Montag, 6. Juni 2016

Die Unterwelt stellt die besten Ermittler

Hades
(Eden - Reihe Band 1)
von Candice Fox
(341 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Hades ist der Herr der Unterwelt in Sydney. Wer ein Problem hat, kommt zu ihm. Und so bringt ein Verbrecher 2 halbtote Kinder zu ihm. Hades kann sie nicht ihrem Schicksal überlassen und zieht Eden und Eric groß. Sie werden auf ein Leben vorbeireitet, dass der Herrscher der Unterwelt so nicht kennt: das Leben als Gesetzeshüter.

„Hades“ ist das Debüt der Australierin Candice Fox und hat mich bis auf den Schluss mehr als überzeugen können. Die Autorin wirft einen Blick in die Unterwelt von Sydney, lässt ihre Leser in Fällen des Organraubes ermitteln und zeigt gleichzeitig, dass niemand seiner Vergangenheit entkommt.

Die Geschichte wird aus der Perspektive von Frank Bennett erzählt. Der Cop wird Eden als neuer Partner zugeteilt. Schon am ersten Tag macht sie klar, dass sie ihn nicht braucht, nicht will und dass ihr Bruder Eric da ähnlich denkt. Neben den Schilderungen von Frank erfährt man kapitelweise auch, wie Eden und Eric zu dem geworden sind, was sie heute darstellen. Diese Wechsel fand ich hervorragend. Auch die für mich neue Perspektive, die eigentlichen Hauptfiguren durch die Augen eines anderen kennenzulernen, hat mich sofort fasziniert und nicht losgelassen. Ein klasse Kniff!

Die Figuren, die Candice Fox uns entweder direkt oder indirekt vorstellt, wirken düster, zutiefst verletzt, aber nie weinerlich oder zerbrochen. Vor allem Eden hat es mir angetan, da sie sowohl in den Schilderungen von Frank als auch in den Rückblicken die größte Rolle einnimmt. Dabei hat die Frau mehr durchstehen müssen, als für einen Menschen gut ist. Mit jedem Kapitel reifte in mir die Erkenntnis, warum sie so ist, wie sie ist und doch bleibt sie für mich nicht vollends greifbar. Auch ihr Partner Frank, der die Schilderungen übernimmt, lernte ich zwar gut, aber nicht allumfassend kennen. Das störte mich beim Lesen kein bisschen, denn ich war mit dem, was ich erblicken konnte, schon vollauf beschäftigt und habe teilweise atemlos gelesen, was Eric und Eden zugestoßen ist und an was die Cops arbeiten müssen. Und diesen Effekt erzielen nur noch ganz wenige Autoren bei mir.

Die Story ist von Seite 1 an fesselnd erzählt und hat mich auch während des Lesens immer tiefer in die dunkle Seite Australiens gezogen. Dabei wahrt die Autorin eine gewisse Distanz zu den Geschehnissen, nur um an bestimmten Stellen den Leser mit Details zu quälen, die notwendig sind, aber mit ihrer Wucht einen einfach umhauen. Candice Fox baut einen düsteren, schweren, aber nicht schwermütigen Thriller auf. Er hat nur ein kleines Manko: das Finale.

Auf den letzten 50 Seiten mutiert der bisher so brilliante Thriller zu einem 08/15 – Spannungsroman, dessen Elemente so altbekannt und vorhersehbar waren, dass ich mich beim Lesen unwillkürlich „Ist das ihr Ernst?“ fragte. Egal, ob es um den Täter an sich ging, um das Zusammenführen von offenen Strängen oder den Cliffhanger für Teil 2, alles wirkte so totgelutscht, abgegriffen und wie 100 Mal gelesen. Ich hatte den Eindruck, dass sich die Autorin bis kurz vorher keinerlei Gedanken machte, wie sie den Fall lösen möchte und dann auf die bekanntesten Methoden zurückgriff. Schade!

Der Stil von Candice Fox ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise passt sich den Situationen ihrer Figuren an und nimmt daher eine Spannbreite von kühl-distanziert bis verzweifelt emotional ein. Grandios!

Fazit: das Debüt ist trotz des Finales definitiv gelungen. Ich freu mich auf Teil 2!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen