Sonntag, 24. Januar 2016

Der Keller für den Rest deines Lebens

Die unterirdische Sonne
von Friedrich Ani
(334 Seiten)

Eine Leseprobe findet Ihr hier

5 Jugendliche, ein Keller und eine Anweisung: sprich nie über das, was du oben erlebst. An diese Vorgabe halten sich die Mädchen und Jungen auch, bis Noah zu ihnen stößt. Denn Noah sind die Regeln egal. Wie gefährlich ist eine Neugierde?

"Die unterirdische Sonne" war mein erster Roman von Friedrich Ani und lässt mich zwiegespalten zurück. Auf der einen Seite fängt der Autor außergewöhnlich gut die Beklemmung im Keller ein, auf der anderen Seite ist eine Story nicht wirklich existent.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet, wobei dieser nicht sonderlich zuverlässig ist. Denn er passt sich den Gedanken der Jugendlichen stark an, nimmt ihre Sprache und somit auch ihren sehr laxen Erzählstil an. So kommen einem die Umstände zwar beängstigend nah, auf der anderen Seite schwirrte mir gerade zu Beginn der Kopf, da ich innerhalb kürzester Zeit allen Jugendlichen zugehört habe und ihren Gedanken folgen konnte. Hier musste ich mich wirklich konzentrieren, was an sich nicht schlecht ist, mir hier aber Durchhaltevermögen abverlangte, da die Sprache sehr einfach und geradezu primitiv gehalten wurde.

Die Figuren blieben mir während der Lektüre fern. Zwar ist ihr Schicksal beängstigend, jedoch erfährt man als Leser eben so wenig über die Taten oberhalb des Kellers wie die anderen Mitgefangenen. Auch wirken die Jugendlichen nicht individuell, sondern alle gleichermaßen verstört und verwirrt. Zwar kommt so die wirklich bedrückende Stimmung im Keller und die Wirkung einer Entführung sehr gut rüber, jedoch war mir im Verlauf des Buches das Schicksal der Gruppe egal, denn keiner der Charaktere hat mich berührt.

Die Story selbst ist sehr eigen. Denn man verbringt einfach nur Zeit im Keller. Es werden immer wieder Jugendliche rausgeführt und zurückgebracht. Ihr teilweise sehr abstruses Verhalten stellt Friedrich Ani verstörend gut dar. Aber einen roten Faden konnte ich nicht entdecken. Jedes Kapitel ist ähnlich, es gibt keine "Highlights" oder Twists. Und das Ende, auf das ich setzte, war für mich nicht nachvollziehbar und auch nicht logisch erklärbar.

Ich war bei der kompletten Lektüre wankelmütig. Mal wollte ich abbrechen, 2 Seiten später hatte mich ein Satz so in den Bann gezogen, dass ich weiterlesen musste. Dies war für mich eine vollkommen neue Leseerfahrung. Insgesamt lässt mich der Roman aber unbefriedigt zurück.

Der Stil von Friedrich Ani gut, wenn auch nicht immer flüssig zu lesen. Seine Erzählweise orientiert sich extrem an der einfachen Ausdrucksweise seiner Protagonisten, zeigt auf der anderen Seite aber auch eine Tiefe, die mich umgehauen hat.

Fazit: puh, ich kann nicht mal eine Empfehlung geben. Und das ist mir noch nie passiert!

Kommentare:

  1. Hallo Denise,
    ich denke jeder von uns hat schon mal so ein Buch gelesen.
    Ich bin zum Beispiel eine Person der Bücher ungern abbricht, auch wenn sie wirklich schlecht sind. Bis jetzt ist es mir zwei Mal passiert da es wirklich nicht ging. Aber deine Situation, das dich das Buch nicht mehr los lässt und im nächsten Moment zum Abbrechen nur so schreit ist mir auch schon einmal passiert. Ich beiße oft die Zähne zusammen, mache mir meine Notizen und teile das dann auch in meiner Rezension mit.

    Ich finde auch, du hast einen sehr guten Schreibstil :) Ich werde dich nun öfter besuchen kommen.

    Lg Lea von Phelinas Leselounge :)

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    1. Hi Lea,

      zunächst: vielen Dank für dein Lob, da werde ich glatt rot!

      und es war mein erstes Buch, bei dem es so extrem war. Ich bin mittlerweile konsequent beim Abbrechen, hier wollte ich aber doch wissen, was passiert. Ein sehr komisches Gefühl.

      LG
      Denise

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