18. Juni 2016

Das wird ein Mordsspaß!

(Quelle: L.C. Frey)

Herb
von L.C. Frey und Paul Anger
(172 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Herb ist nach einem missglückten Zugriff, den er als aktiver Polizist verbockt hat, gehbehindert und hat  nur noch ein Auge. Sein Hass richtet sich gegen Asiaten, denn schließlich waren die bei dem Zugriff das Ziel. Und so kultiviert der ehemalige Polizist seinen Hass. Den Höhepunkt findet dieser, als sein bester Freund mit seiner neuen Freundin zu Besuch kommt. Einer Asiatin, ausgerechnet! Doch das ist nicht das einzige, was Herb stört. Er kennt die Frau und das nicht im Guten...

"Herb" ist das erste Gemeinschaftswerk von L.C. Frey und Paul Anger und hat mich absolut überzeugt. Ein bitterböser Thriller mit einer Hauptfigur, vor der man sich ekelt und gleichzeitig nicht weggucken kann. So muss es sein, wenn man lesetechnisch mal richtig dreckig werden will.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man jedoch, bis auf ganz wenige Ausnahmen, Herb und seinem Hass. Und das ist hier wörtlich zu nehmen. Selten ist mir eine so hasserfüllte, wie gewalttätige Hauptfigur begegnet. Zum Thriller hat Herb gepasst wie Arsch auf Eimer. Auch wenn ich für den Protagonisten keinerlei Sympathie aufbringen konnte, habe ich Zugang zu ihm gefunden. Faszinierend an der Story ist nicht nur Herbs Umgang mit seiner Umwelt, sondern auch die Zusammenhänge, die das Autorenduo so geschickt zwischen all der Wut versteckt, dass ich lange benötigte um hinter jeden Winkelzug zu steigen. Klasse!

Eine Warnung sei gestattet: Herb ist nicht zimperlich. Im Gegenteil. Er sprüht vor Rassismus, vulgärere Sprache und Hass auf alles, bis auf sich selbst. Ich fand es während des Lesens erstaunlich, dass dieser Mann überhaupt noch ein Sozialleben samt Frau und Freunden hat. Mich hat der Ex-Polizisten von  Beginn an angeekelt, ich habe ihm die Pest an den Hals gewünscht und doch wollte ich wissen, was er hinter der Freundin seines besten Freundes Donnie vermutet, wollte sehen, wie weit er es mit seiner Frau Majorie treiben kann und wann die Welt erkennt, dass Herb einfach nur ein mieses Arschloch ist. Diese Neugierde und der Sog der Erzählung ließen mich den Thriller innerhalb von gut 3 Stunden durchlesen.

Die Story ist dabei nicht zu verachten. Rasant, intrigant und mit einem Fokus auf die alte Spürnase von Herb schaffen L.C. Frey und Paul Anger nicht nur einen bösartigen Einstieg, sondern halten die Spannung den gesamten Thriller über auf einem hohen Niveau. Je näher ich dem Ende kam, desto öfter dachte ich "Das kann doch jetzt nicht wirklich...das ist doch...die können doch nicht". Und das Autorenduo konnte. Der Schluss hat mir den Rest gegeben und ich war danach einfach nur baff. Grandios!

Der Stil der beiden ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist direkt, brutal, ohne Rücksicht auf Verluste und teilweise heftig vulgär. Doch es passte einfach zu der Geschichte.

Fazit: Herb ist ein Schatz, ein dunkler, vermoderter am Grunde einer Kloake. Lesen!

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