Mittwoch, 20. Januar 2016

Killerjagd? Eher Killer-Fangespiel

(Quelle: Lübbe)
Killerjagd
von Christine Drews
(336 Seiten)

Eine Leseprobe und die Möglichkeit zur Bestellung findet Ihr hier

In London wird ein ehemaliger MI6-Agent ermordert. In seinem eigenen Haus und ohne Kampfspuren. Die Profilerin Rachel Hyatt steht vor einem Rätsel: wieso hat sich der betagte, aber keineswegs wehrlose Agent nicht gewehrt? Der Mord scheint zudem nicht der erste des Killers gewesen zu sein. Hyatt und ihr Team begeben sich auf die Jagd nach einem Täter, der tiefer in die Machenschaften des MI6 steckt, als sie ahnen.

"Killerjagd" war mein erster Thriller von Christine Drews und lässt mich zwiegespalten zurück. Auf der einen Seite versteht die Autorin es wirklich eine Geschichte zu erzählen, auf der anderen Seite waren mir zu schnell zu viele Dinge sonnenklar und ausgesprochen, so dass ich keine Spannung mehr empfinden konnte.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man sowohl den Ermittlungen von Rachel Hyatt und dem Scotland Yard als auch dem Killer bei seinen Taten. Normalerweise finde ich solch eine Mischung sehr anziehend und auch fesselnd. Hier war es aber so, dass der Täter seit dem ersten Kapitel namentlich bekannt war und auch der Verdacht, den Hyatt heckte, sich sehr früh bestätigte. Von Jagd konnte hier dann keine Rede mehr sein.

Die Figuren sind britisch kühl, aber keineswegs uncharmant. Hyatt und ihr Partner Bob kabbeln sich während der Ermittlungen, die Kollegen verhalten sich herrlich menschlich inklusive einem nicht wirklich gut durchdachten Mittagessen und auch der Killer wirkt, obwohl er grausam und präzise tötet, irgendwo menschlich und realitätsnah. Christine Drews haucht ihren Charakteren auf eine tolle und eindringliche Art Leben ein. Das fand ich toll.

Die Story ist auch durchaus lesenswert, hat aber wenig mit einem Thriller zu tun. Ich würde das Buch eher als Krimi einordnen. Von Beginn an sind dem Leser Täter, Opfer und Ermittler bekannt. Was an sich dennoch spannend sein könnte, entpuppt sich in diesem Fall als Stimmungskiller. Ich fand die Ermittlungen kaum interessant, da Hyatt schon früh erkannte, wer der Täter ist und die Schleifen, die sie und ihr Team dann gezogen haben, in meinen Augen völlig unnötig gewesen sind. Ich konnte mich mit den Nachforschungen nicht identifizieren und verstand nicht, warum man nicht der besten Spur nachging, sondern zig Nebenstränge verfolgte. Daher war für mich das Lesen auch nicht von Spannung, sondern eher von lakonischen AHA-Momenten geprägt. Zu wenig!

Der Stil von Christine Drews ist gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist britisch distanziert, aber dennoch an den richtigen Stellen detailreich.

Fazit: keine Killerjagd, sondern ein Killerfangespiel. Für mich zu wenig.

Ein Dankeschön für das Buch geht an
und



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen