Sonntag, 29. November 2015

Heißer März in Berlin 1848

Berlin Feuerland
von Titus Müller

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Berlin, 1848: der Adel lässt es sich gut gehen, während die Ärmsten der Armen im Feuerland für kargen Lohn ihre Körper zerstören. Doch das wollen sie sich nicht weiter bieten lassen. Sie wollen Mitspracherecht, Pressefreiheit und faire Löhne. In dem Gewühl träumt der junge Hannes von einem Leben jenseits des Feuerlandes. Dafür führt er reiche, verwöhnte Damen durch sein Elendsviertel. Und begegnet dabei Alice, einer frei denkenden, aber nicht frei lebenden Tochter des Kastellan des Schlosses. Er ist fasziniert, doch was soll so eine mit so einem wie ihm?

"Berlin Feuerland" ist mein erster historischer Roman von Titus Müller und nach der Lektüre frage ich mich: warum eigentlich? Der Autor erzählt die Geschichte des Aufstandes so bildhaft, mitreißend und klar, dass ich mich zwischendrin immer wieder erinnern musste, dass ich selbst im Berlin des Hier und Jetzt sitze.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Man folgt sowohl Hannes und seinem Leben im Feuerland, als auch Alice, die ihr Leben im Schloss mehr oder weniger genießt. Interessant fand ich auch die Denkweise des Hauptkommissars Julius von Minutoli. Dieser muss in Berlin für Ruhe und Ordnung sorgen, hat seine Spitzel in den Reihen der Aufständischen und muss dennoch merken, dass man niemanden trauen kann. Diese Mischung aus allen Blickwinkeln vom Adel bis zum Aufständischen selbst hat mir sehr gut gefallen. Denn Titus Müller bezieht damit selbst keine Stellung, sondern überlässt dies seinen Lesern. Toll!

Die Figuren, allen voran Alice und Hannes, sind mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet und werden nicht nur mit Worten, sondern auch mit ihren Taten charakterisiert. Mit Alice habe ich heiße Diskussionen geführt, mit Hannes von der großen Welt geträumt, dem Offizier Victor hätte ich mehr als einmal eine zimmern können und Hannes' besten Freund Kutte wollte ich schütteln, umarmen und zur Besinnung rufen. Einfach großartig!

Ich habe bei historischen Romanen meist die Angst, dass eine Liebesgeschichte alles andere in den Schatten stellt. Diese Sorge ist bei diesem Buch unbegründet. Titus Müller findet einen tollen Weg zwischen einer Romanze und den Aufständen. Mich hat überzeugt, dass der Autor die Liebesgeschichte im Angesicht der sich überschlagenden Ereignisse in den Hintergrund hat treten lassen. So wirkt das Gesamtwerk glaubwürdig und korrekt.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist mitreißend, aber nicht reißerisch. Titus Müller schlägt ruhige Töne an, wo sie angebracht sind, wird deutlich und eindringlich, wo es nötig ist. Für mich ein grandioser und ausgewogener Stil!

Fazit: Kämpft mit Hannes und rebelliert mit Alice. Ich kann das Buch nur empfehlen!

Kommentare:

  1. Das Buch steht schon länger auf meiner Wunschliste und bei LB hatte ich dann bei der Verlosung leider kein Glück. Aber deine Rezi bestätigt mir wieder, dass es unbedingt so bald wie möglich bei mir einziehen sollte =)
    Ich wünsche dir einen schönen ersten Advent!
    Martina
    http://martinasbuchwelten.blogspot.co.at/

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    1. Hi Martina,

      vielen Dank für dein Kommentar. Und ja, ich kann es echt empfehlen. Ich hoffe, es macht dir bald auch viel Freude! Und dir ebenso einen tollen 1. Advent.
      LG
      Denise

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