auf der Strecke blieb.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler wiedergegeben. Dabei darf man die Polizeiarbeit beobachten, sowie Eva Haller bei ihren Recherchen und Nachforschungen über die Schulter schauen. Marcus Hünnebeck legt sein Hauptaugenmerk auf die Bloggerin und ihr Schicksal, denn sie muss sehr schnell feststellen, dass der Täter nicht mit sich spaßen lässt. Die beiden Sichtweisen haben mir gut gefallen, wobei ich mir mehr Details zu den Ermittlungen gewünscht hätte.

Die Figur der Eva Haller finde ich toll gezeichnet und gelungen. Sie wirkt bodenständig, neugierig und nicht überzeichnet. Ab und an zickig, bringt sie genau die richtige Mischung für eine gute Hauptfigur mit. Toll!

Die Polizei hingegen kommt beim Autor nicht so gut weg. Da werden persönliche Animositäten höher bewertet als die Ermittlungen und interne Machtkämpfe blockieren den Erfolg. Klar, bei der Polizei ist nicht eitel Sonnenschein, doch diese Häufung von negativen Erlebnissen war mir persönlich zu viel.

Der Verlauf der Story ist rasant, an manchen Stellen zu rasant für meinen Geschmack. Da werden mehrere Tage oder gar Wochen übersprungen und die Erlebnisse der Figuren, allen voran die von Eva Haller und später von ihrem Bodyguard Stefan Trapp, hätten locker für 500 Seiten gereicht. Marcus Hünnebeck gönnt dem Leser aber nur knapp 300. Oft habe ich innerlich dem Autor zugerufen "Mensch, lass dir doch Zeit!" Denn durch die Eile kamen viele Erklärungen zu kurz, die Spannung flachte schnell ab und so war ich zwar zügig durch mit dem Roman, aber nicht wirklich befriedigt.

Auch die Beweggründe des Täters waren mir zu oberflächlich und zu eindimensional. Mag sein, dass ich als passionierte Thriller-Leserin hier verwöhnt bin, aber mehr hätte es schon sein dürfen.

Der Stil von Marcus Hünnebeck ist sehr gut und flüssig zu lesen. Er erzählt ohne Schnörkel und direkt auf den Punkt, was ich sehr mag.

Fazit: ein für mich durchschnittlicher Thriller, aus dem was großes hätte werden können. Für gelegentliche Leser dieses Genres aber dennoch geeignet.

3. Oktober 2015

Die widerspenstige Zähmung

Runa
von Vera Buck

Eine Leseprobe findet Ihr hier
ACHTUNG! Kann LESEN verursachen

Paris, 1884. Jori ist Student an einer der besten Kliniken Frankreichs. Sein Dozent Dr. Charcot ist führender Experte auf dem Gebiet der Hysterie bei Frauen. Doch ein Fall lässt selbst ihn zweifeln: das junge Mädchen Runa. Die Kleine scheint jedem Kniff des Doktors gewachsen. Jori sieht dies als Herausforderung und Chance auf seinen Doktortitel und will den Wahnsinn aus dem Kopf von Runa schneiden. Wird das gelingen?

"Runa" ist das Debüt von Vera Buck und definitiv keine leichte Lektüre. Die Geschichte, der sich die Autorin annimmt, spielt in einer dunklen Zeit der modernen Medizin. Folter, Experimente und Gewalt waren damals als Behandlung an der Tagesordnung. Und Vera Buck fängt das sehr gut, wenn auch teilweise langatmig ein.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler wiedergegeben. Man folgt sowohl Jori und seinem Streben nach Erfolg, als auch einem Chorknaben, einem ehemaligen Detective und einem Geschwisterpaar. Wie diese Erzählstränge zusammenhängen, wird erst im Laufe der Geschichte klar. Und hier ist Konzentration angesagt. Denn Vera Buck verwendet nicht nur typisch französische Namen, sondern bringt auch eine Menge Figuren ins Spiel. Für mich war das gerade zu Beginn schwierig und so musste ich oftmals beim Lesen innehalten und überlegen, wie die Zusammenhänge genau sind. Hier wäre ein Register echt von Vorteil gewesen.

Die Figuren sind toll beschrieben und wirken für ihre Zeit auch glaubwürdig. Manches Mal hätte ich den überheblichen Männern gern eins verpasst, aber so war nun mal die Denkweise im 19. Jahrhundert. Es empfiehlt sich, ein wenig Vorkenntnisse über den Stand der Medizin zur damaligen Zeit zu haben. Denn Vera Buck wirft ihre Leser mitten ins Geschehen. Und obwohl man den Vorlesungen von Dr. Charcot lauschen darf, sind Vorkenntnisse fast unabdingbar, um den Ausführungen folgen zu können. Für mich war das vollkommen in Ordnung, für andere könnte dies schnell nervig sein. Denn die Autorin beschreibt gerade in der ersten Hälfte sehr viele Details aus dem Alltag der Klinik.

Als Leser sollte man zudem nicht allzu empfindlich sein. Vera Bucks Erzählung ist sehr gut und tiefgründig recherchiert und ohne mit der Wimper zu zucken, lässt sie ihre Figuren über Hirnoperationen, Wasserfolter und ähnliches diskutieren. Gerade diese Grausamkeiten im Namen der Medizin haben mich so erschrocken, aber gleichzeitig an den Roman gefesselt.

Die Lektüre ist keineswegs einfach oder flüssig. Das Buch ist eigenwillig. Die Sprache ist an das 19. Jahrhundert angelehnt und das hat mich gerade zu Beginn ein paar Nerven gekostet, auch wenn ich von dem Buch nicht los kam. Wer sich also mit Runa einlässt, sollte starke Nerven und Geduld mitbringen. Und vor allem sich voll und ganz auf die Geschichte einlassen können. Denn nur dann kann man die Feinheiten herauslesen, die Welt der damaligen Medizin verstehen und ganz eintauchen.

Fazit: ein gelungener, wenn auch schwerer Roman. Dennoch kann ich ihn empfehlen!