25. März 2016

Ein Buch wie ein Gedicht



(Quelle: www.droemer-knaur.de)
Und sie werden nicht vergessen sein
von Carmen Lobato
(748 Seiten)



Eine Leseprobe findet Ihr hier

Eva und Martin lieben sich im Berlin der 30er Jahre. Aus ihrer Liebe entsteht Chaja, ein lebenslustige, kleines Mädchen. Doch das Glück währt nicht lang, denn mit den Nazis kommt die Erkenntnis: Eva ist Jüdin.
In England kämpfen Arman und Amarna um ihr Glück. Während Arman mit seinen Ausstellungen mehr als erfolgreich ist, versucht Amarna ihre Expedition nach Ararat zu finanzieren. Doch dann beginnt der Krieg und  mit ihm ändert sich alles...

"Und sie werden nicht vergessen sein" ist mein zweiter Roman von Carmen Lobato und die Fortsetzung der Geschichte "Die Stadt der schweigenden Berge". Die Autorin hat mich wieder verzaubert und mit ihren Worten in den Bann gezogen. Und das Schöne: man muss Band 1 nicht kennen um Band 2 zu verfallen.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man unter anderem Eva Löbel und ihrem Geliebten Martin, die sich bei einem Dreh in Berlin kennen- und lieben lernen. Während Martin der Traum aller Frauen ist, eckt Eva durch ihre Kunst an und gerät bald ins Visier der Partei.
In England lebt man mit Arman und Amarna ihren Traum von einem ruhigen, normalen Vorstadtleben. Auch die beiden versuchen ein Kind zu bekommen, scheitern aber an der Biologie. Während Arman sich in seine Kunst und die Royal Air Force flüchtet, schlägt Amarna emotional um sich und versucht einfach nur alles zu bewahren, was sie hat, ungeachtet, wen sie damit verletzt. Als sie die Chance bekommt, jüdischen Kindern bei der Flucht zu helfen, greift sie zu.

Die Figuren, die Carmen Lobato erschafft, sind tiefgründig, emotional und fast schon schmerzhaft real. Ich habe mit der kleinen Chaja gelitten, als sie die Progromnacht miterleben musste, habe mit Arman Stein zu Schönheit verarbeitet und mit Amarna um das Herzensprojekt gekämpft. Jeder Charakter und mag er auch noch so klein und vermeintlich nebensächlich sein, besitzt eine literarische Seele und ich konnte mit jeder Figur fühlen. Natürlich haben es mir die beiden Protagonisten in England angetan, doch auch die Zeit in Berlin, die Grausamkeiten, die dort unter dem Deckmantel der Politik verübt wurden, haben mich tief berührt, zu Tränen gerührt und vor Wut brüllen lassen. So emotional hat mich selten ein Werk mitgenommen.

Die Story selbst ist ein Wechselbad zwischen mitreißend, gediegen und nachdenklich. Der Roman überzeugt nicht durch hochgradige Spannung, sondern durch seine innere Ruhe und seine fast poetischen Auswüchse. Wer zu "Und sie werden nicht vergessen greift" erlebt keinen Sprint, sondern einen Marathon, der einen von Beginn an mitnimmt und bis zum Ende nicht loslässt.

Hinzu kommt ein Stil, den ich einfach nur als typisch Lobato bezeichnen kann. Poetisch, tiefsinnig und dabei doch herrlich direkt schildert die Autorin die Abenteuer ihrer Figuren. Sie schreibt nicht für die paar Minuten am Tag, die man sich loseisen kann vom Alltag, Carmen Lobato schreibt für stundenlange Wohlfühlmomente.

Fazit: ein besonderes und mehr als aktuelles Buch. Ich kann es wärmstens empfehlen.

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