30. November 2015

Der Bescheuerte wohnt immer nebenan!

(Quelle: Ullstein Verlag)
Frühstück mit Sophie
von Jennifer Bentz


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Louisa ist 28, vollkommen durchgeplant und zufrieden mit ihrem vorhersehbaren Leben. Karriere, Mann, Familie, alles ist fast minutiös festgelegt. Bis ihr Freund ein Geständnis ablegt: er hat eine andere geschwängert. Louisa ist schockiert und trifft in dem Moment auf Lea Kronberger. Und dieses Energiebündel fackelt nicht lang und bringt Louisa in der neuen WG von Sophie und Paul unter. Das Besondere: Sophie und Paul sind Rentner! Das kann ja heiter werden...

"Frühstück mit Sophie" ist mein zweiter Roman von Jennifer Bentz und hat mich wieder begeistert. Während man in "Wenn alle Stricke reißen" die 3 Mädels mit psychischen Problemen kennen- und lieben lernt, zieht man im neusten Werk eine Wohnung weiter. Spaß ist dennoch garantiert!

Die Geschichte wird von der regeltreuen Louisa selbst erzählt. Und obwohl ihr Leben der Inbegriff von Spießigkeit ist und ich zu Beginn schon Angst hatte, ich muss mir die Perfektion in Reinform antun, habe ich bei Louisas Erzählungen teilweise laut gebrüllt vor Lachen. Denn wie reagiert man auf etwas Unplanbares, wie den Betrug durch den eigenen, ebenso spießigen Freund? Und was tut man, wenn man sich in einer WG mit 2 über 60-jährigen wiederfindet, die auf ihre alten Tage alles ausprobieren wollen, was geht inklusive Studium, Hasch und Hausparties?

Es war so herrlich komisch hautnah mitzuerleben, wie die Pläne der jungen Frau nach und nach in sich zusammenfielen. Denn Louisa verfällt nicht in Selbstmitleid, sondern beweist einen bisher nicht gekannten Humor und meistert die Hürden. Mal unbeabsichtigt, oft schreiend komisch, aber nie lächerlich oder gar peinlich. Das hat mir sehr gut gefallen. Jennifer Bentz beweist ein sehr gutes Gespür dafür, wie weit sie mit ihren Figuren gehen sollte und darf. Hut ab!

Besonders toll fand ich, dass auch die 3 Mädels aus der Psycho-WG wieder ihre Auftritte hatten. Naja, eigentlich nur 2, denn Vivian ist verreist, aber Lea und Tine haben genug Kraft um der gestrandeten Louisa das Leben vermeintlich einfacher zu machen. Dass dies nicht ohne Lacher, Tines Therapieversuche und so manchem cholerischen Anfall von Lea abläuft, macht den Roman zu einem für mich sehr gelungenen Werk. Denn die Autorin zeigt, dass man gerade das Unperfekte in einem eigenen Leben lieben sollte.

Die Story selbst ist aus dem Leben gegriffen und wirkte auf mich, trotz so mancher Szene, die mich staunen ließ, realitätsnah. Wir alle wissen ja, dass das Leben die komischsten Geschichten schreibt. Und ich finde es toll, dass die Autorin mit Stift und Papier bereit saß und mitgeschrieben hat. Das Angenehme für mich war zudem, dass Jennifer Bentz weder mit Emotionen noch mit Dramatik übertreibt. Das machte das Lesen für mich, die vor allem Thriller liebt, zu einem Genuss.

Der Stil der Autorin ist leicht und sehr gut zu lesen. Ihre Erzählweise besticht durch passenden Witz, genau der richtigen Prise Sarkasmus und so viel Schwung, dass ich selbst zur WG-Mitbewohnerin wurde und hoffte, dass Sophie für mich keinen Klartextversüßer bereit hält.

Fazit: Lauthals lachen, grinsen und auch mal Hach seufzen. All das kann man hier. Zugreifen!

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