12. Mai 2016

Was ist auf der anderen Seite?

(Quelle: Amazon)

Zwei Seiten einer Mauer
von Alexander Stapper
(348 Seiten)


Mehr Informationen findet Ihr hier

Theo lebt in einer kleinen Stadt hinter hohen Mauern. Das Mauerwerk schützt die Bewohner vor den Infizierten. Doch Theo lässt sich davon nicht einschüchtern. Er will wissen, was hinter der Mauer liegt, was ihn draußen erwarten könnte. Und erfährt das schneller, als ihm lieb ist....

„Zwei Seiten einer Mauer“ ist das Debüt von Alexander Stapper und hat mir insgesamt gut gefallen. Der Autor greift auf einen klassischen Dystopie-Aufbau zurück, konnte mich aber mit so mancher Begebenheit und dem Finale überzeugen.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei erfährt man vor allem, wie Theo und seine Freunde Pitz und Hanna mit dem Leben innerhalb der Mauern klar kommen, wie sich ihr Alltag gestaltet und mit welchen Widrigkeiten sie zu kämpfen haben. Hierfür lässt sich Alexander Stapper Zeit und Raum und gibt somit auch seinen Lesern die Möglichkeit, die 3 Freunde gut kennenzulernen. Diese Vorgehensweise fand ich toll, wenn gleich ich mir an manchen Stellen eine Straffung gewünscht hätte.

Leider erfährt man nicht viel über die Infizierten und wie es dazu kam, dass die Welt nun so aussieht, wie sie ist. Es gibt zwar Andeutungen, doch diese sind in meinen Augen zu wenig und zu ungenau. Hier hätte ich mehr Details oder gar einen Rückblick toll gefunden.

Zur Mitte hin nimmt der Roman dann an Fahrt auf und in der zweiten Hälfte lässt Alexander Stapper seinen Lesern kaum Zeit zum Luft holen. Hier kommt es dann auch zu einem Wechsel der Figuren, so dass man nochmals neue Blickwinkel und Ansichten kennenlernt. Eine klasse Idee, jedoch war der Bruch sehr abrupt. Es wirkte auf mich so, als ob hier zwei Teile einer Geschichte zusammengeführt wurden und einfach der Übergang vergessen wurde. Eine sanfte Überführung hätte mir den Wechsel erleichtert.

Wirkt die Dystopie zu Beginn vom Aufbau recht typisch, findet der Autor in der zweiten Hälfte zu seiner ganz eigenen Geschichte. Eine klasse Wandlung. Gern hätte ich auch hier wieder mehr über die Hinter- und Beweggründe seiner Figuren erfahren. So war das Finale zwar spannend, aber nicht immer greifbar.

Der Schreibstil Stappers ist einfach und gut zu lesen. Seine Erzählweise ist schnörkellos, direkt und konzentriert sich aufs Wesentliche. Für mich hat sie zur Geschichte gepasst.

Fazit: ein solides, wenngleich ausbaufähiges Debüt. Dennoch allein wegen der Idee lesenswert.

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