Samstag, 26. Dezember 2015

Menschen in Moll

(Quelle: Digital Publishers)

PHOBIE 
von Jens Lossau

Hannah lebt in der Nähe eines Friedhofs. Auf diesem liegt ihre Mutter, die bei einem Cessna-Unglück ums Leben kam. Hannah sitzt jeden Abend am Fenster und schaut zur letzten Ruhestätte hinüber. Eines Abends sieht sie, wie jemand ein Grablicht klaut. Schnell wie der Wind rennt sie hinüber um den Dieb zur Rede zu stellen und lernt dadurch Tom kennen. Tom ist schräg, Tom ist anders und Tom hat eine Phobienliste...

"PHOBIE" war mein erstes Buch von Jens Lossau und es hat mich begeistert. Der Autor befasst sich mit Ängsten, die allein vom Namen her schon unaussprechlich sind und lässt 2 Jugendliche ihre Erfahrungen mit Phobien und deren Bekämpfung machen. Eine grandiose Idee!

Die Geschichte wird von Hannah höchstselbst erzählt. Das junge Mädchen kämpft immer noch mit der Trauer um ihre Mutter, ist eine selbst gewählte Außenseiterin und lernt mit Tom quasi ihr männliches Pendant kennen. Der Junge ist nicht nur ungewöhnlich, er macht Hannah sogar Angst und das nicht nur mit seiner Phobienliste. Aber so verrückt er auch sein mag, die beiden verstehen sich und rufen ein Angst-Projekt aus. Herrlich! Denn diese Idee habe ich so bisher noch nicht gelesen und fand es entzückend, wie die beiden an die Sache herangegangen sind.

Zudem sind sowohl Hannah als auch Tom keine aalglatten 08/15-Figuren. Beide haben in ihrem jungen Leben schon gelitten und gehen auf ihre ganz eigene Weise damit um. Tom ist bis zum Schluss ein Charakter, den weder Hannah noch ich wirklich durchschaut haben. So manches Mal hätte ich ihn am liebsten geschüttelt, getreten und dann wieder fest in den Arm genommen. Auch Hannah, die zwar durch ihre eigenen Erzählungen stark wirkt, aber ihre Grenzen kennt, hätte ich so gern mal geknuddelt oder einfach noch mehr zugehört, denn das Schicksal meinte es nicht gut mit ihr.

Die Story selbst ist spannend, aufwühlend und ließ mich schon in der ersten Hälfte in Tränen ausbrechen. Das passiert mir gerade bei All-Age-Romanen eher selten. Jens Lossau versteht es mehr als perfekt, Emotionen ohne Rücksicht auf Verluste seinen Lesern vor den Latz zu knallen. Kam ich gerade noch mit Hannah nach einer Phobienbekämpfung zu Atem, musste ich mich dem nächsten Zusammenbruch stellen. Eine Achterbahn wirkt dagegen wie eine Kaffeefahrt im Grünen.

Beim Ende habe ich geheult wie ein Schloßhund. Das sagt schon alles darüber aus, wie ich es fand. Der Autor hat eine ganz besondere Saite in mir angeschlagen und ohne Erbarmen auf ihr gespielt!

Der Stil von Jens Lossau ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise passt zu einem jugendlichen Mädchen, ist direkt und emotional, wenn man gerade dachte, man hätte Zeit zum Atmen. Grandios!

Fazit: habt keine Angst und greift zu! Es lohnt sich!

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