7. Juni 2016

LitBlogConvention 2016 oder Blogger, die unbekannten Wesen

(Quelle: litblog-convention)


Hallo Ihr Lieben,

ich war am Wochenende zu Besuch auf der ersten LitBlog-Convention, die von den Verlagshäusern Bastei Lübbe, Egmont Lyx, Kiepenheuer & Witsch sowie DuMont veranstaltet wurde. Die Tickets zu diesem Event waren nach wenigen Stunden restlos ausverkauft und so war ich mehr als gespannt, was die Verlage sich für ihre Blogger ausgedacht haben.

Mein Tag begann kurz nach 5 Uhr. Mehr müde als wach machte ich mich mit dem ICE auf nach Köln. Im Ruheabteil lehnte ich mich zurück, las, schlief und lernte so ganz nebenher noch einen Teil des Buchlingreport kennen. Wozu Bahnfahren doch gut ist ;)

Köln empfing mich mit Regen. Freudiger Sonnenschein wäre mir lieber gewesen, aber was ein echter Blogger ist, der spannt den Stitch-Regenschirm auf und macht sich auf den Weg zum Gebäude von Bastei Lübbe. 

Der Empfang war schon herzlich und ehe ich mich versah, hatte ich schon eine prall gefüllte Goodie-Bag in der Hand. Damit hatte ich null gerechnet und war um so überraschter, wie viel Mühe sich die Verantwortlichen mit der Auswahl des Inhaltes gegeben haben. 

Nach einer kurzen und leicht nervösen Begrüßung durch Lübbe und dem Hinweis, dass die Verlagsmitarbeiter auch die Blogger mit Fragen löchern werden, ging es schon zur ersten Veranstaltung. Ich entschied mich für die Lesung von Kristina Günak und Tina Brömme.


Beide Autorinnen schreiben in einem Genre, in dem ich gar nicht zu Hause bin: heiterer Frauenroman. Aber ich war neugierig, was die beiden gestandenen Autorinnen in ihren neusten Werken zu bieten haben. Doch bevor auch nur ein Wort gelesen wurde, plauderten beide aus dem Nähkästchen, erzählten von ihren Vorbereitungen und wiesen direkt drauf hin, dass Kurzfassen noch nie die Stärke von Autoren war. 


Kristina las aus "Drei Männer, Küche, Bad", in dem es darum geht, wie man in Berlin gescheite (!) Mitbewohner findet. Und mir wurde dabei wieder bewusst, warum ich trotz angespannter Wohnungslage in Berlin nur mit felinen Bewohnern zusammenlebe. Lieber lasse ich mich von meinem Kater herumkommandieren, als auf die Spleens diverser Mitmenschen eingehen zu müssen ;)


Tina greift in "Wie programmiert man Liebe?" die Thematik Klassentreffen und alte Erinnerungen auf. Und mir wurde siedend heiß bewusst, dass auch mein erstes Abitreffen ansteht. Die Schilderungen, die die Autorin vorlas, ließen mich lachen und gleichzeitig in meiner Überzeugung wanken, wirklich das Treffen zu besuchen.

Nach den kurzen Einblicken standen die beiden noch Rede und Antwort, erzählten von ihren Recherchen und inwieweit sie ihre eigenen Erfahrungen einfließen ließen. So verging die erste Stunde ruckzuck und schon ging es auf zum nächsten Tagespunkt.


Ich blieb gleich sitzen, denn ich wollte unbedingt wissen, was Aleksandra Erakovic aus der Lizenzabteilung aus ihrem Arbeitsalltag zu berichten hatte. Sie erzählte sehr anschaulich, wie es dazu kommt, dass ein deutsche Buch den Weg ins Ausland findet, was Verlage im Ausland mit dem Werk anstellen und warum es tatsächlich Menschen gibt, die für das Lesen bezahlt werden. Ihre Ausführungen zur Covergestaltung riefen sehr viele Lacher hervor, denn nicht jeder Verlag war treffsicher und so kam es schon vor, dass ein Krimi, der in Deutschland wie geschnitten Brot lief, sich in Russland gar nicht verkaufte, weil das dortige Cover eher nach Comedy denn Krimi aussah.

Interessant fand ich, wie viele Schritte man gehen muss, bis es ein Buch tatsächlich mal in einen ausländischen Verlag schafft. Aleksandra muss enorm viel Überzeugungsarbeit leisten, Vertrauen aufbauen, ihre Partner in aller Welt einschätzen können und zudem auch noch ein Fingerspitzengefühl dafür entwickeln, was in den einzelnen Ländern gut laufen könnte. Ein Job, der mir viel Respekt abnötigt.

Ob es ein Thema gibt, was immer läuft? Ja, konnte die junge Frau bestätigen. Nazis laufen immer. Das Gelächter im Raum war groß, aber die Kernaussage stimmt nun mal. Desweiteren berichtete Aleksandra, dass auch Sachbücher sich sehr gut im Ausland verkaufen. Eine Tatsache, die ich gar nicht vermutet hätte.

Nach diesem Einblick gönnte ich mir eine Pause im Foyer. Bei leckerem Kuchen und kalten Getränken resümierte ich mit anderen Bloggern die ersten Stunden. Die Organisation war toll, man konnte bequem jeden Workshop erreichen, nirgends fiel ein genervtes Wort. Klasse!


Mein Highlight war das Gespräch von Frank Schätzing mit seinem Verleger Helge Malchow zum Thema "Gibt es ein Rezept für Bestseller?". Um es mit Franks präziser Art zu sagen: NEIN! 

Frank Schätzing gewährte einen Einblick in seinen Recherchealltag, berichtete davon, wie frustrierend es sein kann, wenn man 2 Jahre an einem Buch arbeitet und dann 2 Wochen vorher ein anderer Autor mit der gleichen Idee an die Öffentlichkeit tritt und wie man sich dennoch motiviert weiterzumachen. 
Helge Malchow sprach aus der Sicht des Verlegers darüber, wie man seine Autoren auch in schweren Phasen unterstützt, wie wenig er in den Schaffensprozess eingreift und warum ein Lektor manchmal auch Co-Autor werden kann. 


Für Lacher sorgte die Schilderung Schätzings zu seinen Recherchen für seinen Thriller "Lautlos". Dort geht es unter anderem um die Ermordung des amerikanischen Präsidenten. Durch gute Kontakte konnte Frank seine verschiedenen Ideen mit Fachleuten durchspielen und musste feststellen, dass, egal wie bescheuert und hinterlistig er dachte, der Secret Service eine Antwort darauf wusste. Bis er mit einem Physiker eine Waffe entwickelte, diese dem BKA vorstellte und zur Antwort bekam: "Scheiße, das könnte funktionieren!". Klar, dass die Waffe so nie Eingang in das Buch fand. Aber Frank Schätzing in die Gedächtnisse einiger BKA-Beamter ;)

Leider hatte der Bestseller-Autor wenig Zeit und war schneller verschwunden als seine Fans Signaturen bekommen konnten. Das war echt schade. Aber alles greinen half nichts und beschwingt ging es wieder ins Foyer, wo der gemütliche Teil des Abends mit Buffett, Musik und mehr als grandiosen Unterhaltungen begann.

Bei all den positiven Erlebnissen und einer mehr als gelungenen Organisation gab es für mich auch ein paar Wermutstropfen: ich vermisste Workshops zum Thema Bloggen an sich. Klar, jeder von uns hat seine eigene Art und Weise, aber ich hätte es spannend gefunden zu erfahren, was die veranstaltenden Verlage gern von ihren Bloggern sehen. Denn das hier noch Unsicherheiten herrschen, merkte ich auch daran, dass ich permanent gesiezt wurde. Ich fühlte mich direkt alt ;) und bin das von anderen Veranstaltungen für Blogger anders gewöhnt. Aber klar, Höflichkeit geht vor.

Desweiteren hätte ich mir bei den Themen mehr Abwechslung zu anderen Conventions gewünscht. Bestimmte Sachverhalte, wie zum Beispiel die Handlungsorte oder wie man vom Selfpublisher zum Verlag kommt, kenne ich schon von anderen Veranstaltungen in- und auswendig. Nichtsdestotrotz hatte ich sehr viel Spaß in Köln, war überrascht über das Drumherum und kann nur sagen:

Liebe Verlage, ich komme gern wieder!

Kommentare:

  1. Schön, dass du offen für andere Genres bist - ich mag Frauenromane auch nicht, aber wenn ich den Autor kenne, ist es klar, dass ich gucke, was er geschrieben hat :-)

    Für das Klassentreffen kann ich dich ermutigen - du wirst etwas mitnehmen. Und sei es die Erkenntnis, dass du das nicht nochmal machen willst. Ich finde es gut, um etwas mit anderen und gleichzeitig vertrauten Menschen zu machen. Aber... das Leben ist kein Hollywood-Film.

    Zum Thema "Bestseller-Rezept" gibt es eine interessante Doku von den Öffentlich-Rechtlich :-) Sie ist ein bisschen Sebastian-Fizek-lastig, aber gut gemacht.

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    1. Hi Evy,
      danke für dein Kommentar. Die Doku wurde mir schon öfter empfohlen. Ich glaube, ich muss da doch mal ran ^^

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