Montag, 9. Mai 2016

Gib Acht auf deine Kehle!

(Quelle: Digital Publishers)

Gehasst
von Andreas Schmidt
(380 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

In Wuppertal wird eine junge Frau im wahrsten Sinne des Wortes totgebissen. Ihr Mörder hat ihr die Kehle herausgerissen und ist auch sonst nicht zimperlich mit ihr umgegangen. Franka und ihre Kollegen sind zunächst ratlos, folgen dann aber den noch brauchbaren Spuren, die der Mörder hinterlassen hat und müssen schnell erkennen, dass der Beißer vor nichts halt macht!

„Gehasst“ war mein erster Thriller von Andreas Schmidt und lässt mich nach dem fulminanten Start ernüchtert zurück. Der Autor erzählt eine großartige Idee, kommt aber zu schnell und glatt zum Punkt und reißt somit Löcher in die Spannung.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man nicht nur den Ermittlern, die gewissenhaft und schnell recherchieren, sondern lernt auch intensiv den Täter und seine Opfer kennen. Das fand ich großartig. Gerade der erste Abschnitt des Buches beschäftigt sich ausschlicßlich mit der ersten Tat des Mörders. Und diese Tat wird von Andreas Schmidt detailreich, tiefgründig und mit viel Blut erzählt. So muss das sein!

Nach dem tollen ersten Kapiteln erfolgte dann schnell die Ernüchterung. Leider! Denn der Autor lässt seine Polizisten zunächst unlogisch in eine Richtung ermitteln, nur damit sie wenig später DEN Geistesblitz erhalten, in welchem Umfeld der Täter sich aufhalten könnte. Ich finde es sehr gut, wenn auch Ermittler mal Fehler machen, jedoch verrannten sich Franka und ihr Team sehr stark in eine Idee, so dass es mich verwunderte, dass sie bald darauf für eine andere Theorie so brannten.

Generell liefen die Ermittlungen mit dem Fortschritt der Story immer glatter ab. Zufälle häuften sich und so kam es, dass die Polizei rasant auf den Beißer kam. Das ist zwar für die verschonten Opfer großartig, für mich als Leserin war es zu fix. Ich fand es zudem schade, dass Andreas Schmidt nach der mehr als gelungenen Einführung die Beweggründe des Täters so fix abhandelt. Denn die Neigung des Beißers bot genug Potenzial um nicht nur mehr zu erzählen, sondern auch seine Taten greifbarer zu machen.

Auch seinen Figuren gönnt Andreas Schmidt nicht den Raum, den sie brauchen. Zwar erfährt man ein paar Fakten aus dem Privatleben der Polizisten, jedes Aufblitzen wird dann aber alsbald in Arbeit erstickt. Das wäre auch nicht dramatisch, allerdings holt der Autor selbst immer wieder das Privatleben seiner Figuren in den Vordergrund. Und da sollte es dann meiner Meinung nach nicht nur bei wenigen Sätzen bleiben.

Das Finale war, nun ja, teilweise überzeichnet. Was aber auch daran lag, dass es mir einfach an Details über die Beweggründe des Täters gefehlt hat. Zudem endet der Thriller so abrupt, dass ich meinen Reader ungläubig drehte und wendete und dachte „das wars jetzt?“.

Der Stil des Autors ist gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt, detailreich und ab und an sehr wiederholungslastig. Hier hätte aber auch das Lektorat einiges ausmerzen können, denke ich.

Fazit: eine für mich tolle Grundidee, die mehr Raum gebraucht hätte. Schade!

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