26. Juni 2016

ICH BIN DER TOD

I am Death - Der Totmacher
(Hunter - und - Garcia - Thriller Band 7)
von Chris Carter
(384 Seiten)


Eine Leseprobe findet Ihr hier

Robert Hunter ist aus seinem „Urlaub“ wieder zurück und kommt nicht zum Durchatmen: in der Nähe des Flughafens von Los Angeles wird eine grausam zugerichtete Frauenleiche gefunden. Hunter und Garcia müssen sich noch mit den heftigen Details der Ermordeten auseinandersetzen, als es schon die zweite Leiche gibt. Der Mörder macht aus seiner Identität keinen Hehl: ICH BIN DER TOD! Können die beiden Ermittler den Sensenmann stoppen?

„I am Death – Der Totmacher“ ist bereits der 7. Fall von Robert Hunter und Carlos Garica und Chris Carter schafft es wieder mal, die Grausamkeiten wachsen zu lassen. Während er im letzten Thriller auf die Psychologie setzte, kommen im neusten Fall wieder körperliche Qualen zum Tragen. Und körperliche Qualen erlitt ich teilweise auch beim Lesen, denn Übersetzung und Lektorat haben an Qualität verloren. Doch zunächst zum Werk selbst.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Neben den Ermittlungen des LAPD folgt man auch den Opfern in ihrem Alltag und leidet mit einem jungen Entführungsopfer. Diese Mischung hat mich von Beginn an in den Bann gezogen. Schon nach den ersten 20 Seiten hatte ich die ersten Tränen in den Augen, da Chris Carter mit 2 großen Schlägen aufwartet, die ich nie erwartet hätte. So schnell führt mich kein anderer Autor an meine Grenzen.

Auffällig ist bei diesem Fall, dass Robert und Carlos selbst im Hintergrund bleiben. Ja, sie führen die Ermittlungen, aber ihr Privatleben und auch ihre persönlichen Gedanken bleiben fast komplett außen vor. Eine echte Veränderung zu den Vorgängern. Dafür stellt Chris Carter die Opfer ausführlich vor und ich konnte bei jedem Schlag gegen die Opfer selbst spüren, wie weh es tat.

Die Schlagabtäusche zwischen Hunter und Garcia sind gewohnt intelligent und zeigen wieder mal, auf welch hohem Niveau die beiden arbeiten. Der Autor schont weder seine Ermittler noch seine Leser, was die brutalen Details der Morde angeht. Und hier erreicht er neue Höhen, sowohl bei der Kreativität als auch bei der Perfidität. Für mich absolut genial, für so manchen bestimmt zu viel.

Das Finale hat mich dann vollends überzeugt. Hatte ich zwischendrin die Befürchtung, es wird zu einem doch schon ausgelutschten Ende kommen, zeigt Chris Carter sein gesamtes Können und ließ mich atemlos zurück. Toll!

Jedoch....das Lesen war für mich zwischendurch nicht immer nur Vergnügen. Obwohl die Übersetzerin die gleiche ist wie beim Vorgänger, hatte ich das Gefühl, zeitweise den Aufsatz eines Schülers zu lesen. Unnötige Wiederholungen, mehr als unrunder Satzbau und eine Ausdrucksweise, die nicht typisch Carter ist. Ich weiß nicht, ob die Übersetzerin einen schlechten Tag hatte oder das Lektorat gepennt hat, aber eine Freude war es stellenweise keineswegs. Desweiteren verrät der Klappentext mal wieder die entscheidende Wendung, was mehr als unnötig ist und wo ich mich frage, ob der Verlag hier einfach nicht hinschaut oder es ihm egal ist, dass den Lesern das Vergnügen genommen wird.

Trotz meiner Kritik an der Übersetzung merkt man auch hier, dass Chris Carter einfach weiß, wie man spannend, rasant und fesselnd schreibt. Ich konnte mich seinem Sog nicht entziehen und wäre mir nicht sowas wie Schlaf dazwischen gekommen, hätte ich das Buch an einem Abend inhaliert.

Fazit: Der Totmacher ist ruhiger aber auch brutaler als sein Vorgänger. Lesen!

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