Mittwoch, 4. Mai 2016

Ein Engel mit teuflischen Absichten

Engelsspiel
von Klaus Schuker
(420 Seiten)


Mehr Informationen findet Ihr hier

Janina ist fast 18, wunderschön und durchtrieben. Während sie eine Affäre zu einem älteren Mann pflegt, lässt sie ihre beste Freundin Kim, die immer wieder für Alibis sorgen muss, am ausgestreckten Arm quasi verhungern. Während Janina dieses Geheimnis genießt, ist Kim zusehends genervt....bis eines Abends etwas passiert, was nicht nur das Leben der beiden Teenies, sondern auch des Familienvaters Daniel Schönwind für immer verändert.

„Engelsspiel“ ist mein erster Krimi von Klaus Schuker gewesen und hat mich einfach überzeugt. Der Autor erzählt eine schockierende, wenn leider auch sehr reale Geschichte und fängt seine Leser schon von Beginn an ein.

Der Roman wird aus Sicht eines auktorialen Erzählers geschildert. Dabei folgt man sowohl Janina und ihren Unternehmungen, als auch Daniel Schönwind bei seinem Familienleben und später sogar den ermittelnden Beamten. Ich fand diese Mischung sehr gelungen und konnte mich von Beginn an mit den Figuren identifzieren, wenn auch nicht herzlich anfreunden.

Denn Klaus Schuker gestaltet seine Charaktere brutal real und schmeichelt weder der Jugend noch dem gestandenen Mann in seinem Krimi. Selbst bei den Polizeibeamten, die hier eine neutrale Rolle spielen, geizt er weder mit guten noch schlechten Seiten und stellt somit für mich ein leider viel zu selten in Romanen antreffendes Gesamtbild der Gesellschaft dar. Dennoch oder gerade deswegen konnte ich mit den Figuren mit leiden, mit hassen und mit fühlen. So manches Mal hätte ich abwechselnd Janina und Daniel erwürgen, schlagen, in den Arm nehmen oder tätscheln können. Und wären mir Bücher nicht so wichtig, wäre auch das ein paar Mal vor lauter aufgewühlten Emotionen durch den Raum geflogen. Schon viel zu lange hat mich kein Autor mehr so mitgerissen. Grandios!

Die Story an sich ist von Beginn an fesselnd und toll erzählt. Klaus Schuker setzt bewusst auf kurze Kapitel beziehungsweise Begebenheiten und gewährt zudem immer wieder Einblicke in die Gefühlswelt seiner Charaktere. Zwar beinhaltet der Krimi so manche bekannte Wendung, jedoch war es mir in diesem Fall vollkommen egal. Denn der Autor erzählt seine Geschichte mit solch einem klaren und teilweise kühlen Blick, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Das Ende hat mich dann vom Sofa kippen lassen. Ich war baff, überrascht und bin sehr sehr zufrieden mit dem Schluss. Denn Schuker vermeidet den erhobenen Zeigefinger und verführt seine Leser zu einem diabolischen Grinsen.

Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, einfach, aber nicht langweilig. Durch die kurzen Kapitel entsteht eine Sogwirkung, die einen bis zum Schluss mitreißt.

Fazit: kein Spiel für Engel, sondern mit dem Teufel im Bunde. Eine klare Leseempfehlung!  

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen