22. Mai 2016

Meine Welt hielt den Atem an

(Quelle: Jessica Winter)
Wenn du mich sehen könntest
von Jessica Winter
(402 Seiten)

Eine Leseprobe findet Ihr hier

Nate studiert Jura, hat seinen Dienst bei der Feuerwehr quittiert und kämpft nachts mit seinen Dämonen. Das Leben ist für ihn dennoch erfüllt, denn er lebt mit seinem besten Freund Toby zusammen und arbeitet nebenbei in einer großen Kanzlei. Als er bei Recherchen aus Versehen den Computer in seinem Büro lahmlegt, ruft er die Helpline der Uni an und trifft dabei auf Lexi. Diese antwortet mit so viel Witz und Charme, dass Nate nicht lang fackelt. Doch ist er auf das vorbereitet, was Lexi vor ihm verbirgt?

„Wenn du mich sehen könntest“ ist bereits der dritte Roman aus der Feder von Jessica Winter und hat mir wieder ausnehmend gut gefallen. Ich stehe mit dem Genre Romantik auf Kriegsfuß, für mich kann es nicht blutig genug sein, doch die Autorin hat mich mit ihrer Erzählung um Lexi und Nate von Seite 1 an gefangen genommen und nicht mehr losgelassen. Chapeau!

Die Geschichte wird abwechselnd von Lexi und Nate erzählt. Dabei erfährt man sowohl von den Problemen und Sorgen, als auch von den Sonnenseiten ihrer Leben. Während Nate, der eigentlich Nathan heißt, sich voll in seine Arbeit in der Kanzlei reinhängt und kaum was anderes kennt, verzaubert Lexi, die nur von ihrer Mutter Alexandra gerufen wird, ihn mit Witz, Schlagfertigkeit und extrem viel Wissen. Doch auch Nate trifft bei Lexi mit seinem Humor und seinem Wortzwitz ins Schwarze. Es war mir jedes Mal eine Freude, wenn die beiden sich am Telefon und später bei ihren Treffen nichts geschenkt haben. Mein innerer Geek hat bei den vielen Anspielungen auf Arrow und Computerspiele gejubelt. Jessica Winter hat mit ihren beiden Protagonisten ein mehr als sympathisches und dynamisches Duo erschaffen.

Wer glaubt, hier eine 08/15-Lovestory serviert zu bekommen, könnte nicht weiter daneben liegen. Die Figuren sind authentisch, realistisch, haben alle ihre Ecken und Kanten und ihre Probleme sind echt. Es gibt keine „Oh Gott, mein Nagel ist abgebrochen“-Teenie-Probleme. Die Sorgen der beiden Hauptfiguren und auch die Bedenken ihrer Freunde sind echt, teilweise traumatisch, aber nie übertrieben. Ich habe jede Handlung verstanden, jeden Gedanken verfolgt und war einfach so gefangen, dass ich nicht ganz 2 Tage zum Lesen benötigte.

Die Story selbst ist geradlinig und so herzerwärmend wie dramatisch, dass ich schon im ersten Drittel Tränen vergossen habe. Dabei trägt die Autorin nicht dick auf, sondern gibt ihren Charakteren genug Freiraum um sich zu entfalten. Jessica Winter lässt nicht künstlich Konflikte wachsen, sondern zeigt, dass eine Geschichte auch dann funktioniert, wenn die Figuren miteinander reden. Es war für mich erfrischend normal und doch einzigartig. Und so ist es nicht verwunderlich, dass ich im Laufe des Werkes gelacht, geweint, geschrien habe und sogar Angst hatte. Diese Achterbahn der Gefühle löst kaum jemand so zuverlässig aus wie Jessica Winter.

Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist gefühlvoll, ohne Kitsch und mit so viel Mut zur Direktheit, dass ich mit Nate und Lexi gern meine Zeit verbracht habe.

Fazit: Ein Roman wie kaum ein zweiter Kein Kitsch, sondern tiefe Bekenntnisse. Lesen!

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