20. Juni 2016

Hier ist nicht die Familie die Katastrophe!

Meine Familie und andere Katastrophen
von Jónína Leósdóttir
(304 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Alles war so schön geplant: Margaret hat für ihren Ehemann Ragnar eine Überraschungsparty zum 60. Geburtstag geplant. Doch die Überraschung gelingt ihm und nicht seiner Frau, denn er verkündet, dass er sich scheiden lassen will. Die gesamte Familie ist geschockt und versucht nun, mit dem neuen Chaos klar zu kommen...

„Meine Familie und andere Katastrophen“ war mein erstes Buch von Jónína Leósdóttir und wird auch mein letztes gewesen sein. Die Isländerin möchte über das Auseinanderbrechen einer Familie schreiben und schafft es dabei nur pure Langeweile und Kopfschütteln bei mir auszulösen. Ich bin Skandinaviern im Bereich Thriller schon skeptisch, nun füge ich dem auch das Genre Komödie hinzu.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man zu einen Ragnar, der sich aus heiterem Himmel von seiner Ehefrau trennt, als auch Margaret, die Gehörnte Ehefrau sowie Eygló, die Tochter der Beiden, die selbst mit ihrem Lebensgefährten ganz andere Probleme angehen müsste als die zerbrechende Ehe ihrer Eltern. Denn Eygló hat mit ihrem Lebensgefährten 3 Kinder unterschiedlichen Alters, die er mit in die Beziehung gebracht hat. Vom Pubertier bis hin zum Nesthäckchen ist jedes Alter dabei. Diese Mischung bietet auf den ersten Blick genügend Reibungspunkte, um einen witzigen und zugleich nachdenklichen Roman zu erschaffen. Die Autorin erschafft hier aber nur einen Roman über Selbstmitleid, abgehalfterten Männern und Problemen, die komplett hausgemacht sind und an denen keiner arbeiten will, weil es einfacher ist, sich wie Kleinkinder zu verhalten.

Und genau dieses Verhalten hat es mir so schwer gemacht überhaupt Sympathie für eine der Figuren zu empfinden. Egal, ob es die Eltern sind, die sich trennen oder deren erwachsene Kinder, die damit nun umgehen müssen, alle verhalten sich durch die Bank weg wie kleine Kinder, die nur ihre eigenen Ziele kennen und dabei nicht merken, wie die Welt wirklich ist. Zudem stellt Leósdóttir ihre Charaktere sehr oberflächlich vor, so dass ich zu keiner eine Bindung aufbauen konnte.

Der Roman wird als turbulente Komödie mit nachdenklichen Zwischentönen angekündigt. Humor scheint man in Island anders zu definieren, was auch durchaus in Ordnung ist. Ich konnte bei diesem Werk nicht einmal lachen. Es gab einfach keine Situationen, in denen ich hätte lachen oder gar lächeln können, denn dazu stolperten die Figuren von einer Tragödie in die nächste. Immer wenn ich dachte, das Ensemble kommt einer Lösung näher, tat sich ein neuer Abgrund auf. In meinen Augen war dies zu viel des Guten.

Das Ende hat mich dann total unvorbereitet getroffen, denn der Roman hört einfach auf. Ohne Lösung, ohne Happy End, ohne alles ist einfach Schluss. Ich fühlte mich wie ein Gast, dem einfach die Tür vor der Nase zugeknallt wurde. Und das kann ich in solch humorvollen (oder in diesem Fall gewollt humorvollen) Romanen gar nicht haben.

Der Stil der Autorin ist gut zu lesen, wenn man sich mal an all die isländischen Namen gewöhnt hat. Jedoch erzählt Jónína Leósdóttir mit so viel Elan wie eine Schnecke beim 100-m-Lauf.

Fazit: nicht die Familie ist hier die Katastrophe. Keine Empfehlung von mir!

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