Mittwoch, 13. Januar 2016

Bibelcodejagd mal anders

Der unaufhaltsame Lauf der Dinge
von Lars F. Martensen und Bernhard Faber
(513 Seiten)



Johann Georg Forster, Georg gerufen, hat sich in New York niedergelassen. In der Post findet er ein leeres Notizbuch. Der Absender: sein ehemals bester Freund Paul. In Gedanken versunken schreibt Georg seine Geschichte auf. Und die hat es in sich, forschte er doch mal am Bibelcode, wurde von seinem Professor verstoßen und musste ein ums andere Mal seinen Ruf retten. Ach ja, und der Geheimdienst hat auch noch Interesse an ihm...

"Der unaufhaltsame Lauf der Dinge" ist das Gemeinschaftsprojekt von Lars F. Martensen und Bernhard Faber und hat mir gut gefallen. Die Autoren nehmen sich dem beliebten Thema Bibelcode und Weltverschwörung an, beleuchten dies aber von der kritischen, nicht von der gläubigen Seite. Toll!

Die Geschichte wird von Georg höchstselbst erzählt. Dabei erzählt der Absolvent aber nicht chronologisch, sondern taucht immer wieder tief in seine Erinnerungen ab. Hier muss man als Leser sehr aufmerksam sein, denn sonst weiß man nicht mehr, in welchem Jahrzehnt man sich befindet. Beim Lesen erinnerte mich das an das Konzept von "Inception". Die Erinnerungen in den Erinnerungen sind für mich eine gut durchdachte Erzählweise. Auch wenn ich ab und an zurückblättern musste, um mich zu vergewissern, in welchem Jahr ich nun war. Da rächte sich meine Unaufmerksamkeit.

Die Hauptfigur Georg ist mir sympathisch gewesen, auch wenn der Mann zur puren Selbstüberschätzung neigt. Denn er hält sich selbst für mehr als intelligent und sieht sich als Geschenk an die Universitätswelt. Das Tolle ist aber, dass er regelmäßig mit der Realität konfrontiert wird. Sein ab und an tollpatschiger Umgang damit machte ihn für mich menschlich und glaubwürdig.

Die Story selbst ist toll, wenn auch ab und an ausschweifend geschrieben. Aufgrund des Klappentextes hatte ich einen Verschwörungsroman erwartet. Den habe ich auch bekommen, wenn auch anders als ich vermutet hatte. Denn die beiden Autoren haben mit Georg und seinen Freunden keine Forscher erschaffen, die ihre Entdeckungen gegen die bösen Mächte verteidigen müssen. Nein, die Studenten beziehungsweise Militärangehörigen nähern sich mit Skepsis und Bodenständigkeit dem Bibelcode. Georg forscht sogar an der Widerlegung des Codes. Das hat mir gefallen, denn das war erfrischend anders. Endlich mal keine "Ritter", die auf der Flucht die halbe Welt in Schutt und Asche legen, sondern normale und bodenständige Studenten, die das tun, was der Realität entspricht: forschen und immer skeptisch bleiben. Toll!

Und so war es auch angenehm, dass der Roman immer wieder Zeit zum Luftholen bot. Man bekommt einen tiefen Einblick in Georgs Leben und wieso er zu dem geworden ist, der er in New York am Ende ist. Der Schluß hat mich dann schlucken lassen, passte aber sehr gut zur gesamten Story und bildet ein sehr gutes Finale.

Der Stil von Martensen und Faber ist gut und flüssig zu lesen. Die Erzählweise ist hintergründig, offenbart an den richtigen Stellen Humor und bleibt dabei auf dem Teppich. Super!

Fazit: Ein Verschwörungsroman der anderen Art. Ich kann ihn empfehlen.

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