Montag, 30. November 2015

Der Bescheuerte wohnt immer nebenan!

(Quelle: Ullstein Verlag)
Frühstück mit Sophie
von Jennifer Bentz


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Louisa ist 28, vollkommen durchgeplant und zufrieden mit ihrem vorhersehbaren Leben. Karriere, Mann, Familie, alles ist fast minutiös festgelegt. Bis ihr Freund ein Geständnis ablegt: er hat eine andere geschwängert. Louisa ist schockiert und trifft in dem Moment auf Lea Kronberger. Und dieses Energiebündel fackelt nicht lang und bringt Louisa in der neuen WG von Sophie und Paul unter. Das Besondere: Sophie und Paul sind Rentner! Das kann ja heiter werden...

"Frühstück mit Sophie" ist mein zweiter Roman von Jennifer Bentz und hat mich wieder begeistert. Während man in "Wenn alle Stricke reißen" die 3 Mädels mit psychischen Problemen kennen- und lieben lernt, zieht man im neusten Werk eine Wohnung weiter. Spaß ist dennoch garantiert!

Die Geschichte wird von der regeltreuen Louisa selbst erzählt. Und obwohl ihr Leben der Inbegriff von Spießigkeit ist und ich zu Beginn schon Angst hatte, ich muss mir die Perfektion in Reinform antun, habe ich bei Louisas Erzählungen teilweise laut gebrüllt vor Lachen. Denn wie reagiert man auf etwas Unplanbares, wie den Betrug durch den eigenen, ebenso spießigen Freund? Und was tut man, wenn man sich in einer WG mit 2 über 60-jährigen wiederfindet, die auf ihre alten Tage alles ausprobieren wollen, was geht inklusive Studium, Hasch und Hausparties?

Es war so herrlich komisch hautnah mitzuerleben, wie die Pläne der jungen Frau nach und nach in sich zusammenfielen. Denn Louisa verfällt nicht in Selbstmitleid, sondern beweist einen bisher nicht gekannten Humor und meistert die Hürden. Mal unbeabsichtigt, oft schreiend komisch, aber nie lächerlich oder gar peinlich. Das hat mir sehr gut gefallen. Jennifer Bentz beweist ein sehr gutes Gespür dafür, wie weit sie mit ihren Figuren gehen sollte und darf. Hut ab!

Besonders toll fand ich, dass auch die 3 Mädels aus der Psycho-WG wieder ihre Auftritte hatten. Naja, eigentlich nur 2, denn Vivian ist verreist, aber Lea und Tine haben genug Kraft um der gestrandeten Louisa das Leben vermeintlich einfacher zu machen. Dass dies nicht ohne Lacher, Tines Therapieversuche und so manchem cholerischen Anfall von Lea abläuft, macht den Roman zu einem für mich sehr gelungenen Werk. Denn die Autorin zeigt, dass man gerade das Unperfekte in einem eigenen Leben lieben sollte.

Die Story selbst ist aus dem Leben gegriffen und wirkte auf mich, trotz so mancher Szene, die mich staunen ließ, realitätsnah. Wir alle wissen ja, dass das Leben die komischsten Geschichten schreibt. Und ich finde es toll, dass die Autorin mit Stift und Papier bereit saß und mitgeschrieben hat. Das Angenehme für mich war zudem, dass Jennifer Bentz weder mit Emotionen noch mit Dramatik übertreibt. Das machte das Lesen für mich, die vor allem Thriller liebt, zu einem Genuss.

Der Stil der Autorin ist leicht und sehr gut zu lesen. Ihre Erzählweise besticht durch passenden Witz, genau der richtigen Prise Sarkasmus und so viel Schwung, dass ich selbst zur WG-Mitbewohnerin wurde und hoffte, dass Sophie für mich keinen Klartextversüßer bereit hält.

Fazit: Lauthals lachen, grinsen und auch mal Hach seufzen. All das kann man hier. Zugreifen!

Sonntag, 29. November 2015

Heißer März in Berlin 1848

Berlin Feuerland
von Titus Müller

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Berlin, 1848: der Adel lässt es sich gut gehen, während die Ärmsten der Armen im Feuerland für kargen Lohn ihre Körper zerstören. Doch das wollen sie sich nicht weiter bieten lassen. Sie wollen Mitspracherecht, Pressefreiheit und faire Löhne. In dem Gewühl träumt der junge Hannes von einem Leben jenseits des Feuerlandes. Dafür führt er reiche, verwöhnte Damen durch sein Elendsviertel. Und begegnet dabei Alice, einer frei denkenden, aber nicht frei lebenden Tochter des Kastellan des Schlosses. Er ist fasziniert, doch was soll so eine mit so einem wie ihm?

"Berlin Feuerland" ist mein erster historischer Roman von Titus Müller und nach der Lektüre frage ich mich: warum eigentlich? Der Autor erzählt die Geschichte des Aufstandes so bildhaft, mitreißend und klar, dass ich mich zwischendrin immer wieder erinnern musste, dass ich selbst im Berlin des Hier und Jetzt sitze.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Man folgt sowohl Hannes und seinem Leben im Feuerland, als auch Alice, die ihr Leben im Schloss mehr oder weniger genießt. Interessant fand ich auch die Denkweise des Hauptkommissars Julius von Minutoli. Dieser muss in Berlin für Ruhe und Ordnung sorgen, hat seine Spitzel in den Reihen der Aufständischen und muss dennoch merken, dass man niemanden trauen kann. Diese Mischung aus allen Blickwinkeln vom Adel bis zum Aufständischen selbst hat mir sehr gut gefallen. Denn Titus Müller bezieht damit selbst keine Stellung, sondern überlässt dies seinen Lesern. Toll!

Die Figuren, allen voran Alice und Hannes, sind mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet und werden nicht nur mit Worten, sondern auch mit ihren Taten charakterisiert. Mit Alice habe ich heiße Diskussionen geführt, mit Hannes von der großen Welt geträumt, dem Offizier Victor hätte ich mehr als einmal eine zimmern können und Hannes' besten Freund Kutte wollte ich schütteln, umarmen und zur Besinnung rufen. Einfach großartig!

Ich habe bei historischen Romanen meist die Angst, dass eine Liebesgeschichte alles andere in den Schatten stellt. Diese Sorge ist bei diesem Buch unbegründet. Titus Müller findet einen tollen Weg zwischen einer Romanze und den Aufständen. Mich hat überzeugt, dass der Autor die Liebesgeschichte im Angesicht der sich überschlagenden Ereignisse in den Hintergrund hat treten lassen. So wirkt das Gesamtwerk glaubwürdig und korrekt.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist mitreißend, aber nicht reißerisch. Titus Müller schlägt ruhige Töne an, wo sie angebracht sind, wird deutlich und eindringlich, wo es nötig ist. Für mich ein grandioser und ausgewogener Stil!

Fazit: Kämpft mit Hannes und rebelliert mit Alice. Ich kann das Buch nur empfehlen!

Freitag, 27. November 2015

Ich bin wieder da!


Hallo Ihr Lieben,

ich bin wieder da!

Soeben war der Techniker da und hat mir meinen Internetzugang freigeschalten. Er hatte Glück, dass ich ihn nicht umgeknutscht habe ;)

In den letzten Tagen kam ich weniger zum Lesen, dafür habe ich aber meine Wohnung eingerichtet. Oben könnt ihr einen Teil meiner Wohnzimmerwand sehen.

Aber ich komme nicht ohne Überraschungen wieder:
in den nächsten Wochen erwarten Euch 2 tolle Blogtouren zu ganz unterschiedlichen Büchern, es wird wieder Rezensionen geben und in der Weihnachtszeit wird es einfach  nur besinnlich.

Ich bin froh, wieder da zu sein!

Liebe Grüße
Eure Denise

Samstag, 21. November 2015

Was hinter den Mauern liegt...

Ver-rückt
von Alex Frederickson


Eine psychiatrische Klinik im England der 80er Jahre: die 19-jährige Kat will nichts lieber als Krankenschwester in dieser Klinik werden. Und sie wird tatsächlich ausgewählt. Gegen den Widerstand ihres Vaters taucht sie in eine vollkommen fremde Welt ein. 3 Jahre lang lernt sie den Umgang mit Depressiven, Schizophrenen und Dementen. Und sie lernt, was es heißt, psychisch krank zu sein und der Welt klar machen zu müssen, dass man an etwas leidet, was man nicht sehen kann.

"Ver-rückt" ist mein erster Roman von Alex Frederickson und hat mich sehr berührt. Die Autorin verarbeitet in diesem Roman ihre eigenen Erfahrungen als Mitarbeiterin in einer Klinik für psychische Krankheiten und zeigt dabei mit viel Gefühl, wie der Alltag innerhalb der Mauern abläuft.

Die Geschichte wird von der Hauptfigur Kat selbst erzählt. Dabei gibt es sowohl eine kurze Betrachtung der Gegenwart wie auch, und dies ist der Großteil des Romans, eine Schilderung ihres Werdeganges und ihrer Erlebnisse. Kat ist von Beginn an hochmotiviert und überzeugt, dem Job der Krankenschwester gerecht zu werden. Zudem zeigt sie durch ihre Schilderungen, dass sie jeden Patienten, egal wie "verrückt" er erscheint, zuerst als Mensch und dann als jemanden mit einer Krankheit sieht. Das hat mich tief beeindruckt.

Der Roman zeigt jedoch nicht nur den Weg der Hauptfigur. Man erfährt auch etwas über die Patienten, die in der Klinik teilweise Jahre lang ihr Dasein fristen. Alex Frederickson hat sich für jede Station mindestens einen, meist aber mehrere Patienten herausgegriffen und anhand teilweise sehr erschütternder Schicksale gezeigt, wie es für Klinikbewohner ist, wenn sie als verrückt oder gar blöd abgestempelt werden. Durch diese Schilderungen kam ich selbst ins Grübeln und Nachdenken, wie ich solchen Menschen, die sehr mit sich zu kämpfen haben, begegnen würde.

Das Werk ist keineswegs leichte Unterhaltung oder gar zum Entspannen. Dafür ist die Thematik und auch schonungslose Offenheit der Erzählung einfach zu mächtig und auch traurig. Wer aber mal einen Blick hinter die Kulissen einer psychiatrischen Klinik werfen möchte, sollte sich nicht scheuen.

Der Stil der Autorin ist sehr gut zu lesen. Alex Frederickson erzählt mit viel Gefühl, gutem Auge für die Darstellung und ohne Lächerlichkeit aus dem Leben der Patienten. Das finde ich bewundernswert.

Fazit: ein guter und wichtiger Roman. Ich kann ihn empfehlen.

Donnerstag, 19. November 2015

Tapsis Buchblog goes Berlin



Hallo Ihr Lieben,

in letzter Zeit war es auf meinem Blog ja etwas ruhiger. Das lag nicht etwa daran, dass ich keine Lust zum Lesen hatte. Ich kam nur einfach nicht dazu.

In meinem Leben gibt es einige große Veränderungen. Und die wirken sich nun mal auch auf meinen Blog aus. Denn ich stecke mitten im Umzug. Für mich geht es in die Hauptstadt! Ich freue mich sehr auf mein neues Leben!

Doch dadurch ist es natürlich erstmal Essig mit der Lesezeit gewesen. Kisten mussten gepackt und von den Katzen bewacht werden, ich habe mich nach einer Wohnung umgesehen (und gefühlt alle Bezirke in Berlin besucht) und nebenher noch alle Termine versucht unter einen Hut zu bekommen. Ergebnis: das pure Chaos.


Wenn Ihr diese Zeilen lest, bin ich am Einladen des LKW und auf großer Fahrt. 800 km gilt es zu  überwinden. Zudem will ja vor Ort das leere Regal (und schmerzt das Bild nicht?) wieder gefüllt werden.

Zudem wird das Internet wohl auf sich warten lassen. Mindestens 3 Wochen....so viel zum Thema schnelles Internet....

Doch ich verspreche Euch: ich bin bald wieder vollkommen und in alter Form für Euch da! Ich freue mich sehr auf meine Zeit in Berlin und auf alle Abenteuer, die mich erwarten!

Liebe Grüße
Eure Denise

Sonntag, 15. November 2015

Zweifel sind für Menschen in Freiheit

Schlaf der Vernunft
von Tanja Kinkel

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Angelika lebt mit ihrem Mann und ihren 2 Söhnen ein ruhiges, beschauliches Leben. Bis eines Tages ein Brief sie erreicht: ihre Mutter Martina, ein ehemaliges Mitglied der RAF, soll begnadigt werden. Angelika weiß nicht, was sie tun soll. Sie hatte jahrelang keinen Kontakt zu ihrer Mutter und will dies auch eigentlich nicht mehr. Und doch wünscht sich ihr inneres Kind die Versöhnung. Was soll sie tun?

"Schlaf der Vernunft" war mein erster Roman von Tanja Kinkel und er hat mich restlos überzeugt. Die Autorin arbeitet in ihrem neusten Werk die Geschichte der RAF auf, zeigt, wie aus einer jungen Frau eine Radikale werden kann und beleuchtet zudem auch die Opfer neben den großen Namen.

Die Geschichte wird in 2 Zeitsträngen erzählt. Zum Einen folgt man der jungen Martina in den 70er Jahren. Dabei erfährt man, wie sie als Schülerin zwischen die Fronten der Anti-Schah-Demo geriet, den Tod Benno Ohnesorgs erlebt hat und immer tiefer in die Überzeugungen der Linken eintaucht. Zum Anderen begleitet man Angelika im Jahr 1998, als ihre Mutter begnadigt wird. Doch nicht nur die Tochter der Täterin hat mit der Freilassung zu kämpfen, sondern auch der Sohn eines der Opfer der RAF und sogar ein ehemaliger Leibwächter eines Politikers gewähren Einblicke in ihre Lebensgeschichten und Gedankengänge. Diese Mischung hat mich von Beginn an gefesselt.

Tanja Kinkel hält sich nicht an den großen Namen der Organisation wie Ensslin, Baader oder Meinhof auf, sondern blickt tiefer in die Gruppe. Das hat mich positiv überrascht und gleichzeitig auch berührt. Denn durch ihre geradlinige und sehr nachvollziehbare Schilderung von Martinas Werdegang konnte ich die Entscheidungen der späteren Täterin sehr gut verstehen, nachvollziehen und habe mich öfter beim Lesen gefragt "Wie hättest du gehandelt?" Grandios!

Ich empfand öfter Sympathie für die Studentin Martina, was mich verwirrt hat. Sollte ich sie nicht unsympathisch finden, hassen, ihr mit Antipathie begegnen? Das konnte ich nicht. Die Autorin hat mir diese Frau so unbeschreiblich nahe gebracht, ohne ihre Taten und Gedanken zu beschönigen.

Auch die Opfer der RAF kommen nicht zu kurz. Und wie bei den Tätern, so blickt Tanja Kinkel auch bei den Opfern nicht auf große Namen wie Ponto oder Buback, sondern widmet sich denjenigen, die die Terroristen gern als Kollateralschäden bzeichnet haben: Leibwächter, Fahrer, Staatssekretäre. Die Autorin verleiht den Hinterbliebenen und sogar einem Überlebenden eine Stimme, ein Gesicht und machte sie dadurch für mich greifbar. Toll!

Die Story selbst wirkt zu Beginn ruhig, hat aber einen spannenden Unterton. Seite für Seite wurde ich in den Bann der RAF gezogen, sympathisierte mit Ideen, verstand ihre Beweggründe und war dennoch über ihr Vorgehen geschockt. Tanja Kinkel hat die Emotionen, Gedankengänge und auch Überzeugungen so gut eingefangen, dass ich bis zum Schluss gebannt über dem Buch hockte und mich nicht losreißen konnte. Zum Ende bleibt mir zu sagen: der Roman hält länger als die letzte Seite. Die Thematik der Radikalisierung ist aktueller denn je und dieses Werk hat sich tief bei mir eingebrannt.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist geradeaus, detailreich, wo sie es sein muss und historisch korrekt.

Fazit: wer sich für jüngere deutsche Geschichte interessiert, MUSS das Buch lesen!

Donnerstag, 12. November 2015

Interview mit Sebastian Fitzek

Hallo Ihr Lieben,

Ihr erinnert Euch doch sicherlich noch daran, dass ich bei der Lesung von Sebastian Fitzek war. Bevor ich im Saal war, durfte ich den Autor hinter der Bühne (backstage!!!) in seiner Garderobe besuchen und mit Fragen löchern! Das ist dabei rausgekommen...

Montag, 9. November 2015

Und jetzt?

Zwei Schwestern
von Dorothy Baker

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Cassandra und Judith sind Zwillingsschwestern. Äußerlich gleich unterscheiden sie sich im Inneren zutiefst. Während Judith kurz vor ihrer Hochzeit steht, kommt Cassandra mit dieser Nachricht nur schlecht klar. Und so kommt ihr eine Idee: sie muss die Hochzeit verhindern. Um jeden Preis...

"Zwei Schwestern" ist ein Roman aus den 60ern von Dorothy Baker. Und das hat mich schon vor Beginn der Lektüre überrascht. Ich dachte, ich halte ein neues Werk in den Händen und musste beim Überfliegen der Verlagsangaben erkennen, dass es dieses Buch schon mal unter dem Titel "Cassandra bei der Hochzeit" gab. Das war schon zu Beginn verwirrend, aber auch gut zu wissen. Denn spätestens beim Lesen selbst wäre ich stutzig geworden, wie wenig Moderne in dem Roman enthalten ist.

Die Geschichte wird großteilig von Cassandra erzählt. Auch Judith kommt mal zu Wort, jedoch ist Cassy die Hauptfigur in diesem Werk. Und sie zeigt auf subtile Art und Weise, wie sehr sie der Gedanke zerstört, dass ihre Zwillingsschwester, ihre zweite Hälfte ein eigenes Leben aufbaut. Obwohl sich beide Schwestern immer gegen das "Wir sind eins" gewehrt haben, wird Cassandra erst kurz vor der Trauung bewusst, was die Hochzeit für ihre Zukunft bedeutet. Darauf reagiert sie....nun ja für unsere heutige Zeit fast vorhersehbar, für damalige Verhältnisse vielleicht noch außergewöhnlich. Für mich selbst war die Reaktion vorhersehbar und wenig überraschend.

Mir persönlich hat der Abschnitt, in dem Judith aus ihrer Perspektive über die Erlebnisse erzählt, am besten gefallen. Denn die junge Frau wirkt bodenständig, geordnet und fest im Leben verankert. Sie zeigt zwar auch Emotionen, aber lang nicht so geladen und ab und an übertrieben wie ihre Schwester. Das war wie eine Erholung für mich beim Lesen.

Die Story selbst ist sehr ruhig, fast schon langatmig. Denn die Geschehnisse sind erahnbar, die Schilderungen manchmal verworren, wenn auch geistreich und das Ende fügt sich einfach ein, ohne dass eine der Figuren eine wirkliche Wandlung durchgemacht hätte. Das fand ich schade.

Der Stil von Dorothy Baker ist gut, wenn auch nicht immer flüssig zu lesen. Ihre Ausführungen sind ab und an wie eine Extrawindung im Gehirn, für die heutige Zeit leicht angestaubt und nicht immer konnte ich ihr folgen. Alles in allem kam ich aber dennoch gut klar.

Fazit: kann man lesen, muss man aber nicht. Für mich hat die Lektüre nichts gebracht.

Sonntag, 8. November 2015

Befreit das Cannabis!

Kiffen und Kriminalität
Der Jugendrichter zieht Bilanz
von Andreas Müller

Eine Leseprobe findet Ihr hier

"Gebt das Hanf frei!" Mit dieser Parole machte Stefan Raab einst auf die Diskussion um die Legalisierung von Cannabis aufmerksam. Andreas Müller, bekannt als Deutschlands härtester Jugendrichter, nähert sich diesem Thema mit Sachverstand und Argumenten. Kann er überzeugen?

Zumindest macht der Autor direkt zu Beginn klar, dass sein Werk "Kiffen und Kriminalität" auf einer Seite steht, nämlich auf der der Legalisierungsbefürworter. Somit ist dem Leser von Beginn an klar, dass er hier kein ausgewogenes Sachbuch zu erwarten hat. Ich fand diese "Warnung" sehr sinnvoll, denn bei der Lektüre merkt man sehr schnell, dass Andreas Müller alles für die Legalisierung gibt.

Besonders durch seine persönlichen Erfahrung und seine Familiengeschichte ist der Richter geprägt. Sein Bruder hat eine unrühmliche Drogenkarriere hinter sich, sein Vater hat sich totgesoffen, wieder Autor selbst sagt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Andreas Müller vor allem Cannabis und Alkohol gegeneinander vergleicht und sein Urteil immer zugunsten des Grases ausfällt. Ja, das Buch ist parteiisch, aber gerade hier hätte ich mir etwas weniger Pathos gewünscht. Alkohol ist gefährlich, das streitet niemand ab, doch die Verteufelung, die der Autor teilweise vornimmt, ist genau so falsch wie das Verteufeln der Droge, welches er in seinem Werk selbst anprangert.

Andreas Müller führt sehr genau und für mich auch nachvollziehbar aus, wo genau es im Umgang mit Cannabis gerade im Strafrecht hapert. Und so komme ich nicht drumherum, ihm in vielen Punkten zu zustimmen. Es gibt in Deutschland nicht mal eine einheitliche Regelung zum Thema "geringe Menge". Dies führt dazu, dass man in einem Bundesland schon bestraft wird, während man in einem anderen straffrei ausgehen würde. Kurios und für mich nicht haltbar.

Allerdings gab es einige Dinge, die mir das Lesen vermiest haben: zum Einen betont der Jugendrichter immer wieder das Schicksal seines Bruders. Ja, das hatte ich schon nach dem 3. Mal begriffen, das benötigte ich nicht noch gefühlte 100 Mal mehr. Hier wäre weniger mehr gewesen.
Zum Anderen verteufelt mir Andreas Müller zu sehr die legalen Drogen Alkohol und Nikotin, wobei er einen besonderen Narren an Alkohol gefressen hat. Verständlich, wenn man bedenkt, wie sein Vater ums Leben kam. Dennoch für mich einfach nervig ab einem gewissen Punkt. Hier hätte ich mehr Blick für Ausgewogenheit besser gefunden.

Der Stil des Autors ist gut und für ein Sachbuch flüssig zu lesen. Andreas Müller erklärt anschaulich, verständlich und ergeht sich nicht in Paragrafenreiterei. Sehr gut!

Fazit: ein gutes, wenn auch unausgewogenes Sachbuch zum Thema Cannabis. Als Einblick in diese Welt aber durchaus geeignet.

Mittwoch, 4. November 2015

Ein Thriller, der einen zeichnet!

Der Giftzeichner
(Rhyme/Sachs - Reihe Band 11)
von Jeffery Deaver

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Lincoln Rhyme und Amelia Sachs sind ein eingespieltes, nahezu perfektes Ermittlerteam. Fast nichts kann sie überraschen. Bis die Leiche einer jungen Frau auftaucht. Auf ihrem Bauch hat die Leiche ein frisches Tattoo, gestochen nicht mit Farbe, sondern mit Gift. Rhyme ist sofort fasziniert, erinnert der Fall doch an den ersten gemeinsamen von Sachs und ihm, in dem sie den Knochenjäger gejagt haben. Jedoch...dieser Täter ist noch gerissener!

"Der Giftzeichner" ist schon Band 11 der Reihe um den an den Rollstuhl gefesselten Ermittler Lincoln Rhyme und seine Partnerin Amelia Sachs von Jeffery Deaver. Und es ist kein Stück langweilig! Ich begleite die Beiden seit Band 1 und bin immer noch fasziniert, wie der Autor seine Stories anlegt. Und mit dem Thema Tattoo hat er direkt in mein buntes Herz getroffen.

Die Geschichte wird, wie gewohnt, von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur Rhyme und Sachs, sondern bekommt auch besondere Einblicke in den Alltag des Täters. Zudem kommen auch kurze Episoden der Polizeiarbeit und Blicke in das Leben der Opfer nicht zu kurz. Diese Mischung hat es mir angetan und gefällt mir sehr gut. Jeffery Deaver hat mich von Seite 1 an gefesselt.

Das war bei weitem nicht immer so. Es gab Bände, durch die habe ich mich eher gehangelt, als wirklich gefesselt davor zu sitzen. Doch der Giftzeichner verbindet zwei meiner größten Leidenschaften: Thriller und Tattoos. Die Idee des Autors ist für mich neu und mal was ganz anderes. Denn die Details, die er zu dem dauerhaften Köperschmuck liefert, sind mehr als gut und stichhaltig recherchiert. Das hat mir einfach gefallen.

Klar ist auch, dass bei diesem Thriller nichts so ist, wie es scheint. Das habe ich bei Deaver schon gelernt. Doch auch diesmal bin ich ihm wieder auf den Leim gegangen und das zeugt von seinem Talent. Denn ich hatte mich auf Fallstricke und ähnliches gefasst gemacht, manche sogar erkannt, aber in ebenso viele bin ich einfach reingetapst. Grandios!

Rhyme ist mir, obwohl ein wahrliches Ekel, sehr ans Herz gewachsen. Seine Wandlung, die er seit den ersten Bänden durchmacht, ist faszinierend. Daher empfehle ich auch, dass man die Bände chronologisch liest, obwohl die Fälle in sich geschlossen sind. So ist auch ein Einstieg mittendrin möglich.

Das Ende war für mich schlüssig, aber auch mit einem fiesen Cliffhanger versehen. Ich bin sicher, dass die Leser einen alten Bekannten bald wiedersehen. Ich hoffe es zumindest!

Der Stil von Jeffery Deaver ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist fesselnd, ab und an ausschweifend, aber für mich zu keinem Zeitpunkt langweilend. Wer sich auch in einem Thriller fallen lassen kann, wird begeistert sein.

Fazit: Fall 11 geht unter die Haut. Ich kann ihn nur empfehlen!

Sonntag, 1. November 2015

Geh weg und bleib bei mir!


Solange du bleibst
von Jessica Winter

Mehr Informationen findet Ihr hier

Julia bricht in Jeremys Garten zusammen. Ihre Verletzungen sind zu stark, als das sie länger ihr Geheimnis bewahren kann. Jer unterstützt sie, wo er kann und schon bald traut sich Julia sich gegen ihr Elternhaus zu wehren. Doch gerade als alles sich zum Besseren zu wenden scheint, muss Jeremy sich einer bitteren Wahrheit stellen...

"Solange du bleibst" ist der zweite Roman von Jessica Winter und zugleich die Fortsetzung von "Bis du wieder atmen kannst". Stand im ersten Band noch Julia im Mittelpunkt, rückt die Autorin diesmal Jeremy ins Blickfeld des Lesers. Und wie schon von ihrem Debüt, bin ich auch vom zweiten Roman sehr begeistert.

Die Geschichte wird, wie auch schon in Band 1, abwechselnd von Jeremy und Julia erzählt. Während Julia neue Kraft gewinnt, bekommt es Jeremy mit einer bitteren Wahrheit zu tun, die ihn nicht nur straucheln lässt. Ich möchte nicht zu viel verraten, denn Jessica Winter hat eine mehr als süchtig machende Art und Weise, das Schicksal ihrer Figuren zu beschreiben. Und ich konnte sowohl mit Julia als auch mit Jeremy mitfühlen, mich hineindenken und beide verstehen, so unvernünftig manche Reaktion war.

Die Autorin gibt ihren Figuren eine für Liebesromane ungewöhnliche Tiefe und Charakterstärke. Julia und Jeremy reden miteinander, anstatt sich über 10 Ecken über den anderen zu beschweren, sie zeigen Gefühle und auch Enttäuschung, wenn es angebracht ist und ihr Leben verläuft eben nicht wie ein Märchen. Diese Mischung macht den Roman so glaubhaft und realistisch. Und auch wenn ich momentan eher auf blutige Literatur stehe, hat es mir Jessica Winters neustes Werk wirklich angetan.

Die Story ist durchzogen von Hochs und Tiefs, wirkt weder überzogen noch sonderlich kitschig. Die Autorin findet genau das richtige Augenmaß, lässt Emotionen überkochen, wenn es notwendig ist und Vernunft walten, wo es nötig ist. Toll! Ich will nicht zu viel von der Geschichte verraten, jedoch konnte mich Jessica Winter so manches Mal mit ihren Wendungen überraschen. Chapeau!

Zum Ende hin habe ich viele Tränen vergossen. Julia und Jeremy haben mich sehr berührt, ihre Worte trafen mich mitten ins Herz und ich schniefte mich bis zum Ende hin durch. Das können nur ganz wenige Autoren bei mir. Und Jessica Winter ist ab sofort eine davon!

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist einfühlsam, gefühlvoll, jedoch zu keinem Zeitpunkt schnulzig oder übertrieben kitschig. Eine tolle Mischung.

Fazit: eine rührende und passende Fortsetzung. Wer den ersten Teil kennt, wird den zweiten lieben!