Freitag, 31. Juli 2015

Mein Interview mit Timo Leibig



Hallo Ihr Lieben,

nachdem ich nun auch schon den 2. Thriller von Timo Leibig gelesen habe, wollte ich mal hinter die Kulissen gucken. Daher habe ich Timo per Mail mit meinen Fragen gelöchert und er hat geantwortet.

Viel Spaß!

Frage: welches Buch liest du zurzeit?

Antwort: Es von Stephen King.


F: Du bist ja nur ein Jahr älter als ich. Und ich finde es erstaunlich, dass du nun schon deinen 3. Thriller veröffentlicht hast. Wann hast du mit dem Schreiben begonnen?

A: Erste Schreibversuche einer Geschichte entstanden in der Grundschule, aber dabei blieb es dann bis zum Studium. Dort besuchte ich 2009 einen Werbetext-Kurs, in dem jeder Student ein Textprojekt erstellen sollte, auch aus der Belletristik (die Professorin veröffentlichte selbst unter Pseudonymen Krimis). Also entstand das Konzept zu meinem Erstling „Blut und Harz“. Danach wollte ich das Buch natürlich auch schreiben und setzte mich hinter den Schreibtisch …


F: Wie kamst du zum Genre Thriller? Es hätte ja auch Romantik werden können ;)

A: Ich habe schon immer dunkle Spannung gelesen, von Fantasy über Mystery zu Krimis und Thrillern. Also blieb ich beim Schreiben auch dem Genre treu.


F: Wann und wie schreibst du?

A: Ich schreibe jeden Tag, denn ich habe mir ein Tagespensum von zwei Normseiten gesetzt. So produziere ich – ausgenommen im Urlaub – und schaffe mit dreißig bereits drei Thriller ;-)
Und wie ich schreibe ist ziemlich unspektakulär: hinterm Schreibtisch.


F: Benötigst du vollkommene Ruhe zum Schreiben oder kann es ruhig wuselig zugehen?

A: Ich brauche schon Ruhe, um mich auf die Geschichte und den Text zu konzentrieren. Ausgenommen ist stimmungsvolle Musik – ohne deutschen Text, denn der lenkt mich wieder ab. Außerdem lese ich mir oft Passagen laut vor. „Würden Sie einen Mord begehen?“ „Ja.“  Eine solche Passage würde in einem Cafè wohl weniger gut ankommen ;-)


F: In deinem 3. Thriller geht es um Kindesentführung. Wie kamst du auf die Idee?

A: Die Idee war einfach letztes Jahr in meinem Kopf.


F: Was sagt deine Familie und dein Umfeld dazu, dass du dich in deinen Thrillern nicht zurück hältst und durchaus intensive Einblicke in den Geist der Täter bietest?

A: Bisher bin ich weder negativ noch positiv darauf angesprochen worden. Auf das Schreiben schon, das die meisten Leute positiv finden, aber nicht auf die Beschreibung von Gewalt oder die Einblicke in den Geist der Täter. Ich glaube, keiner möchte diese Frage direkt stellen.


F: Wenn du nicht schreibst oder arbeitest, was tust du dann?

A: Zählt Lesen zur Arbeit eines Autors? Spaß beiseite: also in meiner Freizeit treibe ich Sport, koche gern und fahre noch lieber in den Urlaub, um abzuschalten. Dann sprudeln meistens die Ideen, und ich lande wieder bei der Arbeit.


F: Wird man dich auch mal live erleben können auf einer Messe oder Lesung?

A: Dieses Jahr steht im August (22./23.) der SeenLandMarkt in Absberg an. Aus der Region stamme ich, und dort signiere und verkaufe ich meine Thriller in wunderbarem Ambiente (direkt auf einer Halbinsel am Brombachsee).
Ansonsten werde ich wohl noch auf der Frankfurter Buchmesse sein und meine Lektorin und andere Menschen der Verlags- und Indie-Branche treffen.
Und wie es mit Lesungen aussieht, ist noch nicht klar. Darüber informiere ich aber rechtzeitig auf meiner Webseite und Facebook.


F: Gibt es für dich literarisch gesehen ein Vorbild?

A: Ein spezielles Vorbild habe ich nicht, aber ich bewundere von verschiedenen Autoren besondere Eigenschaften. Diese Eigenschaften nehme ich mir dann zum Vorbild. Stephen King z. B. schreibt enorm starke Charaktere, während z. B. Chuck Palahniuk den treffendsten Sarkasmus an den Tag legt, den ich je gelesen habe. Und erwähnte ich schon George R.R. Martin, der die Schreibregel „Show, don’t tell“ wie kein anderer beherrscht? Die Liste ließe sich sehr lange fortführen …


F: Kannst du schon einen Ausblick geben auf den nächsten Fall deiner Ermittler?

A: Sehr gern: Leonore und Walter werden es mit einer verstümmelten Wasserleiche zu tun bekommen, die die Ermittler vor einige Rätsel stellen wird. Der zweite Fall ist ein Ausflug auf die dunkle Seite unserer Welt. Mehr möchte ich allerdings noch nicht verraten.

Danke Timo für deine Antworten. Ich bin gespannt, ob wir uns auf der Buchmesse begegnen. Toll wäre es!

Donnerstag, 30. Juli 2015

Du bist tot, ich MUSS leben


Bald ruhest du auch
von Wiebke Lorenz

Eine Leseprobe findet ihr hier

Lena ist im 8. Monat schwanger, als ihr Mann Daniel tödlich verunglückt. Noch in der Trauer begriffen, schenkt Lena wenig später der gemeinsamen Tochter Emma das Leben. Doch eine Beziehung kann die junge Mutter nicht zu ihrem Kind aufbauen. Zu sehr schmerzt der Verlust ihres geliebten Ehemannes. Bis eines Tages Emma entführt wird. Und schlagartig muss sich Lena der Frage stellen: Liebt sie ihr Kind genug, um es zu retten?

"Bald ruhest du auch" ist der neuste Thriller von Wiebke Lorenz und mein erstes Werk von ihr. Denn obwohl die Autorin schon einige Bücher veröffentlicht hat, habe ich bisher noch zu keinem gegriffen. Nach der Lektüre ihres Thrillers frage ich mich: Warum? Denn dieses Buch hat mich begeistert.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler wiedergegeben. Dabei folgt man aber ständig Lena und zwar sowohl in der Gegenwart, als sie mit der Trauer um Daniel fertig werden muss, als auch in der Vergangenheit, wie die beiden sich kennengelernt haben, versuchten ein Baby zu bekommen und Daniels ältere Tochter Josy in das Leben von Lena trat. Diese Verwebung von Damals und Jetzt hat mir sehr gut gefallen. Ich konnte so nachvollziehen, was für ein Mensch Daniel war, wie Lena denkt und vor allem auch wie Josy, die sich von ihrem Vater verlassen gefühlt hat, mit ihrer Trauer umgeht.

Lena ist eine Figur, die ich nicht von Anfang an ins Herz schließen konnte. Bis zum Schluss hin wurde sie mir nicht vollkommen sympathisch, dennoch konnte ich mit ihr mitfiebern, mitleiden und auch mitweinen. Denn Wiebke Lorenz beschreibt die Gefühlswelt ihrer Hauptfigur so eindrucksvoll und mit dem richtigen Auge für Details, dass ich haargenau nachempfinden konnte, wie Lena sich in den jeweiligen Situationen fühlt. So waren auch ihre Ausraster, so heftig sie auch ausfielen, durchaus verständlich. Toll!

Die Story selbst hat mich von Seite 1 an gepackt. Zwar hatte ich gerade zu Beginn die Befürchtung, dass der Roman nach Schema F abläuft und es hier eine 08/15 – Rachestory gibt, doch die Autorin hat mich schnell eines besseren belehrt. Denn schon nach wenigen Seiten war meine Hauptverdächtige tot. Das musste ich erstmal sacken lassen. Und so konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen, bis ich wusste, wer hinter all dem steckt. Daher ist es auch wenig verwunderlich, dass ich den Roman innerhalb eines Tages gelesen habe.

Der Stil von Wiebke Lorenz ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist emotional, aber nicht weinerlich, geradeaus, wo sie es sein muss und mit Fingerspitzengefühl, wo es angebracht ist. Für mich eine sehr gute Mischung.


Fazit: ein toller Thriller, der mich in Schach gehalten hat. Eine klare Leseempfehlung.

Mittwoch, 29. Juli 2015

2 Schicksale geschickt miteinander verwoben


5 Tage, die uns bleiben
von 
Julie Lawson Timmer

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Mara ist Staranwältin, Mutter und Ehefrau. Und zudem ist sie totkrank. Die Anwältin leidet an Chorea Huntington, eine Krankheit, die die Nerven im Körper zerstört. Doch Mara will sich nicht der Krankheit hingeben und hat sich ein eigenes Todesdatum gesetzt. In 5 Tagen will sie gehen...
Scott und seine Frau Laurie haben für ein Jahr den kleinen Curtis bei sich aufgenommen. Die Mutter des Jungen muss wegen Drogen ins Gefängnis und der große Bruder liegt Scott so am Herzen, dass seine Frau und er sich dazu entschlossen haben, Curtis für 12 Monate ein Zuhause zu geben. Doch diese Zeit läuft in 5 Tagen ab...

"5 Tage, die uns bleiben" ist das Debüt von Julie Lawson Timmer und hat mir über weite Strecken sehr gut gefallen. Die Autorin widmet sich in ihrem Erstling direkt 2 schweren Themen: Chorea Huntington und die Pflege eines Kindes. Beides sind Themen, die für sich allein schon ein Buch füllen könnten. Dennoch hat es Timmer geschafft, mir beide Schicksale näher zu bringen.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man kapitelweise Mara und Scott. Während Mara sich der Krankheit Huntington oder kurz HK stellen muss, wird Scott damit konfrontiert, dass ihm sein Pflegesohn bald in Richtung leiblicher Mutter wieder verlassen muss. Beide Schicksale sind sehr unterschiedlich, dennoch haben sie eines gemeinsam: Abschied nehmen.

Mara nimmt gerade in der ersten Hälfte des Buches einen Großteil der Geschichte ein. Und obwohl die Autorin sehr ausführlich und auch gefühlvoll über die Anwältin und ihre Familie schreibt, konnte ich mit Mara nicht so richtig warm werden. Die Mutter einer kleinen Adoptivtochter blieb mir emotional fern, wohl auch deswegen, weil sie selbst sehr kühl und kontrolliert wirkt. Mara gesteht sich lange nicht ein, krank zu sein. Und selbst, als sie mit Sicherheit weiß, dass sie an HK erkrankt ist, sträubt sie sich mit Händen und Füßen gegen jede Hilfe. Das konnte ich auf der einen Seite sehr gut nachvollziehen, so wie ich auch ihre manchmal hässlichen Gedanken mehr als verstehen konnte, auf der anderen Seite war diese Uneinsichtigkeit mir irgendwann zu viel.

Scott hingegen habe ich sofort ins Herz geschlossen. Seine warme, aufopferungsvolle Art mit Curtis umzugehen, sein Drang, die Welt zu retten und seine Liebe zu seiner Frau haben mich sofort für ihn eingenommen. Und im Laufe der Geschichte zeigt auch er seine nicht ganz so tollen Seiten, was ihn für mich noch sympathischer gemacht hat. Ja, ich hätte ihn auch so manches Mal schlagen können, weil er sich eine perfekte Welt erträumt hat und die Wahrheit nicht sehen wollte, dennoch kam ich mit ihm sehr viel besser klar als mit Mara.

Der Roman selbst hat mich bis zur Hälfte sehr in seinen Fängen gehalten, danach flacht die Geschichte ab und nimmt zum Ende hin nochmal Fahrt auf. Bei zwei so emotionalen Themen ist es auch schwierig den Grat zwischen Overkill und "zu wenig" zu finden, dennoch hätte ich mir in der zweiten Hälfte etwas mehr Geschehen gewünscht. Trotz dessen hat mir die Lektüre Spaß gemacht.

Das Ende hat mir sehr gut gefallen und passte zum Roman. Ich habe die letzten Seiten nur noch weinend gelesen, weil es mir sehr nahe ging. Genau so gab es während des Lesens immer wieder Stellen, an denen mir auf einmal die Tränen in die Augen schossen, weil es so berührend war.

Der Stil von Julie Lawson Timmer ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt, gefühlvoll, drückt aber nicht zu sehr auf die Tränendrüse. Die Autorin schafft es, zwei dramatische Themen passend und gut in Szene zu setzen.


Fazit: ein wundervoller, manchmal trauriger Roman. Wer mit den kleinen Schwächen klar kommt, sollte zugreifen!

Samstag, 25. Juli 2015

Willkommen in N'amercaá!


Messerwunden
(N'armercaá Folge 1)
von Georg Bruckmann

Eine Hörprobe findet ihr hier

N'amercaá ist keine Stadt, die glücklich macht. Umgeben von einer stürmischen See, beherrscht vom Adel, versucht der Dieb Igben einfach nur zu überleben. Dabei macht er vor nichts halt und ihm ist jedes Mittel recht. Bis er eines Tages über ein Komplott stolpert, das dem Reich und somit seiner Lebensgrundlage gefährlich werden kann. Das kann Igben nicht zulassen. Mutig begibt er sich in den Kampf. Wird er Erfolg haben?

"N'amercaá" ist zwar mein drittes Hörbuch von Georg Bruckmann, doch chronologisch gesehen ist es das erste Werk des Autors. Erzählte er mir bisher von der Welt nach dem 3. Weltkrieg oder einem furchtlosen Ermittler, entführte er mich diesmal in eine trostlose Fantasy-Welt. Und es hat mir gefallen.

Die Geschichte wird von einem allwissenden Erzähler berichtet. Während der ersten Kapitel lernt man Igben nur wenig kennen. Der Sprecher legt hier sein Hauptaugenmerk auf die Beschreibung und Charakterisierung der Stadt und Insel. So erschafft Georg Bruckmann eine düstere, trostlose und rauhe Welt. Das hat mich überrascht. Denn von seinen anderen Büchern kenne ich es, dass er seine Figuren in den Vordergrund rückt.

Dennoch lernt man im Laufe der rund 2 Stunden den Dieb Igben gut kennen. Nicht so tief und persönlich, wie ich es mir gewünscht hätte, jedoch für die erste Folge mehr als ausreichend. Und obwohl der Dieb alles andere als ein leuchtendes Vorbild in Sachen Verhalten, Attitüde und Charakter ist, schaffte es der Autor, dass ich mit ihm mitfiebern konnte. Toll!

Die Stimme von Georg Bruckmann hat mich auch hier wieder gefangen genommen. Ich habe die Folge während einer Autofahrt gehört und dabei prompt meine Ausfahrt verpasst, weil ich mich auf die Stimme, die Geschichte und...zugegeben, einen Truck voller Sportwagen konzentriert habe. Die Schleife, die ich dann fahren musste, tat mir aber nicht weh, denn das Hörbuch war es definitiv wert.


Fazit: eine feine, kurzweilige Geschichte, die mich gefangen gehalten hat. Klare Hörempfehlung.

Ihr wollt direkt loshören? Dann klickt hier und schon könnt Ihr Euch entführen lassen.

Freitag, 24. Juli 2015

Über die widersprüchlichen Gefühle einer Geisel


(Quelle: www.cupido-books.com)
Stockholm - Syndrom
von Lenore Gregor

Eine Leseprobe findet ihr hier

Kara hat sich mit ihrem Freund Sebastian und dessen besten Kumpel Marc in ein einsames Hüttchen verzogen, damit sie alle in Ruhe an ihren Bachelor-Arbeiten schreiben können. Doch aus der Ruhe wird nichts, denn plötzlich stehen 4 Bankräuber in der Hütte, nehmen die drei als Geiseln und besetzen das Haus, bis sie die Übergabe machen können. Marek, der Anführer der Räuber, scheint dabei aber nicht unmenschlich zu ein und so kommt es, dass Kara bald sowas wie Mitleid für ihn empfindet. Darf ein Opfer das?

"Stockholm – Syndrom" war mein erster Roman von Leonore Gregor und er hat mir gut gefallen. Der Kurz-Thriller mit erotischen Einschüben bringt auf prägnante Art und Weise dem Leser das sogenannte "Stockholm – Syndrom" näher, bei dem sich das Opfer im Laufe der Zeit mit dem Täter verbündet.

Die Geschichte wird von Kara aus der Ich-Perspektive erzählt. Die junge Frau entpuppt sich schnell als Vorteil für die Geiselnehmer, immerhin ist sie leicht zu bändigen, kann kochen und ist auch sonst gefügig, da sie das Leben der Jungs schützen will. Für mich war das Verhalten auch sehr gut nachvollziehbar, da die Autorin die 4 Verbrecher gut charakterisiert, aber nicht so sehr in die Details geht, so dass der Leser genau so unsicher bleibt wie Kara. Toll!

Obwohl sich der Thriller nur in der kleinen Hütte abspielt, ist er spannend und durchaus fesselnd. Trotz seiner Kürze von circa 160 Seiten schafft Leonore Gregor es, dass ich mit Kara mitgelitten, mitgefühlt und mitgeschwankt habe. Ich konnte ihre widersprüchlichen Gefühle Marek gegenüber sehr gut nachvollziehen und für mich war der Fortgang der Geschichte, so erschreckend er auch für jemand Aussenstehenden wirkt, logisch.

Die erotischen Szenen sind zurückhaltend und für mich passend eingestreut. Es gibt kein wildes Rumgebeisse oder Orgien, das Ganze läuft realitätsnah und erschreckend gefühlvoll ab.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings für mich: ich hätte gern mehr über Kara und ihre Geschichte erfahren. Das Mädchen selbst deutet zwar einiges an und man erfährt vieles durch ihre Gedanken, doch viel mehr bleibt noch verborgen. Was bewegt sie, warum ist sie mit Sebastian noch zusammen, was macht Marek so anziehend? Diese Fragen werden oberflächlich beantwortet, aber hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Dennoch tat dies meinem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Das Finale ist dramatisch, etwas sentimental, doch alles in allem gut passend zur Geschichte. Allerdings bleiben einige Fragen offen, die ich gern beantwortet gehabt hätte. Nichtsdestotrotz hat mich das Ende zufriedengestellt.

Der Stil von Leonore Gregor ist gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise passt zu einer Studentin, sie beschreibt die Gefühle klar und je nach Situation so verwirrend, wie es in dem Kopf einer Geisel eben aussehen würde.

Fazit: ein feiner Kurz-Thriller, der mir Vergnügen bereitet hat. Eine Leseempfehlung für einen schönen Nachmittag!

Donnerstag, 23. Juli 2015

Von Hormonen und Sprungeinheiten


(Quelle: www.amazon.de)

Liebessprung
von Christiane Bößel


Eine Leseprobe findet ihr hier

Liz, eigentlich Elisabeth, arbeitet auf der Urologie eines kleinen Krankenhauses als Pflegeschwester. Täglich muss sie sich um die besten Teile von älteren Herren kümmern, sie waschen und notgedrungen betrachten. Lichtblick ist für sie der OP-Pfleger Helmut, der nur einen bescheuerten Namen trägt, aber sonst aussieht wie Mr. Playboy persönlich. Kann sie bei ihm landen?
Vincent ist Kommandant einer Wacheinheit. Während einem seiner Rundgänge fallen ihm Unregelmäßigkeiten auf. Was geht da vor? Diese Frage kann er sich nicht mehr beantworten, denn er wird brutal niedergestreckt und kann sich beim Aufwachen nicht verständlich machen. Was ist passiert?

"Liebessprung" ist das Debüt von Christiane Bößel und konnte mich leider nicht überzeugen. Der Klappentext hat mich neugierig gemacht, denn es wurde eine Mischung aus Sci-Fi und Romantik angedeutet. Dies ist jedoch erst ab der Hälfte der Fall. Und hat mir so den Spaß stark genommen.

Die Geschichte wird kapitelweise von Vincent und Liz aus der Ich-Perspektive geschildert. Dabei kommt in der ersten Hälfte häufiger die nur 1,50 m große Krankenschwester zu Wort. Und genau da lag für mich das Problem. Liz war mir von Beginn an unsympathisch. Sie hat keinen Elan, verspürt keinen Wunsch nach Veränderung, himmelt einen Macho an und merkt nicht mal, dass dieser sie nach Strich und Faden veräppelt. Selbst als es offensichtlich und für den Leser schon mit Leuchtreklame markiert wird, himmelt sie immer noch Helmut an und träumt von einer gemeinsamen Zukunft.
Ja, die Liebe kann einem das Hirn vernebeln, aber hier hat die Autorin in meinen Augen zu dick aufgetragen. Dadurch wirkt Liz auf mich zu devot, zu "Hechel – Weibchen" mäßig, einfach zu sehr kleines, dummes Frauchen. Das muss nicht sein.

Vincent lernt man in der ersten Hälfte leider kaum kennen, was ich schade finde, da diese Figur gute Ansätze hat. Zwar konnte ich mir auch bei ihm ein Augenrollen nicht verkneifen, immerhin benötigt er als Alpha-Mann nur Frauen für das Eine und jeglicher anderer Kontakt zum weiblichen Geschlecht ist ihm schlichtweg zu doof, aber wenigstens ist er offen und ehrlich. Das hat mir gefallen.

Die Story an sich ist schon interessant und Christiane Bößel konnte mich durch ihre tolle Art zu erzählen auch lange bei der Stange halten. Leider ist für mich die Einführung von Liz sehr missglückt und Spannung kam erst ab der Hälfte auf. Ein paar Kürzungen zu Beginn und der Roman hätte mich mehr begeistern können.

Natürlich dürfen auch hier die Klischees nicht fehlen. Und diese werden gerade von der Krankenschwester mehr als genügend bedient. Wie sonst ist es zu erklären, dass sie sich mehrmals vom größten Macho flachlegen lässt, natürlich an die große Liebe glaubt, an freien Nachmittagen Twilight schaut und sich, als sie ihren Job wechselt, sofort in den komatösen geheimnisvollen Patienten auf der Intensiv verguckt? Ich habe nichts gegen Frauen, die ab und an mal das althergebrachte Rollenbild präsentieren, aber doch nicht bitte so unterwürfig und so extrem.

Der Stil der Autorin ist gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise hat etwas einnehmendes und durch ihre Lockerheit konnte ich mich gut in die Geschichte einfinden, auch wenn sie mich nicht überzeugt hat.

Fazit: Christiane Bößel kann erzählen, nur die Geschichte an sich war nicht meins. Schade!


Mittwoch, 22. Juli 2015

Verschwundene Mädchen und ein alter Fall


Mädchendurst
(Goldmann - Brandner - Reihe Band 1)
von Timo Leibig

Eine Leseprobe findet ihr hier

Leonore Goldmann und Walter Brandner sind schon lange Jahre ein erfolgreiches Ermittlerduo. Beide haben Erfahrung und sind gestandene Polizeibeamte. Doch es gibt eine Akte, die sie nicht zur Ruhe kommen lässt: das Verschwinden der Sommerferienkinder. Seit Jahren gab es allerdings keine neuen Fälle. Da verschwindet eine komplette Klasse von 8 Mädchen inklusive Lehrerin. Der Fall geht an die beiden Ermittler und Brandner ist schnell klar: da muss es einen Zusammenhang geben. Können die Mädchen noch gerettet werden?

"Mädchendurst" ist der Auftakt zu einer neuen Reihe von Timo Leibig. Dabei wird es sich um die Arbeit des Duos Goldmann/Brandner drehen. Ich kenne bereits "Herznote", welches mich begeistert hatte, und ich kann sagen: auch "Mädchendurst" konnte mich überzeugen.

Die Geschichte wird abwechselnd von einem auktorialen und einem Ich – Erzähler wiedergegeben. Während man zum Einen der Polizei und ihren Ermittlungen folgt, erfährt man auf der anderen Seite hautnah, wie der Täter mit sich und seinem Gewissen zu kämpfen hat. Diese Mischung fand ich großartig, da sie einen Einblick in beide Welten erlaubt. Zudem finde ich es sehr gut, dass Timo Leibig für den Täter die Nähe verursachende Ich-Perspektive gewählt hat. Dadurch wird das Grauen fassbarer und realer.

Das Duo aus Leonore und Walter ist erfrischend anders als die mir bekannten Ermittler. Zum Einen sind die beiden gestandene Persönlichkeiten. Walter steht sogar kurz vor der Pensionierung und Leonore ist mit über 40 auch alles andere als ein Jungspund. Dafür sind die Zwei geerdet, strotzen nicht vor überbordenen Drang die Welt zu retten und wirken dadurch realistisch und menschlich. Timo Leibig reißt auch kurz private Probleme der Beiden an, bleibt hier aber bis auf wenige Fakten wage. Gern hätte ich mehr von Brandner und Goldmann erfahren. Vielleicht kommt das noch in den nächsten Bänden.

Die Story an sich ist fesselnd und spannend erzählt. Durch die kurzen Kapitel gewinnt der Thriller schnell an Fahrt und die Seiten flogen nur so dahin. Die Ausarbeitung des Täters und seiner Beweggründe fand ich gut, hätte mir aber noch mehr Tiefe gewünscht. Das hätte dem Werk den letzten Schliff gegeben.

Das Ende war für mich passend und gut hergeleitet. Und Timo Leibig hat zum Glück nicht auf den 08/15 – Schluss "ein Polizist gegen den Bösen" zurückgegriffen. Da möchte ich Danke sagen!

Der Stil des Autors ist flüssig und einfach zu lesen. Seine Erzählweise hat mich von Beginn an eingefangen, war mal beängstigend aufgrund der Nähe zum Täter und mal analysierend, wenn es um die Polizeiarbeit ging. Toll!


Fazit: ein sehr guter Thriller, bei dem ich mir mehr Seiten gewünscht hätte. Dennoch kann ich ihn ohne Probleme empfehlen!

Dienstag, 21. Juli 2015

Toller Auftakt zu einer finnischen Trilogie


Lauras letzte Party
(Palokaski - Trilogie Band 1)
von J. K. Johansson

Eine Leseprobe findet ihr hier

Miia hat ihren Job bei der Polizei als Spezialstin fürs Internet an den Nagel gehängt. Zu sehr lebte sie in der virtuellen Welt. Jetzt kehrt sie als Sonderpädagogin an ihre alte Schule zurück und unterstützt somit den Schulpsychologen Nikke, der auch ihr älterer Bruder ist. Direkt am ersten Tag wird sie mit einem traurigen Fall konfrontiert: Laura Anderson ist verschwunden. Niemand weiß, wo sie ist. Doch im Internet tauchen erste Gerüchte auf und die sind beschämend, erschreckend und bringen Miia dazu, selbst Nachforschungen anzustellen. Wo ist Laura?

"Lauras letzte Party" ist Part 1 der Palokaski – Trilogie und hat mir, bis auf einige Abstriche, sehr gut gefallen. Hinter dem Pseudonym J. K. Johansson verbirgt sich eine Gruppe finnischer Autoren und Drehbuchschreibern. Umso überraschter war ich, dass ich gerade mit einem skandinavischen Roman so gut klar komme.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler wiedergegeben, jedoch folgt man zum Großteil Miia und ihren Gehversuchen als Sonderpädagogin an ihrer alten Schule in Palokaski. Hier offenbart sich schnell, dass die junge Frau selbst große Probleme mit ihrer Abhängigkeit vom Internet hat und sich strenge Regeln auferlegen muss, damit sie nicht wieder vollkommen abdriftet. Das war interessant, auch wenn ich es schade fand, dass hier nicht weiter ins Detail gegangen wurde. So blieb die Sucht oberflächlich.

Dennoch ist mir Miia sympathisch geworden, zumal man beim Lesen auch einen Einblick in ihr Privatleben bekommt, samt Mädelsabend, One Night Stands und dem Versuch, sich wieder im Polizeijob zu verdingen. Die Mischung ist J. K. Johansson sehr gut gelungen und hat mich einige Male sogar fies lächeln lassen. Besonders dann, wenn Miia und ihre beste Freundin Suski über die anderen Mädels ihrer Clique lästerten.

Auch die Story an sich konnte mich fesseln. Ein Mädchen verschwindet von heut auf morgen und im Internet machen sich Gerüchte breit. Das ist zwar in so fern keine neue Idee, aber die Autoren haben das Thema für mich ansprechend in Szene gesetzt. Denn sie haben sich vor allem auf die Suche und das Drumherum konzentriert und das Opfer nicht schon nach 50 Seiten niedergemetzelt. Toll!

Und hier komme ich auch schon zu den Schwachpunkten: das Ende war mich eilig, so als ob eine bestimmte Seitenzahl nicht überschritten werden darf. Das fand ich schade, 100 Seiten mehr hätten dem Roman gut getan. Auch bleiben alle Figuren skandinavisch kühl, was mich zwar nicht sehr gestört hat, aber gerade bei emotionalen Szenen wie im Schlafzimmer oder Unfruchtbarkeit hätte es dann doch etwas mehr Gefühl sein dürfen. J.K. Johansson bleibt auch bei einigen Dingen oberflächlich, wo ich mir mehr Tiefe gewünscht hätte, wie z.B. bei Miikas Internetsucht, Nikkes Job oder auch dem Zusammenspiel aller Jugendlichen.

Obwohl das Ende holprig war, bin ich gespannt, wie die Trilogie fortgesetzt wird, denn es wird mehr als deutlich, dass man es hier mit dem ersten Band einer Reihe zu tun hat.

Der Stil von J. K. Johansson ist sehr gut und flüssig zu lesen. Die Erzählweise ist direkt, ehrlich und ohne große Umschweife. Ab und an kühl und mit wenig Detail macht die Gruppe es zwar dem Leser etwas schwieriger, aber alles in allem habe ich den Roman verschlungen.


Fazit: ein toller Auftakt zu einer Trilogie, die ich auf jeden Fall weiterlesen werde. Eine klare Leseempfehlung trotz der Schwächen!

Montag, 20. Juli 2015

Überlebt, gekämpft, gefährlich


(Quelle: www.blanvalet.de)
K - Kidnapped
(Kick - Lannigan - Reihe Band 1)
von Chelsea Cain

Eine Leseprobe findet ihr hier

Kick Lannigan ist 21 und hat in ihrem Leben mehr erlebt, als eine junge Frau erleben sollte. Mit 6 Jahren wurde sie entführt, 5 Jahre gefangen gehalten und dann eher per Zufall befreit. Seitdem trainiert sie hart und hat sich geschworen: Niemand zwingt mich mehr zu irgendetwas. Doch dann tritt John Bishop in ihr Leben und will ihre Hilfe bei der Aufklärung von 2 Entführungen. Entführungen, die Kick sehr an ihre eigene erinnern. Wird sie dem Unbekannten helfen?

"K – Kidnapped" ist der Auftakt zu einer neuen Reihe von Chelsea Cain. Obwohl die Autorin schon eine erfolgreiche Reihe auf den Markt gebracht hat, war dieser Thriller mein erstes Buch von ihr. Und es hat mir über weite Strecken gut gefallen.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei steht aber klar die 21-jährige Kick im Vordergrund. Man lernt sie nicht wirklich kennen, sondern darf sich glücklich schätzen, sie bei Dingen wie Training auf dem Schießstand, Ermittlungen mit ihrem Bruder James oder ihre Runde mit ihrem Hund Monster begleiten zu dürfen. Die junge Frau öffnet sich dem Leser kaum und gewährt nur ab und an Einblicke in ihr Seelenleben oder ihre Vergangenheit. Und diese Flashbacks sind so spontan und unzusammenhängend, dass ich genau so verwirrt wie Kick war. Das hat mir gut gefallen, ab und an war es jedoch zu viel.

Denn dadurch wurde vor allem der erste Teil des Thrillers so unstet wie die Hauptfigur. Gerade im Zusammenspiel mit Bishop konnte ich Kick nicht immer verstehen oder ihre Handlungen nachvollziehen. Als langjähriges Opfer hat sie zu viel gesehen und erlebt und sich dadurch Verhaltensweisen antrainiert, die für Menschen, die nie in solch einer Situation waren, nicht verständlich sind. Und Chelsea Cain erklärt sie auch nicht beziehungsweise in meinen Augen zu wenig. Das hat mich ab und an genervt mit den Augen rollen lassen. Denn ich wollte Kick verstehen, ihre Handlungen begreifen, doch konnte es aufgrund mangelnder Details nicht immer.

Ab der zweiten Hälfte des Buches war ich dann aber so gefangen, dass ich einfach nur noch wissen wollte, wer hinter all dem steckt, was Bishop und Kick versuchen zu ergründen. Und so flogen die 200 Seiten bis zum Schluss nur so dahin, denn ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen und habe es an einem Abend durchgelesen. Das schaffen nur wenige Romane bei mir.

Die Figuren, allen voran Bishop und Kick, sind geheimnisvoll, verstörend und so gut charakterisiert, dass ich die Reihe weiterlesen werde. Denn obwohl sie nicht alles preisgeben, haben sie mich so neugierig gemacht, dass ich wissen will, was in ihren Köpfen passiert und warum sie so sind, wie sie sind. Und dies auch bei der 21-jährigen. Denn obwohl ihr Schicksal recht offensichtlich ist, gibt es dazu wenig Details.

Der Stil von Chelsea Cain ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt, distanziert und passt damit zu Kick. Große Emotionen oder ähnliches sucht man fast vergeblich, was für mich sehr gut gepasst hat.

Fazit: ein Thriller, der für mich anders, aber auch faszinierend war. Wer den ersten Teil übersteht, kann sich auf eine sehr gute Geschichte freuen. Greift zu!

Sonntag, 19. Juli 2015

3 Romane, eine Geschichte: wie weit darf der Mensch gehen?


Homo ambrosius - Der unsterbliche Mensch
von Albert Karer

Biologie und Technik. Schon lang verbindet die beiden Wissenschaften mehr, als sie trennt. Schon heute versuchen Biologen und Mediziner, sich die Technik nutzbar zu machen um das menschliche Leben zu verlängern, Krankheiten zu heilen oder Operationen an Stellen vorzunehmen, bei denen man vor 20 Jahren noch verstorben wäre. Doch wie weit darf die Wissenschaft gehen? Und wer setzt die Grenze?

"Homo ambrosius – Der unsterbliche Mensch" ist der Sammelband dreier Romane von Albert Karer. In seinem Gesamtwerk behandelt der Autor die Frage, wie sehr wir schon von der Technik abhängig sind und wo die Grenzen verlaufen. Alle 3 Romane haben mir sehr gut gefallen und lassen sich auch locker als ein zusammenhängdes Werk lesen.

Die Geschichte beginnt mit illegalem Organhandel und einem jungen Mann, der als Hacker im Gefängnis sein Dasein fristen muss. Tobias Feist, so der Name des Hackers, wird von der Regierung angeworben um vermeintlich unbedeutenden Verbrechen auf die Spur zu kommen. Dabei entdeckt er zusammen mit seinem Vorgesetzten ein Netzwerk aus Organhandel und -transplantationen, das sich bis weit in die höchsten Kreise erstreckt. Daraus entwickelt sich schnell ein actiongeladener Thriller, der im weiteren Verlauf science-fiction-artige Züge annimmt, ohne dabei vollkommen an der Realität vorbei zu denken. Das hat mir besonders gut gefallen.

Auch die Ausführungen Albert Karers haben mir sehr gut gefallen. Während man in Band 1 einen Einblick in die Welt des Organhandels bekommt, zeigt er im weiteren Verlauf auch, wie gefährlich Hackerangriffe werden können und wie weit uns Maschinen das Denken abnehmen werden. Dabei bleibt der Autor aber in meinen Augen nah an der Realität und liefert sich nicht völlig seiner Fantasie aus. Dadurch werden die 3 Romane glaubwürdig und gleichzeitig beängstigend.

Mit Tobias Feist hat der Autor eine Hauptfigur erschaffen, die nicht auf den ersten Blick unbedingte Sympathie verdient. Tobias ist ein zurückhaltender, fast einsiedlerischer Mensch, der nur in der Technik vollkommen auflebt. Doch wenn man ihn da mal packt, blüht er wie eine Rose auf und ist kaum noch zu bremsen. Im Laufe des Lesens habe ich Feist gern gewonnen, auch wenn er immer wieder Verhalten an den Tag legte, über das ich den Kopf geschüttelt habe. Aber insgesamt habe ich Tobias sehr gern begleitet.

Der Stil von Albert Karer ist sehr gut zu lesen. Seine Erzählweise ist geprägt von wissenschaftlichen, aber gut verständlichen Ausführungen und ich hatte immer das Gefühl, dass er mehr Informationen in einem Satz transportieren kann, als andere Autoren auf mehreren Seiten. Toll!

Fazit: ein toller Sammelband, der mich positiv überrascht hat. Wer sich für Wissenschaft und Technik interessiert, sollte zugreifen!

Samstag, 18. Juli 2015

Eine Geschichte über das Leben, wie es spielen kann


Das zufällige Leben der Azalea Lewis
von J. W. Ironmonger

Eine Leseprobe findet ihr hier

Thomas Post ist Herr der Zufälle. Für ihn gibt es für jeden Zufall eine logische und mathematische Erklärung. Bis Azalea Lewis in sein Leben tritt. Die 33-jährige berichtet ihm von ihrem Leben und zwingt ihn, sich mit der Möglichkeit auseinanderzusetzen, dass nicht alles logisch erklärbar ist, selbst wenn man es versucht. Kann Thomas da mithalten? Oder wird er Azalea beweisen, dass ihre scheinbaren Vorhersehungen nur Humbug sind?

"Das zufällige Leben der Azalea Lewis" ist das Debüt von J. W. Ironmonger und hat mir sehr gut gefallen. Obwohl als Jugendbuch ab 14 Jahren eingeordnet, hat es mich durch seine unglaubliche Geschichte und den wundervollen Erzählstil in seinen Bann gezogen.

Obwohl der Roman von einem auktorialen Erzähler berichtet wird, hatte ich die gesamte Zeit das Gefühl, als wenn ich der erzählenden Person gegenüber sitze und sie mir lebhaft von den Begebenheiten erzählt. Dabei springt der Autor gern in Zeit und Ort hin und her. Als Orientierung dienen die genannten Zeiten über den Kapiteln, ansonsten könnte man leicht durcheinander kommen. J. W. Ironmonger verwebt die Gegenwart mit einer weit zurückliegenden Vergangenheit, erzählt von mehreren Leben, wie sie zusammenhängen und warum alles so kam, wie es kommen musste. Obwohl hierbei klar Azalea im Vordergrund steht, habe ich so auch Thomas Post, die Eltern Azaleas und einen Teil Afrikas kennenlernen dürfen. Toll!

Die Story selbst hat mich vom ersten Satz an gefangen genommen. Azaleas Leben hat so viele Kurven wie eine Rennstrecke und dabei hat sie Dinge erlebt, die man keinem Menschen wünscht. Und genau mit so einer Wendung hat der Autor mich endgültig gepackt. Denn so locker-flockig-leicht sein Stil ist, so berührend, traurig und teilweise schockierend ist die Geschichte, die er damit erzählt. Dieser krasse Gegensatz bewirkte, dass ich mit Spannung immer weiterlas und nicht vom Buch lassen konnte. Die Seiten flogen nur so dahin, auch wenn das große Thema Afrika kein leichtes war.

Und auch wenn Azalea die Hauptperson darstellt, ist mir eine andere Figur sehr ans Herz gewachsen: Thomas Post. Der Mann für Zufälle schwadroniert so herrlich über die mathematischen Möglichkeiten, erklärt sein Wissen mit einer Überzeugung, die man selten trifft und tut das in meinen Augen so bildhaft, dass ich einfach weiterlesen konnte. Selbst wer in Quantenphysik und Stochastik nicht bewandert ist, lernt mit Thomas schnell, wie Zufälle wirklich zu sehen sind. Herrlich!

Der Schluss ist passend, wenn auch nicht abschließend. Für mich geht das allerdings in Ordnung, denn so passt er sehr gut zur gesamten Geschichte.

Der Stil von J. W. Ironmonger ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist besonders, denn er erzählt so leicht und immer wieder mit ironischen oder witzigen Seitenhieben. Ich hatte das Gefühl, ich bin die gesamte Zeit dabei und bekomme Details gezeigt, die mir sonst verborgen geblieben wären. Einfach toll!


Fazit: ein für mich großartiges Buch, das Jugendliche zum Innehalten anregen wird. Eine klare Empfehlung von mir!

Freitag, 17. Juli 2015

Mein Interview mit Ben Bauhaus

(Quelle: www.egmont-lyx.de)

Hallo Ihr Lieben,

ich konnte in Berlin nicht nur einen, sondern direkt 2 Autoren zum Live - Interview treffen. Während Martin Krist schon ein alter Hase ist, ist Ben Bauhaus quasi ein Neuling in der Bücherwelt. Das Cover zu seinem Erstling "Bullet Schach" hat mich so neugierig gemacht, dass ich ihn antickern musste. Und....er hat tatsächlich geantwortet und sich relativ spontan für ein Interview bereit erklärt. Und so trafen wir uns am 09. Juli 2015 in Kreuzberg zum Mittagessen.

Donnerstag, 16. Juli 2015

Wenn nichts mehr hilft, ruft man ihn

Die Gier, der Dreck und die Angst
(Robert Capou Folge 1)
von Georg Bruckmann

Einen kleinen Vorgeschmack findet ihr hier

Robert Capou wird dann gerufen, wenn die Polizei noch nicht helfen kann oder soll. Der Arbeiter Kreuzmann wendet sich an ihn, weil sein Arbeitgeber illegal Müll entsorgt und dafür seine Leute nicht nur einspannt, sondern sie auch bedroht, falls sie das Ganze auffliegen lassen wollen. Sowas geht Robert gegen den Strich und er setzt alles daran, Jan Baeris, den Inhaber der Firma, zu überführen.

"Die Gier, der Dreck und die Angst" ist die erste Folge um Robert Capou und hat mir sehr gut gefallen. Georg Bruckmann kenne ich bereits von seinem Hörbuch "Nachwelt 2018" und mit Capou erschafft er nun eine Figur, die man zugleich lieben und hassen kann.

Dabei konnte ich beim Hören Robert Capou nicht mal richtig einordnen. Denn der Kerl scheint nur sich und seinen Sinn für Gerechtigkeit zu kennen. Ob er seine Ziele mit legalen oder illegalen Mitteln durchsetzen muss, spielt für ihn keine Rolle. Was ich irgendwo sympathisch fand, auch wenn sich Capou natürlich in keinster Weise als Vorbild eignet. Aber er hat ein Denken an sich, dass mir gefällt und er zeigt auch ein Herz für schwächere Menschen. Menschen wie Kreuzmann.

Die Geschichte selbst ist spannend und toll erzählt. Zwar gibt es viele Stories, die sich um illegale Müllentsorgung drehen, doch der Autor setzt hier nicht auf den Umweltaspekt, sondern nutzt dieses Verbrechen als Vehikel um seine Hauptfigur einzuführen. Das hat mir persönlich sehr gut gefallen, da er nicht mit erhobenen Zeigefinger durch den Krimi führt.

Georg Bruckmanns Stimme passt in meinen Augen sehr gut zu dem leicht arroganten, von sich überzeugten und dennoch fähigen Robert. Zu Beginn des Hörens dachte ich innerlich "Was für ein Arsch!". Im Laufe der Story wurde ich aber immer wärmer mit der Hauptfigur und bewunderte sie sogar für ihre Denkweise. Das muss man erstmal hinbekommen.

Mit unter 2 Stunden Spielzeit lässt sich das Hörbuch schon in die Kategorie Kurzgeschichte einordnen. Wer also mal ein wenig entspannen möchte und sich nicht gerade 6 Stunden oder länger an sein Abspielgerät fesseln will, dem sei dieses Werk empfohlen. Denn zum Glück bleibt am Ende die Hoffnung, dass Capou noch lang nicht fertig ist und somit weitere Folgen bekommt.

Die Stimme von Georg Bruckmann ist dunkel und leicht angsteinflößend. Er erzählt sehr direkt und scheut sich auch nicht, schonungslos zu beschreiben, was in seinen Figuren vorgeht. Das finde ich toll!


Fazit: ein kleines, feines Hörvergnügen für den Krimihunger zwischendurch. Unbedingt reinhören!


Mittwoch, 15. Juli 2015

Ruhiger Krimi aus dem Nachkriegsengland

Totengedenken
(John-Madden-Reihe Band 3)
von  Rennie Airth

Eine Leseprobe findet ihr hier

England 1947: Ozzie ist gerade beim Angeln und ist einigermaßen mit seinem Leben zufrieden, als er mit einem Schuss hingerichtet wird. Die Polizei ist zunächst ratlos. Wer wollte schon einen ehemaligen Bankdirektor töten? In den Unterlagen des Toten finden die Beamten einen angefangenen Brief. Darin wird der ehemalige Inspector John Madden erwähnt. Doch warum? Madden wird informiert und muss bald erfahren, dass es einen ähnlichen Mord schon in Schottland gab. Wie hängen die Delikte zusammen?

"Totengedenken" war mein erster Roman von Rennie Airth. Erst beim Lesen habe ich erfahren, dass dieses Werk bereits der 3. Teil der John-Madden-Reihe ist. Dies hat mich schon geärgert, denn ich lese Reihen gern chronologisch. Vielleicht war das auch mit ein Grund, warum mich das gesamte Buch nicht überzeugen konnte.

Der Roman wird von einem auktorialen Erzähler geschildert. Man verfolgt sowohl die Ermittlungen der Polizei, als auch dem Privatleben von John Madden und anderen Nebenfiguren. Dadurch werden eine Menge Personen eingeführt, die es mir nicht leicht gemacht haben, der Geschichte selbst zu folgen. Rennie Airth mischt die Ermittlungen mit Einblicken in das normale Leben von John Madden. Diese Mischung ist ihr in meinen Augen nicht wirklich gelungen. Denn durch die Einschübe wirkt das Werk in die Länge gezogen und zeitweise habe ich mich auch gelangweilt.

Auch die Story an sich konnte mich nicht überzeugen. Sehr ruhig, ja fast still gehen die Ermittlungen vonstatten. Auf den ersten 100 Seiten war ich drauf und dran, den Roman beiseite zu legen, da so gut wie nichts passierte. Erst zur Mitte hin kam sowas wie Spannung auf, wobei auch diese für mich schnell verpuffte. Der Grund: nachdem die Untersuchungen erst gar nicht vorangingen, genügte ein Hinweis, um in John Madden eine mehr als wichtige und bahnbrechende Erinnerung hervorzurufen. Das war für mich zu schnell, zu unglaubwürdig, zu wenig durchdacht.

Auch zu den Figuren selbst konnte ich keinen Zugang finden. Vielleicht lag es daran, dass sie, da es bereits Band 3 der Reihe ist, nicht eingeführt oder charakterisiert wurden. Zudem sind die handelnden Personen typisch britisch zurückhaltend und geben wenig von sich preis. Dieses Konzept kann funktionieren, für mich blieben John Madden und Co. aber farblos und ungenau.

Ich war vor allem auf die Art der Ermittlungen kurz nach dem 2. Weltkrieg gespannt. Doch bis auf ein paar Hinweise wie Benzinrationierung und Verknappung der Lebensmittel hätte der Roman auch durchaus in den 90er Jahren spielen können. Hier hätte ich mir etwas mehr Einblick in die damalige Zeit gewünscht.

Der Stil von Rennie Airth ist durchaus gut zu lesen. Ihre Erzählweise ist leise, bedacht und schweift auch gern mal ab. Ich kann mir gut vorstellen, dass man diesen Roman bei Kaminfeuer mit einem Glas Cherry genießen kann.


Fazit: für mich war England kein Gedenken wert. Schade!

Montag, 13. Juli 2015

Was bleibt am Ende?

alles so leicht
von Meg Haston


Stephanie, Stevie genannt, hat nur ein Ziel: am 1. Jahrestag des Todes ihres Bruders zu verschwinden. Und zwar für immer. Dafür hungert sich, quält sich bis zum Äußersten, damit ihr Körper in genau 28 Tagen schlapp macht. Doch ihr Vater macht ihr einen Strich durch die Rechnung und verfrachtet sie in ein Therapiezentrum. Stevie ist dies gar nicht recht und sie will ihren Plan durchziehen, komme, was wolle.

"alles so leicht" ist das Debüt von Meg Haston und hat mich berührt. Die Autorin verarbeitet in diesem Jugendroman ihre eigenen Erfahrungen mit Essstörungen und widmet sich mit Gefühl, aber auch dem nötigen Fatalismus einer Kranken dem Thema.

Die Geschiche wird von Stevie selbst erzählt. Und die 17-jährige hat zu Beginn die Arroganz einer Magersüchtigen am viel zu dünnen Leib, die mir nur zu bekannt ist. Ich selbst habe im engsten Freundeskreis mit der Krankheit zu tun und konnte somit Stevies Gedankengänge sehr gut verstehen, auch wenn ich sie als normal gewichtiger Mensch nicht gut heißen kann. Dennoch hat mich das Mädchen sofort für sich eingenommen, denn sie zeigt schonungslos offen, was die Krankheit für sie bedeutet. Und dabei kommt auch ans Licht, wie zerbrechlich sie eigentlich ist, wenn man ihr dies wegnimmt. Das war für mich beim Lesen erstaunlich. So nah konnte mir bisher kein Roman das Thema Anorexie bringen.

Meg Haston gibt ihrer Hauptfigur viele sehr kluge Gedanken mit auf den Weg, aber zeigt auch deutlich, wie teuflisch diese Krankheit ist. Ich hatte am Anfang Bedenken, ob die Autorin das Thema nicht ungewollt positiv darstellt. Doch diese Angst hat sie mir mit Fortschreiten der Geschichte genommen. An Anorexie ist nichts positives und das erkennt auch Stevie. Das wusste das Mädchen schon, als sie begann zu hungern. Und das hinterlässt bei mir ein Gefühl des Verständnisses. Zudem bin ich beeindruckt, wie stark die 17-jährige wirkt und wie viel Kraft sie für ihre Rolle aufbringt. Das hat die Autorin grandios eingefangen.

Die Story selbst ist eher ruhig und dreht sich vor allem um die Therapie selbst. Meg Haston beschreibt den Alltag im Zentrum sehr realitätsnah und für mich nachvollziehbar. Die einzelnen Stunden sowie auch die Gruppentherapie haben bei mir Eindruck hinterlassen. Denn genau so sieht der Alltag dort aus!

Das Ende ist weder hochdramatisch noch übertrieben zuckersüß. Es passt zum kompletten Roman und lässt Hoffnung schöpfen für Stevie und ihre Mitpatientinnen. Toll!

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Meg Haston trifft die Arroganz und Kaltschnäuzigkeit der Jugendlichen mit einer Genauigkeit, die mich beeindruckt hat.

Fazit: wer sich mit dem Thema Anorexie auseinandersetzen möchte, sollte zugreifen. Das Buch kann ich nur empfehlen.


Samstag, 11. Juli 2015

Mein Interview mit Martin Krist bei Totsicher



Hallo Ihr Lieben,

je älter man wird, desto weniger erste Male gibt es im Leben. Anfang Juli hatte ich jedoch eines, was für mich mehr als spannend war: ich durfte das erste Mal ein Live-Interview führen. Und weil ich keine halben Sachen mache, habe ich mir direkt einen Thriller-Autor ausgesucht. Gut, ich hatte zwar gehofft, dass er zusagt, aber dass Martin Krist es auch tatsächlich getan hat, war für mich eine Überraschung. Denn wann bekommt man schon mal die Gelegenheit, jemanden zu treffen, dessen Bücher im eigenen Regal stehen oder liegen?

Freitag, 10. Juli 2015

Beltz & Gelberg suchen den Buchblogger des Jahres!

(Quelle: Blogg dein Buch )

Hallo Ihr Lieben,

bereits das 4. Mal in Folge sucht der Verlag Beltz & Gelberg den Buchblogger des Jahres. Letztes Jahr hatte ich mich noch nicht getraut mitzumachen, jetzt springe ich einfach ins kalte Wasser und versuche mein Glück. Was kann schon schlimmes passieren?

Worum geht es?
Hier lasse ich Blogg dein Buch direkt zu Wort kommen:

"Beltz & Gelberg arbeitet erneut mit Blogg dein Buch zusammen und lädt zu einem besonderen Gewinnspiel ein! Alle Teilnehmer können sich für Elisabeths Steinkellners neuen Titel „Rabensommer“ bewerben und erhalten somit die Chance diesen exklusiv vor Erscheinen in den Händen zu halten. Natürlich wird Beltz & Gelberg auch in diesem Jahr seinen offiziellen Buchblogger des Jahres küren, der mit tollen Preisen rechnen kann!
Das verspricht euch der Rabensommer: Seit Jahren sind sie beste Freunde, fast alles haben sie zusammen gemacht - wie Raben. Jetzt, nach dem Abitur, muss jeder für sich entscheiden, wie es weitergeht. Die Ich-Erzählerin Juli entschließt sich zu studieren, doch noch bevor es losgeht, verändert sich alles, Schlag auf Schlag: Niels, mit dem sie seit einem Jahr zusammen ist, macht mit ihr Schluss. August lüftet sein Geheimnis. Und Ronja geht nach London. Juli ist auf sich allein gestellt und muss ihr Leben, das ihr wie ein Haufen lauter kleine Schnipsel vorkommt, neu sortieren..."

Um welches Buch handelt sich?
(Quelle: Blogg dein Buch)

Ich gestehe, bisher ist "Rabensommer" an mir vorbeigegangen. Dabei trifft die Kurzbeschreibung, die auch schon weiter oben steht, genau meinen Lesenerv. Ich selbst kann mich noch gut an den letzten, "freien" Sommer nach dem Abi erinnern und das Gefühl, die gesamte Welt gehöre einem. Tja, der Ernst des Lebens kam dann schneller, als mir lieb war. Und genau deshalb interessiert es  mich, was Juli, Niels, Ronja und August aus ihrem letzten Sommer machen.

Ich bin gespannt, ob die Glücksfee mir hold ist. Mich interessiert aber auch: wie war Euer letzter freier Sommer?

Liebe Grüße
Eure Denise



Donnerstag, 9. Juli 2015

Creme de la Crime - Lesung mit Zoe Beck, Wiebke Lorenz und Melanie Raabe



Sommer, Sonne, gefühlte 40°C. Was macht man da? Richtig, man trifft sich mit anderen Menschen in einer kleinen, schnuckligen Buchhandlung und lässt sich von 3 reizenden Damen vorlesen. Genau das habe ich am 7. Juli in Berlin getan. Ich war bei Uslar und Rai und habe Zoe Beck, Wiebke Lorenz und Melanie Raabe gelauscht, die aus ihren aktuellen Büchern gelesen haben.

Wiebke hat, als rheinländische Frohnatur, direkt die Moderation übernommen und ihre Mitautorinnen und sich vorgestellt. Danach ging es sehr witzig darum, wer denn nun beginnen wird. Ob nach Intelligenz, Humor oder Verkaufserfolg gestaffelt werden soll. Und immer wieder lachte das Publikum, was bei der Hitze ja nun nicht selbstverständlich war.

Beginnen durfte dann Zoe Beck, die aus ihrem aktuellen Buch "Schwarzblende" gelesen hat. Ich kannte Zoe bisher nur von "Das alte Kind" und es war das erste Mal, dass ich sie live erleben durfte. Was soll ich sagen? Die Frau hat eine hammer Stimme. Liest sie ihre Hörbücher eigentlich selbst? Wenn nicht, warum nicht? Ihr Roman/Thriller/whatever (da ist Zoe nicht festgelegt) beginnt mit einer Hinrichtung mitten in London. Die Autorin erzählte nach dem Vorlesen, dass sie dazu der Anschlag in London von vor 2 Jahren inspiriert hat. Grausam? Ja! Aber leider die Realität und ich fand, dass Zoe Beck es sehr gut ins Fiktionale (bzw. leider nicht mehr so ganz fiktionale) übertragen hat.



Als zweite durfte Melanie Raabe aus ihrem Debüt "Die Falle" vorlesen. Melanies Roman dreht sich um eine Autorin, die seit 11 Jahren nicht mehr das Haus verlassen hat. Für mich persönlich unvorstellbar, aber Melanie hat schon in den ersten 2 Kapiteln, die sie gelesen hat, gezeigt, warum es so ist. Auch wenn mich die Geschichte an sich nicht interessiert, glaube ich, dass die Autorin einen besonderen Nerv trifft. Denn auch das Publikum war sehr gespannt und aufmerksam.



Last, but not least durfte dann auch Wiebke Lorenz ihren Thriller "Bald ruhest du auch" vorstellen. Darin geht es um eine Mutter, deren 4 Wochen altes Kind entführt wird. Und der Entführer hat nur eine Forderung "Töte dich oder ich töte dein Kind!". Eine grausige Vorstellung!
War Wiebke bei der Moderation noch sehr fröhlich, so tauchte sie beim Lesen komplett in ihr Werk ein und ich merkte auch an ihrer Stimme, wie sehr sie das Thema bewegt. Zoe Beck verriet auch, warum: Wiebke ist selbst Mutter einer kleinen Tochter. Die Szenen, die Wiebke Lorenz vorgelesen hat, bestärkten mich nur noch, das Buch bald zu lesen (in meinem Besitz ist es ja schon).

Nachdem alle 3 Autorinnen fertig waren, tauchten die Zuhörer und sie erstmal wieder auf aus den beängstigenden und teilweise grausamen Romanwelten. Auch ein Durchatmen war endlich möglich, denn die Hitze wurde von einem Sommerregengewitter abgelöst.

Bei kühlen Getränken und jeder Menge Spaß signierten alle 3 noch ihre Werke und waren dabei sehr herzlich und aufgeschlossen. Ich selbst bin dann mit einer gefüllten Büchertasche durch den Regen Berlins zur U-Bahn spaziert (ja spaziert, denn rennen ist mit Flip Flops mehr als schlecht) und war froh, mich trotz der Hitze auf den Weg gemacht zu haben.

Ein großes Dankeschön an Uslar und Rai sowie an alle 3 Autorinnen. Es war ein herrlicher Abend!

Mittwoch, 8. Juli 2015

Blogtour "Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen" - Interview mit der WG


Hallo Ihr Lieben,

heute macht die Blogtour zu "Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen" von Petra Hülsmann bei mir Halt. Meine Meinung zum Roman findet Ihr hier.

Ich hatte das Glück, die WG von Saskia, Karo,Nils und Pekka besuchen zu dürfen. Dabei habe ich den 4 Bewohnern mal auf den Zahn gefühlt.

Sonntag, 5. Juli 2015

Prickelnd und ehrlich!

splitter..faser..süss - Was Julias Nachbarin nicht ahnte
(splitter..faser..-Reihe Band 1)
von Carla Grün

In einem beschaulichen Dorf im Magnolienweg geht die Post ab: die erfolgreiche Sabine angelt sich einem Mann nach dem anderen, die blonde Dani wartet auf ihren Prinz und die Mütter Julia und Marion können zwischen Kindererziehung und Haushalt von gutem Sex fast nur noch träumen. Doch was passiert, wenn die Frauen Einblicke in ihr Leben gewähren? Denn sind wir mal ehrlich: wer ist nicht neugierig, was seine Nachbarn sprichwörtlich so treiben?

"Splitter...faser...süß" ist der erste Band um die Familien im Magnolienweg und hat mich zum Schmunzeln und Erschauern gebracht. Carla Grün wagt den Spagat zwischen Alltag von normalen Frauen und deren Fantasien. Heraus kommt aber mitnichten ein "gelangweilte Hausfrau will harten Sex" – Roman.

Die Geschichte wird von Carla Grün als allwissende Beobachterin erzählt. So folgt man in jedem Abschnitt einer anderen Frau und auch mal den Ehemännern von Julia und Marion. Was auf mich zu Beginn wie eine nüchternde Aneinanderreihung von sexuellen Erlebnissen wirkte, entwickelte sich schnell zu einem Roman, in dem es neben Erotik auch um den ganz normalen Alltag geht. Da beweist die Autorin den nötigen Witz und Biss, so dass ich mich nicht gelangweilt habe.

Im Gegenteil: bei so mancher Szene im Familienleben musste ich laut loslachen, da sie so realitätsnah beschrieben wurden, dass vor meinem inneren Auge ein Film ablief. Die erotischen Szenen entwickeln sich auch im Laufe des Romans. Zu Beginn wirkten sie noch etwas statisch und zu gewollt beschrieben, je weiter die Story jedoch fortschreitet, desto mehr Gefühl und auch Sinnlichkeit bekommen die prickelnden Szenen. Das fand ich sehr gut.

Die Story selbst ist locker-flockig, ab und an leicht sarkastisch, aber nie zu abgedreht oder weit weg von der Realität. Carla Grün macht ihre Figuren nicht zu Sex-Stars oder unbedarften Weibchen, sondern zeigt, wie es in normalen Schlafzimmern zugeht. Und sind wir mal ehrlich: sowas ist viel prickelnder als zum hundersten Mal von stählernden Körpern, weichen Kurven und unglaublichem Können zu lesen, oder?

Das Gute: man kann den Roman auch mal beiseite legen und findet sich dennoch sofort wieder in die Leben des Magnolienweges ein. So kann man das Buch immer mal wieder in die Hand nehmen, sich treiben lassen und mit einem Lächeln dann wieder in den Alltag starten.

Der Stil von Carla Grün ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist erfrischend direkt, mit dem nötigen Auge fürs Detail und einem Biss, der mich laut auflachen ließ. So mag ich Erotik: prickelnd und dennoch nicht zu ernst.


Fazit: Erotik, die fern von allen Klischees einen Blick in die Schlafzimmer wagt. Wer mal etwas anderes lesen möchte, ist hier richtig.

Ein großes Dankeschön an Carla Grün
und
für das Buch!

Donnerstag, 2. Juli 2015

Verworren, ohne Substanz und so gar nicht sommerlich

Die Rosenfrauen
von Cristina Caboni

Eine Leseprobe findet ihr hier

Elena Rossini stammt aus einer Parfumeur – Familie. Sie ist mit einer sehr empfindlichen Nase gesegnet, sträubt sich aber gegen ihr Talent. Als sie dann noch ihren Verlobten Matteo mit einer anderen erwischt, zerbricht ihr Leben in Florenz und sie flieht zu ihrer besten Freundin Monique nach Paris. Dort gibt sie sich und ihrem Talent nochmal eine Chance und entdeckt dabei Dinge, die ihr bisher verborgen geblieben sind.

"Die Rosenfrauen" ist das Debüt von Cristina Caboni und konnte mich leider gar nicht überzeugen. Bis zur Hälfte des Romans habe ich durchgehalten, doch von der versprochenen Familiengeschichte war nicht zu spüren. Stattdessen viel Unsicherheit, Leben auf den Kopf stellen und eine Hauptfigur, die ich so manches Mal einfach nur gern geschüttelt hätte.

Der Roman wird von einem auktorialen Erzähler präsentiert. Zum Einen verfolgt man die Geschichte von Elena, einer jungen Frau, die sich gegen ihr Talent und ihre Begabung wehrt und zwanghaft versucht, sich anderem zu widmen. Zum Anderen begleitet man Elenas beste Freundin Monique, die sehr in ihren Chef Jaques verknallt ist und sich dies nur schwerlich eingestehen kann. Beide Frauen konnten mich nicht berühren.

Elena wirkt auf mich sehr unsicher und überhaupt nicht im Hier und Jetzt. Sie ist sehr verträumt, fast schon abwesend und stolpert dadurch von einer Situation in die nächste. Menschen kategorisiert sie nach ihren Düften und wirft so eine Nase auf ihren Nachbarn. Man sagt zwar, dass der Geruch beim Verlieben eine große Rolle spielt, hier ging es mir aber eindeutig zu weit. Zudem wirkt die Parfümeurin sehr naiv, traumwandlerisch und so gar nicht in der Realität verankert. Auweia, sage ich da nur. Denn Elena hat große Ideen, wandelt sich, ohne dass sie selbst weiß,wie und geht ihr Leben mehr zufällig als alles andere an. Einzelne Aspekte ihrer Persönlichkeit wären durchaus glaubwürdig, in ihrer Geballtheit wollte ich die junge Frau einfach nur schütteln und sie bitten, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen.

Monique ist zwar selbstbewusster und mir dadurch etwas sympathischer, jedoch hockt sie auf Elena wie eine Glucke auf ihren Küken. Kaum in Paris angekommen, hat die Parfümeurin kaum Zeit zum Atmen, denn Moni nimmt ihr alles ab. Und dabei verkennt die Pariserin, dass sie selbst genug Probleme hat. Immerhin ist sie schwer in ihren Chef verschossen, kann das nicht zugeben, entwickelt aber im Laufe des Romans eine Bessenheit, die schon fast weh tut.

Auch die Story an sich kann nicht halten, was sie versprochen hat. Auf den ersten 100 Seiten war ich verwirrt, wusste nicht, was die Autorin vor lauter Duftbeschreibungen eigentlich von mir wollte und kam so auch nicht in den Roman hinein. Im weiteren Verlauf legte sich das zwar, aber die Geschichte hatte für mich weder genug Substanz noch Tiefe. Das Familiengeheimnis um das "perfekte Parfüm" tauchte bis knapp zur Hälfte nur am Rande auf. Dafür gab es eine eher krude und für mich unglaubwürdige Anbahnung einer Liebesgeschichte, viele Duftbeschreibungen, die mir zu abgehoben waren und kaum etwas, was mich zum Weiterlesen animieren sollte. Daher klappte ich es enttäuscht zu.

Der Stil von Cristina Caboni ist nicht so leicht zu lesen, wie es die Aufmachung suggeriert. Verworren, unterbrochen von dauernden Duftwahrnehmungen und mit komischen Sprüngen behaftet, schaffte ich es kaum ihr zu folgen. Was im Italienischen vielleicht noch Charme hatte, verpufft bei der Übersetzung.


Fazit: die Rosenfrauen welkten mir unter der Hand weg. Kein Buch für mich!

Mittwoch, 1. Juli 2015

Buchfasten IV - Ein Ende mit Schrecken




Hallo Ihr Lieben,

das Bücherfasten geht zu Ende. Die Zeit ging wahnsinnig schnell vorbei und ich glaube, so ganz ist der Sinn des Nicht-Kaufens bei mir nicht angekommen. Also schauen wir der Wahrheit ins Gesicht!

gelesene Bücher: 44
hinzugekommene Bücher: 93

*hust röchel* Das ist aber mal gehörig in die Hose gegangen. Oh Mann! Woran lag es? Äh ja...also gekauft habe ich nicht! Aber die LLC, Rezi-Exemplare und so mancher Buchgewinn haben mir da einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Was bedeutet das nun? Tja, ich werde wohl weiterhin auf Bücherkauf erstmal verzichten, habe auch meine Rezensionsexemplare runtergeschraubt und hoffe, dass mir auch eine Leseflaute fern bleibt. Vielleicht kann ich zum Ende des Jahres was positives berichten.

Liebe Grüße (heute mal aus Österreich)
Eure Denise