12. November 2015

Interview mit Sebastian Fitzek

Hallo Ihr Lieben,

Ihr erinnert Euch doch sicherlich noch daran, dass ich bei der Lesung von Sebastian Fitzek war. Bevor ich im Saal war, durfte ich den Autor hinter der Bühne (backstage!!!) in seiner Garderobe besuchen und mit Fragen löchern! Das ist dabei rausgekommen...

F: Zunächst einmal Danke! Es ist für mich eine große Ehre hier zu sein. Ich lese seit "Amokspiel" deine Bücher und bin begeistert. Du bist ja mit deinen Werken ausgelastet, die du unter deinem "normalen" Namen schreibst. Wie kam es nun dazu, dir mit Max Rhode noch einen Autoren zu erschaffen?

A: Max Rhode ist ja die Hauptperson im "Joshua-Profil". Und als Autor ist man zwangsläufig eine multiple Persönlichkeit. Ich muss mich in die Figuren hineinversetzen, die ich erschaffe. Meist so gut, dass die Figuren real werden. Wenn das Buch dann an Fahrt aufnimmt, ist das der Moment, in dem die Figuren nicht mehr das machen, was man als Autor will, sondern sich die Figur verselbstständigt.
Und das geht meist sehr schnell. Normalerweise dauert es so 80 Seiten, hier war es nach 10 Seiten der Fall, einfach weil Max Rhode ein Schriftsteller ist so wie ich. Und irgendwann habe ich gedacht: "Was hat der für Bücher geschrieben?" Und er hat ja nur einen Erfolg gehabt, nur ein Buch, das hieß "Die Blutschule". Auf einmal spielte dieses Buch im "Joshua-Profil" eine große Rolle. Dieses Buch im Buch ist ja häufig ein literarisches Thema. Ich wollte herausfinden, wie schreibt Max Rhode. Habe das ausprobiert, obwohl es nicht geplant war. Er schreibt anders als ich, auch in einem anderen Genre. Zunächst dachte ich, er ist ein Thriller-Autor wie ich, musste aber schnell merken, dass er eher Horror schreibt. Und da wollte ich wissen, wie das Buch, was er angefangen hat, weiter geht. Die Frage nach dem Warum hat sich gar nicht mehr gestellt, es passierte einfach beim Schreiben!


F: Wie hat deine Frau reagiert, als aus dem Schreibkeller nicht mehr ihr Mann, sondern Max Rhode nach oben kam?

A: Ich habe ja auch überlegt, wie er aussieht. Meine Frau, die ja selbst Tattoos trägt, findet die Tattoos von Max sehr toll. Ich selbst bin ja weder gepierct noch tätowiert. Und finde das mit 44 nun auch nicht mehr passend. Es ist zwischen meiner Frau und mir auch ein beliebter Wetteinsatz: "okay, wenn du verlierst, musst du dich tätowieren lassen" Bisher habe ich zum Glück immer gewonnen.


F: Wie haben deine Kinder reagiert? Oder haben sie Max Rhode nie gesehen?

A: Doch haben sie. Sie haben gesagt: "Das ist nicht Papa!" und gelacht. Charlotte fand den Bart doof. Aber sie sagte auch mal, als ich im Anzug die Treppe herunterkam für eine Premiere, "Papa, du siehst ja aus wie ein Mann!"


F: Max Rhode war sehr geheimnisvoll und es gab wenig Informationen, erst die Frankfurter Buchmesse zeigte, dass Max im Hause Fitzek wohnt. Wie haben der Verlag und du in Zeiten von Social Media angestellt, es so lang geheim zu halten?

A: Es ist uns komischerweise gelungen. Es gab eine Buchhändlerin, Andrea Kammann, die mich persönlich angesprochen hatte und meinte "Sag mal, Max Rhode, das bist doch du!" Und ich konnte sie nicht anlügen. Das Pseudonym war ja so nicht geplant. Viele Autoren schreiben ja unter einem anderen Namen um andere Genre auszuprobieren oder wie zum Beispiel Stephen King zu schauen, wie die Bücher ankommen, wenn kein berühmter Name auf dem Cover prangt. Dazu zähle ich nicht, ich wollte nie ein geschlossenes Pseudonym. Ich wollte einfach mal beobachten, wie sich das enträtselt.


F: "Das Kind" ist verfilmt, "Das Joshua-Profil" ist als Serie geplant. Hättest du das vor 10, 15 Jahren gedacht, dass es mal solche Dimensionen annimmt?

A: Nein! Ich bin ein sehr fantasievoller Mensch und hatte ein Bild im Kopf. Mein Wunschtraum war mal, mein eigenes Buch an einem ungewöhnlichen Platz, wie zum Beispiel im Supermarkt, zu entdecken. Ich  hatte ja damals keine Ahnung vom Verlagsgeschäft und wusste nicht, dass sowas nicht unbedingt der Beweis dafür ist, dass die Bücher super laufen. Das habe ich schon mit meinem ersten Taschenbuch erreicht.
Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass "Der Seelenbrecher" ein Theaterstück wird. Das hat mich erstaunt.


F: Wenn du nicht schreibst, nicht Max Rhode beheimatest und auch nicht in Film- und Theaterproduktionen steckst, was tust du dann? Schlafen?

A: Ich bin sehr gerne faul. Ich reise sehr gern und lese auch sehr gern. Ich bin nach wie vor Leser und kann dabei super abschalten. Dann mache ich ab und an noch Musik, ich spiele Schlagzeug. Sport...dazu muss ich mich zwingen, damit ich nicht mit jedem Buch 1 kg dicker werde. Daher 2 x die Woche Sport. Der Alltag eines Autors ist nicht weltbewegend, das Making-of eines Buches wäre das langweiligste, was es je gegeben hat.


F: Mit welchem Genre kannst du besonders gut abschalten?

A: Ich bevorzuge Thriller, die packen mich sehr schnell. Wenn ich Zeit habe und im Urlaub bin, lese ich gern Historisches. "Er ist wieder da" hat mir zum Beispiel sehr gut gefallen. Manchmal auch Bücher, wo ich davon ausgehe, dass sie mir gar nicht gefallen können. Frauenliteratur zum Beispiel. Auf diesem Wege habe ich Jojo Moyes "Ein ganzes halbes Jahr" kennengelernt und fand es super. Ich glaube auch, dass diese Genreeinteilung wichtig für Buchhändler ist, damit sie wissen, wo sie es hinlegen können. Es ist ja eine Orientierung. Letzten Endes ist selbst der eingefleischeste Thrillerfan immer auf der Suche nach etwas, was ihn überrascht.
Und dann will man das Erlebnis wieder und wieder haben. Und das ist die Krux: dass wir auf die Suche nach dem Immergleichen, hin und wieder an Perlen vorbei gehen.


F: Du hast auf Facebook ja immer noch stehen "Danke, dass Ihr mir das Luxusproblem erschaffen habt, mehr als 5000 Freunde zu haben"....

A: Ich hatte sogar mal überlegt, das zu ändern. Aber es stimmt ja. Ich mag den Begriff Fan nicht so. Er leitet sich von fanatisch ab und ist so Über- und Unterordnung. Follower mag ich da mehr. Freundschaftsseite ist mein Lieblingsbegriff. Am liebsten würde ich alle als Freunde annehmen, aber das geht ja leider nicht.


F: Du betreust deine Social-Media-Kanäle ja selbst. Gibt es Zeiten, zu denen du offline bist?

A: Ich habe bemerkt, dass ich bis zum 15. September keine Mails über meine Fanpage beantwortet habe, weil sie mir nicht angezeigt wurden. Ich werde ja gern als Vorreiter in Sachen Social Media bezeichnet. Dieses Erlebnis zeigt aber, dass ich da unbelesen bin. Bei Facebook nutze ich vielleicht 2 oder 3 Prozent von dem, was ich könnte.


F: Du bist einer der wenigen mir bekannten deutschen Thrillerautoren, die ins Englische übersetzt wurden und sich somit der Konkurrenz aus den USA und England stellen. Warst du mal so neugierig und hast in England geschaut, wo deine Bücher stehen?

A: Das mache ich grundsätzlich nicht. Da kannst du als Autor nur verlieren. Entweder gibt es kein Buch. Und da denkst du nicht "Ah super, ausverkauft", sondern "Die wollen dich nicht" oder da liegt ein ganzer Stapel und du denkst, du bist ein Ladenhüter. Es müsste halt eine Schlange von Leuten vor dem Laden stehen und deinen Namen skandieren, damit du als Autor halbwegs zufrieden mit der Resonanz des Buches bist. Da das nicht möglich sein wird, meide ich Buchhandlungen, wenn ein Buch von mir neu erschienen ist! Ich kaufe zum Beispiel gern in Buchhandlungen, nicht mehr im Internet. Allein aus Recherechegründen. Denn früher habe ich im Internet bestellt. Für "Amokspiel" habe ich zum Beispiel nach SEK-Waffensystemen gesucht, dann kam unser erstes Kind und ich schaute nach Babymassagen. Die Vorschläge waren dann total absurd: wir haben neue Waffensysteme....und Baby-Yoga. Daher gehe ich lieber in eine Buchhandlung.


F: Hast du mal überlegt, komplett mit Thrillern zu brechen und was anderes zu schreiben?

A: Joa. Es ist nur meistens so, dass wenn man Ideen hat für ein anderes Genre, zum Beispiel Drama, dann bei mir doch immer ein Thriller rauskommt.  Selbst wenn ich denke "Mensch, das ist mal ne lustige Idee", ist 10 Seiten später der erste tot.


F:  Mit "Noah" hast du die Überbevölkerung zum Thema gemacht, beim "Joshua-Profil" ist es Datensammlung. Weißt du schon, welches Thema du als nächstes in Angriff nimmst?

A: Ich gehe in der Regel nicht von Themen aus, sondern von Figuren oder Erlebnissen in meinem Umkreis. Und diese Erlebnisse denke ich weiter. So auch zum Beispiel, wenn ich beginne zu googlen, ob da beim BKA ne Lampe angeht und die wissen "Ah, der Irre ist wieder unterwegs". Das kommt dann zusammen und irgendwann ist die Geschichte so dicht, dass ich mit Schreiben beginne. Ein Thema wird irgendwann mal die Überwachung des eigenen Kindes sein. Würde ich unter einem Pseudonym über Facebook mit ihr befreundet sein? Würde ich einen GPS-Tracker auf ihrem Handy installieren? Was ist, wenn ich es nicht tue und es passiert was? Oder was, wenn ich es tue und es passiert genau deswegen was? In den USA gibt es zum Beispiel die Überlegungen, Mitarbeiter zu chipen, um die Zeiterfassung zu vereinfachen.
Solche Themen mag ich halt, wo man nicht schwarz/weiß denken kann, sondern wirklich in sich gehen muss.


F: Gibt es für dich als Bestsellerautor jemanden, den du gern noch treffen möchtest?

A: Uff, da muss ich sagen, dass ich mich gerne mit jedem Autoren treffen würde, weil man immer etwas lernt. Jeder Autor gibt ja komplett andere Antworten auf die gleichen Fragen. Ich hatte mal eine Einladung zu einer Stephen-King-Lesung, war nicht im Land und wäre auch nicht hingegegangen, weil ich Angst hatte, dass er mein Bild, was ich von ihm habe, zerstört. Dabei war es wohl ein super Abend und ich habe mich geärgert. Aber ich war ja auch nicht im Lande.
Christiane F. würde ich zum Beispiel gern treffen. Ihr Buch hat dazu beigetragen, dass ich bisher um Drogen immer einen großen Bogen gemacht habe.


Danke Sebastian für diese tolle und ausführliche Interview. Wie Ihr merkt, kamen wir sehr ins Plaudern. Es gab allerdings noch zwei eher kurze Fragen, die er mir beantwortet hat. Neugierig? Dann klickt auf Sannistyle Berlin. Dort findet Ihr die Antworten!

Kommentare:

  1. Ein wirklich tolles Interview mit einem meiner Lieblingsautoren, vielen Dank dafür und bitte mach weiter so :)
    Sandra von der kreativen Lesezeit (http://www.sandraskreativelesezeit.blogspot.com)

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    1. Liebe Sandra,

      vielen Dank für dein Kommentar. Es freut mich sehr, dass dir das Interview gefällt. Und dein Lob spornt mich an.
      LG
      Denise

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  2. Hallo Denise,

    wow, cool! Ein Interview mit meinem Lieblingsautor!! War sehr interessant zu lesen ... und ein bisschen neidisch für diese Chance, bin ich auch ;) Ich wünsche dir noch ein schönes Weihnachtsfest.

    Liebste Grüße
    Emma

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    1. Hi Emma,

      Es war auch für mich die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches :)
      Lg
      Denise

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