Dienstag, 8. Dezember 2015

Der Tod kommt nicht zu kurz

Der Tod steckt im Detail
(Kurzgeschichten)
von Martin Krist


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Kurzgeschichten und ich, das ging bisher nicht gut. Doch wenn Martin Krist 16 Stories in einem Buch rausbringt, hüpfe selbst ich mal über meinen Schatten und gucke, ob der böse Bube des Thrillergenres auch im Kurzen überzeugen kann.

"Der Tod steckt im Detail" ist eine Sammlung von 16 Kurzgeschichten, die jede für sich nicht mehr als ein paar Seiten umfassen. Martin Krist lässt dafür alte Bekannte wie Kommissar Kalkbrenner auftreten als auch gänzlich normale Situationen des Alltags aus dem Ruder laufen.

Dabei werden die Geschichten mal aus der Ich-Perspektive, als auch von einem auktorialen Erzähler berichtet. Mal schaut man dem Täter direkt über die Schulter, mal ist man als Opfer dabei. Die etwas längeren Kurzgeschichten haben alle etwas gemeinsam: sie leben von dem für Martin Krist typischen Stil der mehreren Ebenen. Das mir mal ein Autor auf wenigen Seiten das Hirn verdrehen kann, hätte ich nicht gedacht. Martin kann es!

Bei Kurzgeschichten habe ich bisher die Erfahrung gemacht, dass sie mich nicht packen konnten oder ich keinen Zusammenhang herstellen konnte. Bei den Stories von Martin Krist ist das anders. Er schaffte es bei jeder Geschichte, mich sofort gefangen zu nehmen. Wie er das macht? Nun, er redet nicht lang drumherum, kommt direkt zum Punkt und schafft es selbst mit wenigen Worten einen Spannungsbogen aufzubauen, für den andere Schriftsteller Hunderte von Seiten benötigen.

Dabei sind die Stories so gut in sich abgeschlossen, dass man auf der einen Seite ruhigen Gewissens das Buch zuklappen und an der Haltestelle aussteigen kann, auf der anderen Seite aber unbedingt weiterlesen will und überlegt, wie weit es wäre, wenn man noch eine Station fährt und zurückläuft. So passierte es mir die Tage, als ich das Buch in der U-Bahn las.

Der Stil von Martin Krist ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, schonungslos und auf den Punkt. Lange Einleitungen, blumige Umschreibungen oder gar Rücksicht kennt der Autor nicht. Und das ist auch gut so.

Fazit: Martin Krist kann es auch kurz und spannend. Zugreifen!

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