Donnerstag, 3. Dezember 2015

Ohne Spuren kommt der Tod

Kalter Zorn
(Mendelsohn-Thriller Band 2)
von Ilja Albrecht

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Im beschaulichen Xanten wird die übel zugerichtete Leiche einer Austauschschülerin aus den USA gefunden. Der Tatort lässt auf einen Satanskult oder ähnliches schließen. Das Team von Boko und Kiran übernimmt den Fall und stellt schnell fest, dass es dem Mörder mitnichten um irgendwelche Kulte ging. Die Recherchen fördern zwei ähnliche Morde in den USA zu Tage. Haben die Ermittler es mit einem internationalen Täter zu tun, der eine blutige Spur durch alle Lande zieht?

"Kalter Zorn" ist der 2. Fall von Boko und Kiran. Bereits mit "Sibirischer Wind" konnte mich Ilja Albrecht überzeugen. Auch Fall Nummer 2 ist spannend, wenn auch nicht die Gefühle angreifend. Damit muss man klar kommen.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man, bis auf wenige Ausnahmen, dem Ermittlungsteam um Kiran und Boko. Der Täter selbst kommt nur höchst selten zu Wort. Das fand ich schade, da ich die Perspektive der Täter in einem Thriller sehr schätze. Die Arbeit der Polizei war jedoch spannend und konnte mich fesseln, so dass ich den fehlenden Blickwinkel des Mörders verschmerzen konnte.

Die Figuren sind gut ausgearbeitet, jedoch empfiehlt es sich dringend, vorher "Sibirischer Wind" zu lesen. Denn dort lernt man die Ermittler schon kennen und kann somit schneller die Gefüge und Beziehungen begreifen. Ich selbst hatte zu Beginn leichte Probleme, weil mir der Vorgänger nicht mehr so präsent war. Dies legte sich aber nach ein paar Kapiteln.

Die Story selbst ist gut und spannend erzählt. Allerdings wahrt Ilja Albrecht eine kühle Distanz zu seinen Figuren. Aus dem Privatleben erfährt man nichts weiter. Und auch die Freizeit der Ermittler wird nicht beleuchtet. Es geht rein um die Fälle und um das Finden des Täters. Das ist für mich was anderes, da ich sonst gern mit den Hauptfiguren lebe, egal ob im Job oder auch privat. Hat man sich aber mal dran gewöhnt, will man ebenso nur noch recherchieren und den Mörder finden.

Das Ende war erfrischend unspektakulär und realitätsnah. Toll fand ich die Analyse des Täters am Ende und warum er zu dem wurde, was er nun ist. Hier hätte ich mir allerdings etwas mehr davon schon innerhalb der Story gewünscht. Dies hätte mir persönlich noch mehr Spaß beim Ermitteln gemacht.

Der Stil von Ilja Albrecht ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist detailreich, nordisch kühl und aufs Wesentliche konzentriert. Nach einer kleinen Eingewöhnungsphase kam ich damit prima zurecht.

Fazit: ein toller, zweiter Fall um Boko und Kiran. Wer es kühler mag, sollte zugreifen!

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